Haduwy                                                    Äbtissin von Herford (858-887)
-----------
811?-   887
 

Tochter des Grafen Asig I. und der Ida der Jüngeren, Tochter von Dux Ekbert
Nach Hlawitschka Enkelin des Dux Egbert über eine namentlich unbekannte Tochter und einen namentlich unbekannten Onkel des Herzogs Liudolf von Sachsen (+ 866)
 

Haduwy und ihr Gemahl übertrugen dem Kloster Corvey Rimbeke und Frankenhausen im Gau Hessi saxonicus. Sie tradierte nach dem Tode ihres Mannes etwa 849 in Wehrden und Beverungen im Augau.

Krüger Sabine: Seite 82
************
"Studien zur sächsischen Grafschaftsverfassung"

Amelung war nach der Trad. Corb. § 373, vermählt mit der EKBERTINERIN Haduwy, Enkelin Ekberts und der heiligen Ida, vermutlich Tochter Aedas und eines princeps Billung. Gleichfalls in dieser Tradition bezeugt sind ihre Söhne Amelung und Bennid. In der zweiten Kaufunger Urkunde werden die Namen ihrer beiden Schwestern, der Äbtissin Alberat und Hemmas, genannt.

Jakobi Franz-Josef: Seite 54
****************
"Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung des sächsischen Adels in der Karolingerzeit"

Das Frauenkloster Herford hatte den Erwerb der kostbaren Reliquien seiner damaligen Äbtissin Haduwy (858-887) zu verdanken, die zu diesem Zweck ihre verwandtschaftlichen Beziehungen ins Westfrankenreich hatte einsetzen können.
Über Haduwy heißt es in der Translatio Pusinnae, sie sei 'eine Nichte von seiten der Schwester' (neptis ex sorore genita) des Corveyer Abtes Warin (826-856) und seiner Brüder gewesen, Warin aber selbst von edelster Herkunft: ein Sohn des hochberühmten Grafen und Herzogs Ekbert.
Haduwy, so berichtet der Autor im Zusammenhang der Beschaffung der Pusinna-Reliquien für Herford, sei nach ihrem Amtsantritt von dem dringenden Wunsch beseelt gewesen, die von ihr geleitete Kirche nach dem Beispiel ihrer Vorfahren durch das Patrocinium von Heiligen berühmt zu machen. Sie habe sich deshalb an den westfränkischen König KARL um Hilfe gewandt. Zu diesem nämlich habe sie Zugang gehabt 'sowohl wegen ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen, da sie mit ihm im 3. oder im 4. Grad verbunden war, als auch weil ihre Vorfahren in einem engen Vertrauensverhältnis zu diesem Herrscher gestanden und sich seiner Freigebigkeit erfreut hatten, und zum dritten, weil ihr Bruder Cobbo, der seinen Namen nach seinem Onkel trug, zum täglichen Gefolge des Königs in der Pfalz gehörte'.
In einem Verzeichnis der dem Kloster Corvey gemachten Schenkungen ist dem aus dem 9. Jh. betreffenden Teil die Übertragung umfangreichen Grundbesitzes durch eine Frau namens 'Haduwy' vermerkt. Von ihr heißt es, sie habe in der Absicht, zeitliche Güter gegen ewige eintauschen im Beisein von 65 Zeugen, darunter 3 Grafen, ihre gesamten Besitzungen in Wehrden und in Beverungen den Corveyer Klosterpatronen Stefanus und Vitus übertragen, und zwar, zum Loskauf der Seele ihres Mannes Amelung und ihrer Söhne Bennid und Amalung. In einem im 12. Jahrhundert in den berühmten Corveyer 'Liber vitae' eingetragene Liste der bedeutendsten Wohltäter des Klosters heißt es: der Graf Amelung schenkte Bekedorf (bei Harburg), seine Mutter 'Hathuwig' Amelunxen; und weiter: Die Gräfin 'Hathuwih' schenkte Beverungen.
Haduwy war demnach vor ihrem Eintritt in das Kloster Hersfeld, dessen Äbtissin sie alsbald wurde, mit einem Amelung verheiratet und hatte 2 Söhne namens Bennid und Amelung. Nach dem Tod ihres Gemahls und offenbar auch ihrer Söhne machte sie dem Kloster Corvey aus Besitzungen in dessen näherer Umgebung eine große Stiftung für das Seelenheil der Verstorbenen und trat selbst in den geistlichen Stand ein.

