Aledram I.                                                 Graf von Montferrat (933-969)
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    - wohl um 969 (969/71)
 

Sohn des Grafen Wilhelm I. aus dem Hause der ALERAMIDEN
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 352
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Aleramiden (Aledramiden)
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Hochadelsfamilie aus Piemont (Ligurien), deren Angehörige den Markgrafentitel führten, benannt nach dem von 933 bis (vor) 991 urkundlich belegten Aleramus (Aledramus), dem Sohn eines nicht näher bekannten, 921 wohl zur Gefolgschaft König Rudolfs von Hoch-Burgund zählenden Wilhem (dieser, nicht Aleram bevorzugter Name bei den ALERAMIDEN). Er lebte nach salischem Recht, weshalb westfränkische Familienherkunft anzunehmen ist. Die romanhafte Überlieferung (erstmals 1. Hälfte 14. Jahrhundert bei Jakob von Acqui: Aleram Waisenkind deutscher Rompilger, geboren und erzogen in Sezze, heute Sezzadio südlich Alessandria, im Heer OTTOS I. vor Brescia, Geliebter der Kaisertochter, Flucht in die ligurischen Berge, Köhlerdasein, Retter des Kaisers bei einem Überfall, Erhebung zum Markgrafen 967) ist bis auf das Datum ebenso haltlose Phantasie wie die Herleitung von dem Sachsen Widukind oder den Königen von Kent. Aleram erhielt 933 und 935 von den Königen Hugo und Lothar Besitz in den Komitaten Vercelli und Acqui. Zu Berengar II. übergegangen, vermählte er sich in 2., offenbar kinderloser Ehe mit dessen Tochter Gerberga und wurde 960/61 zum Markgrafen erhoben. Seine Mark umfaßte die Grafschaften Montferrat, Acqui und Savona. Auch den Übertritt zu OTTO I. vollzog Aleram ohne Beeinträchtigung seiner politischen Stellung. 991 teilten die Söhne aus 1. Ehe Anselm und Otto die Mark und den weitgestreuten Familienbesitz. Anselm wurde zum Stammvater der Markgrafen von Savona, die bald in zahlreiche Linien zersplitterten (Vasto, Maira, Ceva und andere), Otto zum Stammvater der Markgrafen von Montferrat, die bis zum Aussterben 1305 einen gewichtigen Machtfaktor zwischen Po, Orba und Apenninen darstellten.


Mit Aledram I. begann der eigentliche Aufstieg der Familie, die daher "ALEDRAMIDEN" genannt wurde; er wurde ab 933 als Graf von Montferrat bezeichnet. Er war auch Graf von Vado, Savona und Acqui und baute unter den Königen Hugo von Arles und Berengar II. von Ivrea die Hausmacht geschickt und planvoll aus. Er erschien als deren wichtige Stütze, ging rechtzeitig zu Berengar II. über und erhielt von ihm bedeutende Güter und Rechte dazu. Er wurde um 961 Markgraf. Er gründete das Hauskloster Grassano, ging 961/62 zu Kaiser OTTO I. DEN GROSSEN über, der ihn in allen Besitzungen und Rechten bestätigte. Er beherrschte in etwa das Gebiet Tanaro-Serivia-ligurische Küste mit großem Streubesitz in den Grafschaften Savona, Asti, Montferrat, Turin, Vercelli, Parma und Bergamo. Er stand in diesem Raum in Konkurrenz mit den Häusern TURIN-SUSA und ESTE. Der große Streubesitz ist mit die Ursache für die Zersplitterung der Familie in viele Zweige und Äste durch Erbteilungen und dadurch ihre Schwächung.

