Pirihtilo                                                     Graf in der Bertoldsbaar
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Sohn des N.N.
 

Borgolte Michael: Seite 195-199
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"Die Grafen Alemanniens"

PIRIHTILO
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belegt als Graf vor 768 - 785/86/88/89 IV 11, 786 V 3
Bereich der Bertoldsbaar 769/70 VI 29, 785 IX 1, 786 I 15

Belege mit comes-Titel:
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W I Nrn. 56,102 (= ChLA II Nr. 113),103 (= ChLA I Nr. 108),107 (= ChLA II Nr. 11 2),108 (= ChLA I Nr. 107), Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau 114D1

Belege ohne comes-Titel:
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Müller, Die älteste Gallus-Vita 220f. capp. 10f. (= Vita Galli confessaris triplex 255f. capp. 10f. [mit praeses-Titel]), Vita Galli confessoris triplex 279f. capp. 40f., 317f. capp 7f., St. Galler Gedenkbuch pag. 8 (= Piper, Libri Confrat. 20 col. 32,7), ? CL III Nr. 3222, ? lndiculus obsidum Saxonum 233

Literatur:
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Stälin, Geschichte I 243,285,329 - Baumann, Gaugrafschaften 5,122,145 f. - Weller, Die Besiedlung 348 - Bauer, Gau und Grafschaft 57-66,82f. - Bauer, Zum Problem 430f. - Bohnenberger, Zu den Baaren 323 - Jänichen, Baar und Huntari 88f.,93f., 99f.,104f.,142f.,147, Tafel 2: "Die Bertholde" und Tafel: "Die Grafen der Baaren" im Anhang - Mitterauer, Markgrafen 19 - Störmer, Adelsgruppen 122f.,126f.,131f.,144 - Müller, Die älteste Gallus-Vita 239 - Schulze, Grafschaftsverfassung 110,314 - Störmer, Früher Adel II 388-390 - Mayr, Studien 28-34,38,58,149 - Schmid, Zur historischen Bestimmung 507,514 - Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens, Kap. V.3

Pirihtilo wird in 3 St. Galler Urkunden im Grafenvermerk des Schlußprotokolls genannt. Er war demnach 769 oder 770 zuständig für Egesheim (W I Nr. 56), 785 für Althaim, Holzbeim (?) und Lachen (?) (Nr. 102), 786 für Rietheim und evtl. Steinweiter (Nr. 103). In den beiden zuletzt genannten cartae wird die Lage der Güter mit in pago Pirihteloni (Piritiloni) angegeben. Offenkundig hatte Pirihtilo also zeitweilig einem pagus in der Baar den Namen gegeben. 791 sind die Rietheim benachbarten Ortschaften Dürbheim und Spaichingen dem pagus, qui dicitur Puribdinga, zugeordnet worden, ohne dass in der betreffenden Urkunde ein Graf erscheint (W I Nr. 130 = ChLA II Nr. 125). Da weder für den pagus Pirihteloni noch für den pagus, qui dicgitur Purihdinga, weitere Belege vorliegen, kann man den Umfang der beiden gemeinten Räume nicht ermessen. Es ist darum reine Spekulation, wenn Jänichen (93) die pagi für identisch hält (s. auch Borgolte 128,144).
Als Zeuge war Pirihtilo an den urkundlich festgehaltenen Rechtsgeschäften von W I Nrn. 107f. beteiligt. In Nr. 107 von 785,786, 788 oder 789 steht sein Signum nach dem der Grafen Ruachar (I, II) und evtl. Gerold (II) und vor dem Graf Bertolds (II); obwohl der Güterort Seitingen in pago Bertoldesbara in unmittelbarer Nähe von Rietheim und Steinweiler liegt, gibt die Urkunde, der eine Grafenformel mangelt, nicht zu erkennen, ob Pirihtilo damals im Bereich des Traditums amtiert hat. Die andere carta enthält eine große Übertragung Graf Gerolds (II) in pago, qui uacatur Perihtilinpara; nach der Grafenformel der am 3. Mai 786 ausgestellten Urkunde war Gerold selbst für die 15 Güterorte zuständig. In der Zeugenreihe folgt Pirihtilo auf den Aussteller, Bischof Egino und Imma, die Mutter Gerolds. Die Koinzidenz des persönlichen Nachweises Graf Pirihtilos und des singulär belegten Ortsnamens Perihtilinpara dürfte abermals darauf hindeuten, dass die Baar nach Pirihtilo benannt worden war. Merkwürdig berührt allerdings der Befund, dass nach dem Eschatokollvermerk eben nicht Pirihtilo, sondern Gerold in den betreffenden Orten der Pirihtilinsbaar die gräfliche Stellung innegehabt haben soll.
