Aripert II.                                       König der Langobarden (701-712)
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    712

Begraben: in der von Aripert I. zu Pavia gegründeten Salvatorkirche
 

Sohn des Langobarden-Königs Raginpert
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 933
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Aripert II., König der Langobarden seit 701
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Begraben: in der von Aripert I. zu Pavia gegründeten Salvatorkirche

Aripert stammte aus der älteren "bayerischen" Dynastie; er war der Sohn des Herzogs Raginpert von Turin, eines Vetters von König Cunincpert, der 701 aus den Thronstreitigkeiten nach Cunincperts Tod für wenige Monate als Sieger hervorgegangen war. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters gelang es Aripert, der bereits zuvor Mit-König geworden war, seine gefährdete Herrschaft mit skrupellosen Mitteln zu festigen. Ansprand, dem Erzieher des von Aripert II. ermordeten unmündigen Sohnes Cunincperts, Liutpert, gelang die Flucht an den bayerischen Herzogshof. 712 wurde Aripert von Ansprand mit bayerischer Hilfe besiegt und ertrank auf der Flucht im Ticino. Zu den Franken scheint Aripert gute Beziehungen unterhalten zu haben; der römischen Kirche restituierte er Besitzungen an der ligurischen Küste. Auch mit dem oströmischen Kaisertum wahrte Aripert den Frieden. Paulus Diaconus schildert ihn als klugen und gerechten Herrscher.



Thiele, Andreas: Tafel 225
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ARIBERT II.
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Aribert II. wurde 701 Gegen-König, gewann 701 die Schlacht bei Pavia und wurde Regent für den inhaftierten Cousin Luitpert und 702 endgültig König. Er verjagte Herzog Ansprand, schlug den Gegen-König Rothari von Bergamo in der Schlacht bei Brescia und ließ ihn ermorden. Er machte den Päpsten in den Cottischen Alpen bedeutende Schenkungen, geriet später gegen die Päpste und besetzte Teile des Kirchenstaates. Aribert II. wurde zuletzt vom zurückgekehrten Ansprand bei Pavia besiegt und auf der Flucht erschlagen.



Aripert II. ging aus den Erbstreitigkeiten innerhalb der bajuwarischen Dynastie als Sieger hervor. Sein ärgster Gegner, Ansprand, der Vormund des Liutpert, floh ins bayrische Exil, während seine Familie, die in die Hände Ariperts gefallen war, grausam verstümmelt wurde. Ansprands ältestem Sohn Sigiprant wurden die Augen ausgestochen, seiner Frau Theodorada und seiner Schwester Aurona ließ Aripert Nase und Ohren abschneiden. Nur den jüngsten Sohn, Liutprand, ließ er zu seinem Vater nach Bayern ins Exil entkommen. Trotz dieser Grausamkeiten scheint der König sehr friedliebend und fromm, aber gleichzeitig sehr geizig gewesen zu sein. In bester Tradition der Nachfahren Theodelindes zeigte sich seine Ergebenheit gegenüber der katholischen Kirche in der Rückgabe von Gebieten in den Kottischen Alpen an den Apostolischen Stuhl. Nach 9-jähriger Verbannung zog Ansprand mit einem bayrischen Heer unter Führung des Bayern-Herzogs Theudebert nach Italien. Die Schlacht zwischen Bayern und Langobarden blieb unentschieden, doch beging Aripert den Fehler, sich aus dem Heerlager nach Ticinum abzusetzen, worauf das Heer meuterte, weil es sich verraten fühlte. Aripert mußte aus Pavia fliehen und ertrank bei dem Versuch, den Ticinus mit einer prall gefüllten Geldkatze zu durchschwimmen. Seine Familie floh nach Burgund und verschwand aus der Geschichte.
 
 
 
 

Literatur:
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Jarnut Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986 Seite 119,128 - Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch VI Kapitel 19-22,28,35,58 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 50 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 225 -