Adalbert                                                   Markgraf von Ivrea (901-923)
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    -   923
 

Sohn des Grafen Anskarius I. von Oscheret
 

Adalbert folgte dem Vater, rief 900 und 905 LUDWIG III. VON BURGUND gegen BERENGAR I. ins Land und ermöglichte diesem das Kaisertum. Er half ihn 905 aber zu blenden und verjagen und bestimmte als Beherrscher wichtiger Alpenpässe (Großer und Kleiner Sankt-Bernhard) mit seiner Haltung entscheidend die norditalienische Geschichte seiner Zeit. Er beherrschte weitgehend Piemont, fiel 920 von seinem Schwiegervater ab und rief Rudolf II. von Hoch-Burgund ins Land, der 921 bei Brescia BERENGAR unterlag, ihn aber nach dem Sieg bei Fiorenzuola 922 verjagte.

Hlawitschka, Eduard: Seite 100-104
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962)"

III.       ADALBERT von Ivrea

gehört zu denjenigen oberitalienischen Großen, die auf die Geschichte Italiens zu Beginn des 10. Jahrhunderts den maßgeblichen Einfluß ausübten. Schon die erste Erwähnung zeigt ihn in einer Rebellion gegen König BERENGAR, obgleich er dessen Tochter Gisela zur Frau hatte; zusammen mit einigen anderen oberitalienischen Grafen schickte er im Jahre 900 Boten an König LUDWIG DEN BLINDEN von der Provence, damit dieser komme und BERENGAR die Macht entreiße [Liutprand, Antapod. lib. II, c 32-35, Seite 52ff. Wenn Berengar II., der Sohn Adalberts von Ivrea aus der Ehe mit Gisela (Antapod. lib. V, c. 4) bereits im April 918 als comes et missus discurrens in Mailand einen Gerichtstag abhält (C d L Seite 822, nr. 475), dann muß er - dies zur Bestätigung der Nachricht Liudprands - mindestens schon um 900 geboren sein, das heißt die Ehe Adalberts mit Giselamuß also schon vor 900 - vor der Rebellion - geschlossen gewesen sein. Die Verheiratung Adalberts mit Gisela ist auch ersichtlich aus dem Diplom König Hugos vom 24. Juli 929: curtis Pollicinum, qua(e) a Gisla eidem Adelberto evenit; Schiaparelli, I dipl. di Ugo Seite 63, nr. 321.]. Adelbertus marchio filius quondam Anscherii et Leutfredus comes ac etiam Radulfus comes et Unaldus wurden hernach auch von LUDWIG (am 21. April 902) in Vercelli als seine dilectissimis fideles bezeichnet, als sie für einen Vasallen des Vicegrafen Gariard/Gaddo die Überlassung einer curticella in Cusiningo erbaten [Schiaparelli, I dipl. di Lodovico III. Seite 51, nr. 18. - Der Adalbertus inclytus marchio, der am 11. März 901 mit dem Pfalzgrafen Sigefred bei LUDWIG in Pavia intervenierte (Seite 26, nr. 9), dürfte dagegen eher mit dem Adalbertus illustris Tusciae marchio, der mit Sigefred und Adelelm von Valence am 12.Oktober 900 schon einmal in Pavia war (Seite 5, nr. 2), zu identifizieren sein. Ob das gleiche auch für den Adelbertus eines verfälschten Diploms LUDWIGS vom 11. Februar 902 gilt (Seite 76, nr. + IV - ricose ad un diploma autentico di LODOVICO III), oder ob hier in der von Adalbertus ac etiam Sigefredo dicibus für das Kloster Nonantola erbetenen Urkunde der Markgraf Adalbert von Ivrea gemeint ist, muß offen bleiben.]. Diese Leute und dazu der Markgraf Adalbert von Tuszien, der Pfalzgraf Sigefred und der Graf Gotfried waren die Stützen der Herrschaft LUDWIGS in Italien; und unter ihnen nahm Adalbert durch die Beherrschung NW-Oberitaliens und der Paßstraßen nach Burgund und nach der Provence eine überaus wichtige Stellung ein. In Vercelli erkannte Adalbert damals (9. Mai 902) vor einem Missus LUDWIGS DES BLINDEN die auf Intervention seines Vaters von Kaiser WIDO dereinst ausgestellte Freilassungsurkunde des Einwohners Martinus aus Vercelli als zurecht bestehend an. Schon im März des Jahres hatte er in Novara dem iudex et notarius Evertus die Erlaubnis zur Abfassung einer Tauschurkunde gegeben und diese Urkunde nach Regierungsjahren LUDWIGS III. zählen lassen. - Ob und inwieweit Adalbert auch etwas mit dem zweiten Italienzug LUDWIGS III., der mit dessen Blendung endete, zu tun hatte, ist bei der Knappheit der Quelle nicht zu erweisen. Doch ist eine erneute Parteinahme für LUDWIG nicht unwahrscheinlich, da in seinem - von Ivrea bis Turin und in das Gebirgsland von Montferrat sich erstreckenden Einflußgebiet [In Ivrea war er seinem Vater nachgefolgt. Daß er im Val d'Ossola Einfluß ausübte, beweist die dortige Stellung eines fidelis, des Vicegrafen Gariard (vgl. Anmerkung 8 und 10). Daß Turin zum Amtsgebiet Adalberts gehörte, ergibt sich daraus, daß er unam turrim in praedicta civitate (Taurinensi) constructam besaß, die er cum terris sibi adhaerentibus dem Kloster Breme schenkte (vgl. Anmerkung 13). Einfluß auf das Gebet von Montferrat läßt sich aus seinem Besitz in Breme und Asti erschließen.] die wichtigsten Alpenpaßstraßen einmündeten und LUDWIG somit ja nur mit seinem Einverständnis das zweiten Italienunternehmen wagen konnte [Der Adalbertus, der in den Gesta Berengarii lib. IV, v. 77, Seite 128 als Vertreiber des burgundischen Hauses aus Italien nach der Blendung Kaiser LUDWIGS genannt wird, ist - da die beiden Italienzüge von 900 bis 902 und 905 in diese Dichtung zu einem Zug verschmolzen werden - wohl auf Adalbert von Tuszien und dessen Anteil bei LUDWIGS Vertreibung 902, den Liudprand (Antapod. lib. II, c. 35, Seite 54) bezeugt, zu beziehen. Dann hat man auch nicht nötig, mit E. Dümmler, Gesta Berengarii Seite 38, Anmerkung 4 die gleichzeitige Nennung des Apennin als Verwechslung mit den pennischen Alpen zu deuetn.].
Nach LUDWIGS Blendung suchte Adalbert eine Aussöhnung mit König BERENGAR. Bereits im Juni 907 ließ der Lambertus ex genere Francorum vassus Adelbertus illustris marchionis seine Urkunde, mit der er einige Besitzungen im Gebiet von Asti vom Kloster Nonantola zu Libell nahm, nach Regierungsjahren BERENGARS zählen, das heißt BERENGAR als sein und seines Herrn Oberhaupt anzusehen. Am 14. August 908 erbat dann der Vicegraf Gariard als fidelis Adalberti marchionis von BERENGAR eine Besitzbestätigung für das von ihm selbst gegründete Kloster Fontaneto, und am 23. Juni 909 intervenierte der Markgraf Adalbert bereits wieder als dilectissimus fidelis bei BERENGAR in Pavia zugunsten der St.-Johannes-Kirche in Pavia. Am 13. Juni 901 war der Adelbertus gloriosus matrchio dilectus gener et fidelis gener et fidelis noster noch einmal selbst bei BERENGAR in Pavia und trat als Fürbitter für eine weitere Bestätigung des im Comitat von Ossola gelegenen Besitzes seines fidelis, des Vicegrafen Gariard, ein. Am 26. Januar 913 verlieh der in Monza weilende König BERENGAR auf Adalberts und der Grafen Grimald Bitte der Kirche von Vercelli den dortigen Königshof, zwei Mühlen vor der Stadt sowie verschiedene Marktgerechtigkeiten.
In den nächsten Jahren - die Chronologie ist jedoch recht unsicher - scheint sich Adalbert der Fürsorge der Mönche des Klosters Novales angenommen zu haben, die vor den in den Alpentälern plündernden Sarazenen der Bergfeste Fraxinetum zu Beginn des 10. Jahrhunderts nach Turin geflüchtet waren. Er übertraug ihnen zunächst die Turiner St. Andreaskirche cum porta conmitale secus murum civitatis, einem Befestigungsturm diese Stadt mit angrenzendem Land, kaufte schließlich den aus Breme vom König wegen zu harter Bedrückung der Untertanen vertriebenen Brüder Arland und Garland die Hälfte ihres Besitzes ab, schenkte sie den Mönchen und schuf der Kongregation hier eine neue Heimstätte.
Als sich zu Ende 921 in Oberitalien eine neue Verschwörergruppe sammelte, da war der Markgraf Adalbert von Ivrea wieder beteiligt. In den Brescianer Bergen kamen die Verschworenen zu einer Beratung über BERENGARS Absetzung zusammen: Markgraf Adalbert von Ivrea, Pfalzgraf Odelrich, (Graf) Giselbert etc. Doch BERENGAR konnte diese durch herbeigerufene Ungarnhaufen überfallen und gefangennehmen oder töten lassen. Adalbert blieb durch schnelle Verkleidung unerkannt und konnte sich sogar wie ein einfacher miles in einem benachbarten Castell von einem eigenen Untergebenen freikaufen lassen. Sobald er aber nach Ivrea zurückgekehrt war, sandte er - im Einvernehmen mit denen, denen er entkommen war oder denen schon vergeben worden war - den (Grafen) Giselbert zu König Rudolf II. von Hoch-Burgund, um diesen die Herrschaft über Italien anzutragen. Und nachdem Rudolf innerhalb von 30 Tagen nach Italien gekommen war, befand sich auch Adalbert in seiner Begleitung. Am 4. Februar 922 trat der Adelbertus gloriosissimus marchio dilectissimus fidelis bei Rudolf in Pavia als Fürbitter für eine Besitzbestätigung an die Kirche von Parma auf, am 8. Dezember 922 setzte er sich nochmals bei Rudolf für die Kanoniker von Parma ein. Die Schlacht bei Fiorenzuola, in der am 17. Juli 923 die Truppen Rudolfs und BERENGARS aufeinanderprallten, wurde von seinem Untergebenen Gariardus gemeinsam mit dem späteren Markgrafen Bonifaz von Camerino und Spoleto zu Rudolfs Gunsten entscheiden.
