Leonardo III. Tocco                    Despot von Arta
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    -   1494/95
     Neapel
 

Sohn des Despoten Carlos II. Tocco von Arta
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 821
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Tocci
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Die Nachfolge des von Carlo I. eingesetzten Neffen Carlo II. wurde von illegitimen Söhnen angefochten; diese riefen die Osamanen zu Hilfe, die noch im Jahr ihrer Eroberung von Thessalonike (1430) auch Ioannina einnahmen, Arta aber erst 1449 eroberten. Die wieder nach Unteritalien zurückgekehrten TOCCI (Carlos II., Sohn Leonardo III., + 1494 in Neapel) führten noch im 17. Jahrhundert den Titel der Despoten von Arta.



Thiele, Andreas: Tafel 371
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

MILICA
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    + 1464

 1463
  oo Leonardo III. Tocco, Despot von Arta, Herzog von Leucade, Graf von Kephallonia und Zante
               + 1503



Babinger Franz: Seite 163,283,421,422,423
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"Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende."

Skander-Beg ernannte zu seinem Stellvertreter in seiner Heimat Leonardo III. Tocco, den bisherigen Fürsten von Arta und 'Despoten der Rhomäer', dessen Namen höchstens im südlichen Epirus einen gewissen Klang hatte.
Nur drunten im Epirus wurde die Lage des Despoten Leonardo III. Tocco (1448-1479) immer bedrohlicher. Das Herzogtum (Despotat) 'Kleingriechenland' oder Qarly-Eli, Land des Carlo (Tocco), wie es die Türken hießen, war seit dem 24. März 1449, als die Osmanen Arta ihrem Reich einverleibten, auf dem Festland von Epirus lediglich auf Angelokastron, Vonitza und Varnatza, im übrigen aber auf die Inseln Levkas, Kephalenia und Zakynthos beschränkt geblieben. Leonardo Tocco sah sich zuletzt allein auf Venedig angewiesen, als dessen Unterhändler er hin und wieder bei den türkischen Paschen von Valona Fürsprache einlegte, bis schließlich auch der Rest seines Schein-Despotats eine Beute der Türken wurde (1479).
Weit weniger hold war das Geschick dem Gebieter auf einer anderen Insel, dem Herrn von Santa Maura (Levkas), Kephallenia und Zante (Zakynthos) im Jonischen Meer, Leonardo Tocco. Dieses Eiland zählte seit 1353 zum Besitztum des Despoten von Arta im Epirus, mit dem sie durch den fränkischen Titular-Kaiser von Konstantinopel, Robert II. von Anjou (1346-1364), Fürsten von Tarent, belehnt worden waren. Ein Leonardo Tocco - der Vorname blieb ein Jahrhundert im Geschlecht erblich - nahm damals den Titel eines Grafen von Kephallenia und Herzogs von Levkas an. Aber das Herrscherglück war nur von kurzem bestand. Die TOCCO mußten sich die Fortdauer ihrer kümmerlichen Herrschaft bei Mehmed II. durch Zahlung eines Lehnszinses erkaufen. Der Tributvertrag enthielt die seltsame Maßgabe, daß, wenn ein neuer osmanischer Sandschaqbeji von Janina (Ioannina, seit 9. Oktober 1431 osmanisch) das Städtchen Arta berühre, ihm dort ein Geschenk von 500 Dukaten als eine Art Wegzehrung entrichtet werden müsse. Die lästige Abgabe war der Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zum Bruche mit der Pforte.
