Manfred                                          König von Sizilien (1258-1266)
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1231-26.2.1266 gefallen
Venosa bei Benevent

Begraben: Schlucht des Garigliano unterhalb von Rocca d'Evandro
 

Einziger Sohn des Kaisers FRIEDRICH II. aus seiner 3. Ehe mit der Gräfin Bianca  Lancia
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 192
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Manfred, König von Sizilien aus dem Hause der STAUFER
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* 1232, + 26.2.1266 gefallen
              bei Benevent

Eltern: Kaiser FRIEDRICH II. und Bianca Lancia

  1. oo Beatrix von Savoyen
                 -   1258

Tochter:
Konstanze oo Peter II. König von Aragon

  2. oo Helena von Epirus
            -   1271

3 Söhne, 2 Töchter

Nach dem Tode des Vaters wurde Manfred Fürst von Tarent und führte für KONRAD IV., der sich in Deutschland aufhielt, die Regentschaft in Sizilien. Im Konflikt mit dem sizilischen Adel und den hohen Amtsträgern suchte Manfred sich vergeblich mit Innocenz IV. zu verbinden, dessen Obhut Konradin, der Sohn KONRADS IV., testamentarisch anvertraut war. 1254 gelang es Manfred unter ungeklärten Umständen, den staufischen Schatz in seine Gewalt zu bekommen; gleichzeitig setzte er sich an die Spitze der sarazenischen Truppen von Lucera, die ihm auch später treu ergeben blieben. Nach Verbreitung des Gerüchts vom Tode des legitimen Thronerben Konrad ließ er sich 1258 zum König von Sizilien und Apulien krönen; trotz päpstlicher Exkommunikation galt er - nach dem Tode Ezzelinos III. da Romano - bald als Oberhaupt der italienischen Ghibellinen. Deren Sieg bei Montaperti (7. September 1260), der mit Hilfe der von Manfred gestellten deutschen Truppen zustande kam, baute seine Vormachtstellung weiter aus. Gleichwohl war es nicht zuletzt dieser Sieg, der Manfred in der Folge in eine schwierige Lage brachte. Als König von Sizilien päpstlicher Vasall, gelang es Manfred nicht, mit Papst Urban IV. ein Einvernehmen herzustellen. Dieser rief gegen ihn Karl I. von Anjou (1263 zum Senator von Rom gewählt) ins Land und bot diesen den Thron von Sizilien an. Im März 1265 versuchte Manfred, mit Hilfe des Petrus di Vico die Stadt Rom in seine Gewalt zu bekommen und rief vergeblich die Römer in einem "Manifest" auf, sich mit ihm zu verbünden. Obgleich die Versuche, die Ghibellinen Italiens um sich zu scharen und Karl von Anjou mit Hilfe der sizilischen Barone aufzuhalten, fehlgeschlagen waren, stellte Manfred sich dem Heer Karls zur Schlacht. Er wurde jedoch bei Benevent geschlagen und fiel im Kampf. Karl von Anjou soll ihn ein würdiges Begräbnis bereitet haben; Dante, der Manfred im Purgatorio ein literarisches Denkmal setzte, gibt jedoch an, dass der Bischof von Cosenza, Bartolomeo Pignatelli, dessen Grab bei der Brücke von Benevent zerstören und seine Gebeine in ungeweihter Erde verstreuen ließ. Manfreds Frau Helenaund seine Kinder wurden eingekerkert.
Manfreds Herrschaft hatte keine legitime Basis: er handelte gegen den Papst, seinen obersten Lehnsherrn, und zum Schaden Konradins. Zudem regierte er mit Härte, aber nicht ohne staatsmännisches Geschick. Von seiner literarischen Tätigkeit haben sich einige Gedichte sowie das Vorwort zu FRIEDRICHS II. Falkenbuch und zu der Übersetzung aus dem Hebräischen des "Liber de pomo" erhalten.



