Karl III. der Kurze                                 König von Neapel (1382-1386)
------------------------                               König von Ungarn (1385-1386)
1345-24.2.1386 ermordet                       Graf von Gravina
       Ofen
 

Einziger Sohn des Grafen Ludwig von Gravina und der Margarete di Sanseverino, Tochter von Graf Robert di Corigliano; Urenkel von König Karl II. der Lahme von Neapel
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 985
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Karl III. von Anjou-Durazzo, König von Neapel
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* um 1345 (1354 oder 1357), + 27. Februar 1386
Monte Sant’Angelo oder Neapel

Eltern: Ludwig von Durazzo und Margherita Sanseverino

Karl von Durazzo wuchs am Hof von Johanna I. von Neapel, der sein Vater ihn um 1360 praktisch als Geisel zurückgelassen hatte. Nach dem Tod seines Vaters im Gefängnis zog Karl von Durazzo nach Ungarn zu König Ludwig dem Großen. Als einziger männlicher überlebender Erbe aus der Linie Durazzo hatte Karl Ansprüche auf den angevinischen Thron von Neapel wie auf den von Ungarn. Die Hochzeit (24. Janaur 1370) mit seiner Kusine Margherita von Durazzo, einer Tochter der jüngeren Schwester Johannas I., Marias von Anjou, stärkte seine Ansprüche auf das Königreich Neapel. Ludwig von Ungarn, der ihn als Nachfolger bestimmen wollte, um dadurch die Vereinigung von Neapel und Ungarn zu erreichen, investierte ihn mit Dalmatien und Kroatien. 1372-1375 residierte er in Zadar (Zara), der Hauptstadt seines Herzogtums. Nach der Geburt einer Tochter des Königs von Ungarn und der Hochzeit Johannas I. mit Otto von Braunschweig veringerten sich jedoch Karls von Durazzo Thronfolgechancen. 1375 verzichtet er auf die Ansprüche auf den ungarischen Thron, während die ungarische Linie ihrerseits ihre Ansprüche auf das Königreich Neapel aufgab. Mai 1376 reiste er von Zadar nach Italien, wobei er auch seine in Dalmatien geborene Tochter Johanna mit sich führte. Seine Frau nahm ihre Residenz in Neapel, wo im Februar 1377 Ladislaus zur Welt kam. Ludwig von Ungarn übertrug Karl von Durazzo die Leitung der militärischen Operationen und diplomatischen Verhandlungen im Krieg gegen Venedig. Juli 1378 begab sich Karl von Durazzo zu Papst Urban VI. nach Tivoli. Ende 1379 ließ er die Truppen in der Toskana und reiste nach Ungarn. August 1380 war er wieder in Italien und besetzte mit Unterstützung der guelfischen Faktion Gubbio und Arezzo. Nach einem Vetrag mit Florenz zog er im November in Rom ein. Urban VI., der Königin Johanna als Schismatikerin abgesetzt hatte, ernannte ihn zum Senator und investierte ihn nach mühsamen Verhandlungen am 1. Juni 1380 mit dem Königreich Neapel. Am 16. Juli zog er in Neapel ein und wurde dort am 25. November erneut gekrönt, fand jedoch sofort einen Gegner in Ludwig von Anjou, den Johanna I. adoptiert und zum Erben ernannt hatte, und den ihn unterstützenden Baronen. Schließich wandte er sich auch gegen Urban VI., um dessen Ingerenzen zurückzuweisen. Der Konflikt mündete in die Gefangennahme des Papstes. Nachdem Karl III. von Durazzo seiner Frau die Regentschaft übertragen hatte, verließ er am 18. April 1384 Neapel, um das Königreich gegen die Invasion Ludwigs von Anjou zu verteidigen. Urban VI. nutzte diese Gelegenheit und floh in das Kastell Nocera, wo er am 15. Januar 1385 Karl III. bannte und absetzte, unter der Anklage, eine Verschwörung im Kardinalakollegium organisiert zu haben. Daraufhin belagerte Karl III. von Durazzo Urban VI.; der Papst konnte jedoch mit Hilfe der Genuesen und eines Teils der Barone entfliehen. Karl III. reiste September 1385 von Barletta aus nach Ungarn und wurde in Buda am 31. Dezember zum König gekrönt. Er wurde jedoch am 7. Februar 1386 Opfer eines Attentats, an dessen Folgen er einige Tage später starb.


