Margarete I. die Schwarze                        Gräfin von Flandern (1244-1278)
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6.8.1202-10.2.1280
                Gent
 

Jüngere Tochter des Grafen Balduin IX. von Flandern und der Marie von Blois-Champagne, Tochter von Graf Heinrich I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 239
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Margarete (Margaretha) von Konstantinopel, Gräfin von Flandern und Hennegau
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* 1202, + 10. Februar 1280

Tochter des Grafen Balduin IX. von Flandern (Balduin VI. von Hennegau, Balduin I., Kaiser von Konstantinopel und der Maria von Champagne

Margaretes erste Ehe mit dem mächtigen Hennegauer Burchard von Avesnes (1212) wurde auf Betreiben ihrer älteren Schwester, Gräfin Johanna, für ungültig erklärt (1215). 1223 schloss Margarete eine zweite Ehe mit Wilhelm von Dampierre.
Am 5. Dezember 1244 folgte Margarete ihrer kinderlos verstorbenen Schwester als Gräfin von Flandern  nach. In den heftigen Auseinandersetzungen um den Besitz der Grafschaften Flandern und Hennegau erfolgte im Juli 1246 der Schiedsspruch Papst Innozenz' IV., der die Erbfolge in Flandern dem Hause DAMPIERRE, in Hennegau dem Hause AVESNES zusprach; diese Entscheidung war beeinflusst von König Ludwig IX. von Frankreich, der darauf bedacht war, den Grafen von Flandern als einen seiner mächtigsten Vasallen zu schwächen. Durch den Schiedsspruch entflammte die politische Fehde aufs neue. Bis 1257 wurde Margarete durch Johann von Avesnes, der aufgrund seiner Ehe mit Aleidis von Holland eine gegen Flandern gesicherte Allianz zu knüpfen verstand, in die Defensive gedrängt. Als nach dem Tode Wilhelms von Dampierre (1251) Johann von Avesnes gegen den Schiedsspruch von 1246 berufen wurde, stürzten sich Margarete und ihr Sohn Gui (III.) von Dampierre in eine Reihe militärischer Abenteuer, die mit Mißerfolgen endeten (Niederlage bei Walcheren, 4. Juli 1253; Besetzung des aufständischen Hennegau mit Hilfe Karls von Anjou, 1253-1254). Der Tod Johanns von Avesnes (24. Dezember 1257) führte jedoch zu einem vorläufigen Ende des Bruderzwists.
Die äußerst kostspielige Politik der Gräfin trieb Flandern in finanzielle Abhängigkeit von Kreditgebern, vor allem französischen und italienischen Bankiers sowie den flämischen Städten, die sich ihre Hilfe mit wirtschaftlichen und politischen Privilegien bezahlen ließen.
In der Folgezeit konnte Margarete und ihr Sohn Gui einige diplomatische Erfolge verbuchen, vor allem die Anerkennung ihrer Lehnsrechte in Reichsflandern durch den römisch-deutschen König, RICHARD VON CORNWALL (27. Januar 1260). Sie erweiterten ihr Territorium beachtlich (Herrschaften Bethune und Dendermonde, 1263; Grafschaft Namur, 1263-1264). Andererseits löste Margarete in unbedachter Weise den englisch-flämischen Handelskrieg aus (1270-1275), der die Verwundbarkeit der Grafschaft offenbar werden ließ, besonders als England das Handelsembargo auf englische Wolle als politische Waffe einsetzte. Diese Auseinandersetzung verschärfte den innerflandrischen Konflikt zwischen Fürstenmacht und Städten, die mit einer wachsenden sozialökonomischen Krise zu kämpfen hatten und der zentralistischen Politik Margaretes und ihres Sohnes entgegensetzten. Am 29. Dezember 1278 dankte Margarete als Gräfin von Flandern ab, blieb aber bis zu ihrem Tode Gräfin von Hennegau.


