Konradin                                          Herzog von Schwaben (1254-1268)
------------                als Konrad III. König von Jerusalem (1254-1268)
25.3.1252-29.10.1268 enthauptet
Burg Wolfstein Neapel
bei Landshut

Begraben: S. Maria del Carmine/Neapel
 

Einziger Sohn des Königs KONRAD IV. und der Elisabeth von Bayern, Tochter von Herzog Otto II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V. Seite 1368
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Konradin, König von Sizilien und Jerusalem, Herzog von Schwaben aus dem Hause der STAUFER
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* 25. März 1152, + 29. Oktober 1268 hingerichtet
Burg Wolfstein      Neapel
nö von Landshut

Begraben: S. Maria del Carmine/Neapel

Eltern: KONRAD IV. und Elisabeth von Wittelsbach, Tochter Herzog Ottos II.

Sept. 1266
  oo Sophia, Tochter des Markgrafen Dietrich von Landberg
              -

Konradin (Verkleinerungsform zuerst ironisch in Italien) wuchs in Bayern und Schwaben unter der Obhut Herzog Ludwigs II. und Herzog Heinrichs XIII. auf. Von den Päpsten Innozenz IV., Alexander IV., Urban IV. und Clemens IV. nur als König von Jerusalem und Herzog von Schwaben (seit 1262) anerkannt, hielt er seine Erbansprüche auf das Königreich Sizilien aufrecht, wo seit 1258 König Manfred herrschte. Versuche, ihn gegen RICHARD VON CORNWALL zum deutschen König zu erheben, scheiterten 1261/62 am Widerstand Otakars II. Premysl und an Papst Urban IV., 1265/67 an Papst Clemens IV. Nach dem Tod Manfreds bei Benevent (26. Februar 1266) wurde ein Italienzug zur Eroberung des Erbreichs geplant, wozu Konradin die kaiserliche Partei in Oberitalien, die Ghibellinen der Toskana und vor allem von Karl I. von Anjou vertriebene Exulanten (vor allem Petrus de Prece) aus dem Königreich Sizilien ermutigten. Im September 1267 brach das Heer von Augsburg aus auf und gelangte über Verona nach Pavia und Pisa. Am 18. November 1267 wurde Konradin von Clemens IV. exkommuniziert, der am 5. April 1268 ihm das Königreich Jerusalem entzog und am 17. April Karl von Anjou zum Reichsvikar in der Toskana ernannte. Durch Übereinkunft mit dem von Karl enttäuschten Senator von Rom, Heinrich von Kastilien, zog Konradin am 24. Juli 1268 in Rom ein. Dort wurde der Weitermarsch nach Lucera beschlossen, doch in der Palentinischen Ebene östlich von Tagliacozzo trat ihm Karl entgegen und errang am 23. August einen entscheidenden Sieg. Der flüchtige Konradin wurde Anfang September bei Astura von Giovanni Fangipani gefangengenommen und an Karl ausgeliefert. Nach einem in Einzelheiten unbekannten Prozeß wurde Konradin zum Tode verurteilt und am 29. Oktober 1268 auf dem Marktplatz von Neapel hingerichtet.

Literatur:
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DBI XXIX, 364-378 [Q., Lit.] - NDB XII, 557-559 [Lit.] - K. Hampe, Gesch. K.s v. Hohenstaufen, 1894 [Nachdr. mit Anhang H. Kämpf, 1940/42] - P. Herde, Die Schlacht bei Tagliacozzo, ZBLG 25, 1962, 679-744 - A. Müller, Das K.bild im Wandel der Zeit, 1972 - E. Thurner, K. als Dichter, DA 34, 1978, 551-560 - Das Hl. Land im MA, hg. W. Fischer - J. Schneider, 1982, 83-93 [P. Herde] .



Bedürftig Friedemann: Seite 130
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"Taschenlexikon Staufer"

KONRADIN
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* 25.3.1252, + 29.10.1268
Burg Wolfstein Neapel
(bei Landshut)

