Sisenand der Geduldige                 König der Westgoten (631-636)
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     636
 

Jüngerer Sohn des Königs Swintila und der Theodora, Tochter vom Westgoten-König Sisebut
 

Thiele, Andreas: Tafel 218
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

SISINANTH "DER GEDULDIGE"
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     636

Sisenand der Geduldige rebellierte mit gegen den Vater, rief die Franken ins Land und wurde 633 König der Westgoten. Die 633 abgehaltene Synode von Toledo legte endgültig das Wahlkönigtum fest, die Kirche erhielt unter dem Einfluß des Bischofs Isidor von Sevilla die Führungsrolle zugestanden und wurde von allen öffentlichen Abgaben befreit, wodurch es zu einer völligen Vermengung zwischen Kirche und Staat kam.



Sisenand gelangte durch einen Aufstand, bei dem er die Franken ins Land rief, zur Macht und war völlig von Kirche und Adel abhängig. Dies zeigte die 4. Synode von Toledo (5.12.633), die die Wahlmonarchie, die das Königtum in hohem Maße von den Großen und der Kirche abhängig machte, festlegte.

Claude, Dietrich: Seite 97,101-102
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"Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8."

Sofort nach der Abdankung Suinthilas kam es - noch in Zaragoza - zur Wahl des siegreichen Prätendenten [32 Fredegar IV, c. 73, p. 158]. Die neuen politischen Verhältnisse kamen in den Beratungen des 4. Toletanum, das 633 unter dem Vorsitz Isidors von Sevilla zusammentrat, zum Ausdruck. Bereits der Prolog weist dem König eine im Verhältnis zum 3. Toletanum bescheidene Stellung zu.
Da Sisenand augenscheinlich der Hilfe der Kirche bedurfte, versuchte das Konzil, die kirchliche Autonomie gegenüber dem Herrscher zu stärken. Während die Westgoten-Könige bis dahin faktisch das Recht hatten, bei Vakanz Bischöfe einzusetzen, wurde nunmehr festgelegt, daß nur derjenige zum Bischof erhoben werden dürfe, der von Klerus und Gemeinde zu diesem Amt erwählt worden sei.
Sisenands Herrschaft scheint bis zu seinem Tode keinen ernsthaften Erschütterungen ausgesetzt gewesen zu sein.
 
 
 
 

Literatur:
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Claude, Dietrich: Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1971 Seite 97-102 - Fredegar: Chronik -
Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 199 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 219 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 516 -