Karl III. wurde 1362 nach der Ermordung seines Vaters Graf von Gravina. König Ludwig I. von Ungarn ließ 1364 den verwaisten Karl nach Ungarn holen, verlobte ihn mit der einjährigenAnna, Tochter Kaiser KARLS IV., und übertrug ihm die Würde des Herzogs von Slawonien und Kroatien, die meist der Thronfolger innehatte. Er regierte kraftvoll und förderte den Seeraub gegen Venedig. Er war klein, beweglich, blond, besaß beste Manieren, war ein gewandter Unterhalter, dichtete gern und gut, war ein Freund von Wissenschaft und Dichtkunst, von milder Art; zeigte aber auch die typischen ANJOU-Eigenschaften seiner Dynastie: ränkevoll, brutal, grenzenlos ehrgeizig und hartherzig bis zur Perfiderie. Er kehrte 1376 nach Neapel zurück, um seine Tante besser unter Kontrolle zu haben. Sie hatte ihn 1369 adoptiert und eine Ehe mit ihrer Nichte und Eventualerbin Maragrete arrangiert. Er konnte es kaum erwarten, die Königswürde zu erlangen und erreichte bei Papst Urban VI., dass Johanna ihre Rechte verlor, weil sie den Gegenpapst Clemens VII. anerkannt hatte. Clemens VII. wiederum bewog die Königin 1380, den jungen Karl von Durazzo zu enterben. Vom Papst zum Bannerträger der Kirche und zum Senator ernannt, empfing er am 1.6.1381 die Investitur Neapels und am folgenden Tage die Krone. Daraufhin sammelte Karl eine Armee, griff die Streitkräfte Johannas an, besiegte am 28.6.1381 bei San Germano Otto von Braunschweig, zog bald darauf in Neapel ein und belagerte hier die Königin Johanna im Kastell dell' Nuovo. Als ihr zum Entsatz herbeieilender Gemahl gefangengenommen wurde, ergab sie sich am 25.8.1381 dem Sieger. Als der von Johanna adoptierte Ludwig I. von Anjou heranrückte, ließ Karl III. Johanna im Schloß zu Muro mit einem seidenen Strick erwürgen (Mai 1382) und stellte ihre Leiche sieben Tage lang in San Chiara zu Neapel aus. Er stiftete den Orden des Schiffes, um Anhänger an sich zu binden. 1383 kam der Papst nach Neapel und es kam zu Spannungen zwischen beiden. Karl weigerte sich, einem Nepoten des Papstes die schönsten Provinzen auszuhändigen und ließ Urban VI. in Nocera belagern. Urban versuchte gegen Karl zuerst Jakob von Baux und danach Robert von Artois-Eu als Gegen-König aufzustellen. Karl zeigte sich als geschickter Guerillataktiker, setzte Urban zeitweise gefangen, wurde 1385 für abgesetzt erklärt und gebannt. Nach dem Tode Ludwigs I. von Ungarn (+ 13.9.1382), der ihn in Neapel unterstützt hatte, wurde er von Mißvergnügten herbeigerufen und im September 1385 hatte er sich nach Dalmatien eingeschifft. Er fand zuerst große Zustimmung, wurde zum Reichsverweser ernannt und sogar am 31.12.1385 von den Baronen in Stuhlweißenburg zum König von Ungarn gekrönt. Er geriet in ein böses Intrigenspiel der Königin-Witwe Elisabeth und ihres wichtigsten Ratgebers, des Palatins Nikolaus von Gara(y), und wurde am 7.2.1386 in Gegenwart der Königin-Witwe Elisabeth in Visegrad niedergehauen. Dem schwer verwundeten König gab Gift den Rest. Er wurde auch ein Opfer seiner herrischen Art und seiner Arroganz.