Rom quillt über von bunten Bändern, Fahnen, Lorbeerzweigen und Blumengebinden, alle Häuser und Fenster sind an diesem Julitag des Jahres 1268 geschmückt, die Kirchenglocken dröhnen, die schönsten Frauen und Mädchen der Stadt strömen zusammen, um den Jüngling aus Deutschland mit Gesang, Tanz und Musik zu empfangen. Und da reitet er durch die jubelnde Menge und erreicht endlich das Kapitol, umgeben von Fürsten und Edlen, der 16-jährige, der gekommen ist, sich ein Königreich zu erobern, „Corradino“, der kleine Konrad, wie ihn die Römer zärtlich nennen, und die Begeisterung kennt überhaupt keine Grenzen mehr. Aller Glanz der STAUFER-Zeit schien noch einmal wiederbelebt, als der Enkel FRIEDRICHS II. mit dem Namen Konrad (der, dem italienischen Beispiel folgend, in der Verkleinerungsform Konradin erhalten blieb) nach Italien kam. Er war der Sohn KONRADS IV., hatte den Vater jedoch nie gesehen, denn dieser war noch vor Konradins Geburt zum Zug in den Süden aufgebrochen, von wo er nicht wiederkehren sollte. Konradin hatte seine Kindheit in Deutschland verbracht. Versuche der STAUFER-Partei, den kleinen Herzog von Schwaben zum deutschen König zu erheben, waren fehlgeschlagen. Es blieb der Erbanspruch auf das sizilische Königreich, und als nach dem Tod Manfreds in der Schlacht bei Benevent (1266) die kaiserliche Partei in Oberitalien, die Ghibellinen in der Toskana und die von Karl von Anjou unterdrückten Adligen im Königreich Sizilien Hilfe aus Deutschland erbaten, hatte sich Konradin entschlossen (oder war von seinen Ratgebern dazu gedrängt worden), dem Beispiel seines Vaters zu folgen und – als letzter seines Geschlechts – die Fahrt in den Süden anzutreten. Ein Unternehmen, das eigentlich nur scheitern konnte. Dennoch, zunächst ließ es sich gut an. In Augsburg sammelten sich die Truppen und im September 1267 brach man auf und gelangte über Verona nach Pavia und Pisa. Der Bannfluch Papst Klemens’ IV. vom 18. November 1267 blieb wirkungslos. Ein Abenteurer namens Heinrich von Kastilien, Senator in Rom, ebnete dem jungen STAUFER den Weg in die Ewige Stadt. Von dort sollte es weitergehen in Richtung Lucera (Apulien), wo sich die sarazenische Besatzung im Aufstand gegen Karl von Anjou befand. Doch dessen Heer zog den Deutschen entgegen und schlug sie am 23. August 1268 bei Tagliacozzo. Konradin floh mit wenigen Getreuen. Bei Astura an der Küste südlich von Anzio wurde er Anfang September gefangengenommen und an Karl ausgeliefert, der ihn in Neapel als „Räuber, Empörer, Aufwiegler und Verräter“ zum Tod verurteilen ließ. Zusammen mit seinem Freund Friedrich von Österreich und einigen anderen Gefährten musste Konradin das Blutgerüst besteigen. Nach dem Bericht eines Chronisten waren seine letzten Worte ein Gedenken an seine Mutter Elisabeth von Wittelsbach: „O Mutter, welches Leiden bereite ich dir!“ Die Leichen der Hingerichteten wurden auf Befehl Karls am Strand verscharrt. Erst im folgenden Jahr gestattete der ANJOU eine Beisetzung in der Kirche Santa Maria del Carmine. Der Tod des schönen jungen STAUFERS wurde alsbald von Sagen und Legenden umrankt: Ein Adler stürzt herab auf die Richtstätte, taucht seine Schwingen in das Blut des Hingerichteten und fliegt davon; am Platz, wo Konradins Haupt fiel, bleibt ein feuchter Fleck, der niemals trocknen will... Die Tragödie Konradins wurde zu einem Lieblingsthema der deutschen Dichtung – kein Wunder, enthält sie doch alle Ingredienzen, die Schauer und Rührung hervorrufen können. Hier Lichtgestalt, dort finsterer Tyrann. Hier, beim 16-jährigen Königs-Sohn, Schönheit, Naivität und Arglosigkeit der Jugend und eine glühende Begeisterung, die nichts weiß von der Schlechtigkeit der Welt, dort, beim Gegenspieler Karl, die dünne, eisige Luft der Politik, in der nur überlebt, wer zu jeder List und Gewalttat fähig ist. In mehr als 100 Konradin-Dramen und – Fragmenten, von Johann Jakob Bodmers „Conradin von Schwaben“ (1771) bis zu Konrad Weiß’ „Konradin von Hohenstaufen“ (1938), wird der tragische Gegensatz entfaltet. Auf die Spitze getrieben, nämlich mit dem Idealismus der Jugendbewegung und der Opferbereitschaft der Weltkriegsgeneration verbunden, erscheint der Konradin-Mythos in der Erzählung „Konradin reitet“ von Otto Gmelin (1933): Reiten, unterwegs sein, einer Sehnsucht folgend, die sich nicht genügt, ist das Schicksal des adligen Kindes, „reiten in die Welt, in den Kampf, in die Ferne, in den Tod und bereit auch zum Opfer.“ Auch wer an der Drehbank steht, am Schreibtisch sitzt oder hinterm Pflug geht, so der Dichter, soll sich wie der STAUFER fühlen, denn „solange Jugend sucht und leidet, träumt und flammt, glaubt und handelt, bist du nicht tot, Konradin.“



Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 369
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"Die Zeit der Staufer"

XI. GENERATION

108 (89) KÖNIG KONRAD (KONRADIN)
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* 25.3.1252, + 29.10.1268 enthauptet
Burg Wolfstein Neapel

zunächst ohne kirchliche Bestattung am Strand von Neapel verscharrt, später in Santa Maria del Carmine beigesetzt

Herzog von Schwaben 1254-1268
führte den Titel eines Königs von Jerusalem

  oo (desponsatio per procuratinem) vielleicht Bamberg oder Nürnberg Anfang Oktober 1266
      SOPHIA VON LANDSBEERG aus dem Hause WETTIN
      * um 1258/59, + 14.8.1318
                             Kloster Weißenfels

(?seit 1275) Nonne, später Äbtissin in Weißenfels
Tochter des Markgrafen Dietrich des Weisen von Landsberg und der Helene von Brandenburg, Tochter von Markgraf Johann I.



Mühlbacher Josef: Seite 195
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

War schon KonradinsVater als schön wie Absalom beschrieben worden, übertraf ihn der Sohn noch an Anmut und Leibesschönheit, an Vornehmheit und Würde.
"In dem Jüngling Konradin endete das edelste Geschlecht, das je die deutsche Krone getragen. Wenig nur wissen die Zeitgenossen über die Persönlichkeit des Sohnes KONRADS IV. und der Elisabeth, doch darin sind sich Deutsche und Italiener einig, seine jugendliche Schönheit zu preisen. Wenn er als sehr groß bezeichnet wurde, so weicht das Längenmaß überraschend von der überlieferten Mittelgröße der STAUFER ab. Ob sich hier das WITTELSBACHER Erbe der Mutter oder die Körpergröße des Urgroßvaters Johann von Brienne auswirkte, ist nicht zu entscheiden." (Erich Maschke)