Bedürftig Friedemann: Seite 154
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"Taschenlexikon Staufer"

MANFRED
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* 1232, + 26.2.1266
             bei Benevent

In Dantes „Göttlicher Komödie“ trifft ihn der Dichter im Fegefeuer; der Tote, blond und schön, weist auf seine Wunden und spricht: „Manfred bin ich!/ Als zweimal mich durchbohrt des Feindes Schwert,/Da übergab ich weinend meine Seele/Dem Richter, der Verzeihung gern gewährt.“ Zur Zeit, da diese Verse entstanden (Dante verfasste die „Divina Commedia“ zwischen 1313 und 1321), war in Italien die Erinnerung an den Untergang der STAUFER noch mächtig, waren die traurigen Schicksale Enzios und Konradins jedermann geläufig, und so auch der Schlachtentod des Kaiser-Sohns Manfred. Als Sproß aus der wohl später legitimierten Verbindung FRIEDRICHS II. mit der Markgräfin Bianca Lancia wuchs Manfred in der intellektuell anregenden Atmosphäre des sizilischen Hofes auf. Zeitweilig erteilte ihm der Vater persönlich Unterricht, später zog er ihn auch zur Mitarbeit an seinem Falkenbuch hetran. 1250 erhielt er testamentarisch das Fürstentum Tarent und die Statthalterschaft in Italien. Nach dem Tod seines Halbbruders KONRAD IV. am 21. Mai 1254 übernahm er für dessen minderjährigen Sohn Konradin die Regentschaft. Als seine Gattin Beatrix von Savoyen starb (vermutlich 1257), heiratete er in zweiter Ehe Helena von Epiros. Die griechische Prinzessin machte Manfreds süditalienische STAUFER-Residenz noch einmal zum Musenhof und Dorado für Spielleute, Dichter und Musiker – letzter Abglanz glanzvoller STAUFER-Kultur. Auf das Gerücht vom Tod Konradins wagte Manfred 1258 den Griff nach der Macht. Er ließ zum König von Sizilien wählen und am 10. August 1258 in Palermo krönen. Papst Innozenz IV., Lehensherr über Sizilien, sprach daraufhin den Bann über ihn aus. 1260 besiegten Manfreds Truppen im Bund mit der Stadt Siena die guelfischen Florentiner bei Montaperti. Der STAUFER brachte den größten Teil der Toskana unter seine Herrschaft. Er stand im Begriff,  in die Lombardei zu marschieren, als Papst Urban IV. (1261-1264) Karl von Anjou gegen ihn ins Land rief. Dem Franzosen wurde das Königreich Sizilien, das die Päpste stets als ihr Eigentum betrachteten, zu Lehen  gegeben. Bei Benevent kam es am 26. Februar 1266 zur Entscheidungsschlacht, die Karl gewann. Der Leichnam Manfreds wurde erst nach zwei Tagen gefunden, der Sieger ließ ihn auf dem Schlachtfeld beisetzten. Von dort soll der Bischof von Cosenza, ein STAUFER-Hasser, später die Gebeine entfernt und auf ungeweihter Erde verstreut haben. Manfreds Familie wurde ins Gefängnis gesperrt, wo seine Frau Helena und seine drei Söhne zugrunde gingen; einzig die Tochter Beatrix (* nach 1258, + vor 1307) wurde 1282 [Richtigstellung: 1284] freigelassen. Die Historiker bescheinigen Manfred hohe geistige Gaben und politisches Talent, daneben Skrupellosigkeit und Härte – Eigenschaften, die in gleicher Weise seinem Vater eigen waren, nur dass Manfred nicht mit gleicher Autorität auftreten konnte, da ihm die Legitimität fehlte und er obendrein durch sein Vasallenverhältnis zum Papst in seinen Möglichkeiten eingeschränkt war.



Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 365
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"Die Zeit der Staufer"

XI. GENERATION

91 (77) KÖNIG MANFRED
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* 1232, + 26.2.1266 gefallen
              in der Schlacht bei Benevent

legitimatus per matrimonium subsequens 1233/1234

auf Befehl Karls von Anjou verscharrt bei der Calore-Brücke in Benevent ("Feld der Rosen" an nördlichen Brückenkopf), später dort ausgegraben und an der Grenze zwischen dem Königreich Neapel und dem Kirchenstaat in freiem Feld beigesetzt (Schlucht des Garigliano unterhalb von Rocca d'Evandro).
Statthalter für König Konrad (Konradin) in Sizilien 1254 auf das Gerücht von Konradins Tod zum sizilischen König gewählt, gekrönt 10.8.1258.

