Alahis                                             Gegen-König der Langobarden 688
--------                                            Herzog von Trient und Brescia
  
 

Sohn des N.N.
 

Schneider Reinhard: Seite 48,57
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Cunincperts Alleinherrschaft blieb nicht unangefochten. Wie zu Lebzeiten Perctarits erhob sich wiederum der dux von Trient und Brescia, Alahis. Damals hatte ihn, als er nur Herzog in Trient war, ein glänzender Sieg über einen bayerischen Grafen verleitet, die Hand gegen seinen König zu heben [234 Aus Paulus V, 36, Seite 156 geht deutlich genug hervor, daß Alahis seinerseits das Königtum erstrebt hat. Vgl. K. Reindel (Handbuch der bayerischen Geschichte I) 119.]. Nach beträchtlichen Anfangserfolgen wurde er niedergeworfen. Aber Cunincperts Intervention beim Vater verschaffte dem Rebellen nicht nur Gnade, sondern auch zusätzlich den Dukat über Brixia (Brescia) [235 Paulus ebd.; vgl. Hartmann II, 1 Seite 266f.], für den Cunincpert auch Alahis' Treueide entgegengenommen hatte. Die Skepsis des Vaters war jedoch begründet, und als Cunincpert einmal abwesend war, besetzte der Herzog regnum eius et Palatium intra Ticinum positum. Alahis trat also offen als (Gegen-)König auf und versuchte einen strategisch wichtigen Ausgangspunkt zu erlangen. Wie sie oft wurde auch hinter diesem Staatsstreich ein politisches Programm sichtbar, dessen extrem kirchenfeindlicher Kern auch zur tieferen Ursache seiens Scheiterns wurde. Denn von einer breiten Sympathiewelle der Bevölkerung getragen und durch Verrat in Alahis' Reihen begünstigt, gelang es König Cunincpert bald, wieder in Pavia einzurücken. Der mehrfache Zugriff auf diese Stadt zeigt ihre Schlüsselstellung für die langobardische Königsherrschaft. Verdrängt aus Pavia sammelte Alahis, der pervasor und tyrannus, im weiten Lande ein starkes Heer, mit dem er sich Cunincpert wiederum stellte. Dieser machte mit ausdrücklicher Rücksicht auf die beiden Heere ein Zweikampfangebot. Nach längerem Widerstreben mußte Alahis akzeptieren und wurde schmählich getäuscht, da ein Diakon für Cunincpert sich unerkannt zum Duell stellte. Vor den auf dem Schlachtfeld versammelten Heeren bot Cunincpert dann ein zweites Mal dem Kontrahenten den persönlichen Zweikampf an, damit der, dem Gott den Sieg geben wolle, die alleinige Herrschaft erringen könne. Doch diesmal versagte sich Alahis, weil er zwischen den Speeren seiner Gegner den heiligen Erzengel Michael erblickte, bei dem er Cunincpert die Treue geschworen hatte. So mußte die Schlacht entscheiden, in welcher der crudelis tyrannus Alahis den Tod fand.
 
 
 
 

Literatur:
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Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch V Kapitel 36-41 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 48,57 -