Da Konradin beim Tode seines Vaters erst zwei Jahre alt war, wurde er von seinem Onkel Ludwig von Bayern erzogen. Sein Onkel Manfred hatte sich auf das falsche Gerücht von seines Neffen Tode die Krone von Sizilien aufgesetzt, erklärte sich aber bereit, diese auf Konradinzu vererben. Papst Clemens VI. vergab das Königreich Sizilien an Karl I. von Anjou, der sich nach Manfreds Tode 1266 in Besitz desselben setzte. Die Italiener, unzufrieden mit der Herrschaft der Franzosen, luden Konradin ein, sein Land in Besitz zu nehmen. Begleitet von seinem Jugendfreund Friedrich I. von Baden überschritt er mit 3.000 Rittern die Alpen. Zuvor hatte er seinem Onkel seine Ländereien, Burg Hohenstein nebst den Vogteien Hersbruck und Vilseck, Erbendorf, Auerbach, Halmbach, Plech und die Stadt Schwäbisch Werd verpachtet, um so die nötigen Geldmittel zu erhalten. Eine Schlacht im Arnotal war gewonnen, aber Konradinunterlag in der Hauptschlacht am 23.8.1268 bei Tagliacozzo oder Scurcola durch eine planlose Verfolgung des Gegners. Als KonradinsSieg bereits feststand, fiel eine Schar von 800 Rittern, die einen Hinterhalt gebildet hatten, ausgeruht über die ungeordneten Sieger her. Durch Verrat Frangispanis wurde Konradinauf der Flucht gefangengenommen und am 29.10.1268 als der letzte STAUFERvon Karl von Anjou auf dem Alten Markt in Neapel enthauptet.

Spindler Max:
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"Geschichte Bayerns"