Durch die Trauung in articulo mortis wurde auch Manfred den ehelichen Kindern gleichgestellt.
 

  I oo verlobt 21.4.1247; vollzogen (Vercelli) 25./31.12.1248-1./6.1.1249
        BEATRIX VON SAVOYEN
        * frühestens 1223, + 10.4. spätestens 1257

Tochter des Grafen Amadeus IV. von Sayoyen, Herr von Aosta und Chablais (1197-1253) und der Anna von Burgund (1192-1242), Tochter von Herzog Hugo III.

Tochter: 110 (Konstanze)
 

  II oo um 1257, vor Februar 1258
         HELENA VON EPIROS aus dem Hause ANGELOS
          * um 1241/43, vor 1244, + Januuar/Anfang März 1271

Tochter des Königs (Despotes) Michael von Epiros aus dem Hause ANGELOS (spätestens 1213/14-1267) und der Theodora Petraliphe (um 1220- nach 1251), Tochter des Großkanzlers Theodor Petraliphas

Kinder: 111 (Beatrix), 112 (Friedrich), 113 (Heinrich), 114 (Enzio), 115 (Flordelis)



Thiele, Andreas: Tafel 418
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

MANFRED
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* 1232, + 1266 gefalen

Unehelich

Fürst von Tarent, ab 1254 Regent für den Neffen Konradin, ab 1258 König von Sizilien-Neapel; wird 1259 gebannt, behauptet sich gegen alle päpstlichen Eroberungsversuche, nimmt sogar die alte Offensivpolitik wieder auf dem Balkan und in Italien auf; behauptet Durazzo-Albanien, Korfu und Zakynthos, erobert Teile des Kirchenstaates und die Toskana, stellt die volle königliche Gewalt wieder her und gründet Manfredonia; unterliegt nach erbittertem Thronkrieg gegen Karl von Anjou in der Schlacht bei Benevent.

 1249
  oo Beatrix von Savoyen, Tochter des Grafen Amadeus IV.
              + um 1259

 1259
  oo Helene Angelina von Epiros, Tochter des Fürsten Michael II.
              + 1271 im Gefängnis/Lucera

Erbin von Durazzo, Korfu und Berat



Sein Vater, dem er zuletzt besonders nahe gestanden hatte, ernannte ihn kurz vor seinem Tode zum Fürsten von Tarent und bestimmte ihn zum Statthalter von Italien und Sizilien. Nach fast völliger Niederwerfung des Aufstandes in Unteritalien mußte er das Königreich seinem inzwischen gelandeten Halbbruder KONRAD IV. übergeben und wurde nach dessen Tode zum Regenten erhoben. Da Papst Innocenz IV. sich weigerte, das staufische Erbrecht anzuerkennen, flüchtete Manfred zu den Sarazenen nach Lucera. An ihrer Spitze besiegte er bei Foggia die päpstlichen Truppen (2.12.1254), um dann nach der Niederwerfung von Capua, Neapel, Aversa und Brindisi (1256) nach Sizilien überzusetzen. Auf Grund eines falschen Gerüchts von Konradins Tod, ließ er sich am 8.11.1258 in Palermo zum König krönen, sicherte jedoch Konradins Abgesandten die Erbfolge zu. Durch die Verheiratung seiner Tochter Konstanze mit Peter III. von Aragon (1262) verschaffte er sich Deckung gegen den Westen und durch seine zweite Ehe mit Helena setzte er die normannisch-staufische Orientpolitik fort. Er behauptete Durazzo-Albanien, Korfu und Zykanthos und eroberte Teile des Kirchenstaates und die Toskana. Nachdem er so seine Herrschaft gefestigt hatte, ließ er noch einmal die alte Pracht des kaiserlichen Großhofes in Sizilien aufleuchten. Dichter, Sänger und Gelehrte fanden am Hofe des musisch hochbegabten Mäzens freundliche Aufnahme. 1263 belehnte der Papst Karl I. von Anjou mit Sizilien und im Kampf gegen den wohlgerüsteten Franzosen verlor Manfred an der Spitze von 5.000 Rittern, 10.000 sarazenischen Fußsoldaten und 800 deutschen Rittern durch den Verrat der Grafen von Accera und Caserta bei Benevent (28.2.1266) Krone und Leben. Seine Witwe und Kinder wurden an Karl von Anjou ausgeliefert.

