Caramann                                                Graf in der Bertholdsbaar
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Sohn des N.N.
 

Tellenbach Gerd: Seite 65
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"Der großfränkische Adel"

Ebenso vorsichtig muß über den dux Garamannus geurteilt werden, über den sich Papst Hadrian I. 787/91 beklagte, weil er Güter der Kirche von Ravenna okkupiert hatte. In Alemannien treffen wir wiederholt einen Grafen Caramann zwischen 797 und 820, dann noch einmal 834 und zwischen 838 und 850 einen Zeugen Caramann (Craman). Der Graf Caramann ist nach einer Zeugenaussage über St. Gallischen Besitz in Vilsingen ein Verwandter der BERTOLD-Sippe. Es ist wohl der Graf Caramann, der mehrfach im Reichenauer Verbrüderungsbuch genannt wird. Er könnte  mit dem dux in Italien identisch sein.

Borgolte Michael
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"Die Grafen Alemanniens"

KARAMANN (I, II oder mehrere)
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belegt als Graf 797 III 30 - 834 X 1,
Bereich der Bertoldsbaar 797 III 30,
?803 XII 11,
Osten der Bertoldsbaar ?816/17, 817 VI 4 - ?820 II 17, 834 X 1)

Belege mit comes-Titel:
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W I Nrn. 143 (= ChLA II Nr. 138, Bruckner, Vorakte Nr. 23 (ohne comes-Titel]), 176 (= ChLA II Nr. 146), Indiculus obsidum Saxonum 233, W I Nrn. 230,226, (= BM Nr. 648),246, 351, Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau 99A2, 116B4, ? Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau 124A1

Belege ohne comes-Titel:
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W II Anh. Nr. 21, St. Galler Gedenkbuch pag. 8 (= PIPER, Libri Confrat. 20 col. 32, 8)

Literatur:
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Stälin, Geschichte I 330,332 A. 5 - Baumann, Gaugrafschaften 15,141,146-149 - Bauer, Gau und Grafschaft 83 - Jänichen, Baar und Huntari 89f., 92,98-101,105f.,147, Tafel: "Die Grafen der Baaren" im Anhang - Tellenbach, Der großfränkische Adel 48 A. 41, 59,65 - Baumhauer, Monasterium Sancti Petri 33-35 - Hlawitschka, Franken in Oberitalien 26 mit A. 18 - Mitterauer, Markgrafen 19, 26 - Störmer, Früher Adel I 211 - Schulze, Grafschaftsverfassung 116f. - Schmid, Zur historischen Bestimmung 507,514 - Ders., Wege zur Erschließung des Verbrüderungsbuches LXXII A. 102 - Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens Kap. V.3

