Adalricus/Eticho                                         Herzog im Elsaß (673/75-nach 682)
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    - nach 682
 

Sohn des Hausmeiers Liuthericus
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 105
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Adalrich (Attich, Eticho), Herzog des Elsaß 673-700
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Stammte wahrscheinlich aus Burgund und war zunächst Patricius der Provence. Wurde dann von König Childerich II. zum Herzog ernannt und stellte sich nach dessen Ermordung auf die Seite des neustrischen Hausmeiers Ebroin, mit dem er sich aber bald überwarf. Adalrich anerkannte nun Dagobert II., den Sohn König Sigiberts III., den man aus Irland zurückgerufen hatte, als König. Daraufhin konfiszierte Ebroin alle seine Güter in Burgund. Adalrich regierte sein Herzogtum gewalttätig und ließ den heiligen German von Münster-Granfelden und den Bibliothekar des Klosters ermorden, als dieser sich ihm widersetzte. Durch fromme Stiftungen versuchte er, seine Gewalttaten gutzumachen. So gründete er das Frauenkloster Hohenburg, dem seine Tochter Odilia als erste Äbtissin vorstand, die später Schutzpatronin des Elsaß wurde. Auch das Kloster Ebersmünster nördlich von Schlettstadt geht auf Adalrichs Gründung zurück. Das Leben des Herzogs ist Gegenstand zahlreicher Legenden.


Ewig Eugen: Seite 162,166-170,193,195
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"Die Merowinger"

Zum Herzog im Elsaß wurde nach 666 Adalricus Eticho aus dem Hause der Herzöge des Hauyer (Dijon) erhoben, der sich mit der neustroburgundischen Regierung überworfen hatte und anscheinend verwandtschaftliche Beziehungen zu Wulfoald aufnahm.
In Auster beriefen die um Wulfoald gescharten Großen mit Hilfe Wilfrids von York den 656 nach Irland gebrachten Königssohn Dagobert zurück. Wulfoalds Gegner proklamierten dagegen Chlodwig, einen angeblichen Sohn Chlothars III. zum König. Zu dieser Gruppe, der sich auch Ebroin anschloß, gehörten Waimer, der Herzog der Champagne, und der Elsässer Herzog Adalricus/Eticho, ferner die vielleicht beim Sturz Ebroins abgesetzten rhoneländischen Bischöfe Desideratus/Diddo von Chalon und Bobo von Valence.
Unterdessen marschierten die abgesetzten Bischöfe und die beiden Herzöge im Namen des falschen Chlodwig nach Burgund vor Autun. Leodgar stellte sich seinen Feinden. Waimer ließ ihn blenden und führte ihn mit sich in die Champagne ab. Das übrige Heer zog vor Lyon gegen den Metropoliten Genesius, wurde aber dort abgeschlagen und löste sich in der Folge auf. Adalricus/Eticho, der sich zum patricius der Provence aufwerfen wollte, zog sich nach dem Scheitern seines ehrgeizigen Plans ins Elsaß zurück und erkannte Dagobert II. an. Theuderich III. ließ daraufhin im September 676 seine Güter im Hatuyer (Dijon) wegen Infidelität konfiszieren.
Der Elsässer Herzog Eticho, der dieser Gruppe angehörte, machte wohl nach der Rückkher vom Unternehmen gegen Autun und Lyon seinen Frieden mit dem austrasischen König.
Die Erblichkeit der Herzogswürde, die anfangs nur in Bayern rechtens war, hatte sich auch in den anderen Ländern, zuletzt unter Adalricus/Eticho (ab 673/75), der einem frankoburgundischen Geschlecht entstammte, auch im Elsaß durchgesetzt.
Eticho, der einem frankoburgundischen Geschlecht entstammte und der Gründer der Herzogsdynastie war, kam unter Childerich II. um 673 an den Rhein, wo er unter diesem Herrscher bezeugt ist. Sein Versuch, sich nach der Ermordung des Königs der Provence zu bemächtigen, scheiterte vor Lyon. Als Herzog im Elsaß hatte sich Eticho von der Zentralgewalt emanzipiert und setzte die Erblichkeit der Herzogswürde auch im Elsaß durch. Die vorher mit der Verwaltung des Königsguts beauftragten Grafen verschwinden. Eticho gründete für seine Tochter Odilia das Frauenkloster Hohenmünster bei Straßburg und die Abtei Ebersheim. Im Herzogtum folgte ihm wohl noch vor dem Tod Pippins sein Sohn Adalbert.

