Drogo
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   nach 753
 

Ältester Sohn des fränkischen Hausmeiers Karlmann aus dem Hause der KAROLINGER
 

Hlawitschka Eduard: Seite 81
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"Die Vorfahren Karls des Großen"

54 Drogo
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Carlomannus ... regnum una cum filio suo Drohone manibus germano suo Pippino committens; Contin. Fredegarii c. 30, MG. SS. rer. Merov. 2, Seite 181.
Signum illuster vir Drogone filio eius consentiente unter Karlmanns Urkunde vom 6. Juni 747 für Malmedy-Stablo; J. Halkin-C.G. Roland, Recueil (wie in Nr. 45), Nr. 17, Seite 50. -
Da es in anderen Quellen (vgl. BM² 52a) von Karlmann heißt, regnum reliquet filiosque suos Pippino fratri commendavit, und da 754 filii Karlmanns geschoren und ins Kloster geschickt werden (BM² 53e), muß Drogo noch Geschwister gehabt haben. Ihre Namen sind jedoch unbekannt. Der Versuch von M. Chaume, Les origines (wie in nr. 26), Seite 542f., noch drei Geschwister Drogos sowie deren Nachkommenschaft zu bestimmen, entbehrt aller stichhaltiger Begründungen und quellenmäßigen Grundlagen.


Karlmann ist wenige Monate später in Vienne gestorben; aber nicht einmal den Toten wollte Pippin im Franken-Reich dulden; der Leichnam wurde nach Monte Cassino gebracht; für so bedeutend und bedrohlich sah Pippin anscheinend die Anhängerschaft seines Bruders an. Karlmanns Söhne wurden jetzt ebenfalls ins Kloster eingewiesen, um ihnen die Möglichkeit zu politischer Aktion zu nehmen.

Herm, Gerhard: Seite 55
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"Karl der Große"

Daß Pippin sich darüber grämte, daß sein Bruder nach Monte Cassino ging, ist mehr als unwahrscheinlich. Er dürfte die Alleinherrschaft von Anfang an begehrt haben. Weshalb hätte er sonst die ihm anvertrauten Söhne des Bruders (Drogo war nicht sein einziger?) einige Jahre später ebenfalls zu Mönchen scheren lasssen. Als er dies anordnete, mag sein Blick auch bereits nachdenklich auf dem langen Haar Childerichs III. geruht haben.

Schieffer Rudolf: Seite 56-57,62
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"Die Karolinger"

Während Karlmann offenbar schon länger verheiratet war (mit einer Frau, deren Namen wir nicht kennen) und zumindest einen heranwachsenden Sohn Drogo hatte, wählte der jüngere Pippin wohl 744 seine Gattin Bertrada.
Karlmann "übergab", so wird uns versichert, "sein Regnum und seinen Sohn Drogo in die Hände seines Bruders Pippin", bevor er sich von Papst Zacharias in den römischen Klerus aufnehmen ließ und auf dem Monte Soratte nördlich der Stadt ein Kloster gründete, von wo er etwa 750 als Mönch nach Montecassino auswich, angeblich weil ihm der häufige Besuch fränkischer Pilger, darunter wohl auch politischer Gegner sines Bruders, lästig wurde.
Als nunmehr alleiniges Famillienoberhaupt war Pippin indes kaum gesonnen, die Macht abermals zu teilen, weshalb der junge Drogo nur ganz kurzfristig als Inhaber eines eigenen Herrschaftsbereichs in Austrien erscheint, dann aber beiseite geschoben wurde.
Karlmann kam "auf Weisung seines Abtes", vor allem aber wohl auf Betreiben Aistulfs, denn seine Absicht war, warnend gegen die italischen Kriegspläne seines Bruders die Stimme zu erheben; zudem rief er durch sein bloßes Auftreten die übergangenen Herrschaftsrechte seines Sohnes Drogo (und offenbar weiterer Brüder) bedrohlich in Erinnerung. Gegen ihn bot Pippin ein Machtwort des Papstes auf, der Karlmann unter Hinweis auf sein Mönchsgelübde in ein fränkisches Kloster einwies; auch seine Söhne, über die danach nichts mehr verlautet, wurden "geschoren", das heißt in den geistlichen Stand gezwungen und von jeder Thronfolge ausgeschlossen.

Konecny Silvia: Seite 62
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."

Bevor Karlmann nach Italien gezogen war, hatte er sein Reich und seinen Sohn Drogo Pippin III. anvertraut. Als Pippin König wurde, schloß er die Nachkommen Karlmanns ausdrücklich von jedem Amspruch auf die Herrschaft aus. Jedoch wurden sie anscheinend erst nach dem neuerlichen Auftauchen Karlmanns im Franken-Reich gezwungen, in den Mönchsstand überzutreten.

Wies Ernst W.: Seite 37
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"Karl der Große. Kaiser und Heiliger."

Seit 747 war Pippin Alleinherrscher der Franken. Die Ansprüche ans Reichsregiment von Karlmanns Sohn Drogo wehrte er ab.

Dahn Felix: Seite 478
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

Einstweilen waltet Pippin der Herrschaft auch in Karlmanns bisherigen Gebieten allein. Von irgendwelcher Mitwirkung Drogos ist keine Rede
Von Drogo und Karlmanns übrigen Söhnen ist auch bei Pippins Thronbesteigung keine Rede. Sie werden stillschweigend übergangen, woraus aber nicht folgt, daß sie schon 747 verzichtet hatten oder auch nur jetzt förmlich verzichteten. Mochte man ihnen damals ein Erbrecht eingeräumt haben an dem Machtbesitz ihres Vaters, was jetzt errichtet wurde, war etwas ganz Neues, worauf es ein Erbrecht von Hausmeier-Söhnen nicht geben konnte.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 55 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 56,62 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 37 -