Jänichen nahm bei seiner Interpretation an (104f., vgl. 142f., 147), dass der pagus Pirihteloni von der Pirihtilinsbaar räumlich und sachlich getrennt werden müsse, obwohl er Pirihtilo jeweils für den Eponymen hielt. Der pagus Pirihteloni sei eine Adelsherrschaft der PURIHDINGER gewesen, denen auch Pirihtilo angehört hätte. In der von diesem "Adelspagus" geschiedenen Pirihtilinsbaar habe Pirihtilo keine unmittelbare Herrschaft ausgeübt. Er sei aber in der "Westbaar" der erste unter den Adligen gewesen, so dass sein Name auch zur Bezeichnung anderer Gebiete verwandt worden wäre. Diese künstliche und an sich kaum überzeugende These scheitert an der Überlieferung. Nach Jänichens eigener Deutung sind 2 der 3 Güterorte von W I Nr. 102 nördlich von Deilingen und somit im Bereich der Tradita Graf Gerolds zu lokalisieren (s. Borgolte, Kommenta: zu den betr. Nrn., und Karte ebd.). Demnach hätten sich also Pagus und Baar, die nach Pirihtilo benannten Räume, überschnitten. Selbst wenn die Ortsbestimmungen nicht richtig und Hoolzaim bzw. Lahha ebenso wie Althaim in der näheren Umgebung von Rietheim und Egesheim zu suchen sein sollten, könnte man aber eine räumliche Trennung der Pirihtilinsbaar und des pagus Pirihteloni nicht behaupten. Der tatsächliche Umfang der gemeinten Gebiete kann größer als der Einzugsbereich der mehr oder weniger zufällig in Urkunden erhaltenen Lokalangaben gewesen sein (s. Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemannlens 145f.). Was das Zeugnis Gerolds für die Pirihtilinsbaar betrifft, so könnte der Graf nach Jänichen noch zu Lebzeiten Pirihtilos in dessen Stellung eingetreten sein (s. Bader), ohne dass der Personenname als Bestimmungswort des zweiteiligen Ortsnamens ausgetauscht worden wäre (zur Beharrsamkeit der Baarnamen s. Bohnenberger, Landstrichsnamen 122f.; s.a. Art. Gerold II). Dieser Annahme widerspricht aber der Quellenbefund, nach dem Pirihtilo in Gerolds Urkunde noch mit dem comes-Titel erscheint und so die zur Lokalisierung der Güter erwähnte Pirihtilinsbaar eine offenkundig aktuelle Bedeutung erhält.
Bei der Interpretation des Verhältnisses zwischen Gerold (II) und Pirihtilo muß man von der Beobachtung ausgehen, dass beide Grafen im selben Raum nebeneinander agierten; sie haben also allem Anschein nach auf unterschiedlicher politischer oder rechtlicher Grundlage den Grafentitel geführt bzw. die Grafengewalt ausgeübt. Von Gerold (II) kann man sagen, dass er im Bereich seiner Güter amtierte und seine Grafenstellung von seinem Vater Gerold (I) geerbt hatte. Er befand sich damit aber kaum im Gegensatz zu KARL DEM GROSSEN, da dieser Hildegart, die Schwester Gerolds (II), geheiratet hatte und den Grafen selbst nach dem Sturz Tassilos mit der hochwichtigen Aufgabe betrauen sollte, Bayern der KAROLINGER-Herrschaft eng zu verbinden. Auch Pirihtilo muß als königlicher Amswalter betrachtet werden, obschon die Basis seiner Grafenstellung eine andere als bei Gerold (II) gewesen ist. Pirihtilos politische Rolle ergibt sich aus der Vita s. Galli, und zwar aus zwei aufeinander folgenden Abschnitten der in verschiedenen Fassungen erhaltenen Erzählung.