Hoensch Jörg: Seite 51,55
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"Kaiser Sigismund"

Eine dritte, von der Familie HORVATI angeführte Faktion, deren Mitglieder hauptsächlich in S-Ungarn und Slavonien ansässig waren, trat für die Berufung König Karls III. von Neapel auf den ungarischen Thron ein. Nachdem Ludwig I. von Ungarn den Vater Luigi Graf von Durazzo 1362 hatte hinrichten lassen, war der als Karl "der Kleine" bekannte Cousin 2. Grades an seinem Hof erzogen und, solange der König noch kinderlos war, als Nachfolger aufgebaut worden, wobei il Piccolo durchaus erfolgreich als Banus (Herzog) von Kroatien und Slavonien amtierte. Seine Durchsetzungsfähigkeit und Skrupellosigkeit hatte er erst kurz zuvor unter Beweis gestellt, als er seine Verwandte Johanna I. von Neapel 1381 stürzte und im Mai 1382 ermorden ließ, um seine Herrschaft abzusichern. Ermutigt durch seine um die Brüder Horvati gescharten Anhänger war König Karl III. der Kleine am 3. September 1385 im dalmatinischen Zeng gelandet. Sein Interesse war es, eine Einbeziehung Ungarns in die französische Einflußsphäre zu unterbinden, da ihm der usurpierte neapolitanische Thron von Ludwig von Anjou, einem Onkel des Prinzgemahls Ludwig von Orleans, streitig gemacht wurde und er zudem als nächster männlicher Verwandter des verstorbenen Ungarn-Königs glaubte, auch die begründeten Nachfolgerechte im St. Stephansreich zu besitzen. Von Agram aus, wo er ab 23. Oktober residierte, suchte er seinen Rückhalt bei Magnaten und Adel zu erweitern, bevor er sich Anfang Dezember in Richtung Ofen aufmachte, um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen und sich krönen zu lassen. In ihrer Bedrängnis blieb der Regentin Elisabeth kein anderer Ausweg, als ihre Zustimmung zur raschen Eheschließung Marias mit SIGISMUND zu geben. Nur mit dem Titel eines "Vormund Ungarns" (regni Hungariae tutor) ausgestattet, verließ SIGISMUND kurz darauf den ungarischen Hof, um in Böhmen ein stärkeres Heer zur Abwehr des Prätendenten aufzustellen. Maria hatte inzwischen eilends auf den 8. November einen Landtag nach Ofen einberufen. Trotz ihres Versprechens, den Beschwerden gegen die Ungesetzlichkeiten der Regentschaftsregierung nachzugehen sowie die bisherigen Freiheiten und Privilegien zu bestätigen, sofern der Adel seiner Treuepflicht der rechtmäßigen Herrscherin gegenüber nachkomme und den Schutz des Reiches übernehme, rieten angesichts des Zulaufs, den Karl III. verzeichnen konnte, selbst die vor kurzem noch im Lager SIGISMUNDS stehenden Barone ihrer Königin, sich mit ihrem Verwandten zu arrangieren. Unter dem Vorwand, den inneren Frieden wiederherzustellen und die Königinnen unterstützen zu wollen, zog Karl in Ofen ein, ohne dass Maria und Elisabeth eine andere Wahl geblieben wäre, als seiner Ernennung zum Regenten des Landes zuzustimmen und seiner Krönung am 31. Dezember 1385 in Stuhlweißenburg beizuwohnen. Während Karl sich sogleich energisch den Regierungsaufgaben widmete, trieben die Königin-Witwe Elisabeth und ihr Favorit Garai die Vorbereitungen für einen Anschlag auf den neuen König voran, der am 7. Februar vom Mundschenken Balazs Forgach schwer verletzt und am 24. Februar im Kerker umgebracht wurde.
 
 
 
 

  1369
  oo Margarete von Anjou-Durazzo, Tochter des Herzogs Karl
      1347-6.8.1412

     1386 Regentin von Neapel
 
 
 
 

Kinder:

  Marie
  1369-   1371

  Johanna II.
  25.6.1373-2.2.1435

  Ladislaus
   7.1376-6.8.1414
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 164,203,207 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 17,51,55,59,67,71,75,91,104,111 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 346,348 -
 
 
 
 
 
 
 


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