Margarete I. die Schwarze folgte 1244 ihrer Schwester Johanna und ihrem Schwager Thomas von Savoyen als Gräfin von Flandern-Hennegau-Namur und begann einen Erbkrieg gegen die Familie ihres ersten Mannes und musste 1246 dem Erstgeborenen durch Schiedsspruch König Ludwigs IX. von Frankreich Hennegau abtreten. Sie lehnte sich an Kaiser FRIEDRICH II. an und bekam Namur und Reichsflandern von ihm zugesprochen. Sie verlor letzteres durch König WILHELM VON HOLLAND an den Erstgeborenen und suchte daher Hilfe bei Karl I. von Anjou, dem sie den Hennegau zusprach. 1256 allerdings musste sie endgültig die Erbteilung anerkennen und behielt nur Flandern-Namur. Zeitweise gewann sie Seeland für Guido, zu dessen Gunsten sie 1278 völlig verzichtete. Sie hatte besonders mit ihrer ersten Ehe mit einem Vasallen der Grafen von Flandern für großes Aufsehen gesorgt. Ihre Ehemänner blieben in Flandern ohne Einfluss.

Winkelmann Eduard: Band II Seite 456
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"Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

Margarethe weilte seit 1206 gemeinsam mit ihrer Schwester Johanna am französischen Hof in Paris.
Burkhard von Avesnes, Domkantor von Laon und Sundiakon, verließ 1211 den geistlichen Stand, befehdete seinen Bruder und wurde von dem Grafen Ferrand von Flandern mit der Statthalterschaft über Hennegau, von der Gemahlin desselben, der Gräfin Johanna, nachher mit der Hut ihrer jungen Schwester Margarethe betraut, die er dann aber entführte und als seine Gemahlin ausgab, um durch sie dereinst Anrechte auf Flandern geltend machen zu können. Er wurde auf dem römischen Konzil gebannt und das über seinen jeweiligen Aufenthaltsort verhängte Interdikt sollte die Auslieferung Margarethes und Burkhards Rückkehr in den geistlichen Stand erzwingen: Letzterer fand trotzdem in den Diözesen von Laon, Cambrai und Lüttich immer wieder freundliche Aufnahme und nicht bloß bei Weltlichen. Margarethe sagte sich zwar später von ihm los, nachdem sie ihm zwei Söhne geboren hatte.

Favier, Jean: Seite 225-227
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515"