Büttner Heinrich:
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"Geschichte des Elsaß I"  1991

Im Jahre 673 war Herzog Eticho an die Stelle des 664/66 noch in einer Urkunde für Speyer genannten Herzogs Bonifatius getreten. Es ist die markanteste Gestalt, deren Bild wir uns unter den elsässischen Herzögen am lebendigsten ausmalen können. Von ihm ab ist das Herzogtum im Elsaß bis zu seinem Erlöschen ca. 740 wohl bei derselben Familie verblieben. Herzog Eticho tritt uns wieder im Sornegau entgegen; er wollte das Juragebiet fester in seine Herrschaftssphäre einbeziehen, als es während des ersten Versuches unter Gundoin und zu Lebzeiten des nur wenig bekannten Herzogs Bonifatius geschehen war. Der Sornegau blieb unter dem intensiven Einfluß des elsässischen Herzogtums. Eine weiter Ausdehnung des elsässischen Machtbereiches nach der Burgundischen Pforte hin erfolgte auch unter Eticho nicht, obschon die Beziehungen Etichos nach Burgund selbst sehr rege waren. Eticho war an den Streitigkeiten beteiligt, die zwischen dem Hausmeier Ebroin und Leodegar, dem Bischof von Autun, ausgebrochen waren und zu Spannungen und Kämpfen größten Ausmaßes im MEROWINGER-Reich führten. Unter Herzog Eticho tritt das untere Elsaß, von dem während der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts fast jede Kunde verloren ist, wieder etwas deutlicher in das Licht der Geschichte. Als Familiengründung der ETICHONEN ist auf einer der beherrschenden Höhen das Kloster Hohenburg um die Wende des 7. zum 8. Jahrhundert entstanden. Aus der Vita s. Odiliae, ergibt sich mit Sicherheit, dass die Gründung Hohenburgs auf die Einflußnahme Odilias zurückgeht, dass aber Herzog Eticho aufs stärkste daran beteiligt war, ja nach außen hin als der eigentliche Stifter auftrat. Johenburg, auf beherrschender Höhe über den Vogesen aufragend, galt in der Überlieferung später als die Residenz des Herzogs Eticho. Auch das Kloster Ebersheimmünster ist eine Gründung des ETICHONEN-Hauses. Herzog Eticho und seine Gemahlin Bersuinda gründeten nach allgemeiner Überlieferung der Quellen die Abtei auf ihrem Eigengut zu Ehren des heiligen Mauritius. Auch in der Bischofsstadt Straßburg besaß das elsässische Herzogsgeschlecht größeren Besitz.

Vollmer Franz: Seite 137,141-147
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"Die Etichonen"

Herkunft: Seite 142
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Adalrichs Herkunft ist unbekannt. Er ist mit den Austrasiern alliiert und möglicherweise selbst austrasischen Ursprungs. Jedenfalls zählt er unbestreitbar zu der obersten fränkischen Führungsschicht. Zusammen mit anderen Männern aus allen Teilen des Reiches ist er bei Ebroin zu finden, verläßt später Theoderich III. und schließt sich Dagobert II. an, den er zusammen mit anderen Großen für einige Jahre auf den Thron von Austrasien setzt. Theoderich III. bestraft ihn dafür und konfisziert seinen burgundischen Besitz, um ihn an Kloster Beze zu geben. Burgund war die erste faßbare Basis Adalrichs. Von hier aus hatte er versucht, den Patriziat der Provence zu gewinnen, war aber vor Lyon gescheitert.
Politische Pläne und Handlungen weisen Adalrich so in den Kreis austrasischer Edelinge, die unter den schwachen MEROWINGER-Herrschern zum Teil als Träger fränkischer Gesamtinteressen, zum Teil als Verfechter eigener persönlicher Machtpläne das politisch aktive Element bilden. Er hat wahrscheinlich völlig auf die Karte der PIPPINIDEN, der austrasischen Hausmeier, gesetzt, deren Aufstieg auch seine Stellung endgültig sicherte. Von Burgund aus kommt Adalrich ins Elsaß, um hier an die Stelle des 664/65 noch genannten Herzogs Bonifatius zu treten.
Was aber ist von den Vorfahren Adalrichs in Erfahrung zu bringen?
Die Vita Otiliae nennt als Vater des dux illuster Adalricus/Etih einen Liuthericus, maior domus des Childerich III. (660-674). Von diesem Hausmeier Liuthericus wissen wir sonst nichts. Trotz aller Erörterungen über die Vorfahren Etichos kann auch jetzt die gesicherte Geschichte erst mit der Person des Herzogs Adalricus/Eticho selbst um 670 einsetzen.