Hlawitschka, Eduard: Seite 117-119
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962)"

XVI.                           ALEDRAM

Vom Grafen Aledramund dessen Vater Wilhelm stammen einige vornehmlich im 11. und 12. Jahrhundert sehr bedeutende Markgrafengeschlechter ab: so die Markgrafen von Sezze, die von Vasto, die Markgrafen von Montferrat, die Linien von Albissola, Bosco und Ponzana [Vgl. H. Bresslau, Jahrbücher Konrads II. Band 1 Seite 380ff., dessen Exkurs über "Das Haus der Aledramiden" noch immer grundlegend ist, und L. Useglio, I marchesi die Monferrato, vol. I.]. Die  spätere Stellung dieser Häuser beruht zu einem großen Teil auf der Leistung und geschickten Politik Aledrams I., dem unter König Hugo, Berengar II. und OTTO I. der Ausbau einer starken Machtposition gelang. Bei allen Herrschern hat er in gutem Ansehen gestanden, und die Verlagerung der politischen Kräfte hat er jedesmal rechtzeitig zu erkennen gewußt.
Aledram begegnet uns zuerst in einer Urkunde der Könige Hugo und Lothar vom 25. Juli 933, in der diese beiden Herrscher cuidam fideli nostro Alledramo comiti die curtis Auriola in der Grafschaft Vercelli und alles Gebiet zwischen den Flüssen Amporio und Stura schenken. Am 6. Februar 940 (oder 935?) erhält er dann von den gleichen Königen den Hof Forum am Tanaro in der Grafschaft Acqui mit allem Land zwischen dem Tanaro und der Bormida einerseits und zwischen den Orten Barcile und Carpanum andererseits, dazu auch die Rechte der öffentlichen Gerichtsbarkeit mit missatischen Befugnissen für die villa Ronco und die dort wohnenden Arimannen. - Im März 945 intervenierte Aledramin Pavia bei Hugo und Lothar für die Schenkung einiger in der Grafschaft Tortona gelegener Besitzungen an den Grafen Elisiard und dessen Gemahlin Rotlind mit ihrer Mutter Rotrud. Da aber um diese Zeit Hugo und Lothar gar nicht mehr die tatsächlichen Herren Oberitaliens waren, sondern die eigentliche Macht schon in den Händen Berengars II. ruhte, ist es durchaus anzunehmen - zumal noch der bei der Verschiebung der Machtkonstellation sofort zu Berengar übergegangene Graf Lanfranc zugegen war -, daßAledram damals auch schon einen politischen Stellungswechsel vollzogen hatte und bei diesem Auftreten schon Interessen Berengars vertrat. Einige Tage später, am 13. April 9435, ist er sodann auch im Gefolge Berengars II. und seiner Begünstigher - Milo, Otbert, Lanfranc, Arduin, Manfred und Adelbert - in Pavia nachweisbar. Im Juli 948 war Aledram mit König Lothar, der nach dem Thronverzicht und Abgang Hugos nach der Provence (946) als alleiniger anerkannter König in Italien verblieben war, in Lucca. Er intervenierte dort für ein Königsdiplom zugunsten eines fidelis Vuaremund; sicher handelte er dabei wieder im Einverständnis mit Berengar II., der auch an der Reise teilgenommen