Balduins Tochter Margarete hatte nämlich zunächst mit Bouchard von Avesnes eine Ehe von zweifelhafter Legitimität geschlossen, da Bouchard als geweihter Subdiakon unter Heiratsverbot stand, was der Gräfin erst bewußt wurde, als sie von ihm bereits zwei Kinder hatte. Ihrer zweiten Ehe mit Wilhelm von Dampierre entstammten drei Söhne, deren Legitimität nunmehr von der Scheidung von Bouchard abhing, da, anders ausgedrückt, beider Väter Nachkommenschaft nicht gleichzeitig legitim sein konnte. Jede Seite aber konnte Gründe ins Treffen führen und besaß Verbündete unter den Baronen.
Margarete hatte die Nachfolgefrage zu ihren Lebzeiten selbst zu regeln versucht, und zwar noch ehe sie durch den Tod ihrer Schwester Johanna zur Alleinerbin der beiden Grafschaften aufgestiegen war. Als Oberlehnsherr über Flandern, nicht jedoch über den Hennegau, hatte Ludwig IX. das Abkommen von 1235 bestätigt, das eine Erbteilung zugunsten der Familie DAMPIERRE vorsah. Und er war es auch, der 1246 zusammen mit dem Legaten Odo von Chateauroux eine neue Regelung vorbereitete, derzufolge der Hennegau den AVESNES, Flandern dagegen den DAMPIERRE zufallen sollte.
Diese Lösung jedoch stellte niemand zufrieden. Johann von Avesnes erhob als Ältester Anspruch auf das gesamte Erbe, Wilhelm von Dampierre junior wollte dagegen Leute, die ihn als Bastard behandelten, nichts zugestehen. GRAF WILHELM VON HOLLAND, nach der Exkommunikation FRIEDRICHS II. neuer König von Rom und als solcher Anwärter auf die Kaiserkrone, erinnerte sich daran, daß Johann von Avesnes eine seiner Schwestern geehelicht hatte: Er fuhr dem König von Frankreich in die Parade, sicherte Johann von Avesnes den Hennegau zu und gab ihm obendrein noch die Grafschaft Namur - ungeachtet der Tatsache, daß Balduin II. diese Grafschaft dem König von Frankreich für 50.000 im Orient verausgabte Livres verpfändet hatte. Am Vorabend des Ägyptenkreuzzugs schien die Angelegenheit endlich ohne den König von Frankreich mittels einer Leibrente für Margarete und einer Erbteilung zugunsten beider Parteien ins Lot zu kommen: Der Papst erklärte doe Brüder AVESNES für legitim, womit der Fall anscheinend als erledigt betrachtet werden konnte.
Als Margarete aber beim Tod ihres Sohnes Wilhelm von Dampierre Flandern dem anderen DAMPIERRE, Guido, zusprach, kehrte erneut Unfrieden ein. WILHELM VON HOLLAND reagierte mit der neuerlichen, diesmal sofortigen Belehnung Johanns von Avesnes mit dem Hennegau, Namur und dem zum Reich gehörigen Teil Flanderns. Damit war die Eintracht dahin, die DAMPIERRE fochten vor dem Papst die Legitimität der Brüder AVESNES an, und alles begann wieder von vorne.
Margarete nutzte die Gelegenheit, um das Unmögliche zu versuchen: Um den Grafen von Holland an die alte Lehnshoheit Flanderns über Seeland zu erinnern, rüstete sie 1253 einen Feldzug aus, der mit einer vernichtenden Niederlage endete.
Karl von Anjou zeigte gute Lust, sich einzumischen, zumal er zu diesem Zeitpunkt Höheres als eine einfache Grafschaft an den Ufern der Loire erstrebte. Margarete bot ihm für eine Intervention gegen WILHELM VON HOLLAND den Hennegau an, doch Ludwig IX., der ein Zerwürfnis mit dem römischen König um jeden Preis verhindern wollte, dämpfte den Eifer seines Bruders, was ihm den Ruf des Friedensretters und von seiten Margaretes die Bitte um Schlichtung des Konfliktes eintrug. Lediglich die Bürger von Gent, die begriffen, daß sie die Kosten des ganzen Handels tragen sollten, erhoben unverzüglich Protest.
Am 24. September 1256 fällte der König von Frankreich seinen Schiedsspruch, den Dit de Peronne, eine Neuauflage des Schlichtungsversuchs von 1246. Karl von Anjou verzichtete auf den Hennegau und erhielt für diesen uneigennützigen Schritt von Margarete eine Abfindung, wobei die Städte, wie vorherzusehen, zur Kasse gebeten wurden. Der Tod Johanns von Avesnes bereinigte doe Situation dann endgültig: Johanns Bruder Balduin erkannte die Ansprüche Guidos von Dampierre auf Flandern ohne Umstände an. Einzig Ludwig IX. ging bei dem Handel leer aus, erwarb sich dafür aber hohes Ansehen. Den größten Vorteil erzeilte dabei Guido von Dampierre. Er konnte nicht nur die Grafschaft Namur billig zurückkaufen, sondern sich durch Vermählung mit der Tochter Heinrichs von Luxemburg auch noch einen wertvollen Bundesgenossen für die Zukunft sichern. Johann von Avesnes hatte nach dem Tod KONRADS IV. und seines Mitbewerbers WILHELM VON HOLLAND die Kandidatur RICHARDS VON CORNWALL unterstützt.

Le Goff Jacques: Seite 220-222
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"Ludwig der Heilige"

