Erwich                                            König der Westgoten (15.10.680-15.11.687)
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     nach 15.11.687
 

Sohn des vornehmen Byzantiners Ardebast und einer Schwester-Tochter von König Chindaswinth
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 2190
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Ervig, westgotischer König 680-687
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Sohn des byzantinischen Verbannten Ardabast und einer Verwandten König Chindasvinths.
Als comes am Hof König Wambas erzwang Ervig mit einer Intrige dessen Abdankung und seine Designation zum Nachfolger; eine Wahl fand nicht statt. Er ließ sich am 21. Okt. 680 vom Metropoliten Julian von Toledo zum König salben und den Regierungswechsel im Januar 681 von einem Reichskonzil (12. Toletanum) sanktionieren; ein weiterer Konzilsbeschluß sollte einer Rückkehr des tonsurierten Wamba auf den Thron vorbeugen. Am 21. Oktober 681 setzte Ervig eine neue Fassung des westgotischen Gesetzbuches (Leges Visigothorum) in Kraft. Das adelsfreundliche 13. Konzil von Toledo (683) untersagte dem Herrscher, angeklagte Palastadlige und Bischöfe ohne Verfahren vor einem Standesgericht ihrer Würde zu entkleiden, einzukerkern oder zu enteignen; Kanones zum Schutz von Ervigs Angehörigen für den Fall seines Todes lassen die prekäre Lage des Königs erkennen. In seinem mit Wamba verwandten Schwiegersohn Egica, den er am 14. Novomber 687, tödlich erkrankt, zum Nachfolger bestimmte, hatte Ervig einen erbitterten Feind.

J. Prelog



Thiele, Andreas: Tafel 219
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ERWICH
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Sohn des Prinzen Adabast der Westgoten und einer Nichte König Wambas; Urenkel des Königs Hermengild

Erwich zwang 680 König Wamba zum Verzicht und wurde selbst König zu Toledo. Er versuchte mit Milde einen Ausgleich zwischen den Parteien zu erreichen, lebte in der Furcht vor dem gleichen Schicksal wie es König Wamba erteilte und markierte den Höhepunkt königlicher Ohnmacht. Er dankte 687 ab und wurde Mönch.

  oo LIUBIGOTONA
             

Tochter des Westgoten-Königs Swintila



Erwich war der Großneffe und Günstling Wambas, den er mit Hilfe Julians, Erzbischof von Toledo, stürzte. Er war ein schwacher, ängstlicher Monarch, der völlig vom Klerus abhängig war und diesem alle Errungenschaften Wambas preisgab. Er verzichtete auf alle Steuerrückstände, schwächte das kraftvolle Wehrgesetz Wambas bis zur Unkenntlichkeit ab, namentlich der Kirche gegenüber, und zwar mit rückwirkender Kraft. Er begnadigte alle, die nach jenem Gesetz bereits die Ehre verwirkt hatten. Das Wichtigste aus seiner Regierung ist die scheußliche Judenverfolgung, die er, Julians Willen erfüllend, ins Werk setzte. Von Krankheit, Aberglauben und auch von Gewissensangst gepeinigt, legte er das Zepter nieder und trat ins Kloster ein, wo er bald starb.

Claude, Dietrich: Seite 166-168,170,181-184
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"Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8"

