Carlo I. Tocco                               Herzog von Leukadia
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um 1370-4.7.1429
 

Sohn des Grafen Leonardo I. von Kephallenia und der Maddalena Buondelmonti
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 821
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Tocci
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1357 erhielt sein Sohn Leonardo (+ 1375/76) von Robert von Tarent die Insel Kephallenia verliehen (mit der Würde eines 'Pfalzgrafen') und annektierte die Nachbarinseln Ithaka, Leukas und Zakynthos. Seine zwei Söhne Carlo I. (+ 1420) und Leonardo standen zunächst unter Vormundschaft ihrer Mutter Maddalena aus dem florentinischen Hause BUONDELMONTI. Maddalenas Bruder Esau (+ 1381) wurde durch Heirat erster italienischer Signore (Despotes) von Ioannina in Epiros (1388). Nach seinem Tode trat Carlo auf Bitte der Bevölkerung die Regierung in Ioannina an, das er vor den bereits nach Arta (südlich Epiros) vorgedrungenen Albanern schützte. Seine Taten werden in der "Chronik der Tocco" geschildert. Carlo erhielt seinen byzantinischen Despotes-Titel 1415 von Kaiser Manuel II. bestätigt. Für kurze Zeit konnte der Fürst (nach Rückeroberung von Arta) noch einmal das alte Territorium von Epiros in seiner Hand vereinigen.
Die Nachfolge des von Carlo I. eingesetzten Neffen Carlo II. wurde von illegitimen Söhnen angefochten; diese riefen die Osamanen zu Hilfe, die noch im Jahr ihrer Eroberung von Thessalonike (1430) auch Ioannina einnahmen, Arta aber erst 1449 eroberten.



Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 2044
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Epeiros
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[2] DAS FÜRSTENTUM EPEIROS

Die im frühen 15. Jh. verfaßte griechische "Chronik von Epiros" (auch: "Chronik von Joannina") berichtet von Preljubovics Tyrannei und seinen Kämpfen mit Albanern. 1384 wurde er ermordet; sein Nachfoler Esau Buondelmonti, ein Florentiner von den Ionischen Inseln, versuchte durch Heirat mit einer Albanerin die erneute Vereinigung von Epiros zu erreichen. Nach seinem Tode (1411) wurde sein Neffe Carlo Tocco, Graf von Kephallenia, zur Verteidigung von Joannina gegen Albaner wie Türken herbeigerufen. Seine Waffentaten rühmt eine griechische Reimchronik, die "Chronik der Tocco", verfaßt um sein Sterbejahr 1429. Carlo erhielt den Despoten-Titel von Kaiser Manuel II.; er bewerksteligte eine Einigung des Fürstentums insbesondere durch die Vertreibung der Albaner aus Arta (1416); doch vermochte er das Vordringen der Türken nicht aufzuhalten und war sogar genötigt, ihre Hilfe gegen die Albaner in Anspruch zu nehmen. Im März 1430 eroberten und plünderten die Türken Thessalonike, im Oktober desselben Jahres ergab sich Joannna dem Heerfüherer Sinan Pasa gegen die Zusicherung bestimmter Garantien. Im März 1449 besetzten die Türken Arta, und das Fürstentum Epiros wurde dem Osamnischen Reich einverleibt. 1479 fielen die letzten verbleibenden Territorien der TOCCO, Vonitza am Golf von Ambrakia sowie Kephallenia, Leukas und Zakynthos, Zante (diese Insel wurde bald von den Venezianern zurückgekauft); an den Landschaften Aitolien und Akarnanien haftete noch lange der Name Karli-eli ('Land des Carlo'), und die Nachkommen von Carlo Tocco führten noch bis ins 17. Jh. den leeren Titel von Despoten von Epiros.



Norwich John Julius: Band III Seite 444
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Während der ersten fünf Jahre der neuen Regierung entwickelten sich die Verhältnisse in der Morea zufriedenstellend. 1427 leitete Johannes VIII. in Begleitung seines Bruders Konstantin und Georgios Sphrantzes' einen Feldzug, in dessen Verlauf die Flotte Carlo Toccos, der Oberhauptes von Kephallonia und Epiros, am Eingang des Golfs von Patras zerstört wurde. Nach den Vereinbarungen des Friedensvertrages trat TOCCO Elis und den Hafen Klarenza (heute Killini) im NW-Peloponnes an Byzanz ab, und Konstantin erhielt die Hand seiner Nichte Magdalena.

