Begraben: Cassel, Stiftskirche St-Pierre
Jüngerer Sohn des Grafen
Balduin V. Insulanus von Flandern und der Adela
von Frankreich, Tochter von König
Robert II.
Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 894
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Robert I. der Friese, Graf von Flandern
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* 1028/32, + 13. Oktober 1093
Begraben: Cassel, Stiftskirche St-Pierre
2. Sohn des Grafen Balduin V. und der Adela, Tochter König Roberts II. von Frankreich
1063
oo Gertrud von Sachsen, Witwe des Grafen Floris
I. von Holland
Robert verteidigte
in Holland die Rechte seines minderjährigen Stiefsohnes Dietrich V.
Er leistete zweimal eidlich Verzicht auf seine Ansprüche auf Flandern,
zugunsten seines älteren Bruders Balduin
VI. (I.) von Hennegau. Nach dessen frühem Tod (17. Juli 1070)
kämpfte Robert dann mit Arnulf
III. und dessen Mutter Richilde um das Erbe und gewann durch
seinen Sieg bei Cassel (Niederlage und Tod
Arnulfs,
22. Februar 1071) die Grafschaft Flandern, wohingegen Hennegau beim zweiten
Sohn der
Richildis,
Balduin II., verblieb. König Philipp I. von
Frankreich verpflichtete sich Robert
als
Lehnsmann und heiratete die Stieftochter des Grafen,
Bertha
von Holland. 1076 setzte Robert noch
Wiedererwerbungen holländischer Territorien für seinen Stiefsohn
Dietrich V. durch, trat danach aber in Holland nicht mehr in Erscheinung.
Er hatte ein gespanntes Verhältnis zu seinem Schwager
Wilhelm
den Eroberer wegen der Lehnspflichten gegenüber Frankreich
und der Unterstützung des Aufstandes von
WilhelmsSohn
Robert II. von der Normandie.
Robert
selbst schloß eine Allianz mit Dänemark, beteiligte sich am
Aufbau einer gemeinsamen Flotte und vermählte seine Tochter Adela
mit König Knud IV. Erst am Ende
seines Lebens fand Robert
zu einer
Annäherung an England (Dover, 1093). Er verhielt sich gegenüber
dem Papsttum, aber auch gegenüber Kaiser
HEINRICH IV. sehr selbstbewußt. In der Frage der Abtrennung
des Bistums Arras von Cambrai folgte er aber der päpstlichen Auffassung,
da diese sich mit seinen Eigeninteressen deckte. Während der Reise
Roberts
I. ins Heilige Land (nach 10. Juli 1086 bis vor April 1090)
wurde Flandern vom Sohn des Grafen, Robert
II., regiert. Robert
entsandte
Hilfstruppen an Kaiser Alexios I. Komnenos.
Der Brief, den er vom byzantinischen Kaiser empfing, war das Musterbild
eines 'excitatorium' zum 1. Kreuzzug.
X. 61. ROBERT I. DER FRIESE, Graf von Flandern 1071
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* ca. 1035, + 1093 3. X.
Gemahlin: 1063 Gertrud, Tochter Herzog Bernhards II. von
Sachsen, Witwe Florenz I. von Holland (siehe X. 66)
+ 1113 4. VIII.
Anmerkungen: Seite 135
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X. 61. Robert I.
Vanderkindere I, 301.
VIII, b. 117 ROBERT I. ("DER FRIESE"), 1071 Graf von
Flandern
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* c 1035, + 1093 X 3
oo Gertrud, Tochter Herzog Bernhards II. von Sachsen,
Witwe Florenz' I. von Holland
* c. 10230, + 1113
VIII 4
Vgl. Brandenburg X, 61.