Dümmler Ernst: Band I Seite 348,350,353
*************
"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"

Ihre Nichte ist Hadwig, Addilas Nachfolgerin in Herford (die Witwe Amalungs, der ein Neffe Kobbos genannt wird: Traditiones Corbeiens, ed. Wigand 76,82), ihr Neffe, Hadwigs Bruder(der jüngere) Kobbo nach c. 3. Die Verwandtschaft der heiligen Ida (siehe Vita S Idae: Scr. II, 570) mit dem regierenden Hauses ist nicht mehr nachzuweisen. Die gewöhnliche Vermutung, der auch Pertz folgt, daß sie eine Schwester Adalhards und Walas ist, ist sehr unwahrscheinlich, da Radbert (Vita Adalhardi c. 33, 34: Scr. II, 527) ihrer sonst ohne Zweifel gedacht hätte, und Ida als unica filia ihres Vaters bezeichnet wird. Über Liudolf siehe weiter unten.] stammte nämlich aus der Ehe des Grafen Ekbert, dem KARL DER GROSSE den Oberbefehl im westlichen Sachsen sowie die Verteidigung der Mark gegen die Dänen übertragen, mit der dem regierenden Hause verwandten Prinzessin Ida, die wegen ihrer Frömmigkeit und vieler kirchlichen Werke nachmals zu den Heiligen gezählt wurde.
Die damalige Äbtissin Addila, die Witwe Bunichos war eine Schwester, ihre Nachfolgerin Hadewy, die Witwe Amalungs, eine Nichte desselben, Hathumoda, die Tochter von Kobbos Bruder Liudolf empfing daselbst ihre erste Bildung.
In dem gleichen Verhältnis zu ihnen stand Korvei, das erste und bedeutendste aller sächsischen Klöster und das mit ihm eng verbundene Herford. Warin, der erste Abt von Korvei, (+ 856 September 20) war Liudolfs Bruder, sein dritter Nachfolger Bovo wird als sein Neffe bezeichnet [Bovo war Abt von 879-890.].
Warin, am kaiserlichen Hofe zum Kriegsmann erzogen, leistete Verzicht auf eine schöne und edle Braut um sich dem Klosterleben zu weihen. Die Äbtissinnen Addila und Hadewy von Herford [Im Jahr 838 war Tetta Äbtissin von Herford; Addila, Warins Schwester, ohne Zweifel die Matrone, die für das Seelenheil ihres verstorbenen Gatten Bunicho und ihrer Söhne 838 das Kloster beschenkte, wird 854 als Äbtissin genannt, Hadewy, die Schwestertochter Warins, in den Jahren 858, 859.] gehörten derselben Familie an.

Hlawitschka, Eduard: Seite 147-150
*****************
"Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle"