Kantorowicz Ernst: Seite 617
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"Kaiser Friedrich der Zweite"

In dieser Zeit aber begann schon das Gestirn Manfreds, des Fürsten von Tarent, leuchtend aufzusteigen. Von den Verwandten und Freunden gestützt, eroberte er durch Gewalt, List und Genie, mit Recht oder ohne Recht, Siziliens Königskrone und gab dem sizilischen Großhof des Vaters noch einmal den alten Glanz wieder. Aber nicht nur der Glanz des Hofes, auch die sizilisch-italienische Herrschaft der STAUFER schien durch Manfred erneuert zu werden und der verheißungsvolle Sieg bei Montaperti an der Adria ließ Manfred sogar der römischen Kaiserkrone gedenken. Doch er wußte den Sieg nicht zu nutzen und wenig später sollte er sein Königreich gegen den ANJOU verteidigen müssen, den die Kirche herbeirief. Hier half dem jungen König auch nicht der Zauberring, mit dem er Dämonen beschwören konnte und den Papst Bonifaz trug: aber die HOHENSTAUFEN, da sie zu leben wußten, wußten für ihr Reich auch zu sterben. Bei Benevent war die Schlacht schon so gut wie verloren, als Manfred von dem weinenden uralten Diener des Kaisers gewappnet sich in den Kampf stürzte, in dem er das Leben ließ. Erst nach Tagen ward unter den vielen Toten die Leiche des Königs, die man an der Schönheit erkannte, gefunden und mit zitternden Händen holten sie die gefangenen Freunde unter den Gefallenen hervor, Hände und Füße ihres toten Königs mit Küssen bedeckend. An der Liris-Brücke bei Benevent gab der siegreiche ANJOU dem STAUFERein Grab. Doch der rachsüchtige Papst - so wird erzählt - ließ das nicht zu: der Erzbischof von Cosenza grub die Königsleiche wieder aus und scharrte sie dicht am Ufer im Sande ein, so dass der Fluß seine Gebeine entführte...
Seine Gemahlin, die 24-jährige Helena, die mit den drei Söhnen und der Tochter in die Hände ANJOUS fiel, starb nach fünfjähriger Kerkerhaft... Beatrice, die Tochter, ward nach 18-jähriger Haft im Castell dell'Ovo zu Neapel durch die Sizilianische Vesper befreit...die Söhne aber wuchsen tatsächlich in Ketten auf, die ihnen zwar nach 30-jähriger Gefangenschaft abgenommen wurden, ohne dass man ihnen jedoch die Freiheit gab. Halb verhungert, heruntergekommen wie Bettler, vom Wahnsinn geschlagen, starb oder verreckte nach 40 Jahren im Kerker einer nach dem andern der Manfred-Söhne, der "giftgeschwollenen Natternbrut".

Gönner Eberhard: Band I Seite 41
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"Die Zeit der Staufer"

60

MANFRED, KÖNIG VON SIZILIEN (1258-1266)

Wachssiegel an Urkunde (anhängend)

Süditalien, wohl 1258 (vor 1260)

Durchmesser ca. 8 cm; rund. Zinnoberrotes Wachs mit Wachsrand an roter und gelber Seidenschnur. Große Teile des Schriftrandes und des Bildfeldes ausgebrochen. Die erhaltenen Teile (Oberkörper des Königs und seitlicher Teil des Thrones) gut abgedrückt und erhalten

