Theodald                                                  Markgraf von Canossa (988-1015)
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    - 8.5.1015
 

Ältester Sohn des Markgrafen Adalbert Atto II. von Canossa und der SUPPONIDIN Ildegarda
 

Theobald folgte dem Vater und nannte sich auch Markgraf zu Canossa, Modena, Reggio und Mantua, um 1001 auch Graf von Brescia und Ferrara mit Parma, Piacenza, Bergamo und Cremona. Er war eine treue OTTONEN-Stütze und zeitweise kaiserlicher Missus. Er stritt viel mit den Bischöfen von Verona wegen der Neuerwerbungen nach Norden hin und stieg zum mächtigsten Herrn in Mittelitalien auf, zumal 1001 Markgraf Hugo der Große von Tuszien-Spoleto starb. Er ging 1002 sofort zu HEINRICH II. über und half ihm gegen Arduin von Ivrea.

Trillmich Werner: Seite 348
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Adalberts Sohn Tedald (+ 1013/15), der sich den Titel Markgraf zulegte, erwarb die Grafschaft Ferrara hinzu, die bei Comacchio bis an die Adria reichte. In der Mark Verona brachte er, oft sehr gewaltsam, Lehen des Bischofs von Verona und der Abtei S. Zeno an sich, unter anderem die Höfe Rivva und Sirmione am Gardasee. Innerhalb seines recht geschlossenen Territoriums mit einer großen Zahl leistungsfähiger Vasallen lagen außer dem Kloster Nonantola, schwachen bischöflichen Herrschaften und Streugut von Standesgenossen nur noch die Rechtsbezirke unterlegener adliger Herren. Als Familienkloster gründete Tedald Polirone, das freigebig mit Grundbesitz ausgestattet und gegen Eingriffe des Bischofs von Mantua - des Deutschen Hiltolf (1007-1040) - sorgfältig abgesichert wurde. Gottfried, der Bruder des Markgrafen, wurde mit der Bischofswürde von Brescia und Luni ausgestattet. Eine Schwester, Prangarda, heiratete den Markgrafen Manfred von Turin. Für HEINRICH II. erwies sich der Herr von Canossa als der wichtigste und zuverlässigste Bundesgenosse in Italien, der im Gegensatz zu den übrigen Großen der Lombardei König Arduin seit 1002 die Anerkennung versagte.
Im Gegensatz zum familienrechtlichen Brauch der übrigen Dynastengeschlechter Italiens erwirkte Tedald, um die Unteilbarkeit der Familiengüter in der Hand eines einzigen Erben zu gewährleisten, seinem ältesten Sohne Bonifaz Mitbelehnung durch König und Episkopat.

Golinelli Paolo: Seite 45-47,57
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"Mathilde und der Gang nach Canossa"

