Amalafrid                                       Thüringer-Prinz
-------------                                      Byzantinischer Feldherr
um 511 nach 540
 

Einziger Sohn des Thüringer-Königs Herminafrid und der Amalaberga, Nichte des Ostgoten-Königs Theoderich der Große
 

Schneider, Reinhard: Seite 19
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"Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern."

Auf Veranlassung des Kaisers heiratete der Langobarden-König Audoin eine Tochter des Thüringer-Königs Herminafried, deren Vater einst nach Italien geflohen und im Jahre 540 von Belisar zusammen mit dem gefangengenommmenen Ostgoten-König Witiches nach Byzanz gebracht worden war [78 Prokop, Bell. Goth. IV, 25, ed. Veh Seite 916. Herminafrieds Sohn Amalafried diente im byzantinischen Heer.]. Audoins jetzige Frau war über ihre Mutter Amalaberga und Großmutter Amalafrieda, eine Schwester Theoderichs, mit dem Ostgoten-König direkt als seine Großnichte verwandt.

Dahn Felix: Seite 165
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas."

Der Kaiser sah darin einen Bruch des Friedens und schickte den Langobarden ein Hilfsheer unter Amalafrid, den Sohn des Thüringer-Königs Hermanfrid und der AMALUNGIN Amalaberga, das die Gepiden schlug (531).

Offergeld Thilo: Seite 79,90,140
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Denn nachdem die Geburt eines direkten Thronerben, des ersehnten sacer parvolus, ausgeblieben war, hatte Theoderich zwar zunächst seinen Schwiegersohn Eutharich, den er als im Westgoten-Reich gefundenen AMALER darstellte [103 Ob Eutharich tatsächlich amalischer Herkunft war, ist nicht sicher zu klären. Daß ostgotische AMALER in den 470-er Jahren zu den Westgoten gestoßen waren, ist sicher, daß ähnliches bereits in den 420-er Jahren durch die umstrittene jüngere AMALER-Linie geschah, zumindest möglich; von beiden könnte Eutharich abgestammt haben. Vgl. die anhaltende Kontroverse anhand der oben Anm. 72 angeführten Literatur sowie Wolfram, Goten Seite 43 mit Anm. 17; 238f. Im vorliegenden Zusammenhang ist jedoch ohnehin die Frage, ob Eutharich AMALER war, weniger von Belang als die Tatsache, daß dies behauptet wurde. Nach Krautschick, Cassiodor Seite 31-33, 125f., war die amalische Legitimierung Eutharichs ein Hauptzweck der Gotengeschichte Cassiodors.], als Nachfolger vorgesehen, doch war dieses von Konstantinopel bereits gebilligte und mittels Waffen-Adoption Eutharichs bekräftigte Vorhaben durch dessen frühzeitigen Tod vereitelt worden. Der erbrechtlich nächstliegende Kandidat, noch vor Eutharich, wäre Theoderichs Schwestersohn Theodahad gewesen, doch galt dieser nicht nur Theoderich selbst, sondern auch den gotischen und römischen Großen als wenig geeignet [104 Vgl. Prokop, De bello Gothico I.4.6, Seite 20f., sowie Theoderichs mahnende Briefe bei Cassiodor, Variae IV.39.4, Seite 131 und V.12, Seite 149f.; vgl. Wolfram, Goten Seite 332f. Nach Norbert Wagner, König Theodahad und die amalische Namengebung, in: Beiträge zur Namenforschung N. F. 21 (1986), Seite 433-450, hier Seite 438f., wäre Theodahad nicht Amalafridas Sohn, sondern ein Sproß von Theoderichs Bruder Thiudimund gewesen, vgl. aber die Quellen in PLRE 2, Seite 1067.]. Auch seinen westgotischen Enkel Amalarich, dem er schon die Herrschaft im Tolosanischen Reich seines Vaters versagt hatte [105 Siehe dazu unten Seite 96.], überging der greise König, ebenso Amalafrid, den Sohn seiner Nichte Amalaberga, der offfenbar für die Nachfolge in Thüringen vorgesehen war [106 Vgl. Schlesinger, Frühmittelalter Seite 322f.; Claude, Königserhebungen Seite 159.]. Statt dessen entschied sich Theoderich für ein kaum zehn-, vielleicht erst achtjähriges [107 Differierende Angaben bei Jordanes, Romana c. 367, Seite 48; Prokop, De bello Gothico I.2.1, Seite 10 (jeweils acht Jahre); Jordanes, Gtica c. 304, Seite 136 bzw. 125 (vix decennem).] Kind, Athalarich, den Sohn Eutharichs und seiner Tochter Amalasuintha. Die Abkunft des Kindes vom vormaligen, vom Kaiser gebilligten Thronfolger Eutharius mag dabei eine Rolle gespielt haben.
In der Zeit dieser existentiellen Bedrohung zeigte sich eine, kaum überraschende Rückkehr der Ostgoten zu verstärkt heerköniglichen Auffassungen. Obgleich Mitglieder der AMALER-Sippe zumindest anfangs noch vorhanden waren [142 Zum Beispeil Amalafridas, der Sohn Amalabergas, der freilich 540 nach Byzanz verbracht wurde, oder Theodahads Sohn Theidegisklos, eventuell identisch mit den Westgoten-König Theudegisel (zur Debatte um die Gleichsetzung vgl. zuletzt Wolfram, Goten Seite 467 Anm. 28). Überdies muß es eine ganze Reihe entfernter verwandter AMALER im Reich gegeben haben, vgl. Grierson, Election Seite 9, mit dem Hinweis auf Jordanes, Getica c. 266, Seite 126 bzw. 110.], wurden durch ihre persönliche Eignung charakterisierte Heerführer zu Königen gewählt.
Allein Amalaberga gelang mit ihren Kindern die Flucht nach Italien, doch war an eine Wiedergewinnung des Throns nicht zu denken. Im Zusammenbruch der italischen Gotenherrschaft gerieten ihr Sohn Amalafrid wie auch ihre Tochter Rodelinde [321 Die Identität der Herminafried-Tochter mit Audoins Gemahlin Rodelinde ist nicht zweifelsfrei gesichert; möglicherweise handelt es sich um zwei Ehefrauen Audoins; vgl. PLRE 3B, Seite 1089; Schneider Königswahl 18f.] in Belisars Hände und wurden nach Byzanz verbracht; Amalafrid avancierte dort wenig später zum Heermeister, Rodelinde wurde dem Langobarden-König Audoin zur Frau gegeben. Mit dem Ende der Königssippe war das Thüringer-Reich vernichtet.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 165 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 79,90,140 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 19 -