In Flandern, einem der größten und vermutlich dem reichsten Lehen des französischen Königreichs, waren die Frauen nach lehnsherrlicher Gewohnheit - und im Gegensatz zu der ausschließlich männlichen Nachfolgetradition der KAPETINGER-Könige - vollgültige Erbinnen der Grafschaft, sofern das Erstgeburtsrecht ihnen den Vorrang gab. Doch wegen der Eheverhältnisse der Gräfin, Margarete von Flandern, herrschte fast dreißig Jahre ein kompliziertes Durcheinander, das schon mehrfach für Aufruhr gesorgt und erheblichen Unfrieden gestiftet hatte. Von diesen Verwicklungen will ich nur das erzählen, was uns erlaubt, die Intervention Ludwigs IX. zu verstehen.
Gräfin Johanna, Witwe des in der Schlacht bei Bouvines besiegten Ferrand von Portugal war 1244 kinderlos gestorben und hatte die Grafschaft ihrer jüngeren Schwester Margarete hinterlassen. Margarete war in erster Ehe mit Bouchard von Avesnes, Bailli des Hennegau, verheiratet gewesen. Doch da Bouchard, ursprünglich für die kirchliche Laufbahn bestimmt, die Weihen des Subdiakons empfangen hatte, besaß seine Ehe keine Gültigkeit, und Johanna hatte schon 1216 für den Bund ihrer Schwester die Nichtigkeitserklärung der römischen Kurie erwirkt. Margarete und Bouchard von Avesnes hatten sich indessen nicht sofort getrennt und zwei Söhne bekommen. 1223 schloß Margarete eine zweite Ehe mit Wilhelm von Dampierre, dem sie drei Knaben gebar. So begann der Konflikt zwischen den Brüdern AVESNES, die auf ihr Erstgeburtsrecht pochten, und den DAMPIERRE, die ihren Halbgeschwistern, Sprößlingen einer illegitimen Ehe, das Erbrecht absprachen und denen die Gunst ihrer Mutter galt.
Ludwig IX. schaltete sich wiederholt ein, seines auf Ersuchen dieser oder jener der beiden Parteien, sei es aus eigenem Antrieb, weil ihm als obersten Lehnsherrn das Schicksal eines seiner wichtigsten Lehen nicht gleichgültig sein konnte. 1235 verbürgte er ein Abkommen zwischen Johanna und Margarete, das eine ungleiche Erbteilung vorsah: zwei Siebtel den AVESNES, fünf Siebtel den DAMPIERRE. Die ganze Angelegenheit war um so komplizierter, als ein Teil des Erbes, die Grafschaft Flandern, zum Königreich Frankreich gehörte, während der andere Teil, das Herzogtum Flandern und seit 1245 auch die Markgrafschaft Namur (mit der Kaiser FRIEDRICH II. Gräfin Margarete belehnt hatte, die aber inzwischen als Pfand für die große Leihgabe zugunsten des lateinischen Kaisers von Konstantinopel, Balduin II. von Flandern [Richtigstellung: Balduinentstammte zwar über seine Mutter Jolanthe dem flandrischen Grafenhaus. Seine exakte Bezeichnung ist jedoch Balduin II. von Courtenay.], an den König von Frankreich gefallen war), im Reichsgebiet lag. Die kaiserlose Zeit nach dem Tode FRIEDRICHS II. im Jahr 1250 ließ dem König von Frankreich freiere Hand.