Douglas David C.: Seite 228,229,233,354
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"Wilhelm der Eroberer Herzog der Normandie"
Am 16. Juli 1070, 5 Wochen nach Abfahrt der Flotte Sweyns
von Ostanglia, starb Baldwin VI., Graf von Flandern und Schwager
König
Wilhelms. Sofort erhob sich die Frage der Nachfolge. Die beiden
jungen Söhne Baldwins VI., Arnulf und Baldwin, erhielten Flandern
bzw. den Hennegau, doch übernahm angesichts ihrer Jugend ihrte Mutter
Richildis
die Herrschaft. Ihr wurde vor allem in Flandern starker Widerstand
entgegengesetzt, an dessen Spitze ein Sohn Baldwins V., Robert
"le Frison", stand. Daraufhin wandte sich Richilde
sofort an König Philipp I.
um Hilfe; doch suchte sie auch an anderer Stelle um Beistand nach und setzte
sich aus diesem Grunde mit Wilhelm FitzOsbern in Verbindung, der zu dieser
Zeit der engste Vertraute König Wilhelms
war. Zu Beginn des Jahres 1071 hatte der König den Grafen in die Normandie
gesandt, um die von Maine her drohende Gefahr im Auge zu behalten. Nun
erbot sich Richildis, Wilhelm FitzOsbern zu
ehelichen und setzte ihn zum Vormund über ihren Sohn Arnulf ein.Er
nahm das Angebot an und eilte zur Unterstützung seines Mündels
und der ihm bestimmten Gemahlin "wie zu einem Spiel" nach Flandern, wobei
er, wie erzählt wurde, nur von 10 Rittern begleitet wurde. Die Entscheidungsschlacht
fand am 22. Februar 1071 bei Cassel statt und endete mit der Niederlage
Richildis,
dem Tod Wilhelm FitzOsbern und der Einsetzung Roberts le Frison
als
Graf von Flandern.
Zwar hatte er sich im Jahre 1071 gegen Robert le Frison
gestellt,
doch wurde es nach dessen Etablierung offenkundig, daß die Interessen
des flämischen Grafen mit denen des französischen Königs
übereinstimmtenm. Zu Recht betrachtete Robert den normannischen
Herzog als seinen gefährlichsten Rivalen; dazu hatte er den Eingriff
Wilhelm FitzOsberns in die flämischen Angelegenheiten keineswegs vergessen,
und es ist daher bedeutsam, daß er kurz nach Abschluß des Vertrages
zwischen Wilhelm und Malcolm
dem Atheling Edgar in Flandern Asyl
gewährte. Philipp hatte seinerseits
im Hinblick auf seinen übermächtigen normannischen Vasallen durch
eine Freundschaft mit dem Grafen von Flandern viel zu gewinnen. Daher ergab
sich zwischen ihnen sehr bald ein "rapprochement", das in der Heirat Philipps
mit Berta von Hennegau, einer Halbschwester
Roberts
[Richtig ist, daß die Gemahlin Philipps Berta
von Holland, Stieftochter Roberts, war.], im oder
kurz vor dem Jahree 1072 seinen Ausdruck fand.
Die angelsächsische Chronik verlegt den Beginn dieser
Krisis auf das Jahr 1085: "In diesem Jahre erzählte das Volk als eine
Tatsache, daß König Cnut von Dänermark,
der Sohn König Sweyns, im Begriff
sei, nach England aufzubrechen, um dieses Land mit Hilfe des Grafen
Robert von Flandern zu erobern." Wie im Jahre 1074 befand sich Robert
von Flandern, dessen Schwester [Richtig: Tochter] den dänischen
König geheiratet hatte, auch jetzt wieder im Krieg.
Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 98,99,107,121
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"Die Anglonormannen"
Am 16. Juli 1070 war Wilhelm
des Eroberers Schwager Graf Balduin VI. gestorben. Seine beiden
jungen Söhne Arnulf und Balduin wurden mit Flandern und Hennegau ausgestattet;
der Regentschaft ihrer Mutter Richildis widerstand aber namentlich
in Flandern eine starke Opposition unter Führung eines anderen Sohnes
Balduins V., nämlich Roberts des Friesen. Dagegen suchte
Richildis nunmehr mit Hilfe des KAPETINER-Königs
Philipp I. zu gewinnen, sondern bot ihre Hand Wilhelm fitzOsbern
an unterstellte ihren Sohn Arnulf seiner Vormundschaft. Wilhelm fitzOsbern
ging darauf ein, eilte mit geringer Gefolgschaft nach Flandern und verlor
am 22. Februar 1071 bei Cassel Braut und Leben: Robert der Friese setzte
sich als Graf von Flandern durch.
