Bego                                                        Graf von Paris (811-816)
-------                                                       Graf von Toulouse
755/60-28.10.816
 

Sohn des Grafen Gerhard I. von Paris und der Rotrud
 

Werner Karl Ferdinand: Seite 445
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

III. Generation
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Zu Graf Bego und seiner Familie ausführlich Louis 1 ff., 14ff., 21ff., der auch das genaue Todesdatum aus dem Nekrolog von S.-Germain-des-Pres (HF, Obituares 1, Paris 1892, 276) beisteuert: X 28. Bego war Graf von Toulouse und marchio für Septimanien, ehe er 814 als Nachfolger seines Bruders Stephan Graf von Paris wurde und dort seine Hausabtei Fosses durch Benedikt von Aniane reformieren ließ. Besitz hatte er auch im Raume Reims und Laon; darum braucht er nicht Graf von Reims gewesen zu sein, wie Louis vermutete.


Bego wurde als Wiederhersteller des Klosters Saint-Maur-les-Fosses bekannt und folgte 811 seinem Bruder als Graf von Paris. Wie sein Bruder Leuthard zählte er bald zur näheren Umgebung des jungen König LUDWIGS in Aquitanien, heiratete 806 dessen Tochter und war seit 814 der Vertraute LUDWIGS DES FROMMEN und der vornehmste Mann bei Hofe.

Werner Karl Ferdinand: Seite 429-430
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

Erich Brandenburg führt Adelheid, die zweite Gemahlin Ludwigs des Stammlers und Mutter Karls III., in der 6. Generation seiner "Nachkommen Karls des Großen" auf, jedoch mit einem Fragezeichen versehen. Er bezieht sich dazu auf ein Diplom vom 22. April 921, in dem Graf Bego von Paris, der (unterstützt von Benedikt von Aniane) das Kloster Fosses (Saint-Maur-des-Fosses) restauriert und reformiert hatte, genitris nostrae proavus genannt wird. Da wir als Begos Gattin Alpais/Elpheid, die Tochter LUDWIGS DES FROMMEN, kennen, wäre Adelheid, Gattin eines Enkel eben jenes Kaisers, selbst karolingischer Abkunft und auffallend nahe mit ihrem Gemahl verwandt. Brandenburg und andere vor und nach ihm erwogen darum, den oder die Vorfahren, die als bisher unbekannte Zwischenglieder zwischen Graf Bego und Adelheid stehen, als Nachkommen Begos aus einer anderen Ehe als der mit Alpais zu betrachten. Gegen eine solche Vermutung hat jedoch Rene Louis mit vollem Recht darauf hingewiesen, daß Adelheids Sohn in zahlreichen Diplomen Adelheid eine Tochter Alpais genannt hat. Wir dürfen das als einen nur allzu deutlichen Hinweis darauf betrachten, daß Adelheid eben nicht nur von Bego, sondern auch von der Kaisertochter abstammt - ganz abgesehen von dem Umstand, daß uns von einer anderen Ehe Begos nichts bekannt ist.
Graf Bego starb am 28. Oktober 816; seine Witwe, Alpais, die wesentlich jünger war, erst nach dem 29. Mai 852, und zwar, wie wir in einer vatikanischen Handschrift ermitteln konnten, an einem 23. Juli. Als Kinder der beiden sind uns bekannt Leuthard und Eberhard.

Hlawitschka, Eduard: Seite 166-168
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"Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert"