Nach dem Tod König KONRADS (21. Mai 1254) ruhte fast das ganze Gewicht der staufischen Sache bei den beiden bayerischen Herzögen. Trotz päpstlicher Mahnung weigerten sie sich gleich ihrem Vater, den Gegen-König WILHELM VON HOLLAND anzuerkennen. Sie nahmen, da für sie das Reich erledigt war, pfalzgräfliche Befugnisse wahr und blieben dem Bund mit dem staufischen Hause treu. Das kostbarste Unterpfand dieses Bundes warKONRADS und Elisabeths Sohn, der junge Konradin. Geboren am 25. März 1252 auf der Burg Wolfstein nordöstlich von Landshut, verbrachte er eine glückliche Jugend auf bayerischen Burgen, besonders in Wasserburg. Als seine Mutter sich wieder verehelichte, am 6. Oktober 1259, mit Meinhard II. (V.) von Tirol, an welchem er einen weiteren wertvollen Beschützer fand, und zu ihrem Gatten nach Innsbruck zog, nahm Herzog Ludwig den Knaben unter seine Obhut, ließ ihn eine sorgfältige Ausbildung angedeihen und behielt ihn auf seinen Fahrten in S-Deutschland an seiner Seite. Die Herzöge waren entschlossen, ihm seine testamentarisch verbürgten Erbansprüche auf das Königreich Sizilien, die vom Papsttum gefährdet waren, und auf das schwäbische Herzogtum, das ihm von schwäbischen Großen entfremdet zu werden drohte, zu wahren.
Die Lage in Sizilien wurde nach KONRADS Tod zunächst durch Manfred, einen natürlichen Sohn FRIEDRICHS II., bestimmt, der über die deutsche Partei die Oberhand gewann, indem er einen ihrer hervorragendsten Führer zurückdrängte, den von KONRAD eingesetzten Markgrafen Berthold von Vohburg-Hohenburg, einen bayerischen Nordgaugroßen, und die päpstlichen Truppen bei Foggia Anfang Dezember 1254 besiegte. Daraufhin suchte Papst Alexander IV. Verbindung mit der bayerischen UmgebungKonradins. Auf den Rat Bertholds sandte er den Bischof von Chiemsee mit einem Schreiben vom 23. Januar 1255 an die Herzogin-Witwe Agnes, in welchem er Zugeständnisse machte und seine Verhandlungsbereitschaft aussprach. Dass er gleich hernach, am 4. Februar, in Schreiben an schwäbische Große für die Erbansprüche des Königs ALFONS VON KASTILIEN, eines Enkels PHILIPPS VON SCHWABEN mütterlicherseits, eintrat und am 9. April dem Prinzen Edmund, dem Sohn des englischen Königs Heinrich III., Sizilien antrug, braucht der Sendung des Bischofs von Chiemsee nicht zu widersprechen und war nicht unwiderruflich. Den Herzögen war eine schwere Entscheidung in die Hand gegeben; die Möglichkeit einer Verständigung mit der Kurie war in eine Nähe gerückt wie später niemals mehr. Sie machten jedoch keinen Gebrauch davon, da ihr Mißtrauen gegen die Kurie unüberwindlich war, und ließen Berthold fallen. Am 20. April ließen sie durch KONRADdie Statthalterschaft Manfred übertragen, der ihnen die bitterste Enttäuschung bereiten sollte, indem er, statt rein staufische Interessen zu verfolgen, wie sie gehofft hatten, gedeckt durch ihre Vollmacht seine eigenen nationalitalienischen Pläne verfolgte, Konradin tot sagen ließ, sich 1258 zum König aufwarf und Berthold ausschaltete, der im Kerker endete. Um sich des neuen Gegners zu erwehren, leitete die Kurie nach dem Scheitern ihrer englischen Pläne die weltgeschichtliche Verbindung mit Karl von Anjou, dem Bruder des französischen Königs, ein. Es war noch ein Werk Urbans IV. (+ 2. Oktober 1264).
Zur Beseitigung der Verwirrung in Italien ließ Ludwig Manfred zum Feind Konradins erklären und nahm die unterbrochene Verbindung zur Kurie wieder auf, um dort die Interessen seines Mündels zu vertreten, die er auch bei reichspolitischen Entscheidungen wahrte. Sein Fernziel war die Gewinnung der deutschen und sizilischen Krone für seinen Mündel. Da es bei der Haltung der Kurie nach dem Tod WILHELMS VON HOLLAND (20. Januar 1256) aussichtslos war, auf die Kandidatur Konradins zu verharren, wählte er bei der Doppelwahl von 1257 gleich seinem Bruder zwar RICHARD VON CORNWALLIS, allein er gab die sizilischen Rechte seines Mündels nicht preis. Auf die Seite RICHARDS führte ihn auch die allgemeine Erwägung, dass Konradins Interessen durch den Engländer, dessen Einflußsphäre der deutsche Norden war, weniger gefährdet waren als durch ALFONS VON KASTILIEN, der in staufischen Gedankengängen dachte, zugleich leitete ihn neben dem Gedanken an seinen eigenen Vorteil die Zusicherung der Belehnung Konradins mit dem Herzogtum Schwaben. Zerschlug sich diese auch, ebenso wie die geplante Heirat Ludwigs mit einer englischen Prinzessin, und blieb von allen Vorteilen, die er erwartete, nur die ihm in Aussicht gestellte Geldzahlung übrig, so gelang es ihm 1261/62 doch, Konradin auf dem Umweg über die schwäbischen Großen das schwäbische Herzogtum zu sichern.
Wie Ludwig selbst von RICHARD am 7. Januar 1261 die durch den Tod des Grafen von Dillingen freigewordenen Lehen übertragen erhielt, so förderte er gleichzeitig den Wiederaufbau der staufischen Machtstellung, obwohl sich daraus Spannungen mit RICHARD VON CORNWALLIS ergeben mußten. Vermutlich ist er es gewesen, der schon 1256 die vom Papsttum zu Fall gebrachte deutsche Königskandidatur Konradins betrieb. Er unterhielt Verbindung zu den Ghibellinen Italiens, unterhandelte wegen Konradin 1259/60 mit der Kurie, als diese über die Fortschritte Manfreds in immer größere Sorge geriet und Hilfe brauchte, er ließ den Florentiner Guelfen, die in höchster Bedrängnis im Frühjahr 1261 eine Gesandtschaft an Konradinschickten, Aussichten auf Hilfe eröffnen und blieb mit ihnen in Fühlung. Als 1261/62 die schwäbischen Gönner Konradinsden durch das Eingreifen des Papstes und den Aufbruch RICHARDS nach Deutschland zum Scheitern verurteilten Versuch machten, ihrem jungen König die deutsche Krone zuzubringen, bewahrte er zwar kluge Zurückhaltung, wie er überhaupt die Mentalität seiner schwäbischen Nachbarn schonte. Als aber dann 1263 seit RICHARDS Rückkehr nach England, wo er am 10. Februar 1263 angelangt, am 28. Mai 1264 in Gefangenschaft geraten war und über seine Befreiung im September 1265 hinaus festgestellt wurde, der Mangel einer geordneten Reichsführung sich immer