Eudo, Odo                                                 Herzog von Aquitanien (688-735)
--------------
    -   735
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 73
********************
Eudo, Fürst von Aquitanien
--------
     + 735

Literarische Quellen bezeichnen Eudo als dux oder princeps, wahrscheinlich war er zeitweise rex. Bezeugt sind zwei Söhne, Hunald und Ato, sowie eine Tochter (Lampegia?). Die Herrschaft des nominell vom Franken-König abhängigen Eudo begann um 700. Chilperich II. und sein Hausmeier Raganfrid wandten sich nach ihrer Niederlage gegen Karl Martell bei Vincy 717 an Eudo und baten ihn um ein Bündnis; dafür boten sie ihm die Anerkennung als rex, also die rechtliche Unabhängigkeit vom Frankenreich. Eudo vermochte jedoch Karl Martell nicht zu schlagen; 720 schloß er mit ihm einen amicitia-Vertrag. Damals erreichte die Macht Eudos, der mit Gregor II. in Verbindung stand, ihren Höhepunkt. Die über die Pyrenäen vorstoßenden Araber besiegte Eudo 721 vor Toulouse. Der Sicherung vor weiteren arabischen Angriffen diente ein Bündnis mit dem von den Arabern abgefallenen Berber-Fürsten Munnuz, der die Tochter Eudos heiratete. Munnuz konnte sich jedoch in der Cerdagne nicht gegen den arabischen Statthalter behaupten. Die Araber fügten Eudo auf ihrem Zug nach Tours 732 bei Bordeaux eine schwere Niederlage zu.

Literatur:
-----------
Hist. de l'Aquitaine, hg. Ch. Higounet, 1971, 135 - M. Rouche, L'Aquitaine des Wisigoths aux Arabes 418-781, 1979.


Eudo unterstützte Chilperich II. gegen Karl Martell, erlitt aber 718 bei Soissons eine Niederlage und lieferte Chilperich aus. 721 schlug er die Araber vor Toulouse. 732 bei Dordogne geschlagen, floh er zu Karl Martell, der ihm das Land nach dem Sieg über die Araber unter seiner Oberhoheit zurückgab. Seine Söhne suchten sich unabhängig zu machen, unterlagen aber 769.

Werner Karl Ferdinand: Seite 362,365,368
*******************
"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000"

Lupus' Nachfolger Eudo war ein bedeutender Anführer. Er verteidigte sein Land heldenhaft gegen die Araber und konnte dabei vor den Mauern von Toulouse im Jahr 721 einen Sieg erringen. Der Liber pontificalis, die Geschichte der Bischöfe von Rom, erwähnt diesen Erfolg ud erklärt ihn mit den Geschenken - Stücke von geweihten Schwämmen - die man dem Herzog und seinen "Franken" geschickt habe Diese Nachricht ist bemerkenswert, weil sie zeigt, daß der Herzog von Aquitanien, wie gleichzeitig auch der von Bayern, bereits eigene Beziehungen zur Kurie unterhielt. Daß Aquitanien zum Frankenreich gehörte, war für die Zeitgenossen völlig selbstverständlich. Selbst die Araber bezeichneten die Gebiete nördlich des mohammedanisch gewordenen Spanien als "Ifrandja", Francia. Der Liber pontificalis aber gibt dem Herzog einen sehr bedeutungsvollen Titel: Aquitaniae princeps, "Fürst" von Aquitanien. Er hatte das Ziel seiner Dynastie erreicht. Die aquitanischen Quellen des 8. Jahrhunderts bezeichnen Eudo sowie dessen Nachfolger Hunoald und Waifar mit dem Titel princeps, der sogar vom Papst anerkannt war. Auch die KAROLINGER selbst mußten ihn gelegentlich zugestehen.
Die Neustrier waren mit Herzog Eudo von Aquitanien verbündet, der nach der Niederlage König Chilperich II. an Karl Martell auslieferte. Dafür erhielt er die Anerkennung seiner Stellung als dux und princeps in Aquitanien und wurde damit als erblicher Herrscher mit einer gewissen Autonomie bestätigt.
Eudo von Aquitanien hatte im jahr 721 vor Toulouse den Arabern siegreich widerstanden. 725 aber wurde Autun von den Mohammedanern geplündert, und im Jahr 732 schien Aquitanien verloren. Eudo hatte für die Verteidigung der Christen vorteilhafte Bündnisse mit Araber-Fürsten abgeschlossen, die gegen ihre Zentralregierung eingestellt waren. Als Strafe folgte ein Angriff, den Abdarrahman, der oberste Heerführer des islamischen Spanien, persönlich leitete. Eudo richtete einen Hilferuf an Karl, der auch ein Heer aufbot, um Tours, die heilige Stadt des Frankrenreichs, zu schützen. Sie war ganz offensichtlich das Ziel der Araber. Am 25. Oktober 732 wurden die Angreifer  aber bei Moussais, zwischen Poitiers und Tours, abgefangen.Die Schlacht war erbittert und kostete den arabischen Feldherrn sein Leben.