Die urkundlichen Belege für Graf Karamann reichen vom März 797 bis zum Oktober 834. Trotz des damit gegebenen umfangreichen Zeitraumes von fast vier Jahrzehnten wurden die Nachweise lange ohne Bedenken auf eine und dieselbe Person bezogen. Erst Schmid (Probleme einer Neuedition 59; Wege zur Erschließung des Verbrüderungsbuches LXXII A. 102) hat gegen diese Annahme darauf aufmerksam gemacht, dass die Reichenauer Mönche bei der Anlage ihres Verbrüderungsbuches um 824 (Erchanbald, Scopo) je einen Karaman comes unter den lebenden (99A2) und unter den verstorbenen Wohltätern (116B4) aufgeführt haben; demnach sind mindestens zwei Grafen Karamann zu unterscheiden. Selbstverständlich folgt aus dieser Beobachtung nicht, dass die vor 824 datierten urkundlichen Zeugnisse einen älteren, die später entstandenen einen jüngeren Karamann bezeichnet haben. Wann der in der Totenliste vermerkte Karamann gestorben ist und wie lange der Karamann der Lebendenliste amtiert hat, ist ganz ungewiß.
Der oder die Grafen Karamann sind durch die sub N. comite-Formel für den O der Bertoldsbaar belegt (W I Nr. 143 - Wurmlingen und Gunningen; Nr. 230.- Vilsingen und Engelswies, s. Art. Hitto, Wilhelm; Nr. 246: Emmingen; Nr. 351 - Rietheim). Nach einem Zeugnis vom März 797 (Nr. 143) fehlen die Belege bis ca. 816/17 oder 820, obwohl nach der Überlieferung der St. Galler Urkunden in der Zwischenzeit 5 Rechtsgeschäfte in derselben Gegend schriftlich niedergelegt wurden (Nrn. 146,151,166,172, 175); diese cartae stammen größtenteils oder allesamt aus den Jahren 797 bis 802 (zum Datum der Nrn. 166 und 175 s. Borgolte, Kommentar). Vielleicht im Dezember 803 steht der Name Graf Karamanns unter den Zeugen einer Urkunde aus dem W bzw. N der Bertoldsbaar (Nr. 176). Da einige der Urkunden ohne Grafenformel von Schreibern gefertigt wurden, die das Diktatelement gekannt haben (s. Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens 65,68), ist möglich, dass die Amtsführung eines Grafen Karamann um die Jahrhundertwende unterbrochen war oder dass vor und nach der Zeit des Belegmangels 2 verschiedene Grafen des Namens gewirkt haben. Mindestens eine carta mit Karamann in der Grafenformel wurde erst in den 30-er Jahren ausgestellt (Nr. 351, zu Nrn. 230 und 246 s. Borgolte, Chronol. Stud. 172,176 mit AA. 548,550). Eine Zisur in der Amtswaltung zwischen ca. 817/20 und 834 zu erwägen besteht aber kein Anlaß, dafür diesen Zeitraum Urkunden aus dem O der Bertoldsbaar überhaupt fehlen.
Im Juni 817 hat LUDWIG DER FROMME St. Gallen die gräflichen Einkünfte an zahlreichen Orten Alemanniens übertragen; davon waren in ministerio Karamanni comitis ad Scercingas die Mansen Atolfs und Liutbolts, ad Suuanningas die Mansen Liubotts und ad Uuglaresbach die Mansen Ratolts und Herigers betroffen (W I Nr. 226, zit. nach der Überlieferung Eese 15a). Während die Bestimmung der ersten der drei Ortschaften als Schörzingen keine Schwierigkeiten macht (vgl. Meyer von Knonau, Besitz 181f.), war die Lokalisierung der Mansen Liubolts und Ratolts bzw. Herigers umstritten. Wartmann hatte zunächst Schwenningen am Neckar und das unweit nördlich gelegene Wellersbach vorgeschlagen, sich dann aber einer abweichenden Interpretation Baumanns angeschlossen (Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen III S. VIII). Nach Baumann (Gaugrafschaften 148, danach auch Krieger, Top. Wörterbuch II 959,1390) paßten nämlich Schwenningen bei Stetten am kalten Markt (Ldkr. Sigmaringen; Karte bei Borgolte, Kommentar: M 11) und das südlich von Stetten gelegene Weilerstal, das an ein abgegangenes Uuilaresbach erinnere, besser zum angeblichen Amtsbezirk Karamanns. Auch Jänichen (Baar und Huntari 89) ist Baumanns Auffassung gefolgt, doch konnte er ebensowenig wie dieser Uuilaresbach selbst nachweisen. Wartmanns ursprüngliche Deutung hat also den Vorzug, dass Schwenningen a. N. und Weilersbach als Nachbarorte faßbar sind. Außerdem waren die Voraussetzungen für Baumanns und Jänichens Suche nach dem Ort Weilersbach in der Umgebung von Stetten a.k.M. nicht gegeben. Beide gingen von einer bereits Ende des 8. Jahrhunderts bestehenden fest abgegrenzten Scherragrafschaft für Karamann aus. Dieser Annahme widerspricht die Gesamtüberlieferung der Bertoldsbaar bis in die Zeit LUDWIGS DES FROMMEN (s. Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens, Kap. V. 3), vor allem aber das Herrscherdiplom von 817 selbst. Danach waren nämlich die ministeria Frumolds und  Ruachars (I, II) im oberen Donau- und Neckarraum so eng miteinander verzahnt, dass eine lineare Grenzziehung nicht möglich ist. Dieser Gemengelage von Grafschaftsrechten würden Schwenningen a. N. und das heute nach Villingen-Schwenningen eingemeindete Weilersbach entsprechen. Man muß deshalb ohne Zweifel zur ersten Ortsbestimmung Warrmanns zurückkehren. Erst nach 817, aber noch zur Zeit Karamanns lassen sich im Westen und Osten der Bertoldsbaar zwei Comitate mit klarer räumlicher Scheidelinie und dichten Grafenbezeugungen fassen (s. Borgolte, loc. cit.).