stärker fühlbar machte und als - wegen der durch die Landung Karls von Anjou in Italien im Mai 1265 entstandenen neuen Lage, wegen seiner Belehnung mit Sizilien am 28. Juni 1265 und wegen der mit dem Jahr 1266 herannahenden Mündigkeit Konradins - das deutsche und italienische Problem sich immer dringlicher stellte und Entschlüsse gefaßt werden mußten, rückten Ludwig und seine Pläne immer deutlicher in den Vordergrund. Der Herzog war die maßgebende Persönlichkeit in der Umgebung des STAUFERS. Er vertrat Konradins Interessen im Streit um die Augsburger Stadtvogtei, er erhielt ihm 1264 die Bamberger Lehen, er betrachtete das Königtum des Engländers als nicht bestehend und deckte und förderte Handlungen Konradins, die die Erledigung der Reichsgewalt zur Voraussetzung hatten und ihm erst nach seiner Wahl zugestanden wären. Als durch den Übertritt des Burggrafen Friedrich von Zollern, vermutlich bereits im Sommer 1265, KonradinBurg und Stadt Nürnberg gewann, trug er die bei der Erwerbung anfallenden Kosten. Später, am 28. Mai 1267, belehnte er die Tochter des Burggrafen Friedrich und ihre Erben mit der Burggrafschaft und den übrigen Reichslehen ihres Vaters in Wahrnehmung seiner Rechte als Pfalzgraf, wenn das Königtum länger als ein Jahr erledigt war, und ließ es geschehen, dass Konradin, wohl auf Drängen des Burggrafen hin, die Übertragung bestätigte.
Im Jahr 1265 setzte wiederum eine Agitationswelle wegen einer erneuten Thronkandidatur Konradins ein. Die Fäden liefen auf den Burgen am Lechrain und im Pfaffenwinkel, in Augsburg und in dem von Ludwig gegründeten Driedberg, wo Konradin seit 1264 fast immer weilte, zusammen, auf der Grenzscheide zwischen Bayern und Schwaben mit nahen Verbindungen nach Tirol und Oberitalien, nach Franken und an den Oberrhein. Auch diesmal war es Ottokar, der immer weiter um sich greifende, seit Weihnachten 1261 zum König aufgerückte Böhme, der den Königsplan hintertrieb, wie damals 1262 durch eine Anzeige beim Papst, so jetzt durch eine ebenso wohl berechnete Anzeige bei RICHARD von Cornwallis. Hatte er früher durch seine Gefälligkeit die Belehnung mit Österreich und mit der Steiermark erreicht, so dankte ihm jetzt RICHARD Ende 1265 mit der Übertragung des rechtsrheinischen Reichsvikariats, woraufhin er, in Wahrnehmung seiner neuen Pflicht, das Reichsgut zu schützen, Eger besetzte, womit er Ludwig als Pfalzgrafen und Nachbarn traf, ebenso Heinrich von Nieder-Bayern, gegen den er damals einen neuen Kriegszug vorbereitete. Die Entscheidung fällt wie früher der Papst, der die Wahl Konradins durch Strafandrohungen, die bis ans äußerste gingen, verhinderte, um die sich erneut abzeichnende Gefahr einer Vereingung der römischen mit der sizilischen Krone zu beschwören. Der deutsche Plan mußte wieder zurückgestellt werden. Die dadurch frei gewordenen Energien der Umgebung Konradins konzentrierten sich jetzt auf die italienischen Pläne, die um so gebieterischer eine rasche Lösung erheischten, als Karl von Anjou sich durchgesetzt hatte: am Dreikönigstag des Jahres 1266 war er zum König von Sizilien gekrönt worden. Am 26. Februar hatte Manfredbei Benevent im Kampf gegen ihn Schlacht und Leben verloren. Die Ghibellinen Italiens und mit ihnen ihre militärischen und wirtschaftlichen Kräfte waren ohne Führung und Ziel und waren für Konradin frei, den letzten seines Geschlechts. Ihre Hilfegesuche konnten nicht ohne rasche, klare Antwort bleiben. Für Oktober 1266 rief Konradin einen Hoftag ein. Die Ortswahl fiel auf Augsburg wegen seiner günstigen Lage zwischen Bayern und Schwaben, auch wegen der Beziehungen zur Augsburger Bürgerschaft, die von Ludwig und seinem Mündel am 6. Februar 1264 unter ihren besonderen Schutz gestellt worden war. Der Hoftag war besucht vornehmlich von oberdeutschen Fürsten und Herren, voran bayerischen. Die bayerischen Bischöfe fehlten, sie waren wie der ganze Südosten durch Ottokar gebunden. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich für die Durchführung des italienischen Unternehmens und seine Beschleunigung aus. Das Jahr 1266 verging mit Rüsten und mit der Einleitung einer planmäßigen Agitation in Deutschland, mehr noch in Italien, wo die Mißstimmung über das harte Regiment Karls von Anjouausgenützt werden konnte. Nach Tuszien, in die Lombardei, nach Rom wurden Sendboten geschickt ohne Rücksicht auf den Papst, der am 18. November 1266 einen Prozeß gegen Konradineinleitete, die Verbindung mit ihm verbot, im Mai 1267 den Einmarsch nach Italien und die Truppensendungen dorthin unter Strafe stellte. In Mittel- und Süditalien war im Sommer 1267 die Lage günstig. Der tuszische Ghibellinenbund hatte sich von seinem Zusammenbruch erholt. Kurz vor dem Aufbruch Konradinstraf aus Rom der bedeutendste Mann in der Umgebung des die Stadt beherrschenden Heinrich von Kastilien in Augsburg ein, Guido von Montefeltro, mit einem Bündnisangebot seines Herrn an Konradin, das große Hoffnungen erweckte, zumal Heinrich in Mittelitalien bedeutenden Einfluß besaß. In der Lombardei dagegen hatten die guelfischen Städte zu einem Bund zusammengeschlossen, der sich dem Durchmarsch entgegenstellte. Die Lage in Pavia, der bedeutendsten ghibellinischen Stadt, war verzweifelt.