Noch 1071 hatte König Philipp
I. zu den Gegnern Roberts des Friesen gezählt; doch
die Intervention des Wilhelm fitzOsbern hatte den neuen Grafen von Flandern
gleichsam anti-normannisch festgelegt, so daß das flandrische Asyl
für Edgar Aetheling bald nach
dem Herbst 1072 die weitere politische Frontstellung signalisierte, und
die kam auch König Philipp I.
zustatten. Besiegelt wurde die flandrisch-kapetingische
Annäherung 1072 oder schon kurz davor durch König
Philipps I. Ehe mit Berta von Hennegau,
der Halbschwester Roberts des Friesen.
Ging somit das Ausbleiben der dänischen Englandinvasion
von 1085/86 auf innerdänische Auseinandersetzungen und nicht auf Abwehrmaßnahmen
Wilhelms
des Eroberers zurück, so wirken diese doch durchaus charakteristisch
und sollten auch weitreichende Folgen zeigen. Knuts
des Heiligen Ehe mit Roberts des Friesen Tochter Adele
deutete auf eine ernsthafte Unterstützung der Dänen durch Flamen
hin.
Schließlich hat Wilhelm
der Rote mit dem Flandern-Grafen Robert dem Friesen,
der am 4. Oktober 1093 starb, noch freundliche Beziehungen angeknüpft;
denn der KAPETINGER-König Philipp I.
hatte 1092 seine bisherige Gattin Berta,
die Stieftochter Roberts des Friesen, verstoßen, um Bertrada
von Montfort, die Gattin Fulkos des Griesgrams, zu entführen
und zu heiraten. Gegenüber Roberts des Friesen Nachfolger Robert
II. nahm Wilhelm der Rote sogar die
Gewährung des überkommenen Geldlehens von 300 Mark wieder auf;
das konnte als Lohn für Neutralität oder gar für Hilfe bei
eventuellen Normandie-Feldzügen ausgelegt werden.
Runciman, Steven: Seite 102,159-160
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Der Kaiser war weitestgehend auf ausländische Söldner
angewiesen und Gruppen von Abenteurern aus dem Westen, die vorübergehend
in seinem Heer Dienst nahmen. Der hervoragendste unter ihnen war Graf
Robert I. von Flandern gewesen, der im Jahr 1090 für den Kaiser
gekämpft hatte.
Roberts Vater Robert I. hatte im Jahr 1086 eine
Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen und war auf dem Rückweg zeitweilig
in den Dienst des Kaisers Alexios getreten,
mit dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1093 in Verbindung blieb.
1063
oo 2. Gertrud Billung von Sachsen, Tochter des
Herzogs Bernhard II.
um 1130/35-4.8.1113
Kinder:
Robert II.
1065-5.10.1111
Gertrud Zweiterbin
um 1066- 1117
1. oo Heinrich III. Graf von Löwen
-5.2.1095
2. oo Dietrich II. Herzog von Ober-Lothringen
-23.1.1115
Adela Ersterbin
um 1064- 1115
1. oo Knut III. König von Dänemark
um 1040-10.7.1086
1092
2. oo Roger Borsa Herzog von Apulien
um 1061- 1111
Philipp Graf von Loo
- vor 1127
Otgiva Äbtissin von Messines
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Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 143 - Brandenburg Erich:
Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt
an der Aisch 1998 Tafel 4 Seite 9 - Die Salier und das Reich, hg.
Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 383,387,426,441/Band
II Seite 550 - Douglas David C.: Wilhelm der Eroberer Herzog der
Normandie. Diederichs Verlag München 1994 Seite 228,229,233,354,363
- Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin
Köln 2000 Seite 75 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 113,118,123
- Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung
in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 VIII,117 Seite 344
- Jäschke Kurt-Ulrich: Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln Mainz 1981 Seite 98,99,107,121 - Leo
Heinrich: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard
Anton Verlag Halle 1832 Seite 22-27 - Runciman, Steven: Geschichte
der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München
1978, Seite 102,159-160 - Schmiele, Emil: Robert der Friese, Dissertation
Sondershausen 1872 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen
Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin
1998, Seite 124 -