Im Jahr 1246 hatten Ludwig IX. und der päpstliche Legat Odo von Chateauroux im Rahmen der auf den Kreuzzug ausgerichteten Befriedungsmaßnahmen ein Abkommen ausgehandelt, demzufolge der Hennegau den AVESNES und Flandern den DAMPIERRE zufallen sollte. Margarete setzte ihren Sohn Wilhelm von Dampierre in die Grafenwürde ein. Doch Wilhelm, der sich dem Kreuzzug Ludwigs IX. anschloß und 1250 mit den wichtigsten Baronen aus dem Heiligen Land zurückkherte, starb ein Jahr später ganz plötzlich. Margarete übertrug den Grafentitel seinem jüngeren Bruder Guido, der im Februar 1252, während sich König Ludwig noch im Heiligen Land aufhielt, Blanka von Kastilien den Lehnseid leistete. Unterdessen hatte der Papst 1249 endlich die Legitimität der Brüder AVESNES anerkannt.
Aber Gräfin Margarete verweigerte Johann von Avesnes den Hennegau und wollte ihm nur die Markgrafschaft Namur belassen, deren Lehnsherrschaft sie ihm 1249 abgetreten hatte. Im übrigen stiftete sie ihre Söhne DAMPIERRE, Guido und seinen Bruder, sowie etliche französische Barone an, sich in einem Handstreich der seeländischen Inseln zu bemächtigen, über die sie für die Grafschaft Flandern Lehnshoheit beanspruchte. Die Landung auf Walcheren war ein Desaster, und im Juli 1253 nahm der Graf von Holland, ein Bruder des Römischen Königs, die DAMPIERRE und mehrere französische Barone gefangen. Daraufhin rief Gräfin Margarete Karl von Anjou, den jüngsten Bruder Ludwigs des Heiligen, zu Hilfe. Für seinen Beistand versprach sie ihm den Hennegau. Karl ging auf den Vorschlag ein, besetzte Valenciennes und Mons, wurde aber von seinen Ratgebern dazu überredet, einen Waffengang gegen den Römischen König, der mit dem König von Frankreich im besten Einvernehmen stand, zu unterlassen.
Aus dem Heiligen Land zurückgekehrt, beschloß Ludwig IX., in den Konflikt einzugreifen. Dafür hatte er drei gute Gründe: Zwei seiner Vasallen, der Graf von Flandern und dessen Bruder, befanden sich - nachdem der Graf von Holland die anderen französischen Barone freigelassen hatte - immer noch in Gefangenschaft; sein eigener Bruder war in die Sache verstrickt, und er wollte dem Abkommen von 1246 Respekt verschaffen. Verärgert über die unvorsichtigen Initiativen seines Bruders, rief er als erstes Karl von Anjou nach Paris zurück.
Behutsam in seinem Vorgehen, suchte Ludwig dann in Gent Gräfin Margarete auf, um sie seiner Unterstützung zu versichern und ihr seine Vorschläge zu unterbreiten. Nachdem die Gräfin und ihre Söhne AVESNES übereingekommen waren, Ludwig IX. als Schiedsrichter zu akzeptieren, fällte dieser am 24. September 1256 seinen Spruch (Dit de Peronne), der im wesentlichen eine Neuauflage des Abkommens von 1246 war: Hennegau den AVESNES, Flandern den DAMPIEERE. Aber inzwischen war der Hennegau an Ludwigs Bruder, Karl von Anjou, vergeben. Ludwig verschaffte Karl die Möglichkeit, sich ohne Gesichtsverlust aus der Affäre zu ziehen: Gräfin Mararete kaufte den Hennegau zu einem sehr hohen Preis zurück. Für die Freilassung der DAMPIERRE mußte sie auch dem Grafen von Holland ein stattliches Lösegeld zahlen, aber kurz danach söhnte sich der überlebende ihrer beiden Söhne aus dem Haus AVESNES, Balduin, Graf von Hennegau, mit ihr aus.
 