Anfang September brach man auf. Vorher ließ Konradin ein Manifest an die deutschen Fürsten ergehen, in welchem er, unter Schonung des Papstes, gegen Karl von Anjou wegen der ihm angetanen Kränkungen Klage führte und die Empfänger mahnte, sich zwischen ihm, als dem Träger angestammter Rechte und einer ruhmreichen Tradition, und dem Bruder des französischen Königs zu entscheiden. Das Stammquartier bis zum Einmarsch in die Poebene war Verona, wo der Einzug am 21. Oktober erfolgte. Im LagerKonradins weilten Herzog und Pfalzgraf Ludwig, der bedeutendste und mächtigste der anwesenden weltlichen Großen, und der StiefvaterKonradins, Graf Meinhard, der den Durchzug durch die Alpen gesichert hatte, wohl auch sein Bruder Albert, weiter Konradins um drei Jahre älterer Freund Friedrich, Markgraf von Baden, Sohn der Gertrud, der Nichte des letzten BABENBERGERS, Herzog von Österreich und Steiermark, der sich durch die Teilnahme am Zug die Wiedererlangung der durch Ottokar usurpierten Herzogtümer erhoffte, dazu eine Reihe von Grafen, wie RUDOLF VON HABSBURG, Berthold von Eschenlohe, zahlreiche Edle und Ministerialen, besonders aus Bayern, viele Italiener, meist Flüchtlinge aus den Königreich Sizilien, von denen manche schon jenseits des Brenner zu Konradin gestoßen waren, ein Teil von ihnen war ausgewählt für die staatlich-kirchliche und militärische Verwaltung und Sicherung der Provinzen des Königreichs. An ihrer Spitze standen führende Persönlichkeiten aus der näheren Umgebung Manfreds, Angehörige großer Geschlechter, wie der Lancia, Capece, Maletta, die für die höchsten Ämter im Erbreich vorgesehen waren. In ihren Händen lag die Planung des Unternehmens, für die sie die nötige Sach- und Landeskenntnis mitbrachten. Für den Aufbau der Kanzlei hatte Peter von Prece zu sorgen, der unmittelbar nach der Schlacht bei Benevent zu Konradin geflohen war. Konrad Capece, der bedeutendste militärische Ghibellinenführer des Königreiches, war im Frühjahr 1267 nach Pisa vorausgeeilt und hatte die Pisaner für seinen Plan gewonnen, von Tunis aus die Insel anzugreifen. Ende August war er hier gelandet und hatte mit Hilfe des Emirs einen Aufstand entfacht, der bis zum Sommer 1268 die ganze Insel erfaßte mit Ausnahme der wenigen großen Städte Palermo, Syrakus, Messina, die eine starke französische Besatzung hatten.
Das Unternehmen wurde nicht abenteuerlich und leichtfertig durchgeführt, aber es war von Anfang an, auch unter den Freunden und Verwandten Konradins, auf Widerstand gestoßen. Heinrich von Nieder-Bayern hatte widerraten und war der Heerfahrt ferngeblieben, wohl auch wegen der mit seinem Bruder ausgebrochenen Streitigkeiten. Die Bedenken in der deutschen Umgebung des jungen Fürsten mehrten sich, auch wegen der feindseligen Haltung des Papstes, die zu erwarten war. Am 18. November 1267 sprach Papst Clemens über die Anhänger Konradinsden Bann aus, auch Herzog Ludwig trafen Interdiktsandrohung und Exkommunikation, aus der er sich erst im Jahr 1273 zu lösen vermochte. Gefährlicher war die Situation in der Poebene. Die guelfischen Städte bildeten eine Sperrmauer, die kaum einen Durchlaß gewährte. Auch schwanden Woche für Woche die Mittel zusammen. Schließlich rieten Herzog Ludwig und Graf Meinhard zur Umkehr trotz günstiger Botschaften aus Pavia, die die Möglichkeit eines Durchzugs eröffneten. Konradin mußte selbst wählen. Mit seinen italienischen Ratgebern und seinem Freund Friedrich entschied er sich für den Vormarsch. Am 17. Januar 1268 trat er seinen kühnen Zug an mit einem kleinen Heer von etwa 3.000 Rittern, nachdem kurz vorher Oheim und Stiefvater von ihm Abschied genommen hatten und heimgezogen waren. Wider alles Erwarten glückte ihm der Durchmarsch durch die Poebene, am 20. Januar war er in Pavia, von wo er am 22. März aufbrach und, nach verwegener Seefahrt von Savona aus, mit einer auserlesenen Ritterschar Anfang April Pisa gewann, am 29. Juli zog er in Rom ein, nachdem er unterwegs laufend Zuzug gewonnen hatte. Der Zug führte ihn bis an die Schwelle des Enderfolges. Die Schlacht auf der palentinischen Ebene [10 km östlich von Tagliacozzo], wo ihn Karl am 24. August 1268 entgegentrat, war bereits gewonnen, als ihm durch einen in Reserve gehaltenen Ritterhaufen die Siegespalme entwunden wurde. Seine und seiner Umgebung Entschlußlosigkeit in den folgenden 14 Tagen besiegelte sein Schicksal. Am 8. oder 9. September wurde er auf der Höhe von Astura an der römischen Küste, von wo er Sizilien gewinnen wollte, kaum dass sein Fahrzeug vom Land abgestoßen war, gefangengenommen. Durch seine Enthauptung auf dem Marktplatz von Neapel fand das staufische Drama am 29. Oktober 1268 seinen tragischen Abschluß.
Die schwächste Seite des Unternehmens war wie bei den meisten Italienzügen deutscher Herrscher die Finanzierung. Die italienischen Hilfsquellen waren wie fast immer unsicher, ihr Eingang und ihre Höhe richteten sich nach dem Erfolg des Unternehmens, das durch sie finanziert werden sollte. Die Kosten des Beginns mußten von deutscher Seite getragen werden. Die Kassen waren in Verona bereits fast völlig erschöpft. Die meisten Opfer brachte Herzog Ludwig.Konradins Gegenleistung waren Urkunden, Verkäufe, Verpfändungen, Vermächtnisse und Schenkungen von staufischen Gütern, deren Herkunft, ob aus Reichs- oder Allodialbesitz, nicht immer klar war. Die Urkunden über diese sogenannten Konradinischen Schenkungen oder das Konradinische Erbe setzten im Jahr 1263, als die italienischen und deutschen Pläne Gestalt anzunehmen begannen, ein und enden mit der Verpfändung vom 10. Januar 1268, bei der Konradin fast das letzte, was er in Deutschland noch besaß, aus der Hand gab. Die verwandtschaftlichen Bande, der langjährige Umgang hatten enge persönliche Beziehungen zwischen ihm und seinem Onkel geschaffen, der ihm den früh verstorbenen Vater ersetzte. Allein die Motive waren nicht nur Dankbarkeit auf der einen und Selbstlosigkeit auf der anderen Seite. Der junge STAUFER gewann für seine Person an seinem Oheim einen der mächtigsten Reichsfürsten als Beschützer und für seine Güter einen Verwalter, der für den eigenen Vorteil arbeitete, und Ludwig gewann, indem er Konradin in seine Obhut nahm, Land, Machtmittel und dazu den staufischen Anhang. Für sein Verhältnis zu seinem Mündel gilt, was für die Beziehungen zwischen den STAUFERN und WITTELSBACHERN überhaupt, über alle persönlichen Bindungen hinweg, maßgebend war. Je nach eigenem Vorteil vereinten und trennten sie sich, wirkten und kämpften sie mit- und gegeneinander. Hatte KonradinErfolg, waren die Eventualschenkungen hinfällig und konnten die Pfandgüter von ihm leicht ausgelöst werden, im anderen Fall besaß der Herzog ein Entgelt, auf das vor allem er Anspruch hatte. Das Erbe brachte bedeutenden Landzuwachs am Lechrain und in der nördliche Oberpfalz.

