Childebert II.                                 Franken-König von Austrasien (575-596)
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570 596 (nach 28.3. vor Juli)
 

Einziger Sohn des Franken-Königs Sigibert I. von Austrasien und der Brunhilde, Tochter vom Westgoten-König Athanagild
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1816
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Childebert II., merowingischer König 575-596
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Sohn des ostfränkischen Königs Sigibert I. und der Brunichild

  oo Faileuba

Söhne:
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Theudebert II.
Theuderich II.

Die Unmündigkeit des fünfjährigen Childebert II. bei seinem Herrschaftsantritt im fränkischen Ostreich war eine der Hauptursachen für den Machtkampf zwischen den ostfränkischen Großen und seiner Mutter Brunichild, die gemeinsam mit König Guntram für ein starkes Königtum eintrat. Trotz und wegen massiver Störungen durch die Großen, die gegen Guntram ein Bündnis mit dem Feind Brunichilds, Chiperich I., schlossen und den (angeblichen?) Sohn Chlothars I., Gundowald, zur Herrschaft in Gallien einluden, konnte im Vertrag von Andelot (587/586) die Nachfolge Childeberts und seiner Nachkommen in Guntrams Reich (Frankoburgund) endgültig festgelegt werden. Zwei gegen das Leben Childeberts und die Herrschaft Brunichilds gerichtete Anschläge führten zu einem Austausch von Magnatenfamilien im ostfränkischen Reich. Nach Guntrams Tod (592/93?) trat Childebert II. unter Ausschluß seines Vetters Chlothar II. dessen Nachfolge an. Die außenpolitischen Aktionen Childeberts litten unter den starken innenpolitischen Belastungen. So endeten mehrere - auf Drängen des oströmischen Kaisers und mit dessen finanzieller Unterstützung unternommene - Züge gegen die Langobarden mit wechselndem Erfolg und führten schließlich zu Tributzahlungen an die Franken (591). Kämpfe gegen Bretonen, Warnen und Avaren prägten die letzten Jahre Childeberts und verhinderten eine innere Konsolidierung seines Reiches. Childebert II., der politisch zeitlebens im Schatten seiner Mutter stand, starb 596 im Alter von ca. 26 Jahren (durch Gift?, siehe Paulus Diac., Hist. Lang. IV, 11; MGH SRL, 120)

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz, 1952, Nr. 9 - R. Schneider, Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter, 1972 - H. Grahn-Hoek, Die frk. Oberschicht im 6. Jh., 1976.


Als sein Vater 575 ermordet wurde, gelang es einem Getreuen, Childebert II. zu retten, der dann unter Vormundschaft der Mutter und des Onkels Guntram König von Austrasien wurde. Er setzte im Bündnis mit Byzanz die Kriege gegen die Langobarden fort und erzwang 591 Frieden und Tribute. Beim Tode seines Onkels Guntram erbte er 592 gemäß dem Erbvertrag von Andelot (28.11.587) dessen Länder. Seitdem verstärkten sich die Gegensätze zu Neustrien wegen des Vorranges und der Reichseinheit. Er stand bis zuletzt hinter der energischen und herrschsüchtigen Mutter zurück und unterdrückte 594 einen Aufstand der Thüringer.

Jarnut, Jörg: Seite 58-60
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"Agilolfingerstudien"

Bevor Childebert im Jahre 585 Faileuba zur Frau nahm, beabsichtigte der austrasische Hof nämlich, den heranwachsenden König mit Theodelinda, einer Tochter des agilolfingischen Herzogs Garibald und seiner lethingischen Gemahlin Walderada, zu verheiraten. Die geplante Ehe zwischen Childebert II. und Theodelinda kam aber nicht zustande. Nach dem Bericht "Fredegars" wäre die Auflösung der Verlobung auf den Willen der Brunichildes zurückzuführen. Besonders gut vorstellbar wäre, daß der Plan, Childebert mit der AGILOLFINGERIN zu verheiraten, aufgegeben wurde, als 581 Brunichildes Machtposition durch eine Art Palastrevolution erschüttert wurde.
Nach der Heirat Childeberts II. wurde die austrasische Außenpolitik vor allem von den zwischen 584 und 590 tobenden Kriegen gegen die Langobarden bestimmt. Nach dem erfolglosen Feldzug des Jahres 585 schienen Brunichild und Childebert vorübergehend zu einem Ausgleich mit den Langobarden bereit und gingen auf die Werbung ihres gerade erhobenen Königs Authari um Chlodeswinde, eine Schwester Childeberts, ein. Als sich aber 587 die Möglichkeit bot, durch eine Ehe mit dem neuen westgotischen Herrscher Rekkared Einfluß in Spanien zu gewinnen, wurde die Verlobung mit dem Langobarden-König gelöst und die Prinzessin als Gattin für den Westgoten bestimmt. Der brüskierte und weiterhin von den Franken bedrohte Langobarden-Herrscher nahm nun einen radikalen Kurswechsel vor: 588 verlobte er sich mit der von Childebert verschmähten AGILOLFINGERIN Theodelinda, der Tochter Herzog Garibalds, deren Schwester übrigens schon seit Jahren mit dem mächtigen langobardischen Herzog Eoin von Trient verheiratet war.
Die Franken reagierten prompt auf diesen Affront der AGILOLFINGER: Ein austrasisches Heer drang in Bayern ein. Garibalds Sohn Gundoboald und seine Schwester Theodelinda flohen nach Italien.
 
 
 
 

 585
  oo Faileuba
           596
 
 
 
 

Kinder:

  Theuderich II.
  587 613

  Theudilana
       

Illegitim

 Theudebert II.
 586 612 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 265 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 21 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 392,401,403,405,407,413, 415,419,429 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 35,50,89 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 44-50,84,86,90,93,100,104, 111,114,116,124,131,174,199 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 95,158 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 34,36,58,60-67,99,104,107,124,142,165,167,189 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 27,29,32 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 34 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986, Seite 54,57-64,66,78,87,99,126 - Menghin, Wilhelm: Die Langobarden. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, Seite 104,112,114,119 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 208,247 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 182,201-214,216-218,220,221,222,226,228,230,286,287,288,289,291,709,822 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 29 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 26,28,89,95,16,109,111,115-121,123-129,131,134,152,213, 224,237,244,257,263 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 2 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 344,346 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970, Seite 123,127 -