 
 
 

    1212
  1. oo Burkhard Graf von Avesnes
 - 1221     -  1244

    1223
  2. oo Wilhelm II. Graf von Dampierre
           um 1200-5.5.1231
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Johann I. von Avesnes Graf von Hennegau
   4.1218-24.12.1257

  Balduin Seigneur de Beaumont
          -   1295

2. Ehe

  Guido Graf von Dampierre
  1225/26-7.3.1304

  Wilhelm III.
  1224-6.6.1251

  Johanna
         - nach 1243

   um 1239
  1. oo Hugo III. de Vitry Graf von Rethel
                 -   1243

  2. oo Theobald II. Graf von Bar-Mousson
                 -   1291

  Johann I. von Dampierre Seigneur von Dampierre
        -   1258

  Marie Äbtissin von Flines
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 123 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 187 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 100,209-210 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 38 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 225-227 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 220-222,395 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 86-117 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 25 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 402,404 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 160 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 351,456 -



Leo Heinrich Dr.: Seite 106-117
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten"

Die Gräfin Margaretha führte die Regierung mit Zuziehung des ältesten ihrer mit DAMPIERRE erzeugten Söhne, Guillaumes, streng und weise. Den früher von Ferdinand, dann von Thomas mit Frankreich beschworenen Frieden mußte auch sie bestätigen, ehe sie die Belehnung mit Flandern von Louis IX. erhielt; und auch wegen der Belehnung mit Hennegau und mit den deutschen Lehen bei Flandern hatte sie unangenehme Erörterung mit dem Bischof von Lüttich und dem deutschen Reiche zu bestehen. Hinsichtlich der inneren Angelegenheiten verfolgte sie die von Thomas und Johanna eingeschlagene Bahn, überall zweckmäßige Freiheiten erteilend. Doch wurde diese Tätigkeit sehr gestört durch den verderblichen Zwist der Söhne Margarethes aus den beiden Ehen. Guillaume de Dampierre nannte seinen Stiefbruder Jean d'Avesnes, zu Peronne in Gegenwart des Königs von Frankreich einen Bastard, worauf Jean entgegnete, daß die Ehe, aus welcher er und sein Bruder Balduin geboren seien, vollkommen rechtmäßig gewesen; doch würde selbst die Unrechtmäßigkeit sein Recht auf Flandern nicht schmälern, da in Flandern von jeher der Bastard in Beziehung auf die Mutter das volle Erbrecht gehabt habe.
Jean d'Avesnes, von seinem Schwager, dem Grafen WILHELM VON HOLLAND, unterstützt, begann endlich 1246 den Krieg gegen seine Mutter und gegen seinen Stiefbruder; fast der ganze Adel Hennegaus, der in dem D'AVESNES einen Landsmann sah, fiel ihm zu, und es kam endlich nach einer Berufung auf die Entscheidung Louis' IX. und des Papstes durch deren Gesandte zu der Entscheidung: Guilauume de Dampierre solle nach der Mutter Tode Flandern, Jean d'Avesnes Hennegau erhalten, und jeder für seine rechten Geschwister sorgen. Jeder Teil beruhigte sich dabei, und Jean schien um so fester in seinem Recht zu stehen, seitdem der Graf WILHELM VON HOLLAND in Deutschland die königliche Würde erlangte. Guillaume de Dampierre hatte sich in dieser Zeit auf das engste an Frankreich angeschlossen und begleitete 1248 König Louis auf seinem Kreuzzuge. Sobald Guillaume nicht mehr der Mutter zur Seite stand, begann Jean von neuem den Krieg, um sich in vorläufigen Besitz von Hennegau zu setzen, suchte und erhielt die Grafschaft von dem inzwischen auf dem Lütticher Stuhle gefolgten Bischofe Heinrich von Geldern zu Lehen, und erobnerte mit seines Schwagers WILHELM Hilfe nicht bloß Hennegau, sondern verwüstete auch das Aalsterland, das Waesland, die vier Ambachten und die Landschaften von Dendermonde und Geersbergen. Margaretha schloß endlich mit ihm eine Kapitulation, und zahlte ihm 60.000 Golsdstücke für den Frieden und für die Anerkennung von Cambray, vom Cambresis und der Landschaft von L'Alleue bei Flandern. Um endlich den Makel unehelicher Geburt ganz von sich abzuwenden, ließen die Brüder D'AVESNES durch eine päpstliche Kommission entscheiden, welche im Jahre 1249 den Ausspruch tat, daß sie als ehelich geboren zu achten seien, da ihre Mutter die Ehe ohne Kenntnisse des geistlichen Charakters ihres Vaters geschlossen hätte.