zu haben scheint. Ja die Verbindungen zu Berengar wurden von da ab noch enger: Aledram heiratete in 2. Ehe die Tochter Berengars II., Gilgerga. Schon vorher hatte diese sich einmal bei ihrem Vater und ihrem Bruder Adalbert - beide ab 950 Könige - für die Übertragung großer außerordentlicher Rechte (Marktrecht, Zollrecht, curatura etc) an den inclitusmarchio Aledram eingesetzt (958-961). Ein Dokument vom August 961 zeigt Aledram und Gilberga dann bereits als Paar. Aledramus marchiofilius Gulielmi comitis et Gilberga filia domini Berengarii regis et Anselmus seu Oddo germani .. iugales et genitores, pater et maternia seu filii et filiastri, statten das von ihnen auf eigenem Grund und Boden in Grazzano bei Casale erbaute Kloster mit ansehnlichem Besitz in der Umgebung von Casala aus [Durando, Cartario dei monasteri di Grazzano, B S S S 42 Seite 1, nr. 1. - Anselm und Oddo stammten also aus 1. Ehe. - Vgl. auch E. Brandenburg, Die Nachkommen Karls des Großen Seite 91(oder Seite 8, nr. 40].
Trotz dieser engen Bindungen zur Familie Berengars II. hat sich Aledram auch unter der 961 beginnenden italienischen Herrschaft OTTOS I. zu halten  verstanden. Aledram wird als marchio bestätigt. Ipsius fidelitatem considerantes überläßt ihm OTTO am 23. März 967 in Ravenna, wo er am 17. April auch noch einem großen Placitum unter Vorsitz Papst Johanns XIII. und OTTOS I. beiwohnt, das Land zwischen Tanaro, Orba und der Küste des liturgischen Meeres mit den darin gelegenen Ortschaften und bestätigt ihm seinen ererbten oder früher erworbenen Besitz in den Grafschaften Acqui, Savona, Asti, Montferrat, Turin, Vercelli, Parma, Cremona und Bergamo.
Auf dieser Machtbasis konnten die beiden Söhne Otto und Anselm weiterbauen [Vgl. dazu H. Bresslau, a.a.O. - Ein 3. Sohn mit Namen Wilhelm wird in einer Urkunde vom 4. März 991 als verstorben erwähnt. Eine gute Edition dieser Urkunde mit Erläuterung der Ortsnamen bietet: V. Poggi, L'atto di fondazione del monastero di S. Quintino di Spigno, Seite 41ff.].
Aledram war fränkischer Abkunft; das bezeugt klar seine im August 961 mit Gilberga und den beiden Söhnen aus 1. Ehe gegebene Urkunde für das Kloster Grazzano; sie alle sind viventes lege salica [Hinfällig sind dagegen sämtliche Vermutungen über eine sächsische Abkunft der ALEDRAMIDEN, die auf dem in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts geschriebenen Chronicon imaginis mundi des Jacopo d'Acqui beruhen. Unbeachtet kann bei dem wenigen Wissen, das wir vom Vater Aledrams, dem Grafen Wilhelm, und dessen Ahnen haben, auch die von Gabotto des öfteren vorgetragene, aber keiner kritischen Prüfung standhaltenden These einer gemeinsamen Abkunft der ALEDRAMIDEN, der ARDUINE und der KAROLINGER etc. von einer Tochter König Chlodwigs und ihrem Gatten, dem König von Kent, bleiben.].