Es trug sich nämlich eines Tages zu, daß ein neuer Sandschaqbeji von Janina, der überdies mit Leonardo Tocco verwandt war - er war ganz gewiß ein Vetter, nämlich einer von fünf zu den Türken übergelaufenen Bastarde seines Oheims Carlo I. Tocco (+ 4. Juli 1429), die als Qarlysadeler noch lange eine politische Rolle spielten -, des Weges zog und vom Despoten von Arta statt der 500 Goldstücke eine Sendung auserlesener Früchte des Landes bekam. Ergrimmt über diese Behandlung erstattete der früherer Pascha, der als Folge sultanischen Zornes vom Pascha zum Sandscheqbeji herabgewürdigt worden sein soll, bei der Pforte Bericht und führte Klage gegen Leonardo Tocco. Dort nahm man diese Beschwerde zum willkommenen Vorwand, gegen den längst mißliebigen Fürsten vorzugehen. Derselbe Sandscheqbeji soll dem Sultan weiter vorgestellt haben, daß Leonardo während des letzten venedischen Krieges Stradioten der Signoria auf Zante Unterschlupf geboten und deren Einfälle auf osmanisches Gebiet auf solche Weise erleichtert haben. Der Despot hatte sich bereits vorher die großherrliche Ungande zugezogen und war deshalb in den venedischen Frieden vom 25. Januar nicht eingeschlossen worden, angeblich, weil er sich 1477 in zweiter Ehe mit Francesca Marzano von Aragonien, einer Neapeler Prinzessin, vermählt hatt, ohne hierzu die Erlaubnis Mehmeds II. eingeholt zu haben. Seine erste Frau (1463) Milica, Tochter des Lazar Brankovic und Schwester der letzten bosnischen Königin Maria (+ 1474 auf Levkas), also Nichte der Carica Mara, hatte ihm schon 1464 der Tod entrissen. Das Maß war voll und noch im Sommer 1479 erhielt der neue Sandscheqbeji von Valona, Gedik Ahmed-Pascha, den Befehl, mit einem Geschwader von 39 Segeln nach den Jonischen Inseln auszulaufen und sie in Besitz zu nehmen. Das Erscheinen dieser Schiffe erregte in Venedig heftiges Mißfallen und der Bruch des Friedens wäre beinahe eingetreten. Die Signoria hatte nämlich selbst mit Leonmardo Tocco in Zwietracht lebend, auf Zante fünfhundert Reiter  gelandet und die Insel besetzt.
Leonardo Tocco dachte nicht an ernsthaften Widerstand. Gleich bei der Ankunft des osmanischen Geschwaders schiffte er sich mit seiner Familie, seinem Hofstaat und seinen Schätzen nach Neapel ein, wo ihm König Ferrante, sein neuer Verwandter, die Feudalherrschaften von Calimera und Briatico zum Wohnsitz anwies. Er war keinen schlechten Tausch eingegangen, denn auf den Jonischen Inseln hatte er sich durch Erpressungen bei seinen Untertanen längst verhaßt und unerträglich gemacht
Wie die drei Brüder Leonardo, Antonio und Giovanni Tocco eim Versuch, wieder in den Besitz des väterlichen Erbes zu gelangen, von Sixtus IV. mit besonderer Auszeichnung empfangen wurden und wie Leonardo bei ihm durchsetzen konnte, daß ihm aus der päpstlichen Schatzkanmmer ein Geschenk von 1.000 Dukaten sowie ein Jahrgeld von 2.000 Dukaten mit der Vertröstung auf mehr in besseren Zeiten bewilligt wurde, wie Antonio Tocco mit katalanischen Söldnern 1480 Kephallenia und Zante überfallen, vorübergehend in Besitz nehmen konnte, dann von Venedig vertrieben und schließlich auf Kephallenia totgeschlagen wurde, alles das hat im großen Zusammenhang keine sonderliche Bedeutung mehr.

Runciman Steven: Seite 191,194
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"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"

Das eine dieser Mädchen, namens Militza, heiratete Leonardo III. Tocco, den Herrn von Kephalonia und Leukas, starb aber bereits einige Monate später kinderlos.
Auf Einladung von Thomas' Tochter, der Königin-Mutter von Serbien, begab er sich nach Leukas, um ihren Schwiegersohn Leonardo Tocco zu besuchen, dessen Schwester die erste Gemahlin seines Kaisers gewesen war.
 
 
 
 

     1463
  1. oo Militza Brankovich von Serbien, Tochter des Fürsten Lazar III.
          um 1450-   1464

   1477
  2. oo Francesca Marzano von Aragonien, Tochter des Mariano Marzano
                  - nach 1493
 
 
 
 

Literatur:
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Babinger Franz: Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende. R. Piper GmbH&Co. KG, München 1987 Seite 163,259,261,283,421,422,423 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 191,194 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 371 -