Schon bald nach dem Antritt der Regierung in Flandern durch Margarethen hatten sich deren zweiter Sohn, Gui de Dampierre, mit Mathildis verheiratet, der Tochter des Vogtes von Arras, Robert von Bethune und Dendermonde. Kurz vor seiner Abreise nach dem Heiligen Lande heiratete auch Guillaume de Dampierre Beatrix von Brabant; auf dem Kreuzzug hatte er das Unglück, in Ägypten gefangenommen zu werden, und kaum war er 1251 zurückgekehrt, als er an einer Krankheit, von der er schon unterwegs befallen war, starb [Oudegherst fol. 188. Anders erzählen Meyer fol. 76 und Delewarde p.7.: Guillaume sei zu Traisegnies auf einem Turnier geworfen und von den Rossen zertreten worden.].
Margaretha, deren Haß gegen ihre Söhne erster Ehe mit den Jahren zunahm, erkannte durchaus WILHELM VON HOLLAND nicht als römischen König an. Dieser, um sich zu rächen, forderte, weil die Belehnung nicht gesucht worden sei, im Juli 1252 alle deutschen Lehen bei Flandern (das Aalster- und Waesland, die vier Ambachten und die Inseln nebst Cambray) ab, und übertrug sie an Jean d'Avesnes. Mit Hilfe König WILHELMS und des Bischofs von Lüttich brachte Jean ein Heer zusammen; da aber der Adel sowohl als auch die Städte in diesen Landschaften zu Flandern hielten, konnte das Heer Verwüstungen anrichten, keine Eroberungen gründen. Der hennegauische Adel hatte sich bei dieser Gelegenheit entschiedener für Jean gezeigt; um für die Zukunft Ähnliches zu hindern, stellte die Gräfin Margaretha dreihundert Fläminger von Adel an die Spitze der Verwaltung in Hennegau, übertrug ihnen die Bailli-Stellen und allen Blutbann und brachte dadurch ihre wallonischen Untertanen so auf, daß sie sich zum Teil empörten, die Amtleute der Gräfin schlugen, und eine Anzahl flämischer Edelleute gefangennahmen, und den Flämingerinnen von Adel, die ihnen in die Hände fielen, Nasen und Ohren abschnitten. Diese Stimmung, welche in das Jahr 1253 hinein fortdauerte, benutzte Jean, bemächtigte sich ganz Hennegaus, während die Holländer, wie es scheint, die seeländischen Inseln besetzt hielten. Gegen dies letzteren sandte Margaretha ihre Söhne Gui und Jean de Dampierre mit einem ansehnlichen Heere; sie wurden aber von Florens, dem Bruder König WILHELMS, geschlagen und gefangen [Bei Westkapelle auf der Insel Walchern im Juli 1253. - Die Königin Blanca von Kastilien kaufte dem armen Kaiser Balduin von Konstantinopel in diesem Jahre die Grafschaft Namur ab, und schenkte sie dessen Gemahlin.]. Erst nach manchem fruchtlosen Versuch erhielten der Gräfin Boten Gehör von König WILHELM, und dann die Antwort, die Gräfin verdiene keine Antwort, da sie sich gegen das Reich empört. Sie solle erst ihre Pflichten gegen den König erfüllen, dann könne von Freilassung ihrer Söhne die Rede sein.
Um ein neues Heer aufstellen zu können, bot Margaretha Louis' IX. Bruder, dem Grafen Karl von Anjou, Hennegau an, und sofort brachte dieser mit Hilfe der Herzöge von Burgund und Lothringen eine Streitmacht zusammen. Auch Margarethas Schwager, Thomas von Savoyen, kam zu diesem Heere, so wie viele Herren, besonders des nordöstlichen Frankreich.
Nachdem er in Hennegau eingefallen war, nahm Karl Crevecoeur, dann Valenciennes; Raes van Gaeveren, der früher zu den Hennegauern gehalten hatte, öffnete Stadt und Burg von Mons. Soignies, Braine-le-Comte, Maubeuge, Binche, Ath, Beaumont und Le Quesnoy ergaben sich ohne Wderstand. Bouchain griff Karl aus Galanterie nicht an, weil die Gemahlin Jeans daselbst in Wochen lag; nur Enghien ward von Gaultier d'Enghien und von Jeans Besatzung hartnäckiger verteidigt. Karl kehrte, ohne es eingenommen zu  haben, nach Frankreich zurück, und bald hatte Jean wieder dessen Besatzungen aus Binche und Mons vertrieben. Edlich, nachdem König WILHELM einen Sieg gegen die Friesen erfochten, konnte er dem D'AVESNES auch wieder Hilfe bringen, und brachte sie mit einem sehr zahlreichen Heere; auch Karl zog wieder heran, und vor Valiencennes lagerte das deutsche, in Douay das französische Heer. Bald fingen WILHELMS Geldmittel an zu fehlen; die Friesen rüsteten von neuem, und so gelang es Jean und Gui von Chatillon (jener Graf von Blois und dieser von St. Pol), so wie Enguerran de Coucy, einen Waffenstillstand zu vermitteln. WILHELM ging nach Holland, Karl nach Frankreich zurück; alles blieb zunächst im Status quo. Valenciennes ergab sich noch den Deutschen.