Runciman Steven: Seite 54
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"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"

Theodor wurde bald darauf wieder anderen Sinnes, doch inwischen war Konstantin im März 1428 mit der Nichte des Carlo Tocco, des Herrn von Epiros und eines großen Teils des westlichen Griechenland, eine politische Ehe eingegangen. Er erhielt als Mitgift die Ländereien der TOCCO auf der Peloponnes, und obwohl die junge Prinzessin Magdalena, die sich bei ihrer Eheschließung auf den Namen Theodora umtaufen ließ, zwei Jahre später kinderlos starb, behielt Konstantin die Länder aus ihrer Mitgift in Besitz und machte sie zu einem Stützpunkt, von dem aus er den Rest der Halbinsel zurückzuerobern gedachte.

Babinger Franz: Seite 283,421
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"Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende."

Nur drunten im Epirus wurde die Lage des Despoten Leonardo III. Tocco (1448-1479) immer bedrohlicher. Das Herzogtum (Despotat) 'Kleingriechenland' oder Qarly-Eli, Land des Carlo (Tocco), wie es die Türken hießen, war seit dem 24. März 1449, als die Osmanen Arta ihrem Reich einverleibten, auf dem Festland von Epirus lediglich auf Angelokastron, Vonitza und Varnatza, im übrigen aber auf die Inseln Levkas, Kephalenia und Zakxnthos beschränkt geblieben. Leonardo Tocco sah sich zuletzt allein auf Venedig angewiesen, als dessen Unterhändler er hin und wieder bei den türkischen Paschen von Valona Fürsprache einlegte, bis schließlich auch der Rest seines Schein-Despotats eine Beute der Türken wurde (1479).
Weit weniger hold war das Geschick dem Gebieter auf einer anderen Insel, dem Herrn von Santa Maura (Levkas), Kephallenia und Zante (Zakynthos) im Jonischen Meer, Leonardo Tocco. Dieses Eiland zählte seit 1353 zum Besitztum des Despoten von Arta im Epirus, mit dem sie durch den fränkischen Titular-Kaiser von Konstantinopel, Robert II. von Anjou (1346-1364), Fürsten von Tarent, belehnt worden waren. Ein Leonardo Tocco - der Vorname blieb ein Jahrhundert im Geschlecht erblich - nahm damals den Titel eines Grafen von Kephallenia und Herzogs von Levkas an. Aber das Herrscherglück war nur von kurzem bestand. Die TOCCO mußten sich die Fortdauer ihrer kümmerlichen Herrschaft bei Mehmed II. durch Zahlung eines Lehnszinses erkaufen. Der Tributvertrag enthielt die seltsame Maßgabe, daß, wenn ein neuer osmanischer Sandschaqbeji von Janina (Ioannina, seit 9. Oktober 1431 osmanisch) das Städtchen Arta berühre, ihm dort ein Geschenk von 500 Dukaten als eine Art Wegzehrung entrichtet werden müsse. Die lästige Abgabe war der Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zum Bruche mit der Pforte.
Es trug sich nämlich eines Tages zu, daß ein neuer Sandschaqbeji von Janina, der überdies mit Leonardo Tocco verwandt war - er war ganz gewiß ein Vetter, nämlich einer von fünf zu den Türken übergelaufenen Bastarde seines Oheims Carlo I. Tocco (+ 4. Juli 1429), die als Qarlysadeler noch lange eine politische Rolle spielten -, des Weges zog und vom Despoten von Arta statt der 500 Goldstücke eine Sendung auserlesener Früchte des Landes bekam. Ergrimmt über diese Behandlung erstattete der früherer Pascha, der als Folge sultanischen Zornes vom Pascha zum Sandscheqbeji herabgewürdigt worden sein soll, bei der Pforte Bericht und führte Klage gegen Leonardo Tocco.
 
 
 
 

  oo Franziska Acciaiuoli von Athen, Tochter des Herzogs Rainieri I.
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Literatur:
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Babinger Franz: Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende. R. Piper GmbH&Co. KG, München 1987 Seite 283,421 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 444 - Runciman Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1966 Seite 54 -