Stälin Paul Friedrich: Seite 306-314
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"Geschichte Württembergs"

Von den ebenbürtigen STAUFERN lebte jetzt - abgesehen von dem bloß legitimierten Sohne FRIEDRICHS II. Manfred in Italien - nur noch dieser junge Konrad, oder wie er von den Italienern genannt wurde, Konradin (1254-1268). Er war nach dem Aufbruche seines Vaters aus Deutschland den 25. März 1252 auf der herzoglich bayerischen Feste Wolfstein, nahe bei Landshut, geboren und hielt sich anfangs mit seiner Mutter Elisabethbei deren Bruder, in der Folge seinem Vormund, Herzog Ludwig dem Strengen von Bayern auf. In Urkunden, welche seit dem Jahre 1255 von ihm ausgestellt, bei seiner großen Jugend jedoch zunächst eben in seinem Namen ausgefertigt wurden, handelt er bis zum Jahre 1265 meist nach dem Rate und Gutheißen dieses Oheims, öfter zugleich auch dessen Bruder, Herzog Heinrichs, und rühmt ihnen nach, sie haben ihn wie Väter ihren einzigen Sohn mit Liebe und Treue erzogen. Als Titel führte er in solchen Schriftstücken beständig den vom Vater ererbten eines Königs von Jerusalem und Sizilien und Herzogs von Schwaben.
Der gegen Konradins Vater aufgestellte Gegen-König WILHELM VON HOLLAND war inzwischen nach König KONRADS Tode im alleinigen Besitze des Königtums geblieben. Er hatte auch in Schwaben, welches er übrigens nie betreten, bei Städten, wie Hall, und Klöstern, wie Bebenhausen und Maulbronn, Anerkennung gefunden, wurde jedoch bereits den 28. Januar 1256 in einem Kampfe gegen die Friesen erschlagen. Darauf erfolgte nach längeren Verhandlungen am 13. Januar und 1. April des Jahres 1257 die verhängnisvolle Doppelwahl des Grafen RICHARD VON CORNWALLIS, eines Bruders König Heinrichs III. von England, und des Königs ALFONS X. VON KASTILIEN.  Es sind dies die fast nur dem Namen nach an der Spitze Deutschlands stehenden Könige KONRADS IV. bis zur Thronbesteigung RUDOLFS I. VON HABSBURG erstreckte (1254-1273). König RICHARD, welcher die gewichtige Stimme Herzog Ludwigs von Bayern bei seiner Bewerbung hoch zu schätzen hatte, ließ am 25. Januar 1257 durch seine Machtboten in Wiederholung von Zusagen, welche er hinsichtlich der Rechte Konradinsauf das Königreich Sizilien und das Herzogtum Schwaben schon vor der Wahl gemacht hatte, eidlich versprechen, dass er sogleich nach seiner Krönung Konradins mit genanntem Herzogtume belehnen und ihn auch in den ausgeschiedenen Besitz seiner übrigen großväterlichen und väterlichen Erb- und Lehengüter setzen werde. König ALFONS dagegen, durch seine Mutter ein Enkel König PHILIPPS VON SCHWABEN und auch den größeren und kleineren Herren Schwabens genehm, spähte vom fernen Spanien aus - wie schon früher und noch in der Folge - hauptsächlich nach staufischem Erbe in Deutschland. Er war von Papst Alexander IV., welcher trotz Beteuerungen zugunsten Konradins dessen Rechte zu wahren so wenig gewillt war, als sein Vorgänger Papst Innocenz IV., den schwäbischen Großen im Jahre 1255 als Herzog empfohlen worden, und nahm auch den Titel eines Herzogs von Schwaben an. Ob schon damals besonders von Herzog Ludwig Versuche gemacht worden, Konradin auf den deutschen Thron zu erheben, ist nicht sicher, doch hat sich Papst Alexander den 28. Juli 1256 bewogen gefühlt, an die rheinischen Erzbischöfe ernstliche Warnungs-Schreiben in dieser Hinsicht ergehen zu lassen.
Zur eigenen Besitzergreifung seines Herzogtums erschien der 10-jährige Konradin im Jahre 1262 in Schwaben und hielt den ersten Landtag in Ulm (28. Mai), den zweiten in Rottweil (1. August), sah auch bald darauf in Konstanz eine stattliche Anzahl schwäbischer, weltlicher und geistlicher, Großen um sich versammelt. Er teilte seinen Aufenthalt in den folgenden Jahren bis zum Sommer 1267 zwischen Schwaben - wo wir ihn zum Beispiel in Eßlingen, Gmünd, Rottweil, Ravensburg treffen -, Bayern und Tirol, in welcher Landschaft seine Mutter seit dem Januar 1258 in zweiter Ehe an den Grafen Meinhard von Görz und Tirol vermählt war. Seit seinem Eintritt in Schwaben stand ihm namentlich der treffliche Bischof Eberhard von Konstanz aus der Familie der Waldburg als Leiter und Mitvormund treu zur Seite, zog sich jedoch deshalb schwere Vorwürfe Papst Urbans IV. zu; neben diesem konnte Abt Berchtold von St. Gallen in Betracht. Da der junge Herzog wie durch körperliche, so durch geistige Anlagen hervorleuchtete, so kam bei den traurigen Verhältnissen des deutschen Königtums, von dessen beiden Prätendenten König RICHARD zwar das Übergewicht erhalten hatte, eine rechte Bedeutung jedoch auch nie erlangen konnte, Konradins Erwählung zum römischen Könige besonders auf Anregung seines Oheims, Herzog Ludwigs, mehrfach zur Sprache. Erzbischof Wernher von Mainz beraumte im Frühjahr 1262 einen Tag für eine neu Königswahl an, bei welcher einige Wahlherren für Konradin stimmen wollten, wogegen jedoch Papst Urban IV. ein strenges Verbot erließ und auch der junge Fürst selbst fing in den Jahren 1266 und 1267 an, in Bezug auf Nürnberg und Eßlingen Reichsrechte auszuüben. Freilich reizte ein derartiges Vorgehen König RICHARD, welcher die versprochene Belehnung des Herzogs mit Schwaben allem nach nie vorgenommen hat und sogar im November 1262 erklärte, Konradin maße sich das dem Reiche längst heimgefallene Herzogtum Schwaben an, sodann wurde durch dasselbe auch der alte Haß der Päpste gegen das staufische Haus zu neuen Ausbrüchen angeregt. Urban IV. stellte den 3. Juni 1262 den rheinischen Erzbischöfen wie sämtlichen Wahlfürsten - in ähnlicher Weise auch den Bischof von Konstanz - den Kirchenbann in Aussicht, wenn sie auch nur nicht mit allen Kräften gegen Konradins Wahl wirkten, und Klemens IV. schleuderte am 18. September 1266 den Bannfluch gegen diejenigen, welche seiner Erhöhung Vorschub leisteten [Noch am 13. August 1264 sprach übrigens Papst Urban "dem edlen Manne Konrad, Herzog von Schwaben", dessen reine Gottesfurcht er rühmt, dafür Anerkennung aus, dass er denjenigen, welche ihn zum Kampfe gegen die Kirche aufgereizt, beharrlich Widerstand geleistete habe und in der Erkenntnis, seine Vorfahren haben nur zu ihrem eigenen Verderben solchen Kampf geführt, die Kirche, seine Mutter, als treu gehorsamer Sohn verehren wolle.].