Die Regierungszeit Wambas fand durch eine Hofintrige ein plötzliches Ende. Der Oströmer Ardabast, der unter Chindasvinth ins Westgoten-Reich gekommen war, hatte eine Verwandte des Königs geheiratet [55 Chron. Rotense, (siehe Seite 76, Anm. 121), p. 610.]. Der Sohn, der aus dieser Ehe hervorging, Ervig, gab Wamba einen Trunk ein, der ihm die Besinnung raubte. Da die Anwesenden glaubten, daß Wamba dem Tod nahe sei, ließen sie ihm das Sakramant der letzten Buße erteilen [56 Ibid., 1. c.]; es handelt sich hierbei um eine im Westgoten-Reich verbreitete Sitte, durch die der Sterbende die Tonsur erhielt und symbolisch in den geistlichen Stand aufgenommen wurde. Damit war Wamba regierungsunfähig. Mehr oder weniger freiwillig unterschrieb er ein Dokument, durch das er Ervig als seinen Nachfolger designierte. In einem zweiten Schreibern ersuchte er den Metropoliten Julian von Toledo, Ervig zum König zu salben. Es ist vermutlich das erste Mal in der westgotischen Geschichte, daß ein König seine Würde durch Designation erhielt. Von einer Wahl ist nirgends die Rede.
Am Abend des 14. Oktober 680 hatte Wamba die letzte Buße empfangen, am folgenden Tag übernahm Ervig die Regierung. Die Salbung wurde auf den folgenden Sonntag, den 21. Oktober, verschoben.
Obwohl der Regierungswechsel anscheinend ohne Schwierigkeiten von statten ging, scheint sich bald Widerstand gegen Ervig geregt zu haben. Die Eile, mit der er innerhalb der ersten vier Wochen seiner Regierung ein Reichskonzil einberief, das am 9. Januar 681 zusammenkam, legt den Verdacht nahe, daß Ervig glaubte, der kirchlichen Unterstützung zu bedürfen.
Als Gegenleistung für die vielfältigen Beschränkungen der monarchischen Gewalt beschloß das Konzil einen Kanon zugunsten des Königs. Die Familienangehörigen Ervigs, seine Frau und seine Kinder, sollten für den Fall des Todes des Königs geschützt werden. Es wurde verboten, sie zu verbannen, zu schlagen, zu verstümmeln, zu enteignen oder sie zu Geistlichen zu scheren. Wenn eine solche Bestimmung, die im Grunde nur die elementarsten Rechtsgarantien enthielt, erlassen wurde, muß Ervig für den Fall seines Todes das Schlimmste für seine Angehörigen befürchtet haben. Seit 636 war keine vergleichbare Schutzbestimmung erlassen worden.
Ein weiterer Kanon war dem Schutz der Königin gewidmet. Nach dem Tode eines Herrschers durfte sie nicht zu einer neuen Ehe gezwungen werden.
Die beiden königsfreundlichen Kanones enthüllen durch ihre Schutzbestimmungen die bedrohte Lage Ervigs. Der Herrscher, der mit den maßlosen Forderungen des Adels konfrontiert wurde, muß sich in einer bedrohlichen Lage befunden haben. Vermutlich vermochte er seine Herrschaft nur durch äußerste Nachgiebigkeit zu bewahren. Mit einem Schlag waren alle Vorteile, die das Königtum seit Chindasvinth errungen hatte, verloren gegangen. Die Niederlage Ervigs war weitaus schwerer als die Reccesvinths 653.
Eher dürfte eine Verbindung zur Hochzeit einer Tochter Ervigs mit Egica, einem Verwandten Wambas, bestehen, deren Zeitpunkt allerdings unbekannt ist [127 683 waren einige Kinder Ervigs verheiratet, von anderen erwartete man eine baldige Eheschließung: Conc. Tolet. XIII, c. 4, p. 420.].
Zweifellos handelte es sich um eine politische Heirat; da Egica nach 687 seine Feindschaft gegen Ervig offen bekundete, wird man ihn schon früher für einen Gegner des Königs zu halten haben, was ohnehin auf Grund seiner Verwandtschaft mit dem von Ervig seiner Herrschaft beraubten Wamba wahrscheinlich ist. Die Eheverbindung dürfte den Zweck gehabt haben, Egica an die Familie Ervigs zu binden und eine Aussöhnung mit der Familie Wambas herbeizuführen.
Obwohl Ervig Söhne besaß, erkor er seinen Schwiegersohn Egica zu seinem Nachfolger. Vielleicht waren seine Söhne in unmündigem Alter; es ist auch gut möglich, daß Ervig unter einem starken Druck stand, da Egica als Verwandter Wambas einigen Anhang besessen haben dürfte. Der Thronwechsel vollzog sich, wie schon 680, in der Form einer Designation. Als Ervig tödlich erkrankte, "wählte" er Egica zu seinem Nachfolger.
Am 14. November 687 erfolgte die Designation, am 15. dankte Ervig durch diie Annahme der letzten Buße ab und befahl den Großen, mit Egica nach Toledo zu ziehen. Da die Salbung erst am Sonntag, dem 24. November erfolgte, muß sich der Hof in einiger Entfernung von Toledo aufgehalten haben.
 
 
 
 

  oo Liubigotona, Tochter des Königs Chindaswinth
          
 
 
 
 

Kinder:

  Cixilane (Cixilo)
      

  oo Egika König der Westgoten
            15.11.702
 
 
 
 

Literatur:
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Claude, Dietrich: Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1971 Seite 166-177 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 146,176 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 103 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 219 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 665,727 -