Nun kam aber König WILHELM im Kampfe mit den Friesen um, und Jean d'Avesnes war eben so sehr dadurch genötigt, in dem Kampfe mit seiner Mutter mildere Seitenn herauszukehren, als es sich Louis IX. angelegen sein ließ, diesen Familienzwist auszugleichen. Der König von Frankreich bewog seinen Bruder Karl, gegen eine bedeutende Geldsumme wieder auf Hennegau zu verzichten. Der Vergleich von 1246 ward hierauf Grundlage des zwischen Jean und Margarethe geschlossenen Friedens, und Gaultier d'Enghien ward von der Gräfin zu Gnaden angenommen. Florens, der Oheim und Vormund von König WILHELMS Sohne, Florens Grafen von Holland, gab Gui und Jean de Dampierre gegen ansehnliches Lösegeld frei [Dieser Vertrag fand 1256 statt, und es ward dabei ausgemacht, daß entweder Florens selbst, oder wenn dieser früher sterben sollte, sein Mündel, Graf Florens von Holland, die Tochter des jungen Grafen Gui de Dampierre heiraten und die seeländischen Inseln als Mitgift erhalten sollte. Sollte aber der Zufall dies hindern, so sollte einer von Guis Söhnen Mathildis, die Tochter des von den Friesen erschlagenen Königs WILHELM, heiraten. Übrigens wurde mit den Holländern der alte Frieden von 1167 erneuert.]. Auch nach dieser Zeit aber verzichtete Jean d'Avesnes nicht ganz auf seine Ansprüche hinsichtlich der deutschen Lehen Flanderns; doch überlebte er den Vertrag nicht lange: er starb im Dezember 1257.
Ohne bedeutende Begebenheiten verflossen die nächsten Jahre, und das erste denkwürdigere Ereignis wieder ist erst, daß KönigRICHARD im Jahre 1269 den Rechtsspruch König WILHELMS, welcher die deutschen Lehen von Flandern trennte, annullierte und die Gräfin Margaretha von neuem damit belehnte.
Das Jahr 1262 brachte neue Streitigkeiten über dei Markgrafschaft namur, welche von der Königin Blanka von Kaiser Balduin gekauft, und dessen Gemahlin Martha von Brienne geschenkt worden war. Plötzlich machten die LUXEMBURGER wieder ihr Recht geltend. Marthas Schultheiß in Namur ward ermordet; Heinrich von Luxemburg bemächtigte sich der Stadt. Margaretha kam sofort Marthen gegen Heinrich zu Hilfe, der aber von Balduin d'Avesnes, dem Bruder des verstorbenen Jean, insgeheim begünstigt ward. Balduin leitete Unterhandlungen zu einem Waffenstillstand, auf welchem bald ein Friede folgte.
Gui de Dampierre, der seine erste Gemahlin verloren hatte, heiratete Isabella von Luxemburg, die Tochter Heinrichs, und erhielt mit Einwilligung Margarethas die Markgrafschaft Namur. Mit dieser und den anderen deutschen Territorien bei Flandern belehnte ihn RICHARD. Die nächsten Jahre vergingen nun wieder in ungetrübter Ruhe und in Frieden, bis zum Jahre 1274, wo kurze Zeit ein Mißverhältnismit England obwaltete, aber sehr bald durch einen neuen Frieden ausgeglichen ward.
Sofort nach dieser Änderung der Genter Verfassung wendete sich die Partei der Neununddreißiger an den Oberlehnsherrn von Flandern, König Philipp von Frankreich, und beschwerte sich, daß die Gräfin ohne Urteil und Recht die Privilegien der Stadt angetastet. Margaretha führte für sich an die Gesetzwidirgkeiten, welche sich die Neununddreißig hatten zu Schulden kommen lassen. Der König kommitierte zu Entscheidung der Sache den Grafen von Ponthieu und den Archidiaconus von Blois, Herrn Guillaume de Neufville, welche die Wiedereinsetzng der 39 sprachen, im März 1276. Die Gräfin fügte sich dem Urteil, bestrafte nun aber sieben von den letzten 39 wegen schlechter Amtsführung.
Es war diese Angelegenheit die letzte von größerer Bedeutung, welche die Gräfin Margaretha erledigte. Als sie anfing sich schwächer zu fühlen, ließ sie am 11. September 1279 ihrem Sohn Gui in der Nähe von Damme von dem flämischen Adel huldigen. Sie starb am 10. Februar des nächsten Jahres 1280 zu Gent.
Alle Geschichtsschreiber sind einig über die herrlichen Geistes- und männlichen Gemütseigenschaften der "schwarzen Margareth".
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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