Bresslau, Harry: Band 1 Seite 389-391
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."

Das Haus der Aledramiden

§ 2. Die ersten Aledramiden

Der Ahnherr des Geschlechtes, Aledram, nach dem wir dasselbe benennen, begegnet zuerst in einer Urkunde der Könige Hugo und Lothar vom Jahre 933, in welcher die Könige "cuidam fideli nostro Alledramo comiti" den Hof Auriola in der Grafschaft Acqui mit allem Gebiet zwischen den Flüssen Amporio und Stura schenken. Demnächst erhält er durch eine zweite Urkunde derselben Herrscher 935 den Hof Forum am Tanaro in derselben Grafschaft mit allem Zubehör zwischen den Flüssen Tanaro und Bormida und außerdem die Rechte der öffentlichen Gerichtsbarkeit mit missatischen Befugnissen für die villa Roncho und die darin wohnenden Arimannen; auch hier wird er als fidelis noster Aledramus comes bezeichnet. Darauf ist Aledramus comes Besitzer in einem Placitum der beiden Könige von 945, endlich wird er genannt als Intervenient (interventu ac petitione Aledrami incliti comitis fidelis nostri) in einer Urkunde Lothars von 948. Nach Lothars Tode muß der Graf zu Berengar II. in nähere Beziehungen getreten sein; wir besitzen eine von ihm ausgestellte Urkunde von 961, durch welche er unter Mitwirkung seiner Gemahlin Gilberga (Girberga) "filia D. Berengarii regis" (vgl. über sie Liudprand, Antapod. V, 32 und Dümmler, Jahrbücher Ottos I., Seite 380, Nr. 1) ein zu Grassano bei Casale von ihm gegründetes Kloster reich dotiert. Sowohl über seine Familienverhältnisse wie über seinen Besitz gibt das Schriftstück, in welchem Aledramnicht mehr den Titel comes führt, sondern sich als marchio bezeichnet, erwünschten Aufschluß. Aledram lebt danach nach salischem Gesetz und dürfte also französischer oder burgundischer Herkunft sein. Als sein Vater wird ein Graf Wilhelm I. genannt, den wir nicht nachweisen können; die Versuche der Neueren, ihn mit jenem Wilhelmus comes zu identifizieren, der nach Gesta Berengarii II, 35 dem WIDO 300 Schwerbewaffnete zuführte, sind völlig haltlos. Außer dem Vater und der Gemahlin werden drei Söhne Aledrams in der Urkunde genannt, ein bereits verstorbener Wilhelm II. und zwei noch lebende Anselm I. und Oddo I., die indes aus einer früheren Ehe stamen müssen, da Gilberga ihre maternia, sie deren filiastri heißen. Beschenkt wird das Kloster mit einem Hof zu Grassano und mit zwei anderen cortes und zehn massariciae, sämtlich im Bezirk von Casale belegen; untergeben wird es nicht dem Bischof von Vercelli, sondern dem von Turin. Nach dem Jahre 961 finden wir Aledran noch in einer für ihn ausgestelten Urkunde OTTOS I. vom 23. März 967 genannt, welche nicht nur von allen italienischen Schriftstellern, sondern auch von den meisten deutschen für echt gehalten worden ist. Nun ist zwar das uns erhaltene angebliche Original dieser Urkunde, das sich im Turiner Staatsarchiv befindet, unzweifelhaft nur eine sehr geschickt gemachte Fälschung aus dem Ende des 12. oder besser aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts; aber dieselbe dürfte doch wahrscheinlich auf eine echte Vorlage zurückzuführen sein. Denn abgesehen davon, daß die Datierung der Urkunde genau dem Itenerar OTTOS I. in Übereinstimmung steht, haben wir auch noch einen anderen Anhaltspunkt dafür, daß Aledram im Frühjahr 967 sich am Hofe des Kaisers befand; ich bin sehr geneigt, ihn mit dem Adelmus marchio zu identifizieren, der in einer daselbst abgehaltenen Gerichtssitzung des Kaisers als Beisitzer genannt wird  und sonst nirgends nachweisbar ist [Vgl. Dümmler, Otto I Seite 316, 317. Das Placitum be Fantuzzi, Mon. Ravennati II, 27. Dazu würde stimmen, daß Aledrams Enkel Wilhelm III. und Riprand auf der Dorsualinschrift einer von ihnen ausgehenden Urkunde als nepotes Antelmi bezeichnet werden, siehe Moriondi I, 18, wenn das nicht "Neffen Anselms", sondern Enkel Aledrams heißen soll.]. Folgere ich sonach aus unserer Urkunde, daß Aledram von OTTO I. als Markgraf anerkannt und noch im Frühjahr 967 am Leben gewesen ist, so wage ich doch von dem weiteren Inhalt derselben, durch welchen Aledramreich beschenkt und in den königlichen Schutz genommen, sowie für seine Besitzungen mit Immunität beliehen wird, vorläufig nicht Gebrauch zu machen; erst nach der von Sickel zu erwartenden kritischen Bearbeitung der Urkunden OTTOS I. wird sich vielleicht feststellen lassen, was als Bestand der echten Vorlage anzusehen und was etwa in dieselbe hineininterpretiert ist. Für einen engeren Anschluß der ersten ALEDRAMIDEN an die ottonische Herrschaft zeugt dann auch der Umstand, da wir unseren Anselm I., wie schon Wüstenfeld und Ficker annahmen, in dem Anselmus marchio zu sehen haben, der 983 zu Ravanna als Pfalzgraf, wohl in Vertretung des eigentlichen Pfalzgrafen Gisilbert, und in einer anderen Gerichtsurkunde OTTOS III. als Beisitzer genannt wird.
 
 
 
 

  1. oo N.N.
                - vor 961

    961
  2. oo Gerberga von Ivrea, Tochter des Königs Berengar II.
          945-
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Otto I. Markgraf von Montferrat
        -   991

  Wilhelm II. Graf Mitregent
        - vor 961

  Anselm I. Markgraf von Savona
         - um 1020
 
 
 
 

Literatur:
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Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 Band 1 Seite 389-391 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 117-119,136,175,208,217,239, 244,291 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 Seite 55,112 -
 
 
 
 


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