Bereits in einer Fortsetzung zur ältesten Gallusvita, die "ins Jahr 771 oder bald darauf" datiert wird (Berschin, Gallus Abbas Vindicatus 259,266ff.; Müller, Die älteste Gallus-Vita 239,241), berichtet der unbekannte Autor in einer Wundergeschichte von einem Birhtilo; dieser soll temporibus Pippini regis, also vor 768, von der Bertoldsbaar nach der Kirche des hl. Bekenners Gallus gepilgert sein (Müller 220). Birhtilo wird als dominus eines Willimar und als preses charakterisiert. Der Titel praeses wurde, wie z. B. aus der St. Galler Urkunde 49 bekannt ist, Mitte des 8. Jahrhunderts gelegentlich anstelle von comes gebraucht (s. Artt. Gozbert I, Otwin, vgl. Müller 239, Meyer-Marthaler, Rätien 31f.). Er erlaubt, zumal auch die Pilgerschaft nach St. Gallen chronologisch "paßt", Birhtilo mit Pirihtilo gleichzusetzen. Schon die ältere Forschung hat diese Personenidentität angenommen (von Arx, in. Vita sancti Galli 20 A. 9, Stälin 329 A. 10, Meyer von Knonau, in: Vita S. Galli 59 A. 190), obwohl ihr nur die später entstandenen Gallusviten Wettis (820) und Walahfrids (833/34, s. Berschin, Gallus Abbas Vindicatus 267) bekannt waren, in denen Birhtlio/Pirhtilo der Titel fehlt. Wetti bezeichnet Pirihtilo lediglich als praecelsus vir, während sich Walahfrid sogar auf die Angabe des Verhältnisses zwischen Pirihtilo und Willimar beschränkt (Vita Galli confessoris triplex 279 cap. 40 bzw. 317 cap. 7). Diese befremdlichen Änderungen gegenüber der Vorlage kann man kaum darauf zurückführen, dass Wetti und Walalifrid über Pirihtilo genauere Informationen besaßen als der erste Autor der Wunderberichte; dieser soll ja um 771, also zur Lebenszeit Pirihtilos, tätig gewesen sein, während die jüngeren Bearbeiter schon rund zwei Menschenalter vom berichteten Geschehen entfernt waren. Man kann auch nicht annehmen, dass der praeses-Titel nicht mehr verständlich war, da Wetti ihn an anderer Stelle benutzt hat und Walahfrid im selben Zusammenhang eine präzise Umschreibung zu geben verstand (s. Art. Otwin). Offensichtlich haben beide Hagiographen den praeses-Titel für Pirihtilo bewußt vermieden, wenn sich auch nicht ohne weiteres das  Motiv für ihr Verhalten erkennen läßt.
Im folgenden, dem letzten Kapitel der Vetustissima, wird ein Wunder geschildert, das sich abermals in der Bertoldsbaar zugetragen haben soll; es fiel nach der genauen Zeitangabe des Erzählers in das 4. Königsjahr Karlmanns, also zwischen den 9.10. und 4.12.771. Die Geschichte, deren Ausgang hier nicht interessiert, beginnt so: Fuit et aliquis (h)o(mo) pauperculus de uicinatu Rotuuilla fisco publico. Quia ex summa deuotione ad ecclesiam sancti Galli uellebat peruenire, et non habenti illi altare offerre aliquid potuisset, suadente diabolo, intempesta noctis intrauit in atrium presidis, furauit uasculum unum cum apibus et melle et introduxit in domum suam et extinxit ap(e)s, tollens mellem, et fecit ex ea ceram (Müller 221). Es gab also 771 offenkundig im Fiskus Rottweil einen Grafenhof, womit wohl ein gräflicher Amtssitz gemeint war (zu atrium s. Mittellateinisches Wörterbuch I 1133-1135). Der Verfasser gibt an dieser Stelle den Namen eines praeses nicht an, so dass unklar bleibt, ob er sich den zuvor genannten Pirihtilo als Inhaber des atrium dachte oder dieses mehr als Institution kennzeichnen wollte. Wetti und Walahfrid haben auch hier den von ihnen vorgefundenen Text geändert. Wetti sprach statt vom atrium presidis vom atrium dominicum, Walahfrid vom atrium cuiusdam divitis (Vita Galli confessoris triplex 279 cap. 41 bzw. 318 cap. 8); beide haben also erneut den Begriff praeses nicht gebraucht. Ohne Zweifel standen die Korrekturen in beiden Kapiteln, die Wetti und Walahfrid in jeweils eigener Weise durchgeführt haben, in einem Zusammenhang. Sie ergeben einen Sinn, wenn man annimmt, dass Wetti und Walalifrid Pirihtiloals praesidialen Inhaber des Atriurns im Fiskus Rottwell angesehen haben und diese Rolle Pirihtilos - aus welchen Gründen sei später erörtert - nicht akzentuieren wollten. Hat Pirihtilo somit als Graf in einem Mittelpunkt der Fiskalverwaltung residiert, der sicher als königlicher Hauptort im Bereich der Bertoldsbaar angesehen werden kann (s. Maurer, Königshof Rottweil, und Klappauf, Ausgrabungen auf dem Rottweiler Königshof), so darf man ihm eine weitgehende Gewalt zuschreiben. Dieses Interpretationsergebnis zu den Vitae s. Galli entspricht der Benennung der Baar bzw. eines pagus nach Pirihtilo, wie sie durch die St. Galler Urkunden bezeugt ist.