Bald darauf scheint er jedoch verstorben zu sein. Defuncto Adelberto, Eporegiae civitatis marchione, uxor eius Hermengarda (Tochter des Markgrafen Adalbert von Tuszien, die Adalbert von Ivrea nach dem Tode Giselas in zweiter Ehe zur Frau genommen hatte.) totius Italiae principatum obtinebat, schreibt Liudprand, und am 8. Oktober 924 intervenierte bereits Hermengarda inclyta comitissa mit dem eben erwähnten Markgrafen Bonifaz bei Rudolf in Pavia für die Schenkung der curtis Subbioneta an den Bischof von Parma. Am 5. Dezember des Jahres setzten sich dann Hermingardis nobilissima comtissa et filii eius Berengarius et Ascerius incliti comites bei Rudolf für die Überlassung des Castel vecchio d'Asti mit allem Zubehör an den Grafen Autbert von Asti ein. Bei dem Placitum des Pfalzgrafen Giselbert am 14. Mai 927 traten auch vasalli Hermengarde comitesse, nicht mehr vasalli Adelberti marchionis, auf, und am 1.Mai 928 bezeichnete sich Berengar II. bereits als marchio, filius bone memorie Adelberti illustris marchio(nis). Eine am 28. Feabruar 929 vor König Hugo in Turin ausgestellte Urkunde des Adalbertus gratia Dei humilis marchio hic in Italia, mit der den Novaleser Mönchen die villa Gonzole und die curtis von S. Dalmazzo geschenkt werden, kann deshalb - trotz Schiaparellis gegenteiliger Versicherung - nicht echt sein.
Die Macht in Ivrea ging zunächst auf Hermengardis über. Nachdem König Rudolf (924/25) für einige Zeit nach Burgund abgezogen war, zettelte sie gegen diesen eine neue Rebellion an, besetzte Pavia, ja soll es darauf sogar vermocht haben, Rudolf von seinen bisherigen Freunden und Beratern zu trennen und diesen mit den Mitteln einer raffinierten Liebschaft an sich zu binden, wodurch aber von Rudolfs ehemaligen Freunden nun der Markgraf Hugo von Vienne, Hermengardas Stiefbruder, als neuer Kronprätendent nach Italien gerufen worden sei. Wenn Rudolf sich darauf nach Burgund zurückzog, um neue Truppen zu holen und auch seinen Schwiegervater, den Herzog Burchard von Schwaben, für die neue Auseinandersetzung zu gewinnen, sich dann längere Zeit in Ivrea mit seinen Leuten aufhielt, Hugo dagegen über See kommend in Tuszien Fuß faßte und die Alpenpässe mied, Flodoard in Vergröberung der Nachricht von der Liebschaft Hermengardas und Rudolfs sogar Rudolf eine zweite Ehe vivente uxore sua zuschrieb, dann scheint diese sehr groteske Nachricht Liudprands an Glaubhaftigkeit zu gewinnen [Liudprand, Antapod. lib. III, c.7-16, Seite 77-81 und Flodoard, Annales ad 926, Seite 35. Da diesem Teil der Liudpranderzählung schon die Tendenz zugrunde liegen kann, in Ermengarda die ganze Familie Berengars II., ihres Sohnes und Liudprands Todfeindes zur Zeit der Abfassung der Antapodosis, in das verwerfliche Licht zu stellen, hat die Forschung diese Nachricht Liudprands bisher immer mit Skepsis aufgenommen.]. Bald muß Hermengarda aber auch bei ihrem Stiefbruder Vertrauen gesucht haben. Bereits am 3. September 926 war sie bei Hugo in Pavia und intervenierte zusammen mit dem Erzbischof Lampert von Mailand, dem Bischof Adelbert von Bergamo und dem Grafen Giselbert für die Bestätigung des Besitzes des S. Sistoklosters in Piacenza [Schiaparelli, I dipl. di Ugo Seite 6, nr. 2. Erzbischof Lampert ist - nach Liudprand - sogar einer derjenigen, die Hermengardadurch ihre Machenschaften dazu trieb, Anlehnung bei Hugo zu suchen.]. Auch im Jahre 929, als sie ihre Macht schon an ihren Stiefsohn Berengar II. abgegeben hatte, hielt sie sich am Hofe Hugos auf [Schiaparelli, a.a.O. Seite 61, nr. 21. - Drei weitere Urkunden, die Ermengarda am 17. September 929, am 16. September 930 und am 29. Februar 932 in der Umgebung Hugos zeigen (Schiaparelli, a.a.O. Seite 70, nr. 24; Seite 76, nr. 26; Seite 87, nr. 29), sind Parmenser Fälschungen; vgl. dazu C. Manaresi, Alle origini del potere dei vescovi Seite 235ff.].
Markgraf Adalbert von Ivrea war fränkischer Abkunft; das wird klar durch die Erzählung von der Einwanderung seines Vaters Anskar und durch die Rechtsbekenntnisse seiner Söhne - des Markgrafen und späteren Königs Berengar II., der aus der Ehe mit Gisela, der Tochter BERENGARS I., stammte, und des Markgrafen Anskar II., den ihm Hermengarda gebar.