Erstmals begegnet sein Name 973 in einer in Bergamo ausgestellten Urkunde, zusammen mit seinem Vater Adalbert und seinem Bruder Rudolf, in der er einen Verkauf von Gütern zustimmt, den seine Kusine Adelchinda im Gebiet von Bergamo tätigte.
Adelchinda war der von Margherita Giuliana Bertolini erstellten Genealogie zufolge die Tochter eines Bruders von Adalbert, Siegfried (Sigefredus), des Stammvaters der BARATTI in Parma. Andere Nachkommen des ersten Siegfried "de comitatu Lucensi" verbanden sich mit bedeutenden oberitalienischen Dynastien: den ARDUINEN, die die Grafschaft Parma innehatten, den WIBERTINERN und den DA BESATE.
Die ATTONEN von Canossa, oder einfach die CANOSSA, wie sie von den Historikern genannt werden, bildeten die Hauptlinie der Nachkommen Siegfrieds. Das erklärt ihre Erwähnung in Urkunden und Rechtshandlungen, die - scheinbar - mit ihren Interessen nichts zu tun hatten. Ihre Macht gründete sich auf die gräfliche Jurisdiktionsgewalt, mit der die Ausübung öffentlicher Rechte verbunden war (Gerichtsgewalt, Erhebung von Grundzins und Sonderabgaben, Brücken-, Ufer- und Wegezölle, Bannrechte auf Wald und Weide, Befestigungsrechte usw.); sie besaßen aber auch eine große Anzahl von Eigengütern (im Mittelalter Allodialgüter genannt) in verschiedenen Teilen Nord- und Mittelitaliens. Die Anwesenheit Adalbert Attos und seiner Söhne Rudolf und Tedald bei dem Verkauf, den Adelchinda tätigte, ist daher durch ihr direktes Interesse an jenen Ländereien motiviert, die wahrscheinlich zu einer noch nicht aufgeteilten Erbschaft gehörten. Sie wurden wohl herbeigerufen, um die Verkaufsurkunde zu unterschreiben. Daraus läßt sich erschließen, wie ausgedehnt das Gebiet war, in dem diese Familie in so kurzer Zeit Güter und Rechte erworben hatte.
Ein zweites Mal begegnet uns Tedald - diesmal mit dem Grafentitel - in der Bulle Papst Benedikts VII., in der die Verehrung des heiligen Apollonius in Canossa und die Gründung einer Kanonikerkommunität bestätigt wird. Von seinem Bruder ist nicht mehr die Rede. Tedald bekommt hingegen den Grafentitel noch zu Lebzeiten seines Vaters, indessen Auftrag er die Pilgerfahrt nach Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten unternommen haben soll. Daraus kann man folgern, dass Adalbert Atto seinen Sohn an der Verwaltung seiner Grafschaften beteiligen wollte, wie es später auch Tedald mit seinem Sohn Bonifaz und Mathilde mit ihrem Adoptivsohn Guido Guerra versuchen wird - ein bewährtes Mittel, um für die Nachfolge zu sorgen.
"Tedalds Gemahlin war Guillia, die Herzogin genannt, durch ihre Frömmigkeit gefiel sie den Armen und Mächtigen." Über die Herkunft von Tedalds Gemahlin Guillia (oder Willa) war man sich in der Forschung nicht einig. Am interessantesten ist die Hypothese, die Willa als Schwester Markgraf Hugos von Tuszien identifiziert. Diese Annahme wurde kürzlich von Margherita Giuliana Bertolini wieder aufgenommen und durch drei Indizien gestützt:
1. die verführerische Namensgleichheit (Willa hieß auch die Mutter des Markgrafen Hugo, und der gleiche Name erscheint noch zweimal bei ihren Verwandten; der Vater und ein Enkel besagter Willa hießen überdies Bonifaz, ein Name, der in der Dynastie der CANOSSA bislang nicht vertreten war und der dann einem Sohn von Tedald und Guillia gegeben wurde);
2. die Burg Zola Predosa in der Gegend von Bologna, die zum Teil dem Bruder von Hugos Mutter Willa gehört hatte, ist zur Zeit des Markgrafen Bonifaz als Besitz der CANOSSA belegt
3. den Bischofssitz von Arezzo hatte von etwa 960 bis 986 ein Bruder jener Willa inne, Everard, später jedoch ein Sohn Guillias und Tedalds von Canossa, der ebenfalls Tedald hieß.
Wie kam die Macht der CANOSSA zustande? Die Heiratspolitik der Familie war einer der Angelpunkte. Ein einschneidendes Ereignis war die Übertragung der Markgrafschaft Tuszien an die CANOSSA, die sicher auf den Konflikt zwischen dem Reich und dem oberitalienischen Lehnsadel zurückzuführen war, aber wahrscheinlich auch mit der Tatsache zusammenhing, dass die CANOSSA bereits in der Toskana präsent waren und dort einen gewissen Einfluß hatten. Dies wäre leicht erklärlich, nimmt man an, dass Tedalds Frau Giullia die Schwester des großen Markgrafen Hugo von Tuszien war.
Das gleiche vollzieht sich, auf niedrigerer Ebene, bei der Grafschaft Brescia, zu deren Inhaber Tedald erhoben wird: Zuerst gewinnen die CANOSSA mit dem Bischof Gottfried, der aus ihrer Familie stammt, und durch den Erwerb zahlreicher Allodialgüter eine gewisse Präsenz in der Stadt, dann erwirken sie - spätestens um 1001 - die Jurisdiktionsrechte über sie, wie Donizo berichtet und wie aus den Urkunden hervorgeht.
