Agelmund                                       1. König der Langobarden
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Sohn des Agio
 

Schneider, Reinhard: Seite 10
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"Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern"

Erster König sei Agelmund gewesen, der Sohn Agios [25 Die Frage, ob schon aus chronologischen Gründen Agelmund überhaupt ein Sohn Agios gewesen sein konnte (siehe etwa Wenskus, Stammesbildung 489), kann hier außer acht bleiben, da für die vorliegende Fragestellung besonders das historische Selbstverständnis der Langobarden relevant ist. Sie Annahme, zwischen Agio und Agelmund läge "rund ein halbes Jahrtausend" (Wenskus 489 - H. Wolfram, Methodische Fragen zur Kritik am "sakralen" Königtum germanischer Stämme, in: Festschrift O. Höfler II (1968) 473, macht daraus schon "ein halbes oder gar ein ganzes Jahrtausend" -), liegt noch die inzwischen von Hachmann bestrittene These von der skandinavischen Herkunft des Langobarden-Stammes zugrunde. - Der Titel von Paulus I, 14 Seite 46, 18f lautet: Quia, mortuis Ibor et Aione ducibus, Langobardi primum regem Agelmundum habuerunt.], aus dem berühmten Geschlecht der GUGINGER [26 Paulus I, 14 Seite 54.]. Weitere Nachrichten über diese Königserhebung fehlen fast ganz [27 Vgl. aber Prosperi Tironis epitoma Chronicon a. 589 (AA 9 Seite 498), wo der Schritt zum Stammeskönigtum durch den Verlust der Herzöge motiviert erscheint.], aber wie bei der Wendung ordinare super de duces darf bei dem regem sibi statuere mindestens von einer Mitwirkung der "Langobardi" beim jeweiligen Erhebungsakt ausgegangen werden.
Während eines Feldzuges gegen die Bulgaren (Hunnen) [28 J. Werner, Langobarden 9.] wird das langobardische Lager nachts plötzlich vom Feinde überfallen und mit vielen anderen König Agelmund erschlagen, seine einzige Tochter in die Gefangenschaft entführt [29 Paulus I, 16 Seite 55f. Die These von Grierson Seite 17, Agelmunds Tochter hätte ihm als Erbin folgen sollen, weil er keine Söhne besaß, ist in dieser Form nicht haltbar.]. Noch im Felde erheben kurz darauf die am Leben gebliebenen Langobarden [30 Paulus I, 17 Seite 56. Besonders deutlich Andreas von Bergamo, Hist. 1, SS rer. Langob. Seite 221. ] Agelmunds Ziehsohn Laiamicho (Lamissio), den der König einst als uneheliches Findelkind [31 Der in der Origo (Seite 3, 5) stehende Hinweis: Laiamicho ex genere Gugingus weist allerdings auf vornehme Abkunft väterlicherseits, während Paulus I, 14 Seite 54 von der Mutter als einer quaedam meretrix spricht. Zusammen mit einem späteren Königskatalog (ex cod. S. Faustini, SS rer. Langob. Seite 503), der Lamusi nothus verzeichnet, läßt die Nachricht der Origo auf ein uneheliches Kind aus dem Geschlecht der GUGINGER - aber nicht Agelmunds - schließen.] hatte aufziehen lassen, zu seinem Nachfolger (sibi regem constituerunt) [32 Paulus I, 17  Seite 56; Heeres- und Wahlversammlung dürfen bei dieser Erhebung identisch gewesen sein; vgl. Andread von Bergamo (wie Anm. 30).]. Nach der vorliegenden Überlieferung fungierte die langobardische Heeresversammlung als Wahlversammlung, was sowohl Agelmunds als auch seines Nachfolgers Stellung treffend als die von Heerkönigen charakterisiert [33 Über diese grundsätzlich: W. Schlesinger, Über germanisches Heerkönigtum, in: Ders., Beiträge zur deutschen Verfassungsgeschichte des Mittelalters I (1963) 53-87.]. Laiamicho hatte sich schon früh durch außergewöhnliche Kriegstüchtigkeit und Mut hervorgetan [34 Paulus I, 15 Seite 55; 17 Seite 56.], und man wird davon ausgehen dürfen, daß auch Agelmund eine Regelung seiner Nachfolge zugunsten Laiamichos beabsichtigt hatte, da er selbst keinen Sohn besaß [35 Wenn Paulus Diaconus I, 16 Seite 56 von der gefangenen unica filia spricht, dürfte damit auch das einzige Kind Agelmunds gemeint sein.]. Die Annahme wird gestürzt durch den Bericht des Diakons Paul, daß der neue König, der den Tod seines Ziehvaters rächen wollte [36 Paulus I, 17 Seite 56; vgl. Andreas von Bergamo (wie Anm. 30).], bei einem militäriwschen Rückschlag seine Landsleute mit lauter Stimme auf dem Schlachtfeld zurückzuhalten versuchte, indem er ihnen unter anderem als Schmach vor Augen führte, wie die Feinde den König ermordet hätten. Da die Königs-Tochter vor Laiamichos Erhebung schon in die Hand des Feindes geraten war, ein entsprechender Wunsche der Langobarden abe rnur zur Zeit ihrer Freiheit, das heißt aber auch zu Lebzeiten des Vaters realen Hintergrund besaß, ließe sich ein Plan Agelmunds erschließen, dem vielerprobtenn und vielgerühmten Ziehsohn durch die Heirat mit eigenen Tochter, seinem einzigen Kind, die Herrschaftsnachfolge mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Langobardi zu sichern.
 
 
 
 

Literatur:
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Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch I Kapitel 15 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 10,247,252 -