Athaulf                                           König der Westgoten (410-415)
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     Aug./Sept. 415 ermordet
     Barcelona
 

Schwager und Nachfolger König Alarichs I.
 

Lexikon des Mittelalters:
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Athaulf, König der Westgoten seit 410
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    415

Aus Pannonien 409 von seinem Schwager Alarich I. nach Italien gerufen, von Attalus zum Comes domesticorum equitum ernannt, versuchte Athaulf als Nachfolger Alarichs nicht mehr die Überfahrt von Süd-Italien nach Afrika, sondern wandte sich unter Plünderung der Westküste Italiens nach Gallien, wo er auf Anraten des Attalus mit dem Usurpator Iovinus Kontakt suchte. Streitigkeiten mit diesem boten dem gallischen Präfekten Dardanus die Möglichkeit, Athaulf zeitweilig auf die Seite des Honorius zu ziehen und ihn zum Zug gegen Iovinus zu veranlassen, den er in Valence gefangennahm und an Dardanus auslieferte (413). Von den neuen Wohnsitzen im westlichen Aquitanien aus suchten die Westgoten Zugang zum Mittelmeer, nachdem von Honorius zugesagte Getreidelieferungen ausblieben (Eroberung von Narbonne 413). Mit Galla Placidia, die seit 408 in westgotischer Gefangenschaft war, vermählte sich Athaulf im Januar 414 in Narbonne nach römischem Ritus und dokumentierte dadurch, daß er fortan gewillt war, mit der Kraft seines Volkes das römische Imperium zu stärken (Oros. 7, 43). Dennoch gab es mit Honorius keinen Frieden. Dessen Feldherr Constantius vertrieb die Westgoten aus Süd-Frankreich; sie zogen nach Spanien, wo Athaulf 415 in Barcelona aus Blutrache ermordet wurde.

J. Gruber



Thiele, Andreas: Tafel 217
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ATHAULF
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         415 ermordet

Alarichs Schwager/Heeführer; führt ihm 408 ostgotische Scharen zu, folgt ihm 410 als König und zieht mit reicher Beute bach Gallien ab; erobert Toulouse, das erste Westgoten-Hauptstadt wird, erobert von dort aus Katalonien (= Gotenland), drängt die Vandalen zurück nach Süd-Spanien und hilft Gegen-Kaiser Jovinus zu besiegen (siehe Rom VIIIc), plant die Erneuerung des Weströmischen Reiches.

  oo GALLA PLACIDIA
               450

Tochter des Kaisers Theodosius I.



Athaulf, der sich durch Tapferkeit, Klugheit und Geist auszeichnete, gab den Plan, Sizilien und Afrika zu gewinnen und so Italien zu behaupten, auf. Nach ständigen Verhandlungen mit Kaiser Honorius, wobei der Schwester des Kaisers, Galla Placidia, die bereits seit 408 Gefangene der Goten war, eine bedeutende Rolle zukam, zogen die Westgoten 412 unter seiner Führung nach Gallien. Die im Jahre 414 geschlossene Ehe mit der Halbschwester des Kaisers, Galla Placidia, diente dem Zweck, Einfluß in Rom zu gewinnen und es unter germanischer Führung zum alten Ruhm zu bringen. Die Pläne Athaulfs stießen beim römischen Kaiser und vor allem bei seinem Feind, dem Feldherrn Constantius, auf starken Widerstand, der wiederholt die zugesagten Getreidelieferungen sperrte. Der Widerstand der Anhänger des Kaisers machte es unmöglich, Gallien zu behaupten und so zog Athaulf, seine Hauptstadt Narbonne verlassend, nach Spanien. Hier erlag er bei Barcelona dem Mordanschlag des Goten Eberulf, der ihn in Blutrache für seinen früheren Herrn und aus Zorn über einen Scherz wegen seiner kleinen Gestalt tötete. Der König hatte sterbend seinem Bruder, den er als Nachfolger betrachten mochte, Frieden mit Rom und die Freilassung der Kaiser-Tochter ans Herz gelegt.
 
 
 
 

  1. oo Ostgotin
               

     414
  2. oo Galla Placidia, Tochter des Kaisers Theodosius I.
           388/92 27.11.450
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe  6 K

2. Ehe

  Theodosius
  415 415
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 98,99,176,348,349 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band I, 1 Seite 62,80,81,91 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 59,62,63,64,65, 67,68,69,70,74 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 561,571,578,582,593,603 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 71,72,93,294 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 35,36,39,48, 170-175,303 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 161, 171,265-268, 278 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 217 -