Abgesehen von W I Nr. 351 sind die Rechtsgeschäfte von allen zitierten St. Galler "Privaturkunden" in Gegenwart des Grafen abgeschlossen worden. In Nr. 246 wird ausdrücklich vermerkt, dass der Akt in Tuttlingen in concilio Caramanni comitis stattgefunden habe, und in den Urkunden 143 und 230 steht Karamann am Beginn der Zeugenreihe.
Als ein weiteres Zeugnis für Karamanndarf man die St. Galler Zeugennotitia W II Anh. Nr. 21 ansehen (zur zeitlichen Einordnung s. Art. Alboin). Der Quelle zufolge haben zahlreiche namentlich aufgeführte Personen coram regalibus missis, videlicet Crimaldo abbate et Atone comite aliisque comitibus Vuillihelmo et Alboino ausgesagt, quod ex traditione Perahtoldi comitis medietas omnis marchae, quae ad villam Filisininga nuncupatam aspicit (...) ad monasterium sancti Galli iuste et legaliter pertinere debeat, excepto uno monticulo, qui dicitur Festilinperc, qui ad hereditarios Pettonis et Caromanni aspiciat (...). Da die Rechtsnachfolger Pettos und Caromanns gemeinsamen Besitz am Festilinperc in der Mark von Vilsingen haben, dürften die beiden Erblasser verwandt gewesen sein. Offenkundig in Zusammenhang mit ihrer Erwähnung in der Notitia steht die bereits zitierte St. Galler Urkunde 230, in der Karamann in der Grafenformel und in der Zeugenreihe verzeichnet ist. Nach dieser carta hat Petto seinen Besitz in Vilsingen an St. Gallen geschenkt und sein Eigengut in Engelswies gegen Nutznießung auf Lebenszeit übertragen. Sicher waren Petto und Graf Karamann mit den Vorbesitzern am Festilinperc identisch.
Die Besitznachbarschaft des Grafen Karamann von W I Nr. 230 und Graf Bertolds (II) in Vilsingen deutet bereits an, dass sich beide auch verwandtschaftlich nahegestanden haben. Zur Bestätigung könnte W I Nr. 176 angeführt werden, in der Karamann ohne erkennbare amtliche Funktion als Zeuge in einer Urkunde für Graf Bertold (II) genannt ist.
Im ältesten Eintrag des St. Galler Gedenkbuches von ca. 814 steht unter zahlreichen für Grafen belegten Namen nach Birihtilo auch Caroman (pag. 8, s. Schmid, Zur historischen Bestimmung 507). Da der einzige historisch fixierbare Graf Pirihtilo vor Karamann im Osten der Bertoldsbaar nachgewiesen ist, darf Caromanmit Karamann (I, II) gleichgesetzt werden. Ob dagegen ein weiterer Karamancom(es) im Reichenauer Verbrüderungsbuch einen der urkundlich bezeugten Grafen bezeichnen sollte (124A1), muß offenbleiben, da nähere Anhaltspunke aus dem paläographischen Befund für die Zuordnung fehlen (vgl, aber Jänichen 90 zu Piper, Libri Confrat. 310 coll. 514f., 1; s.a. Art. Alboin). Im sächsischen Geiselverzeichnis von ca. 805/06 (Rihwin) wurde vermerkt: Baldricum filium Rotgeri habuit Geremannus comis (Indiculus 233); Geremannusdürfte auf Karamann (I, II) zu beziehen sein, weil der Indiculus vor allem alemannische Magnaten als Geiselbewahrer nennt.
Jänichen (89, Vgl. Mayr, Studien 118; Langenbeck, Probleme 83f.) hat in Weißenburger Urkunden Zeugen namens Garomannus, Garaman nachgewiesen, ohne deren Identität mit Karamann (I, II)erweisen zu können (Trad. Wiz. Nrn. 113,180). Für seine weitere These, Karamann sei aus Bayern nach Alemannien gekommen (Baar und Huntari 98-101), fand Tellenbach (Der großfränkische Adel 65 A. 149) "nicht genügend Anhaltspunkte". Die Aufdeckung vermeintlicher Verwandtschaftsverhältnisse, insbesondere zwischen Karamann und  Gerold (I), ist Jänichen (99,105f.) mißlungen, weil er weder die paläographischen Befunde bei Gedenkbucheinträgen noch die Frage der Personenidentitäten klären konnte. Tellenbach (59) setzte Karamann mit dem missus KARLS DES GROSSEN, Grahamannus, gleich, der 788 mit Audaccrus und anderen Franken an der Seite der Bayern die Awaren auf dem Ipsfeld besiegte (Annales Regni Francorum 82 ad a. 788). Demgegenüber identifizierte Mitterauer (26, vgl. Störmer) den Grahamannus mit dem zeitgleichen Grafen Graman im Traungau. Die Frage, ob der 784/91 in Italien belegte dux Garamannus (Codex Carolinus 622 Nr. 86,624 Nr. 88) mit Karamann personengleich sein könnte, ließen Tellenbach (65, vgl. 48 A. 4 1) und Hlawitschka (26 mit A. 1 8) offen.



 
 
 
 
 


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