Umschrift: + MAYNFR(EDUS + DEI + GRACIA + REX + SICILIE

Manfred, natürlicher Sohn FRIEDRICHS II. und der Bianca Lancia, war im Testament FRIEDRICHS II. unter dem Titel eines Fürsten von Tarent zum Stellvertreter seines Stiefbruders, des römischen Königs KONRAD IV., für Sizilien bestellt worden. Nach dessen Tode erhielt er zunächst von KONRADS Sohn und Erben, Konradineine entsprechende Vollmacht, ließ sich aber, als 1258 die falsche Nachricht vom Tode Konradinsverbreitet wurde, zum König von Sizilien wählen und krönen. In S-Italien konnte er zunächst alle staufischen Besitzungen in seine Hand bringen, fiel dann aber 1266 im Kampf gegen Karl von Anjou, den Papst Clemens IV. mit Neapel belehnt hatte.
Als Vertreter König KONRADS führte er zunächst - jedenfalls in den Jahren 1250-1252 - ein Reitersiegel. Wohl erst seit der Krönung zum König von Sizilien benutzte er ein Thronsiegel, auf dem er im Typ der staufischen Herrschersiegel, insbesondere Kaiser FRIEDRICHS II. und HEINRICHS (VII.) auf einem Thron mit seitlichen Stützsäulen und hoher runder Lehne dargestellt ist, Szepter und Reichsapfel in den Händen und eine Zinnenkrone mit Pendilien auf dem Haupt. Vor der rechten Seite der Brust trägt er im Gegensatz zu seinen staufischen Vorfahren über der Dalmatik eine gekreuzte Stola; ungewöhnlich ist auch der hemdartige Abschluß der Dalmatik am Hals unter dem Mantel. Ohne die hart brechende gotische Faltenbildung der gleichzeitigen Siegel Konradins und der Gegenkönige bewahrt die Gewandung die schwere Konsistenz der doppellinigen Falten, wie sie für das Siegel HEINRICHS (VII.) bezeichnend waren. Die sehr differenzierte Gewandbildung, das eindrucksvolle Antlitz mit den tiefliegenden verschatteten Augen ist wie alles an diesem Siegel von größter Feinheit. Die Buchstaben der Umschrift blütenhaft stilisiert. Das Fragment dieses Siegels, von dem sich Abdrücke offenbar selten erhalten haben, ist eines der ganz wenigen gesicherten Werke italinischer Bildkunst und der sonst ausnahmlos vernichteten Goldschmiedekunst aus dem unmittelbaren Umkreis und der Nachfolge FRIEDRICHS II. Auch die 1259 genannte Goldbulle König Manfreds (BF 4619) hat sich nicht erhalten.