Riche Pierre: Seite 265,267
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."

Aber wie seine Vorgänger, kehrte auch BERENGAR nach Oberitalien zurück, veranlaßt durch Ungarneinfälle und Adelsrevolten. Diesmal führte Markgraf Adalbert von Ivrea die Erhebung. Er wandte sich an König Rudolf II. von Hoch-Burgund.
Rudolf regierte zwei Jahre in Italien, sein wichtigster Ratgeber war Markgraf Adalbert von Ivrea oder bessser, nach dem Wortlaut einiger Quellen, dessen Gemahlin Ermengard.
 
 
 
 

    900
  1. oo Gisela von Friaul, Tochter des Kaisers BERENGAR I.
           880/85-13.6.910
 

    914
  2. oo Ermengard von Lucca, Tochter des Markgrafen Adalbert II.
                  - nach 932
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Berengar II. König von Italien
  900-4.8.966

  Bertha Äbtissin in Modena
        -

2. Ehe

  Anskarius II. Graf von Asti
  um 915-   940 ermordet
 
 

Literatur:
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Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 80,83-85,100-104,106,115,126,129,143,183,186, 190,193,216,218,243,254,258,265,287 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 265,267 - Weinfurter Stefan: Die Salier und das Reich Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 543; Band III Seite 498 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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