Tedald ist eine weitere Erwerbung für seine Dynastie zu verdanken: Ferrara. Auch dazu gibt es viele strittige Fragen, die sich aus den Quellen nicht hinreichend beantworten lassen. Der einzige, der diese Nachricht überliefert hat, ist wiederum Donizo, und zwar in ziemlich kryptischer Form: "Der Papst in Rom, der ihn sehr schätzte, gab zur Herrschaft ihm Ferrara", eine Version, die im Widerspruch zu den Rechten steht, die die Erzbischöfe von Ravenna, gestützt auf besondere kaiserliche Privilegien wie das Diplom OTTOS III. aus dem Jahr 999, auf die Stadt und ihr Territorium geltend machten. Aber sowohl aus dem Urkundenmaterials auch aus einschlägigen Untersuchungen geht hervor, dass die CANOSSA in der Tat im 11. Jahrhundert die Grafenherrschaft über Ferrara und über einen großen Teil seines Umlands ausübten, vor allem in dessen nordwestlichem Abschnitt, in dem auch ihre Vasallen ihre Rechte und Herrschaft im östlichen Teil wahrnahmen. Die Residenz der CANOSSA, ein Symbol für ihre Macht, hinterließ in Ferrara deutliche toponomastische Spuren im "Quartiere di Castel Tedaldo".
War der Aufstieg der CANOSSA der Gunst OTTOS I., die Adalbert Atto genoß, und ihrer engen Bindung zum Reich zu verdanken, so war es nur natürlich, dass sich diese Bindung nicht allzu schnell lockern würde. Die CANOSSA gehörten deshalb lange Zeit zu den treuesten Anhängern des Reichs, auch in Krisenzeiten, wie beispielsweise als der erst 22-jährige OTTO III. 1002 während seines dritten Italienzugs bei Civita Castellana starb. Wer sollte sein Nachfolger werden? Wie 100 Jahre zuvor zerfiel der hohe Lehnsadel Reichsitaliens in zwei Parteien: Markgraf Arduin von Ivrea ließ sich von den "langobardischen" Herren am 15. Februar 1002 in Pavia zum König von Italien wählen; andere Lehnsträger unterstützten dagegen den legitimen Thronerben HEINRICH II., einen Vetter des verstorbenen Kaisers. Tedald war einer der ersten, der auf HEINRICHS Seite trat, zusammen mit Erzbischof Arnulf von Mailand. Zu ihnen gesellten sich andere große oberitalienische Herren wie der Erzbischof von Ravenna und Otto, Herzog von Kärnten und Markgraf von Verona, der Ende des Jahres 1002 gegen Ardiun zog. In dem Zusammenstoß bei Campo di Fabbrica im Gebiet von Verona siegte der König von Italien, und der Herzog von Kärnten mußte nach Norden zurückweichen. Im Frühjahr 1004 zog jedoch HEINRICH II., der bereits in Deutschland als Kaiser anerkannt war, mit einem starken Heer nach Italien und zerstreute Arduins Truppen. Von Verona zog er nach Brescia und von dort nach Bergamo, wo ihm die großen Vasallen und die mächtigen Bischöfe huldigten. Unter ihnen befand sich auch Tedald. Es ist bezeichnend, dass der Biograph HEINRICHS II., Adalbold von Utrecht, dies eigens erwähnt.
In Pavia wurde HEINRICH II. zum König von Italien akklamiert und gekrönt. Bald darauf rebellierte die Stadt jedoch gegen ihn. Der Herrscher unterdrückte diesen Aufstand mit äußerster Härte und wurde dabei anscheinend von canossischen Bewaffneten unterstützt. Nach all diesen Ereignissen war HEINRICH II. fest als Herrscher etabliert; Tedald setzte die kaiserfreundliche Politik seines Vaters fort und zog aus dem Sieg des Kaisers dementsprechende Vorteile. Unter ihm vergrößerte sich das Herrschaftsgebiet der CANOSSA nach verschiedenen Richtungen hin: Im NW gewann er die Grafschaft Brescia, die sich bis in das heutige Gebiet von Cremona erstreckte; im Osten erhielt er Ferrara und einen Teil von dessen Territorium und griff dann in Richtung auf die Salinen von Comacchio und die Adria aus. Er versuchte auch im Norden Expansionspolitik zu betreiben und eignete sich den Fronhof (Curtis) Riva del Garda an, wurde aber von dem Herzog von Kärnten gezwungen, ihn an den Bischof von Verona zurückzugeben. Diese Gebiete waren zu stark geschützt, als dass die CANOSSA dort hätten eindringen können. Auch in der Folgezeit ging ihr Herrschaftsgebiet nicht über das Veroneser Becken hinaus.
Im Süden genügte es - wenn M. G. Bertolinis Hypothese zutrifft - , sich mit dem mächtigen Hugo von Tuszien zu verschwägern, um die Allodialgüter zu halten, die die CANOSSA in der Garfagnana und in der Versilia besaßen.
Die geographische Mitte des Herrschaftsgebiets der CANOSSA bildete nun nicht mehr der Apennin, sondern der Po. Nicht von ungefähr gründete Tedald im Jahre 1007 am Po das Kloster San Benedetto Polirone.
Tedald starb zwischen 1007 und 1012. In einer Schenkung seines Sohnes Bonifaz an das Kloster San Benedetto Polirone aus dem Jahr 1012 wird er als bereits verstorben bezeichnet. Seiner Ehe mit Guillia entstammten drei Söhne: Tedald, der die kirchliche Laufbahn einschlug und von 1023 bis vor 1036 Bischof von Arezzo war; Bonifaz, der dem Vater nachfolgte, und Konrad, den Donizo einen "Kriegsmann, stark wie ein Löwe" nennt, der aber in jungen Jahren starb. Einer von Tedalds Söhnen wurde Kleriker, einer starb in jungen Jahren, einer war zum Nachfolger bestimmt. Tedald traf genaue Verfügungen für seine Nachfolge; in seinen letzten Lebensjahren beteiligte er Bonifaz an der Herrschaft. Schenkt man Donizo Glauben, so soll er auf dem Sterbebett seine Vasallen gezwungen haben, seinem Sohn Treue zu schwören.