Norwich John Julius: Band III Seite 230
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Nur wenige der bei der gemeinsamen Krönung Anwesenden dürften daran gezweifelt haben, dass Michael VIII. Palaiologos sein Volk wieder in die angestammte Hauptstadt führen würde. Bevor dies jedoch geschehen konnte, galt es einen Feind zu besiegen. Zu Beginn des Jahres 1258 war nämlich der natürliche Sohn FRIEDRICHS II., Manfred von Sizilien, in Epiros eingefallen, hatte Korfu besetzt und mehrere Küstenstädte, unter anderem Durazzo, Awlona und Butrinto, eingenommen. Der Despot Michael von Epiros, der seinen Makedonienfeldzug nicht abbrechen wollte, da der Fall Thessalonikes unmittelbar bevorzustehen schien, verbündete sich statt dessen mit Manfred gegen Nikäa, gab ihm die Hand seiner ältesten Tochter Helenaund überließ ihm die eroberten Gebiete gewissermaßen als ihre Mitgift. Manfred griff sofort zu und überstellte als Zeichen seines guten Willens seinem Schwiegervater 400 bewaffnete Ritter aus Deutschland. Schon bald danach schloß sich dem neuen Bündnis Wilhelm von Villehardouin an, der lateinische Fürst von Achäa im Norden des Peloponnes, der Michaels zweite Tochter Anna zur Frau nahm. Das eigentliche Ziel des Feldzugs stellte natürlich Konstantinopel dar. Doch dies setzte die Einnahme Thessalonikes als der europäischen Hauptstadt des Reichs von Nikäa voraus.
Michael von Epiros weilte mit seinen Truppen immer noch im Winterquartier bei Kastoria. Völlig unvorbereitet flohen sie in die Hafenstadt Awlona, die sich noch in der Hand Manfreds befand. Dort bat Michaelseine Verbündeten dringend um Hilfe; nicht vergeblich, denn Manfred sandte sogleich eine weitere Reiterabteilung, und Fürst Wilhelm eilte persönlich an der Spitze eines großen Heeres von Achäa herbei. Den Zahlen kann man bekanntlich nicht trauen. Wenn man jedoch die Truppen der westlichen Verbündeten insgesamt auf 45.000 Mann schätzt, dürfte man der Wahrheit wohl recht nahe kommen. Sie waren der Streitmacht, die Johannes Palaiologos zur Verfügung stand, der ihnen nach Norden bis Pelagonia (Bitolj oder Monastir) entgegenzog, mit ziemlicher Sicherheit zahlenmäßig überlegen. Dort prallten dann einige Wochen später - das genaue Datum ist unbekannt, vermutlich jedoch im Frühsommer - die beiden Heere aufeinander.
Die Koalition brach beinahe sofort auseinander. Johannes hatte Befehl von seinem Bruder erhalten, die Uneinigkeit zwischen den drei Heeren auszunutzen, was er auch mit bemerkenswertem Erfolg tat. Eine glänzende Guerillataktik besorgte den Rest. Der Despot Michael und sein Sohn Nikephoros ließen sich ohne den geringsten Anhaltspunkt weismachen, ihre Verbündeten wollten sie an den Feind verraten; sie entwichen im Schutz der Dunkelheit aus dem Lager, flohen beinahe mit Mann und Maus und suchten schließlich auf Kephallonia Zuflucht. Ein anderer Sohn Michaels von Epiros, der sogenannte Bastard Johannes, den Villehardouin wegen seiner unehelichen Geburt verhöhnt hatte, lief aus gekränktem Stolz zur Streitmacht Nikäas über. Als es zur Schlacht kam, sah sich Johannes Palaiologos als Anführer eines einigen disziplinierten Heers nur noch der französischen und deutschen Reiterei Villehardouins und Manfreds gegenüber. Sie war den kumanischen Bogenschützen schutzlos ausgeliefert. Manfreds Ritter ergaben sich und gerieten in Gefangenschaft; dasselbe widerfuhr dann auch Villehardouin, den man in der Nähe von Kastoria in einem Heuhafen aufgestöbert und nur an seinen vorstehenden Schneidezähnen erkannt haben soll. Johannes marschierte anschließend mit seinen Leuten weiter durch Thessalien, während Alexios Strategopulos direkt nach Epiros zog und mit seinen Truppen die Hauptstadt Arta einnahm. Damit war der Sieg vollständig.
 
 
 
 

    1247
  1. oo 2. Beatrix von Savoyen, Tochter des Grafen Amadeus V.
              1223-10.4.1257/58

   2.6.1259
  2. oo Helena von Epirus, Tochter des Despoten Michael II. Angelos
          1242-   1272
          Lucera

        Erbin von Durazzo, Korfu und Berat
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Konstanze
  1249-   1300/1301

13.6.1262
   oo Peter III. König von Aragon
       1239-10.11.1285

2. Ehe

  Beatrix
  1260-   1307

  oo Manfred Markgraf von Saluzzo
              -

  Heinrich (Enzio)
  1268-   1318

  Friedrich             alle drei Brüder waren 1266/96
  1264- um 1312         im Castel del Monte eingekerkert

  Anselm
  1265-   1300
 
 
 
 

Literatur:
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Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Staufer. Piper Verlag GmbH München 2000 Seite 154 - Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band III Seite 365 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 178,179,180 A.207,181,181A.217,182,225,230,231, 232,235,236,237,238 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 158-162 - Gönner Eberhard: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band I Seite 41 - Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf 1989, Seite 114,193,197,199,202-204,209,305,309,311,314,319,323-325,329,335-340 - Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991, Seite 175-629 - Lehmann, Johannes: Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom Verlag Bindlach 1991, Seite 260,335,350,357 - Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 216,217,218,228,237,254,351,357, 361,364 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 230 - Rösch, Eva Sibylle/Rösch, Gerhard: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 86,105,120, 125,129,138,140,145-149,164-167,173 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 1068-1069,1098 - Stürner Wolfgang: Friedrich II. Teil 2 Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 Seite 45-592 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 418 - Uehli, Ernst: Die drei großen Staufer. Friedrich I. Barbarossa - Heinrich VI. - Friedrich II., VMA-Verlag Wiesbaden 1997 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 187,264,267,278, 281,293 -