Elisabeth von Ungarn                              Fürstin von Tarent
---------------------------
1352- kurz vor 6.4.1380
 

Einzige Tochter des Herzogs Stephan von Slawonien, Kroatien und Dalmatien und der Margarete von Bayern, Tochter von Kaiser LUDWIG IV.
 

Elisabeth galt bis zur Geburt der Töchter von König Ludwig I. als dessen Thronerbin. Nach zahlreichen Verlobungen wurde sie schließlich 1370 die zweite Frau ihres Großonkels Philipp II. von Tarent, Titular-Kaiser von Konstantinopel (* 1329 + 25.11.1374).

Veldtrup Dieter: Seite 356-368,384,389
*************
"Zwischen Eherecht und Familienpolitk"

Als JOST 1356 durch das erwähnte Eheversprechen mit Elisabeth von Ungarn verbunden wurde, lebte zwar noch deren älterer Bruder, Herzog Johann von Dalmatien; die Aussicht, dass sie einmal Ungarn und Polen erben würde, hing also von dessen Überleben ab. Aber KARL war bestrebt, bereits jetzt die Grundlagen dafür zu schaffen, dass - sollte Johann sterben - die LUXEMBURGER durch die Ehe eines Angehörigen ihres Hauses mit der ungarischen Erbin die Ansprüche auf den Thron der ANJOU geltend machen konnten. KARLS Vorschau zahlte sich aus: Im Herbst 1360 starb Elisabeths Bruder. Am 19. November bittet KARL um die Erteilung der Dispens, die für eine Ehe zwischen Elisabeth und JOSTwegen der Verwandtschaft im 4. Grad erforderlich war. Elisabeth war nach dem Tode ihres Bruders einzige Erbin der ANJOU in Ungarn; es galt, das nicht vom Papst sanktionierte Eheversprechen mitJOST von 1356 so schnell wie möglich in eine kirchenrechtlich wirksame desponsatio impeberum umzuwandeln. Ludwig von Ungarn verpflichtete sich am 2. Februar 1361, die Ehe vollziehen zu lassen, sobald Elisabeth das kanonisch zulässige Alter erreicht habe, und sicherte ihr eine zentrale Frauengabe von 10.000 Mark zu.
Hier lagen die wahren Ursachen für die vehemente Kampagne KARLS, mit der er der geplanten Ehe von Albrecht und Elisabeth begegnete: Er wollte sie verhindern, damit Elisabeth für WENZEL frei bliebe. Inzwischen hatte Ludwig von Ungarn am 20. Dezember 1365 Herzog Ladislaus von Oppeln zum Bevollmächtigten für den Abschluß des Ehevertrages zwischen WENZEL und Elisabeth ernannt. Am 7. Februar 1366 versprachen Ludwig und seine Mutter offiziell, Elisabeth mit WENZEL verloben zu wollen. Doch stand der Erfolg des Kaisers auf tönernen Füßen.
Ludwig von Ungarn muß das unverhohlene Buhlen KARLS um seinen und seines polnischen Onkels Thron in zunehmendem Maße gestört haben. Bereits 1361 hatte er nach Neapel geschickt, um seine dortigen entfernten Verwandten aus dem Hause ANJOU nach Ungarn zu holen. Tatsächlich berief Ludwig Ende 1365, also etwa zur gleichen Zeit, zu der er mit KARL über die Ehe seiner Nichte mit WENZELverhandelte, seinen Verwandten Herzog Karl von Durazzo nach Ungarn, ganz offensichtlich in der Absicht, ihn zu seinem Thronfolger zu erheben. Spätestens 1368 muß er jedoch über Ludwigs Pläne zur Änderung der Thronfolgeordnung in Ungarn unterrichtet gewesen sei; er reagierte in der von ihm bereits bekannten Weise, indem er seine Tochter Anna mit Karl von Durazzo verband.

Elisabeth
------------
* 2. Jahreshälfte 1354, + (vor 6.4.)1380
 

   2.2.1361
  1. oo JOST VON MÄHREN
          1354-   1411

  7.1.1362
  2.oo Albrecht III. Herzog von Österreich
          1349/50-   1395

   8.1.1370
  3. oo 2. Philipp II. Fürst von Tarent
              1329-25.11.1374



Hoensch, Jörg K.: Seite 149,159,164
***************
"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437"

Größere Wichtigkeit dürfte KARL allerdings der - später nicht eingelösten - Heiratsabsprache zwischen seinem Neffen JOST (auch JOBST, JODOKUS) VON MÄHREN, dem Erstgeborenen seines Bruders Johann Heinrich, und Elisabeth, der Nichte des söhnelosen Ungarn-Königs, beigemessen haben.
Da Rudolf früher eine Erbverbindung mit Ludwig I. vereinbart hatte, konnte das Abkommen zugunsten der LUXEMBURGER allerdings erst nach dem Aussterben des ungarischen Königshauses in Kraft treten; diese Einschränkung wurde freilich bereits 1366 nach
der Auflösung der Verlobung zwischen Albrecht III. von Habsburg und der Nichte Elisabeth des ungarischen Monarchen hinfällig.
Als sich im Herbst 1369 Spannungen im Verhältnis zwischen Papst und Kaiser ergaben, wußte der König von Ungarn jedoch die Verärgerung Urbans V. zu nutzen, um diesen am 9. Dezember zur Auflösung der Verlöbnisse von WENZEL mit seiner Nichte Elisabeth und der Kaiser-Tochter Anna mit seinem Verwandten Karl von Durazzo zu veranlassen.
 
 
 
 

8.1.1370
  oo 2. Philipp II. Fürst von Tarent
          1329-25.11.1374
 
 
 
 

Kinder:

  Philipp
  1371- klein
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 149,159,164 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit. Verlag Fahlbusch/ Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite Seite 356-368,384,389 -
 
 
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de