Die auf Königsgut gegründete Grafengewalt Pirihtilos kann historisch auf die Maßnahmen der fränkischen Magnaten Warin und Ruthard zurückgeführt werden, die um 760/70 durch Konfiskationen allenthalben in Alemannien und sehr wahrscheinlich auch im Baarengebiet die Herrschaft der KAROLINGER neu errichtet haben (Borgolte). Da Pirihtilo in Rottweil, dem Platz des römischen Kastells Arae Flaviae am oberen Neckar, residierte, war ihm zweifellos in der Politik Warins und Ruthards im Bereich der westlichen Baar eine Schlüsselrolle zugedacht. Die von Rottweil aus geplante Erfassung der Baar stieß aber vorläufig auf Widerstände mächtiger Grundherrn, zu denen neben Bertold (II) auch Gerold (II) gehörte. Comitate als geschlossene Amtsbezirke sind deshalb im Bereich der Bertoldsbaar noch nicht zur Zeit Pirihtilos, sondern erst unter LUDWIG DEM FROMMEN, bald nach 817, durchgesetzt worden (s. Borgolte).
Mit dieser Verfassungsänderung könnten auch die merkwürdigen Eingriffe Wettis und Walahfrids in die beiden Wundererzählungen der Gallus-Vita erklärt werden. Beide Autoren haben die Geschichten der Vetustissima fast unverändert übernommen. Den Namen Pirihtilos unterdrückten sie nicht; zutreffend kennzeichnen sie ihn auch als Magnaten mit beträchtlicher Gefolgschaft. Lediglich auf den Ersatz des praeses-Titels haben sie unverkennbar Wert gelegt und Mühe gewandt. Deshalb scheint die Folgerung gestattet, dass es (nach 817) einen praeses, der wie Pirihtilo vom Königshof Rottweil aus eine überragende Rolle in seiner Region gespielt hat, nicht mehr gab und eine umständliche Auseinandersetzung historisch gewordener Verfassungszustände für den Zweck der Miracula als entbehrlich betrachtet wurde.
Die Gedenkbücher der beiden Bodenseeabteien enthalten jeweils mindestens einen Eintrag Pirihtilos. Im Verbrüderungsbuch der Reichenau steht Pirihtilo comi [s] auf der 1. Seite der verstorbenen Freunde des Klosters im Anschluß an Cerolt comis, Odalrich comis, Bertolt comis (114D1). Grafen dieser Namen sind in Alemannien am Ende des 8. Jahrhunderts nachweisbar, so dass es sich bei Pirihtilo sicher um Pirihtilo gehandelt hat (Jänichen 89; s. Artt. Udalrich I, II; Gerold II; Bertold II). Dagegen ist fraglich, ob ein Piritilo com(es), der auf pag. 93 derselben Handschrift über den Namenkolumnen nachgetragen wurde (93B1), mit Pirihtilo gleichgesetzt werden darf. Die Plazierung des Eintrags spricht nicht für Personenidentität. Im St. Galler Gedenkbuch erscheint ein titelloser Birihtilo im ältesten Eintrag von ca. 814 unter Namen, die mit bekannten Grafen Alemanniens in Beziehung gesetzt werden können (St. Galler Gedenkbuch pag. 8, s. Schmid 507). Die Identität des Birihtilo mit Pirihtilo darf angenommen werden, weil der folgende Name Caroman sicher den Nachfolger Pirihtilosim Osten der Bertoldsbaar, Karamann (I, II), bezeichnet (Schmid 514, Mitterauer 19).
