Dahn Felix: Seite 493
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"Die Franken "

Sein Nachfolger und Eidam [3 Nach Warattos Tod entstanden Spaltungen unter den Neustriern und Burgundern bezüglich der Wahl des Nachfolgers: Bonnell Seite 124 läßt Berthar erhoben werden "unter dem Einfluße von Warattos Witwe Ansfledis" (welche ihn bald ermorden ließ: das liegt aber doch nicht in den Worten der Quellen:
Gesta Fr. c. 48: W. defunctus est. fuitque ei matrona nobilis et ingeniosa, nomine Ansefledis. Franci namque in diversa tendentes vacillabant: B. quemdam statura pusillum, sapientia ignobilem consilio inutilem in majorem domatus oberrantes statuerunt. Diese Quelle weiß nicht einmal, daß B. der Schwiegersohn Ansfledas war: das "ingeniosa" und "namque" kann doch Ansfledens Einfluß hierbei nicht beweisen.
Der Continuator Fred. I. c. 99 weiß von diesem Schwiegerverhältnis, sagt aber auch nur: eratque (W.) matrona nobilis et strenua, nomine A., cujus gener nomine B. honorem majoris domus palatii suscepit: eartque statura parvus, intellectu modicus, levis atque citatus; über das Verhältnis dieser Umarbeitung zu den Gens siehe Krusch und Wattenbach Seite 120; Berthar verachtet nun oft auf die Freundschaft und die Ratschläge der Franken, darüber entrüsten sich die Franken und es verlassen ihn Auderamnus, Reulus (sic, statt Relus) und viel andere, verbinden sich unter Geiselstellung mit Pippin und reizen diesen zum Kampf gegen B. und die übrigen Franken. Die von einem ARNULFINGER veranlaßte Darstellung will offenbar Pippin nicht ohne Aufforderung der Neustro-Burgunder handeln lassen. Übrigens ist dieser Zusammenhang (obzwar der älteren Quelle fremd) nicht unglaubhaft; auch B., der selbstverständlich im Vergleich mit Pippin und geistig übel wegkommen muß, scheint seinem Dienstadel nicht gefügig genug gewesen zu sein.] Berthar, wegen Herrschsucht von einem Teil der Neustrier, zumal dem früher sehr einflußreichen Bischof Reolus von Reims verlassen, geriet alsbald im Kampf mit Pippin: bei Tertri am Ornigon geschlagen (687), wurde er nicht lange [4 Jedoch nicht allzu geschwind: noch am 30. Oktober 688 (Pertz Nr. 57 690? Sickel, Seite 32) schenkte der König zu Compiegne die villa Latniacum in pago Meldequo dem Kloster des heiligen Dionysius (Abt war damals Chaino) auf Vorschlag seiner Königin Chrodechildis und des Major domus Berchar. Die villa war früher den Majores domus Ebroin, Waratto und Gislemar verliehen und nach Warattos Tod vom Fiskus zurückgenommen worden.] nachher auf Anstiften seiner Schwiegermutter Ansfled ermordet [1 Pippin der Mitschuld zu zeihen, wie Bonnell Seite 127 und Richter ad h.a. geneigt scheinen, besteht doch hier so wenig wie bei Ebroins Ermordung anderer Grund, als daß ihn diese Major domus, wie jener Gewaltige, sehr gelegen starb: die Gesta c. 48 sagen nur: B. ab adulatoribus suis occisus est instigante Ansflede. - Der Grund der Macht dieser Frau war offenbar der Reichtum, über den dies Geschlecht verfügte und der in der Hand eines willenstarken Weibes kaum minder als im Besitz von Männern wirksam gemacht werden konnte (vgl. oben Fredigundis); auf solchen großen Grundbesitz des Hauses verweist Bonnell Seite 127: Schenkungen von Ansfleds Enkel, Erzbischof Hugo, an das Kloster St. Wandrille Gesta abbatum Fontanell. Mon. Germ. hist. Scr. II, Seite 281. Die Güter des Hauses lagen an den Seineufer von Paris bis Le Havre.], welche nun mit Pippin, der jetzt Major domus Theuderichs ward [2 Sehr bezeichnend drücken dies aus die Gesta c. 48.], sich verständigte und ihm eine Tochter Adaltrud (oder Anstrud) [3 Angeblich (Ann. Mett.) Berthars Witwe; so übereinstimmend die Chroniken, dagegen nennt in einer Urkunde von Childebert III., 14. März 697 (Pertz Nr. 70), Drogo Berthar seinen Schwiegervater. Bonnell und Breysig folgen den Chroniken, Bouquet der Urkunde, indem sie sämtlich einen Widerspruch annehmen. Indessen: in der Urkunde heißt der Schwiegervater Berchar, nicht Berthar, es wäre durchaus nicht notwendig, daß dies derselbe Name sein müsse (freilich steht auch cont. Fred. Berchar statt Berthar). Berchar kommt neben Berthar vor: Förstemann Seite 225 und Seite 244. Und es müßte auch nicht derselbe Mann sein: Ansfleda könnte vor Waratto einen anderen Gatten, Berchar, und von diesem eine Tochter, Adaltrud, gehabt haben, so daß also Berchar Drogos Schwiegervater und doch auch Ansfled seine Schwiegermutter gewesen sein könnte; dem steht nicht entgegen, daß der Schwiegervater vir inluster genannt wird; denn das beweist nicht, daß der also Genannte Major domus gewesen sein muß: der Major domus heißt zwar vir inluster, aber ebenso heißen auch andere hohe Beamte und optimates: vgl. zum Beispiel die Urkunde Chlodovechs III. vom 1. November 692 Bouquet I. c. Seite 671: inlustribus viris Ragnoaldo (war nicht Major domus), Nordeberctho (war nur Vertreter des Major domus), Ermenfrido (war nicht Major domus) optimates; [wie diese beiden Urkunden über denselben Hof Nocitun (Noiso-sur. Oise, im Gebiet von Beauvais bei Camiliacum, Chambli, pagus (le pays) Camiliacensis; daher le Chambliois) zu vereinbaren, ist schwer abzusehen; die Urkunden stehen bei Pertz als Nr. 64 und 70]; vgl. Sickel Seite 34f. Keinesfalls ist aber, wie Bonnell Seite 127 anzunehmen scheint die 692 genannte Angantrud identisch mit Anstrud oder Adaltrud. Indessen ist die oben von uns versuchte Vermittlung recht bedenklich, weil allzu künstlich, zumal auch Fred. cont. Berchar statt (des Major domus) Berthar schreibt, und in Zweifel wird man eher ein Versehen in der Urkunde annehmen müssen; nur auf die Ann. Mett. darf man sich dabei nicht stützen, welche nicht einmal den Namen Adaltrud kennen, Drogo zum Herzog von Burgund (!) machen und hier lediglich dieselbe Quelle benutzen wie die Gesta abb. Fontanellens. ed. Pertz, Scr. II, c.8] mit Pippins ältestem Sohne, Drogo, vermählte. Diese Vermählung ist jedenfalls vor 697 zu setzen: 14. März 697 ist Adaltrud Drogos Gattin (Urkunde), also mindestens 696, und die Angabe der Annalen von Metz (693) hat (hierin) nichts Unglaubhaftes.