Pauler Roland: Seite 37,59
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"Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit"

Nach der Niederlage des deutschen Heeres im Jahre 1003 unter Herzog Otto von Kärnten forderten Tado und Bischof Otbert von Verona als Gesandte Leos und des Markgrafen Thedald von Canossa HEINRICH II. selbst zum Kommen auf.
Thedald, Adalbert-Attos Sohn, der ungeteilt die väterliche Macht übernahm, obwohl er Brüder hatte, erhielt den Titel marchio und erwarb noch die Grafschaften Brescia und Ferrara hinzu, wobei ihm die Grafschaft Ferrara, die zum Exarchat gehörte, wohl vom Papst verliehen worden war; neben dem Markgrafen amtierte dort auch noch ein Graf. Wann Thedald die Grafschaft Ferrara übertragen wurde, läßt sich nicht mehr rekonstruieren; die Grafschaft Brescia jedenfalls erhielt er in der Zeit OTTOS III. [Erstmals ist Thedald 1001 als Markgraf und Graf von Brescia erwähnt - Tiraboschi, Nonantola 2, Nr. 100, Seite 134. Vgl. Bresslau, Jbb. Konrads II., I Seite 437.]
Thedald wurde zu einer der wichtigsten Stützen HEINRICHS II. im Kampf gegen Arduin, wohl weil er sich vom Kaiser weitere Unterstützung erhoffte und ein einheimischer König sicher versucht hätte, den riesigen Machtkomplex in seinen Händen zu vermindern.

Bresslau Harry: Band I Seite 433-437
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II.