Berswindas Herkunft: Seite 146
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Adalrichs Gemahlin ist nach der Vita S. Otiliae, der Ebersheimer Chronik und nach der ins 12. Jahrhundert gehörenden Ebersheimer Falschurkundengruppe Berswinda (Bersuinda/Perethsinda/Bersinda). Die Odilienvita nennt sie "ex nobilissimus prohenitoribus orta"; nach ihr stammt Berswinda von der Familie des heiligen Leodegar ab. Nach der Leodegarsvita stammen dessen Eltern aus vornehmster Frankenfamilie. Über die unmittelbare Verwandtschaft Leodegars wissen wir recht gut Bescheid; sie profiliert sich in den Kämpfen um den Sturz des Königs Childerich III. 675 und wird von Ebroin zerschlagen.
Wie aber können die Aussagen über die Herkunft der Berswinda aus diesem burgundisch-mittelfranzösischen Adelskreis unterbaut werden?
Leodegar wird in der ETICHONEN-Familie stark verehrt. Eberhard läßt 727 seine Neustiftung Murbach diesem Märtyrer weihen. Auch die Namensvergleichung ergibt stützende Hinweise: der Name Bodilo kehrt in Bodolus, dem Enkel des Paares Adalricus-Berswinda, wieder, und vielleicht ist die Silbe Liut-/Leod- der etichonischen Familie von Leodegar herzuleiten. Eine urkundliche Sicherung dieser Herkunft der Berswinda fehlt aber. Sowohl für Adalricus/Eticho wie auch für seine Gemahlin Berswinda ist bei der Lückenhaftigkeit und Gegensätzlichkeit der Quellenaussagen noch keine endgültige Sicherheit in der Frage der Vorfahren erreicht. Übereinstimmend aber wird die Herkunft von vornehmsten und politisch aktiven fränkischen Adelsgruppen hervorgehoben. Etichos Betrauung mit dem elsässischen Dukat liegt so wesentlich in seiner Herkunft begründet.

In den Adelskämpfen nach dem Rücktritt Balthildes (664-667) hatte der Hausmeier von Neustrien, Ebroin, auch zeitweise Adalricus gewonnen, der hoffte, Herzog von Burgund und der Provence zu werden, aber vor Lyon scheiterte. Als sich der Eigenwille Austrasiens gegen den zentralistischen Ebroin im KAROLINGER Pippin sammelte, wechselte Adalricus rechtzeitig die Partei. Wie verschiedene andere Große sagte er sich von dem von Ebroin gehaltenen Schattenkönig Theuderich III. los und ging zu Childerich III., dem austrasischen König und damit zu Pippin über. Es zeigte sich bald, dass er damit die zukunftsstarke Partei gewählt hatte. Mochte Ebroin seinen Besitz in Burgund auch konfiszieren lassen, Pippin konnte ihn reichlicher entschädigen: nachdem noch 664-666 im Elsaß ein Herzog Bonifatius genannt worden war, tritt wenige Jahre danach bereits Adalricus, oder wie er nun genannt wird, Etich(o) als Inhaber des wesentlich mit militärischen Sicherungsaufgaben gegen die unabhängigeren Alemannen östlich des Rheins betrauten elsässischen Dukats auf.
So ist Adalricus/Eticho um 673 ins Elsaß gekommen und seine Nachkommen sollten auf viele Jahrhunderte hinaus eng mit diesem Land am Oberrhein verbunden bleiben. Adalricus lebt noch 682; nach seinem Tode übernimmt sein Sohn Adalbert den elsässischen Dukat, und diesem folgt der Adalbert-Sohn Liutfrid nach.
Den Namen hat die Familie von dem Stammvater Eticho/Adalricus, der 673 als dritter bekannter fränkischer dux im Elsaß nachgewiesen ist. Vor 673 ist keine Beziehung des Adalricus zum Elsaß feststellbar. Danach trägt Adalricus seine herzogliche Herrschaft nach Süden in den Sornegau vor. Er befiehlt die Centenare des Juratales vor sich und schickt sie in die Verbannung. Seine Maßnahmen in dieser südlichen Randzone des alemannischen Einflusses wurden vom Germanen-Vitenschreiber ablehnend als Plünderung und rechtloser Eingriff interpretiert. Im Elsaß selbst ist Adalricus als Klostergründer von Ebersheim und Hohenburg zu erkennen. Nach den Ebersheimer Fälschungen und der dortigen Chronik sollen Herzog Atticus und seine Gemahlin Berswinda Stifter dieser Abtei sein. Auch Hohenburg/Niedermünster ist die Initiative dieses Herzogs offenliegend und seine Tochter Odilia schenkt nach der auf ihren Namen gefälschten Urkunde ihren von ihrem Vater ererbten Besitz an diese Odilienbergklöster. 682 ist Herzog Adalrich/Eticho noch am Leben.
Aber auch im letzten Jahrzehnt liegen mehrere Bezeugungen eines oder mehrerer hochadliger Träger dieses Namens vor, deren Identität mit dem Elsaßherzog durchaus möglich, doch nicht streng beweisbar ist. So finden wir 693 und 697 im königlichen Placitum unter Chlodwig III. und Childebert III. unter den "comitebus" einen Adalricus.
 
 
 
 

  oo Bersuinda
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Adalbert
          - vor 11.12.722

  Odilia 1. Äbtissin von Hohenburg
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  Batticho
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  Hugo
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  Hetticho
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Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 41,250 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 21,28,118 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich, Verlag W. Kohlhammer 1993 Seite 162,166-170,193,195 - Geuenich Dieter: Geschichte der Alemannen. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1997 Seite 99 -
 
 
 
 
 


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