Ewig Eugen: Seite 200
**********
"Die Merowinger und das Frankenreich"

Der aquitanische Herzog - wahrscheinlich war es schon Eudo, der spätere Kontrahent Karl Martells - dehnte seine Herrschaft auf die nordaquitanischen civitates aus. Pippin selbst griff mit einem Feldzug nach Bourges ein, vermutlich in den Jahren 711/12 Ob er Eudo, den Herzog von Toulouse, noch einmal zurückdrängen konnte, ist unbekannt. Spätestens in den Jahren nach seinem Tod hat Eudo Poitiers, Bourges und Clermont in sein Herzogtum einbezogen.

Riche Pierre: Seite 46,54,64
***********
"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa"

Nachdem Herzog Lupus gegen Ende des 7. Jahrhunderts vom Schauplatz verschwand, nahm Eudo dessen Stelle ein und erreichte den Rang eines Stammesfürsten. Will an dem Bericht der Miracula Austrigisili glauben, ging Pippin gegen Eudo im Berry vor.
Die Neustrier  waren bei ihren erneuten Bemühungen um Bundesgenossen auf Aquitanien gestoßen. Wie erwähnt, hatte sich hier Herzog Eudo so etwas wie ein selbständiges Reich aufgebaut, vielleicht wollte er sogar König werden. Eudo rief die Basken zu den Waffen, die tüchtigsten Krieger Aquitaniens, und marschierte mit seinem Heer zur Unterstzung der Neustrier nach Norden, bis Paris. Sofort schlug Karl zurück und siegte 719 bei Soissons. Eudo konnte sich durch die Flucht retten, mit sich führte er den kleinen König Chilperich II. und dessen Schatz. Eudo kam  nun zu der Überzeugung, daß er verhandeln mußte. Er war bereit, Frieden mit Karl zu schließen. Im Jhar 720 übergab er ihm König Chilperich samt desen Schatz.
Toulouse wurde im Jahr 721 durch den aquitanischen Herzog Eudo gerettet. Sein Sieg wurde bis hin nach Rom sehr beachtet. Die Araber wandten sich nun zum Unterlauf der Rhone, zogen flußaufwärts und stießen weit nach Burgund vor, wo sie Autun plünderten (725). Herzog Eudo, den sein Erfolg kühn gemacht hatte, versuchte seine Stellung durch das Bündnis mit einem Berber-Fürsten zu festigen. Er hatte auch keine Bedenken, Feinde Karl Martells in Aquitanien aufzunehmen, so den ehemaligen neustrischen Hausmeier Raganfred und Bischof Rigobert von Metz. Um die Aquitanier in Verruf zu bringen und Karl Martells Eingreifen zu rechtfertigen, behauptete die karolingische Propaganda sogar, Eudo sei noch weiter gegangen und habe die moslemischen Truppen gegen Karl selber ins Land gerufen.Das Gegenteil ist richtig: Als der neue Statthalter Spaniens, Abd-arrahman, im Jahr 732 durch das Baskenland in Aquitanien einfiel und plündernd in Richtung Bordeaux marschierte, rief Eudo Karl Martell zu Hilfe. So kam es zu der berühmten Schlacht von Poitiers. Die Araber hatten bereits die Hilariusabtei vor Poitiers niedergebrannt und wollten nun Sankt Martin in Tours einnehmen, dessen Reichtum sie verlockte. Nachdem es eine Woche lang nur zu Geplänkel gekommen war, konnten Eudo und Karl Martell das arabische Heer an der Römerstraße von Poitiers nach Tours besiegen. Der genaue Ort ist höchstwahrscheinlich Moussais, das Datum der 25. Oktober 732.
Poitiers setzte auch den Ambitionen Herzog Eudos ein Ende. Karl Martell nützte seinen Sieg und Eudos Tod (735), um einen Vorstoß bis an die Garonne zu unternehemn.
 
 
 

  oo N.N.
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Hunold
         -   774

  Hatton (Ato)
       -

  Remistan
         -   768 gehenkt
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 169,200,205 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987 Seite 47,50 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 46,54,64 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 37,45 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 360, 362,365,368 -
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de