Stälin hat im Hinblick auf Pirihtilo auch auf den Indiculus obsidum Saxonum aufmerksam gemacht, in dem ein Vermerk lautet: Fredeger filium Ermamenarii habuit Biritilo (233). Gegen die Identität dieses Geiselbewahrers mit Pirihtilo spricht allerdings, dass der Indiculus um 805/06, also erheblich nach den Urkunden mit Pirihtilo in der Grafenformel und als Zeugen, entstanden ist (Rihwin). Nach dem Codex Laureshamensis (III Nr. 3222) hat 789/90 ein Birithilo in pago Alemannie in Munigisinger marca, also in der Mark von Münsingen (Karte bei Borgolte, Kommentar: Q 7), Besitz an das Kloster des hl. Nazarius geschenkt. Auch diese Quelle sei genannt, ohne einer Identifizierung Birichilosmit Pirihtilo das Wort zu reden (vgl. Mayr 58).
Auf die Frage, welchem Geschlecht Pirihtilo zugeordnet werden muß, konnten bisher nur unbefriedigende Antworten gegeben werden. Die ältere Forschung hielt den Grafen für einen Sohn Bertolds (I), der aus der Frühgeschichte Reichenaus bekannt ist (Stälin 243, dagegen bereits Meyer von Knonau, in. Vita s. Galli 59 A. 190). Auch wenn diese Annahme unbeweisbar bleibt, deutet doch der Name Pirihtilos auf die BERTOLDE-ALAHOLFINGER hin. Vielleicht haben also Warin und Ruthard für ihre Politik in Inneralemannien mit Pirihtilo den Angehörigen eines einheimischen Adelsgeschlechts gewinnen können. Neuerdings hat Jänichen (94; s. bereits oben S. 195f.) Pirihtilo der Verwandtschaft einiger Tradenten im pagus Purihdinga zugezählt, obwohl dafür nichts weiter als derselbe Wirkungs- und Besitzbereich sprach. Andererseits identifizierte Jänichen (99f.) Pirihtilo mit einem gleichnamigen Grundherrn, der in einer Urkunde aus Freising vom Jahr 791 genannt ist (Bitterauf I Nr. 143a). Er wies zum Beweis auch auf die Ortsnamen Tuttlingen (Karte bei Borgolte, Kommentar: L 12), Frittlingen (K 10) und Gößlingen (K 9) "im oder nahe beim pagus Pirihtiloni" hin, die er mit Tutilo, Fritilo und Cozzilo, Söhnen des bayerischen Pirihtilo, in Verbindung brachte. Eine derartige Kombination personengeschichtlichen Materials mit Ortsnamen erscheint methodisch sehr bedenklich. In der bayerischen Landesgeschichte ist Jänichens These freilich übernommen und noch ausgebaut worden. Nach Mayr (bes. 31) und Störmer (Adelsgruppen 122,126 f.) war Pirihtilo mit einem namengleichen Förderr des Klosters Isen von 748-760 (s. Bitterauf I Nr. 4) bzw. aus der Zeit vor 748 (so Mayr 31 A. 170) identisch. Störmer (Früher Adel II 389) erwog sogar, dass Pirihtilo und der Pirihtilo von 791 noch 814 als Tradent belegt sein könnte (Bitterauf I Nr. 321), obwohl der Vater Tutilos, Fritilos und Cozzilos bereits 791 offenkundig verstorben war.
Unbeachtet blieb bisher, dass 864 ein Samuhel, der Sohn eines Pirihtilio und der Cotalind, der Bruder eines Warin und eines Isanbart, als Grundherr wohl im Osten der Bertoldsbaar bezeugt ist (W II Nr. 499; zur Ortsfrage s. Borgolte, Kommentar, zur Nr. 499, und hier Art. Gozbert II, III). Der Name Pirihtilio in der Gegend von Pirihtilos Wirken fällt ebenso auf wie die Namen Warin und Isanbard, die der bekannte Graf Warin und sein Sohn Isanbard getragen haben. Es scheint so, als habe sich Pirihtilo oder einer seiner Nachkommen mit der Familie Warins verbunden.
Im 10./11. Jahrhundert sind Grafen im Breisgau namens Pirihtilo bezeugt (zuletzt Zotz, Breisgau, bes. 178 ff.).


Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 12,59,70,73-75,122,159,195-199,211,253 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 66,128,136,139,141,144,152, 154-156,227,236,249 -