Der dritte Bruder, Bego (bezeugt seit 794), ist vor allem als der Wiedererrichter des Klosters Saint-Maur-des-Fosses bei Paris bekannt. Er war zunächst gleichfalls unter dem jungen LUDWIG in Aquitanien tätig und heiratete auch Alpais (Alphaid), eine Tochter LUDWIGS, ja folgte noch gegen Ende seines Lebens (+ 816) dem älteren Bruder in der Verwaltung der Grafschaft Paris nach. Aus der Ehe Begos mit Alpais sind nachweislich zwei Söhne, die Grafen Leuthard und Eberhard hervorgegangen, von denen der erstere wieder Graf von Paris gewesen ist (+ 858/69), der zweite hingegen im nordburgundischen Raum tätig war und dort zwischen 861 und 871 offenbar kinderlos verstarb. K. F. Werner hat dazu wahrscheinlich gemacht, daß Bego darüberhinaus noch eine Tochter namens Susanne hatte, die mit einem gewissen Wulfhard verheiratet war [Hierzu vgl. auch E. Hlawitschka, Lotharingien und das Reich Seite 225 - K. F. Werner sieht in Susanne nicht nur eine Tochter Begos, sondern auch der Alpais. Daraus ergibt sich, daß Ludwig der Stammler in Adelheid eine Verwandte 6. Grades (4 : 2) geheiratet haben müßte. In dieser Auffassung sieht er sich dadurch bestätigt, daß Ludwig der Stammler und Adelheids Sohn, Karl der Einfältige, eine uneheliche Tochter Alpais genannt hat. Aber so schlagend ist dieses Namensargument nicht. Zumal Bego (* ca. 755/60, + 816) wesentlich älter gewesens ein muß als LUDWIGS DES FROMMEN Tochter Alpheid (* ca. 794, + nach 852), dürfte er vor seiner Ehe mit der Königstochter schon einmal verheiratet gewesen sein. Und für die Namengebung Alpais an seine uneheliche Tochter brauchte Karl der Einfältige nicht auf die Ahnenschaft seiner Mutter zu blicken, er konnte sich ebenso an seinen Urgroßvater LUDWIG DEN FROMMEN orientieren, der diesen Namen (offenbar in Anlehnung an Pippins des Mittleren Friedelfrau Chalpaida) ebenfals einer seiner unehelichen Töchter (eben der Gemahlin Begos) gegeben hatte. In der folgenden Tafel weiche ich also insofern von Werners Vorschlag ab, als ich Susanne aus einer ersten Ehe Begos hervorgehen lasse.].

Boshof Egon: 45,59 Anm. 219,65f.,105
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"Ludwig der Fromme"