Donizo (v. 411. 412. 435ff.) erwähnt drei Söhne Attos, Gottfried, Rodulf, Thedald; die Tochter Prangarda, die, wie wir oben (Seite 363) sahen, mit Manfred I. von Turin, aber vielleicht erst nach dem Tode des Vaters vermählt ward, nennt er nicht. Gottfried ist Bischof von Brescia geworden und begegnet als solcher bis zu Ende des 10. Jahrhunderts; Rodulf, den wir noch 973 bei seinem Vater, starb vor demselben an einem 21. Juli (Donizo v. 593. 94). Somit blieb der Erbe von Attos ganzen Besitzungen (Donizo v. 435 ff.): ille Tedaldus,
                            Qui post Attonem totum servavit honorem.
Thedald wird von vornherein als Markgraf bezeichnet, ein Titel, den er nun auch seinem Vater gibt, den dieser selbst aber niemals beigelegt zu haben scheint. Bereits im Jahre 989 tritt zu Pavia bei einem Tauschgeschäft der Abtei Nonantola Ilderadus missus domini Theobaldi marchionis auf, und später nennte sich Thedald selbst Theodaldus marchio filius quondam Adalberti itemque marchio.
An der Politik seines Vaters hielt im Ganzen auch Thedald unverändert fest, sodaß es nicht befremden kann, wenn wir ihm 986 als Königsboten begegnen. 993 zwar scheint er vorübergehend in einen Konflikt mit den Reichsgewalten gekommen zu sein. Von dem Bischof Otbert von Verona wurde er nebst einer Verwandten (Berta cognata sua), die wir in den Stammbaum des Hauses einzureihen nicht vermögen, wiederholentlich vor dem Gericht des Herzogs von Kärnten und Markgrafen von Verona wegen widerrechtlicher Vorenthaltung des dem Bistum gehörigen Hofes Riva am Gardasee belangt, ohne sich dem Richter zu stellen, so daß er abwesend verurteilt wurde. Doch hinderte ihn dies nicht im Jahre 1002 nach der Wahl Arduins sich entschlossen auf die Seite des deutschen Königs HEINRICHS II. zu stellen. Es ist bekannt, wie er bereits im Winter 1002, als HEINRICH den Herzog Otto von Kärnten nach Italien sandte, nebst dem Erzbischof Friedrich von Ravenna und anderen Getreuen seine Scharen bereit hielt, um sie mit dem deutschen Heer zu vereinigen; wie er auch nach der Niederlage Ottos nicht zu Arduin überging, sondern persönlich oder durch Boten mit HEINRICH in Verkehr trat, welcher im Februar 1003 "per interventum nostri fidelis Theobaldi marchionis" beim Bischof von Parma das Kloster Nonantola schenkte (St. 1349): wie er sodann im Frühjahr 1004, als HEINRICH endlich in Italien einrückte, ihm in Verona entgegenkam "gaudens tempus advenisse, quo secretum bonae voluntatis sibi liceret ... aperire". Welchen Lohn das Geschlecht für diese Treue empfing, wird noch zu erwähnen sein. Unter den von Theodald ausgestellten Urkunden verdient besondere Beachtung seine Dotationsurkunde für das von ihm einige Jahre früher gegründete, bald neben Canossa zur eigentlichen Familienstiftung gewordene Kloster Polirone; nicht nur die reiche Ausstattung des Klosters mit Grundbesitz - allein in der Gegend von Casale-Barbatum 700 Jugera - sondern auch die Fürsorge gegen Vergabungen desselben durch den König oder eine andere weltliche Macht ist bemerkenswert. Die Ernennung des Abtes behält der Markgraf sich und seinen Erben vor; er ermächtigt die jeweilig ernannten Äbte, falls der Bischof von Mantua ihnen die Weihe verweigere oder an lästige Bedingungen knüpfe, sich von jedwedem anderen Bischof weihen zu lassen; er untersagt jede Veräußerung von Klostergut durch Tausch-, Precarien- oder Libellvertrag ohne seine oder seiner Erben Zustimmung, soweit sie nicht an Kolonen des Klosters erfolgt.
Das Todesjahr Thedalds steht nicht fest. Noch 1011 war er am Leben; sein Sohn Bonifaz urkundet am 25. Juli des Jahres als Bonifacius marchio filius domini Theudaldi itemque marchio; im März 1017 dagegen war er verstorben, wie sich aus anderen Urkunden des Sohnes ergibt. Der Todestag war nach Donizo v. 591 der 8. Mai. Über seine Gemahlin sagt Donizo v. 452:
                               "Uxor Tedaldi fit Guillia dicta ducatrix,
eine durch den der Willa gegebenen Titel bemerkenswerte Angabe. Welchem Hause sie angehörte, wissen wir nicht; 1007 war sie bereits tot, da Thedald pro anima mea et quondam Willae conjugis suae in der Dotationsurkunde für Polirone disponiert; ihr Todestag war nach Donizo v. 596 der 30. August. Aus der Ehe zwischen Thedald und Willa entsprossen drei Söhne Thedald, Bischof von Arezzo, der um 1020 durch die Gunst HEINRICHS II. dies wichtige Bistum erhielt, Bonifaz und Konrad. Bonifaz, von dem in diesen Jahrbüchern schon mehrfach die Rede war und noch öfter zu sprechen sein wird, war vom Vater, der offenbar fürchtete, durch eine Teilung seiner Besitzungen werde die mühsam errungene Machtstellung des Hauses zu sehr geschwächt werden, zu seinem alleinigen Erben bestimmt; schon 1004 urkundet er selbständig und mit dem Titel marchio für Polirone zu Mantua. Noch vor Thedalds Tod wurde er demgemäß, dem in diesen Dynastengeschlechtern sonst geltenden Fanilienrecht zuwider, in den Besitz der gesamten Lehen und Güter seines Vaters eingewiesen, dessen Vasallen und Diener ihm huldigen mußten, vgl. Donizo v. 462 ff.:
                                      Nam pater ipsorum moriens benedixit eorum
                                Peronas. Post se precepit major ut esset
                                Natus, dilectus Bonifacius atque modestus.
                                Cui juraverunt, patre tunc vivente fidelis
                                Servi, prudentes proceres, comites pariterque.

