Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 207
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Agilolfinger (Agilulfinger)
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Frühmittelalterliches Adelsgeschlecht, das von der
Mitte des 6. Jahrhunderts bis 788 die Herzogswürde in Bayern innehatte
(laut Lex Baiuv. Tit. III von den MEROWINGERN
eingesetzt). Die Herkunft ist umstritten (bayrische, burgundische, langobardische
Herkunft wird erwogen). Schon im 6. Jahrhundert zeigt sich eine enge Versippung
der AGILOLFINGER mit Königsfamilien,
was sich in der Namensgebung niederschlägt. Gerade zu dieser Zeit
gab es enge Familienallianzen zwischen Herzögen von Bayern und dem
langobardischen Königshaus. Die AGILOLFINGERIN
Theudelinde (+ 625; Enkelin des Langobarden-Königs
Wacho), verheiratet mit König
Authari, dann mit König Agilulf
(von dem das genus ducale der AGILOLFINGER
wohl seinen Geschlechtsnamen ableitete), hatte im Langobardenreich eine
mächtige Stellung. Ihr Bruder, der AGILOLFINGERGundoald,
wurde Herzog von Asti, dessen Nachkommen 652-712 langobardische Könige
waren.
Neben diese langobardische Politik tritt eine frühe
SO-Alpenpolitik gegen Slawen, Bulgaren, dann Awaren, die vom fränkischen
Königtum mitbestimmt wurde. Im 7. Jahrhundert erfahren wir besonders
über AGILOLFINGER im westfränkischen
und mittelrheinischen Raum, so dass die weite politische Interessensphäre
und Familienverflechtung der AGILOLFINGER
im Frankenreich sichtbar wird. 624 kommt ein AGILOLFINGER,
der austrasische Große Chrodoald, in Konflikt mit Bischof
Arnulf von Metz und Pippin den Älteren. Dieser Konflikt der AGILOLFINGER
mit den karolingischen Hausmeiern und
späteren Königen bestimmt besonders die Geschichte der AGILOLFINGER
im 8. Jahrhundert. Seit Herzog Theodo (ca. 680-ca. 716) wird die
Politik der bayerischen AGILOLFINGER
besonders sichtbar: enge Verwandtschaftsbande zu den langobardischen Königen,
zum Alamannen-Herzog Gottfried, wohl auch zu den thüringisch-fränkischen
Herzögen. Diese Herzöge östlich des Rheins standen in Opposition
zu den aufsteigenden KAROLINGERN, betonten
aber ihre Reichstreue gegenüber den schwachen MEROWINGERN,
wobei politisch wichtig war, dass die Sippe der AGILOLFINGER
im 8. Jahrhundert mit Bayern und Alemannien zwei Dukate im Alpen- und Voralpenraum
in ihrer Herrschaft hatte (Paßstraßen). Herzog Theodo
plante (besonders in Abwehr karolingischer
Einflußnahme)
eine auf Rom orientierte bayerische Landeskirche mit Bischofssitzen an
seinen Pfalzorten (Hauptpfalz der bayerischen
AGILOLFINGER:
Regensburg). Er teilte seine Herrschaft unter seine Söhne wie die
MEROWINGER-Könige.
Als 725 der Hausmeier Karl Martell
in Bayern einbrach und die Familie des
Teilherzogs Hugbert
ausrottete, gleichzeitig sich mit der AGILOLFINGERIN
Swanahilt vermählte, waren
die AGILOLFINGER bereits mit den Hausmeiern
verschwägert. Der den alamannischen AGILOLFINGERN
entstammende
bayerische Herzog Odilo setzte - offenbar
mit Hilfe Swanahilts - die Politik Theodos systematisch fort
und realisierte 739 die bayerische Diözesanteilung, wurde aber 743
von seinen Schwägern Pippin und Karlmann empfindlich geschlagen. Sein
Sohn Tassilo III. versuchte trotz starker vertraglicher Bindungen
an die KAROLINGER noch einmal "klassische"
AGILOLFINGER-Politik
zu treiben, mußte sich aber schließlich seinem Vetter, König
KARL DEM GROSSEN, 788 unterwerfen, der die AGILOLFINGER
ins Kloster schickte und das Herzogtum aufhob.
Literatur:
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B. Sepp, Die bayer. Hzg.e aus dem Geschlecht der Agilulfinger,
Oberbayer. Archiv 50,1897, 1 ff. – E. Zöllner, Die Herkunft der Agilulfinger,
Zur Gesch. der Bayern, 1965, 107ff. – E. Klebel, Zur Gesch. des Hzg.s Theodo,
ebd. 172ff. – K. A. Eckhardt, Merowingerblut II, A. und Etichonen, 1965
– W. Störmer, Adelsgruppen im früh- und hochma. Bayern, 1972
– W. Goez, Über die Anfänge der Agilulfinger, Jb. für frk.
Landesforsch. 34/35, 1975,145ff.
Agilolfinger
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Erstes Herrschergeschlecht in Bayern.
Die Herkunft der AGILOLFINGER
ist umstritten; erstmals werden sie in der Mitte des 8. Jahrhunderts im
Kampf gegen die Franken erwähnt. Die AGILOLFINGER,
die in enge Beziehungen mit den südlich des Alpenhauptkammes lebenden
Langobarden unterhielten, wurden politisch allmählich zurückgedrängt.
Die Auseinandersetzung fand in der Absetzung Herzog Tassilos III. 788
durch Kaiser KARL DES GROSSEN ihren
Höhepunkt.
Die AGILOLFINGER
residierten in Regensburg leisteten einen großen Beitrag zur Christianisierung
Bayerns.
Bekanntlich werden die AGILOLFINGER
von einen als burgundisches "Geschlecht", den anderen als fränkisches
und neuerdings von Eckhardt als langobardisches Geschlecht angesehen, wobei
vermutlich alle drei Faktoren eine Rolle spielen. Da es - wie Eckhardt
zeigt - als sicher gilt, dass Theudelindes(Tochter des Bayern-Herzogs
Garibald I.) 2. Gemahl Agilulf
König der Langobarden war, besteht durchaus die Möglichkeit,
dass die AGILOLFINGER ihren Gentilnamen
von diesem Langobarden-König ableiteten, obwohl dieser vielleicht
nicht unmittelbarer Vorfahre der AGILOLFINGER
des 8. Jahrhunderts war. Immerhin fällt auf, dass diese AGILOLFINGER
zum Teil MEROWINGER-Namen tragen, obwohl
doch Theodelinde, die Tochter Walderadas,
nicht von deren 1. Gemahl König Theudebald,
sondern aus ihrer Ehe mit
Herzog Garibald stammte. Man wird vielleicht in
beiden Erscheinungen eine "Ansippung" der
AGILOLFINGER
an eine besonders erlauchte Verwandtschaft sehen müssen.
(Stammtafel in Rudolf Reiser "Bayern in Stichworten")
| Garibald I. | 553- 591 |
| Tassilo I. | 591- um 610 |
| Garibald II. | 610- um 630 |
| Theodo I. | - 680 |
| Landbert | 680- |
| Theodo II. | ca. 680- ca.716 |
| Theudebald | - um 719 |
| Tassilo II. | - um 719 |
| Theudebert | 711- um 719 |
| Grimoald | - 728 |
| Hukbert | 716- 736 |
| Odilo | 736- 748 |
| Tassilo III. | 748- 787 |