Die Abtei Alaon in Ribagorza verdankte ihre Wiederherstellung dem LUDWIG nahestehenden Grafen Bego; die Zelle Castes (Bella Cella) im Gau Albi wurde von dem Grafen Wulfarius, einem Verwandten Wilhelms von Toulouse, gegründet und Aniane unterstellt.
Zum Zeitpunkt der Eheschließung hatte LUDWIG bereits von einer oder zwei Konkubinen eine Tochter, die den Namen der Mutter Karl Martells, Alpais/Alphaid, trug [Werner, Nachkommen, 445 III 8; hier auch die Zurückweisung der These, daß Alpais/Alphaid eine Tochter KARLSDES GROSSEN gewesen sei: vgl. Louis, Girart, comte de Vienne (ausführliche Besprechung). Die Schlüsselstelle ist Flodoard, Historia Remensis eccl. IV 46, MG SS XIII, 595: Quod monasterium (scil. St. Pierre-le-Bas in Reims) LUDOWICUS imperator Alpheidi, filiae suae, uxori Begonis comitis dono dedit ...; dazu II 12, 460 (als Zitat aus der vita Rigoberti; vgl. MG SS rer. Merov. VII, 68).], und einen Sohn mit dem Namen des Ahnherrn der Dynastie, Arnulf.
Von den weltlichen Großen verfügte ohne Zweifel Bego über den größten Einfluß in der Umgebung des Königs, dessen Schwiegersohn er um 806 durch die Ehe mit Alpais, LUDWIGS natürlicher Tochter, wurde. Ob dieser Einfluß durch ein Hofamt gleichsam institutionalisiert war, da Ermoldus Nigellus ihn einmal unter die ministri einreiht, ist ungewiß. In einer anderen Quelle wird er einfach als der erste unter den Freunden des Königs, primus de amicis regis, charakterisiert. Wenn er mit dem Bico identisch ist, der die Urkunde von 794 für Nouaolle unterzeichnete, kann man ihn schon seit der Konstituierung des Hofes zu LUDWIGS Ratgebern zählen. Er gehörte einer Adelsfamilie an, die enge Beziehungen zum Mittelrheinraum, hier zum Kloster Lorsch, und damit auch wieder zu den Kerngebieten karolingischer Herrschaft hatte [Zu Bego und seiner Familie vgl. Levillain, Comtes de Paris, 173ff.; Der., Girart, Comte de Vienne, 226ff. (mit genealogischer Tafel Seite 235); Louis, Girart de Vienne, 1ff. und 14ff.; Werner, Nachkommen, 429ff. und 445f.; E. Hlawitschka, Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhunder, Saarbrücken 1969, 166ff.; Kasten; Adalhard von Corbie, 86ff.]. Sein Vater - oder Oheim [Levillain sieht - abweichend von den anderen zitierten Autoren - Bego als Sohn eines Leutard und Neffen Gerhards von Paris: Girart de Vienne, 226ff., Tafel Seite 235.] - war der Graf Gerhard I. von Paris. Vielleicht wurde ihm nach dem Klostereintritt des Grafen Wilhelm die Leitung der Grafschaft Toulouse übertragen; bald nach 814 trat er die Nachfolge seines Bruders oder Vetters Stephan als Graf von Paris an. Natürlich hat er auch in den Sarazenenkriegen eine bedeutende Rolle gespielt; er war es, dem LUDWIG die ehrenvolle Aufgabe übertrug. KARL von dem großen Sieg von Barcelona zu unterrichten und Geschenke und Beutestücke zu überbringen. Als Graf von Paris sorgte er, wahrscheinlich mit Unterstützung Benedikts von Aniane, für die Wiederrerrichtung des Klosters St. Maur-des-Fosses, das er mit Abt und Mönchen an LUDWIG kommendierte; der Kaiser verbriefte der Abtei Immunität und Königsschutz. Der Günstling des Königs und Kaisers hat wie so manche andere Große, von denen noch zu berichten sein wird, den Verlockungen der Macht offenbar nicht widerstehen können. Wenn er in einer anektodenhaften Erzählung der Vita des Reimser Bischofs Rigobert als hochmütig, aufbrausend und anmaßend erscheint, so geht die Aufzeichnung des Traumgesichtes einer armen Frau aus der Gegend von Laon in der negativem Charakterisierung sehr viel weiter: Hier wird Bego im Purgatorium für seine Habgier und Unersättlichkeit von Dämonen grausam gefoltert. Wie sehr jedoch LUDWIG seine Dienste geschätzt hat, wird auch daran deutlich, daß er seinen Söhnen Leutard und Eberhard nach seinem Tod die väterlichen Lehen und Ämter übertragen hat.
Im übrigen treten nun jene hervor, die schon in Aquitanien zur engeren Umgebung LUDWIGS gehört hatten: in erster Linie natürlich Benedikt von Aniane, dann Helisachar, der die Leitung der Kanzlei übernahm, wohl auch Ebo, den der Kaiser im Jahre 816 zum Erzbischof erhob, und von den weltlichen Großen LUDWIGS Schwiegersohn Bego, der Graf von Paris.
 
 
 
 

  1. oo N.N.
                 -

    806
  2. oo Alpais, Tochter des Königs LUDWIG I. DER FROMME
           794-23.7.852
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Susanne
         -

 825/30
  oo Wulfhard I.
             -

2. Ehe

  Leuthard Graf von Paris
  um 806-3.1.858/59

  Eberhard
  um 808-   861/71
 
 
 
 

Literatur:
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Boshof Egon: Ludwig der Fromme. Primus Verlag Darmstadt 1996 Seite 45,59 Anm. 219,65f.,76,105 - Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 166-168 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 228 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 179 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 112,114 - Werner Karl Ferdinand: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 429/30,445 -
 
 
 
 
 
 
 


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