Gottfried                                    Sire de Villehardouin und de Villy
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um 1150-   1213/ 6.1218
 

Sohn des Sire Vilain de Villehardouin und der Dameron
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1687
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Villehardouin, Gottfried von (Geoffroy de), führender Teilnehmer des 4. Kreuzzuges
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* vor 1150, + zwischen Dezember 1212 und Juni 1218
Burg Villehardouin Morea

Gottfried de Villehardouin entstammte der großen champagnischen Adelsfamilie VILLEHARDOUIN, ist 1172 erwähnt in einem Verzeichnis der Vasallen des Grafen von Champagne, zu dessen Ratgebern er zählte. Als Graf Thedbald III. anläßlich des Turniers von Ecry das Kreuz nahm, zog VILLEHARDOUIN mit ihm auf den 4. Kreuzzug, war beteiligt an den Verhandlungen und an der Beratung der Barone, die sich zu einer 'Umleitung' des Kreuzzuges auf Konstantinopel und schließlich zur Eroberung der Stadt entschlossen. Gottfried de Villehardouin trat während des Kreuzzuges stark hervor, nahm einerseits dank seines Verhandlungsgeschicks an allen wichtigen Beratungen und mehreren Gesandtschaften teil, fungierte andererseitzs als erfahrener Kriegsmann. Er befehligte die champagnische Heeresabteilung, organisierte nach der Katastrophe von Adrianopel (1205) den Rückzug und sammelte in Rhaidestos (Rodosto) die Reste des Kreuzfahrerheeres. 1206 war er einer der Anführer der Truppenverbände, die den in Stenimachos (Thrakien) von den Bulgaren eingeschlossenen Renier de Trith befreiten. 1208 zeichnete sich VILLEHARDOUIN bei einem Feldzug Kaiser Heinrichs von Flandern gegen die Bulgaren aus.
Gottfried de Villehardouin, der durchgängig die Würde des Marschalls von Champagne innehatte, führte seit 1205 auch den Titel eines Marschalls der 'Romania'. 1207 übertrug ihm Bonifaz von Montferrat den Oberbefehl bei der Belagerung von Mosynopolis. 1208 wurde ihm sogar die 'garde' über Konstantinopel anvertraut.
Zur bedeutenden Rolle der Familie VILLEHARDOUIN bei der Eroberungder Peloponnes durch die 'Lateiner' siehe Morea (hier trat - neben Wilhelm von Champlitte - seit der Einnahme von Modon [1204-1205] besonders der gleichnamige Neffe des Geschichtsschrteibers hervor: Gottfried I., Fürst von Achaia 1209/10-1228/30.


Schwennicke, Detlef: Tafel 113
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"Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band III Teilband 1, Herzogs- und Grafenhäuser des Heiligen Römischen Reiches und andere europäische Fürstenhäuser"

GEOFFROY
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    + 1213/Vi. 1218

Sire de Villehardouin  et de Villy
1185 Marschall der Champagne
1204 Marschall von Romania (Lateinisches Kaiserreich)
Baron de Makri et Trajanopolis
1207 Herr von Msynopolis

  vor 1172
  1. oo N. de Villemaur, Tochter von Dreux genannt Strabo und Hersende

 vor 1189
  2. oo Chane de Lezinnes, Erb-Tochter von Guillaume Sire de Lezinnes und Dameru dArcis-sur-Cure
                  + 1219



Mayer Hans Eberhard: Seite 174,177-179
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„Die Kreuzzüge“

Im November 1199 formierten sich bei einem Turnier in der Champagne die ersten Kontingente. Entgegen einer vielfach verbreiteten Ansicht ist die Anwesenheit Fulkos von Neuilly bei dem Turnier nicht nachweisbar. Die Grafen Theobald von der Champagne und Ludwig von Blois nahmen das Kreuz, ebenso der Marschall der Champagne, Gottfried von Villehardouin (+ ca 1213), der zum offiziösen Berichterstatter des Kreuzzuges wurde.

Norwich John Julius: Band III Seite 197
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Und so traf in den ersten Fastenwochen des Jahres 1201 eine Gruppe von sechs Rittern, angeführt von Gottfried von Villehardouin, Marschall der Champagne, in Venedig ein. Sie trugen ihre Bitte anläßlich einer außerordentlichen Zusammenkunft des Großen Rates vor, und eine Woche später erhielten sie dei Antwort: Die Republik Venedig werde die Transportmittel für viereinhalbtausend Ritter und deren Pferde, neuntausend Junker und wanzigtausend Fußsoldaten zur Verfügung stellen sowie Nahrungsmittel für neun Monate. Man rechen mit Kosten von 85.000 Silbermark. Dazu werde Venedig fünfzig voll ausgerüstete Galeeren auf eigene Kosten bereitstellen, unter der Bedingung, daß man die Hälfte aller eroberten Gebiete erhalte. Diese Antwort wurde VILLEHARDOUIN und seinem Anhang durch den Dogen Enrico Dandalo übermittelt.
 
 
 
 

    vor 1172
  1. oo NN de Villemaur, Tochter von Dreux genannt Strabo
                 -

    vor 1189
  2. oo Chane de Lezinnes, Erb-Tochter des Sire Guillaume de L.
                   -   1219
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Marie
          -

vor 1205
  oo Ascelin de Merylez-Sacy Seigneur de Bessy
               -

  Erard I.
         -1.7.1224

  Nachkommen siehe Band III/1 Tafel 113
 

  Alix Äbtissin von Notre-Dame zu Troyes
        -25.10.1249

2. Ehe

  Gottfried
         -   1219

  oo Auda
               -   1217

  Dameron Nonne zu Possy
           -
 
 
 

Literatur:
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Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 174, 177-179 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 197,210,203,206,208,212 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 886,889, 900 - Schwennicke, Detlef: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band III Teilband 1, Herzogs- und Grafenhäuser des Heiligen Römischen Reiches und andere europäische Fürstenhäuser, Verlag von J.A. Stargardt Marburg 1984 Tafel 113 -