[Der Versuch von E. Frhr. v. Uslar-Gleichen, Das Geschlecht Wittekinds des Großen und die Immerdinger, 1902; Seite 34f., das Horum - ähnlich wie einst schon J.F. Falke (vgl. oben Seite 132 mit Anm. 149) - nicht auf Warin und seine Brüder, sondern auf die viele Zeilen früher genannten Äbte Adalhard und Wala zu beziehen, um Haduwy zu einer Schwester Warins machen zu können, ist schon wegen der übermäßigen grammatikalischen Dehnung von Satzbezügen abzulehnen. Er scheiterte aber auch an der für seine Argumentation notwendigen, aber unzulässigen Zusammenfassung Cobbos des Älteren und Cobbos des Jüngeren zu einer Person. Vgl. darüber hinaus schon Anm. 149.]. Wir lernen hiermit Warins Nichte (Schwestertochter) Haduwy von Herford und deren Bruder, Cobbo den Jüngeren, kennen und einzuordnen. Daß die Äbtissin Haduwy vor ihrem Klosterleben vermählt gewesen ist, einen Grafen Amelung zum Gemahl gehabt hatte, dem sie auch zwei Söhne, Amelung und Bennid schenkte, geht aus den Corveyer Traditionen hervor. Da in jenen Traditionenn zudem ein Graf Cobbo als Onkel des jüngeren Amelung genannt wird und Cobbo - der direkt anschließenden Tradition zufolge - wiederum einen um 844 (zur Zeit der Ausfertigung der Traditionsnotiz zugrunde liegenden Urkunde) schon verstorbenen Bruder Liudolf hatte, wird man auch noch einen Liudolf als Bruder Haduwys und des jüngeren Cobbo stets zu berücksichtigen haben [Bei K.A. Hömberg, Geschichte der Comitate Seite 120 Anm. 340, wird Liudolf als Bruder des älteren Cobbo (= Bruder Warins) aufgefaßt. Zumal aber die in der Corveyer Tradition A § 149 (= B § 373) von ca. 849 genannte Haduuy als mente deuotissima und als cupiens aeterna temporalibus mercari (bzw. mutari) et caducis semper mansura acquirere gekennzeichnet ist, was sie als künftige Klosterfrau ausweist und mit der späteren Äbtissin von Herford zu identifizieren gestattet, und da sie dabei nicht nur ihren Gemahl Amalung, sondern auch ihre beiden Söhne Bennid und Amalung als verstorben zu erkennen gibt (vgl. Anm. 58), kann jener Cobbo von A § 125 (= B § 349), der ca. 844 pro remedio animae nepotis sui Amelung tradierte, nur ein Bruder Haduwys, der künftigen Äbtissin von Herford, gewesen sein. Heißt es doch auch weiter, daß cuius traditionis auctorem ipse Amelungus adhuc uiuens elegit praedictum auunculum suum Cobbonem atque ei potestatem praedictae traditionis cobtradidit. War nun aber der Cobbo von A § 125 (= B § 349) Haduwys Bruder, so wird man kaum den in der folgenden Notiz A § 126 (= B § 350) genannten Cobbo, den Bruder eines bereits verstorbenen Liudolf, als einen Mann einer älteren Generation, d. h. als den Onkel jenes zuvor genannten Cobbo, auffassen können. Wird in den beiden Traditionen doch auch der Graf Bardo mitgenannt, so daß schon äußerlich beide Notizen eng zueinander gehören. - Für die Identifizierung der beiden Männer namens Cobbo und ihre Deutung auf Cobbo den Jüngeren dürfte auch sprechen, daß Cobbos Bruder Liudolf - nach den in der Tradition A § 126 (= B § 350) enthaltenen Hinweisen - bei seinem Tode (ca. 844) kinderlso gewesen zu sein scheint, d.h. wohl noch nicht in reiferem Mannesalter stand. Es wird zweimal von der uxor praedicti Liudolfi, aber niemals von Kindern gesprochen; und es wird an die Versorgung der Frau gedacht, nicht aber die von Kindern erwähnt. - Auch die Lebzeiten der Angehörigen Haduwys stehen dieser Rekonstruktion der Familienverhältnisse bei den EGBERTINERN/COBBONEN nicht entgegen. W. Metz, Heinrich mit dem goldenen Wagen (wie Anm. 202) Seite 145, meinte freilich - wobei er sich aber über den eingangs genannten Identifizierungshinweis hinwegsetzte -, daß die mit dem Grafen Amalung vermählte "Haduwy wahrscheinlich die Schwester des älteren Cobbo war"; denn: "Die Daten geben zu gewissen Bedenken gegenüber der Gleichsetzung mit der Äbtissin Hathui von Herford (858-887) bei S. Krüger (vgl. oben Anm. 234) Anlaß". Wie wir aber noch sehen werden (vgl. unten Seite 156 mit Anm. 266), sind zwei Kinder Egberts und Idas (* ca. 770) noch vor der Wende zum 9. Jahrhundert geboren. Die Mutter Haduwys könnte um 790/95, Haduwy selbst dann um 810 zur Welt gekommen sein. Demnach kann sie auch um 844 eine Witwe von ca. 35 Jahren gewesen sein und zwei im Jünglingsalter verstorbene Kinder (Amalung und Bennid) gehabt haben. Zudem läßt sich die Datierung der Traditionen A § 125 und 126 (= B § 349 und 350) auch noch 2-3 Jahre später, etwa 846, ansetzen; vgl. oben Anm. 56. - Ob sich die Belege vom Ende der 40-er Jahre des 9. Jahrhunderts, die S. Krüger, a.a.O. Seite 72, für Cobbo den Älteren anführt (Gesandtschaft an Dänen-König Horich 845 und Pilgerfahrt nach Tours 849) und die die Bedenken von W. Metz hervorgerufen zu haben scheinen, tatsächlich noch auf den älteren oder nicht vielelicht schon auf den jüngeren Cobbo, dessen gute W-Frankenkontakte durch die Translatio S. Pusinnae c. 3 bezeugt sind, beziehen, kann hier nicht entschieden werden.].
Daß die karolingischen Beziehungen der in dieser Tafel nunmehr deutlicher vor uns stehendenÄbtissin Haduwy von Herford nicht über den ungenannten Gemahl (NNm) der Schwester des Abtes Warin und des älteren Grafen Cobbo (NNf) gelaufen sein können, erhellt sich schon daraus, daß dieser Gemahl in der Translatio S. Pusinnae als vir spectabilis et valde inclytus beschrieben ist, während bei Warin - und das heißt damit auch bei seiner Schwester - von nobilissimo genere die Rede ist und Egbert und Ida mit den Epitheta clarissimus und splendidissima bezeichnet sind; auch wird ja die Vita S. Idae mit ihrer Angabe, daß Ida summo inter suos loco nata gewesen sei, und zwar "aus der königlichen Art der heiligen Jungfrau Odilia und Geretrud, Tochter Pippins des Älteren, recht deutlich. Die KAROLINGER-Verwandtschaft ist also über Egbert und Ida zu suchen und - da Egbert Sachse und nur Ida Fränkin (wie die KAROLINGER) war - wiederum nur über Ida zu erklären.
 
 
 
 

  oo Amelung (II), Sohn Bennids I.
              -
 
 
 
 

 Kinder:

  Bennid II
        -

  Amelung (III)
          -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 348,350, 353 - Hlawitschka, Eduard: Zur Herkunft der Liudolfinger und zu einigen Corveyer Geschichtsquelle, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main Seite 147-150 - Jakobi, Franz-Josef: Zur Frage der Nachkommen der heiligen Ida und der Neuorientierung des sächsischen Adels in der Karolingerzeit, in: Jaszai, Geza (Hg): Heilige Ida von Herzfeld, 980-1980, Festschrift zur Tausendjährigen Wiederkehr ihrer Heiligsprechung, Münster 1980, Seite 53-63 - Krüger, Sabine: Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1950 Veröffentlichung der Historischen Kommission für Hannover Seite 71-79 -
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de