Im Besitz einer vierten Grafschaft, der von Brescia, erscheint, soweit das bis jetzt bekannte Quellenmaterial reicht, erst Thedald, der 1001 als marchio et comes ipsus comitatu Bresianense richtet; die Verhältnisse der Grafschaft in früherer Zeit bedürfen noch einer genaueren Untersuchung. Sicher ist nur, daß der Comitat um Brescia im 10. Jahrhundert eine bedeutend größere Ausdehnung hatte, als die bischöfliche Diözese, daß insbesondere die Stadt und wohl auch der größte Teil der Diözese Cremona dazu gehörten. Schon im Anfang des 10. Jahrhundert begannen aber die Bischöfe von Cremona, Teile der Grafengewalt an sich zu bringen. 916 klagte Bischof Johannes bei BERENGAR I., daß die ministeriales Brixiensis comitatus und die Leute des Königshofes Serpilas (Sespile) seine Hintersassen mit Abgaben und Gerichtszwang drängten, und erwirkte ein Diplom (BRK 1356), welches dem Grafen und Vicegrafen die Ausübung seiner Befugnisse in der Stadt und einem Umkreise von 5 Miglien untersagte und "quincid ad publicam partem in eadem civitate vel foris ad miliaria quinque de comitatu Brixianense et de curte nostra Sexpilas juste et legaliter huc usque pertinuit" dem Bischof überwies. Wie schon Ficker bemerkt hat, enthält diese Urkunde nicht mit ausdrücklichen Worten eine Verleihung der Grafenrechte an den Bischof; indessen beabsichtigt war diese wohl, und schon am Ende des 10. Jahrhunderts ward das Recht des Bischofs durch Urteil des Hofgerichts anerkannt; 1184 führt derselbe den Titel comes.
Wie das Bistum Cremona, so scheint auch der Königshof Sespile mit seinem Gebiet von der Grafengewalt eximiert gewesen zu sein; zu Ende des 11. Jahrhunderts finden wir hier einen Grafen Bernhard, der seinen Titel nur von diesem Hofe führen kann. Was dann innerhalb der Diözese Cremona dem Grafen von Brescia noch an Gebiet blieb, wird wohl im wesentlichen zusammenfallen mit dem districtus de Insula Fulcherii, der um 1045 von HEINRICH III. sowie von Markgraf Bonifaz besessen, dem Bischof von Cremona verliehen wurde. Zur Ausführung dieser Verleihung kam es dann freilich nicht; erst 1098 entschloß sich Mathilde die Commune von Cremona an Stelle des Bistums (a parte S. Mariae Cremonensis ecclesiae seu ad communem ipsius Cremonae civitatis) mit dem Gebiete, das nun geradezu als comitatus Insulae Fulcheri bezeichnet wird, zu belehnen; und bei den späteren Streitigkeiten um das Mathildische Gut spielt dann gerade dies Gebiet eine bedeutende Rolle.
Endlich hat Thedald noch eine fünfte Grafschaft, die von Ferrara, erworben. Es genügt dafür die erschöpfende Zusammenstellung des Materials zu verweisen, welche Ficker gegeben hat; nach derselben ist es doch sehr wahrscheinlich, daß schon Thedald die Verleihung der Grafschaft, die übrigens zum Exarchat gehörte, dem Papste verdankte. Die Rechte der gräflichen Gerichtsbarkeit über die Bürger der Stadt sind von HEINRICH III. 1055 sehr genau geregelt worden (St. 2478) und haben sich hier bis zum Schluß des 12. Jahrhunderts ziemlich in derselben Weise erhalten.
 
 
 
 

  oo Willa von Bologna, Tochter des Markgrafen Teubaldus von Spoleto
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Kinder:

  Bonifaz I.
  um 985-6.5.1052 ermordet

  Konrad
  um 990-15.7.1030 gefallen

  Theodald Bischof von Arezzo (1023-1036)
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Literatur:
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Bresslau Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker&Humblot Leipzig 1879 Band I Seite 431-437 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 13,34,56,93,114,120,121 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 Seite 37,59,63,71,73,78,93,97,114,140 -
 
 
 
 
 


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