Allein wie auf die deutsche, so war Konradins Streben auf die ihm kraft Erbrechts zustehende sizilische Krone gerichtet. Er selbst, oder vielmehr für ihn Herzog Ludwig von Bayern, hatte bis zu seiner Großjährigkeit seinen Oheim Manfred zum Statthalter über das sizilische Reich ernannt. Der letztere hatte sich zum Könige krönen lassen, verlor jedoch im Jahre 1266 gegen den Papst Klemens IV. herbeigerufenen Karl von Anjou Krone und Leben. Sofort erschien noch in diesem und im folgenden Jahre - nach dem Gleichnis des welfisch gesinnten Malaspina gleich jenen Boten, die dem kommenden Könige Gold, Weihrauch und Myrrhen brachten - zahlreiche Flüchtlinge und feierliche Gesandtschaften, um Konradin zu einem Zuge nach Italien und zur Wiedereroberung des Königreichs aufzufordern. Im jugendlichen Tatendrang brach er, ihnen folgend, um den 8. September des Jahres 1267 mit einer meist aus Schwaben und Bayern bestehenden Mannschaft aus Ober-Bayern auf. Es begleiteten ihn unter anderen sein Oheim Herzog Ludwig und sein Stiefvater Graf Meinhard, welche beide, besonders der erstere, ihm reichliche Unterstützung gewährten, sein drei Jahre älterer Vetter und Busenfreund Friedrich, Sohn des Markgrafen Hermann VI. von Baden, welcher ähnlichen Geschickes wie Konradin, mehrere seiner Länder, so dass Herzogtum Österreich, nur dem Namen nach besaß, Graf RUDOLF VON HABSBURG, der spätere deutsche König, Graf Berchtold von Neuffen-Marstetten, Albert der Jüngere von Neuffen, Schenk von Limpurg, die Gebrüder Konrad und Wernher von Sternenfels.
Zwar schmolz das ursprünglich auf 12.000 Mann geschätzte Heer, zumal da bald Geldmangel sich fühlbar machte, schon in Verona, wo Herzog Ludwig und Graf Meinhard nach Deutschland zurückkehrten, bedeutend zusammen, und Papst Klemens erließ gegen Konradinund seine Anhänger am 18. November 1267 und wiederholt am 5. April 1268 furchtbare Bannflüche. Allein Konradin ließ sich dadurch nicht schrecken, und von einigen italienischen Städten, wie Pisa, durch bedeutende Geldsummen unterstützt, zog er kühn dem Süden zu. Bald hatte er sich eines Sieges zu erfreuen, welchen Friedrich von Baden im Arnotale bei Ponte a Valle über Karls Marschall, Johann de Braisilva, erfocht. Am 24. Juli zog er in Rom ein und wurde wie ein altrömischer Triumphator mit mehrtägigen Festlichkeiten empfangen. Von hier brach er am 10. oder 18. August mit etwa 10.000 Mann Deutschen, Italienern und Spaniern auf, um nach Apulien vorzudringen und gelangte bis Scurcola, als sich ihm am 23. des Monats König Karl mit 6.000 Mann entgegenstellte. Schon hatte Konradins Heer anscheinend den Sieg gewonnen, plünderte das Lager Karls und verfolgte zum Teil die Fliehenden, als der König selbst, welcher sich mit einer auserwählten Schar in einem verborgenen Engtale aufgestellt hatte, aus seinem Hinterhalte hervorstürmte und trotz kräftiger Gegenwehr des Senatoers von Rom, Heinrichs von Kastilien, den Sieg errang. Konradinrettete sich mit Friedrich von Baden und wenigen Getreuen aus der Schlacht nach Rom. Da er hier keinen sicheren Aufenthalt fand, schiffte er sich in Astura nach Pisa ein, um von dort aus nach Sizilien zu einem neuen Angriff auf Karl zu gelangen, allein er wurde von dem Herrn von Astura, Johann Frangipani, wieder zurückgeholt und an den Sieger ausgeliefert.
Karl schleppte die Gefangenen zunächst wieder nach Rom, woselbst er sich in der 2. Hälfte des Septembers aufhielt. Nach dem sizilischen Rechte stand auf Erregung von Krieg im Königreiche, Hochverrat und Raub die Todesstrafe und war, wenn die Verübung der Verbrechen offenbar oder notorisch, jedes weitere gerichtliche Verfahren unnötig. Hierauf gründete Karl, wie es scheint, seine weiteren Schritte, hinsichtlich deren er sich des päpstlichen Einverständnisses zu erfreuen hatte. Nachdem er höchstens zuvor eine vertrauliche Beratung mit Rechtsgelehrten gepflogen, sprach er noch in Rom die Todesstrafe über Konradin und seine Genossen aus und ließ dieselbe auch alsbald an einigen Italienern vollziehen. Mit den anderen Gefangenen zog er nach Neapel, um hier, am 29. Oktober, sein blutiges Werk zu vollenden. Vor seinen Augen endeten außerhalb der Stadt, unfern der Meeresküste, Konradin und mehrere seiner Genossen, wie Friedrich von Baden, Friedrich von Hürnheim (im Ries) unter dem Beile des Henkers [Die Leichname der Hingerichteten wurden in derselben Gegend im Sande eingescharrt und ein Steinhügel über ihn errichtet. Erst König Karl II. ließ über ihren Gräbern eine dem Dienste der Karmeliter geweihte Kapelle errichten.]. Der ünglückliche Fürst war zuvor wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen worden und hatte die Erlaubnis zur Errichting eines letzten Willens erhalten, mit dessen Vollziehung er den sizilischen Kronfeldherrn, Johannes Bricaudi, Herrn von Nangey, beauftragte. Im Anschluß an frühere Anordnungen setzte er seine Oheime, die beiden Herzoge von Bayern, zu seinen Universalerben  unter der Bitte ein, dass sich einige Schulden, welche er in Augsburg und Ravensburg noch zu bezahlen habe, berechtigen möchten, und bedachte unter anderen auch die Klöster Weingarten und Weißenau mit Geldvermächtnissen.
Eine Braut oder Gemahlin gedenkt Konradin in seiner letztwilligen Bestimmung nicht, und es nötigt dies fast in zwingender Weise zu der Annahme, er seit zur Zeit seines Todes von einem solchen Bande überhaupt oder doch infolge von dessen Auflösung wiederum frei gewesen. Anderseits steht jedoch urkundlich fest, dass im Jahre 1266 ein Ehebündnis desselben den Gegenstand von Verhandlungen bildete, und Quellen des 14. Jahrhunderts nennen als seine Gattin Sophie, Tochter des Markgrafen Dietrich von Meißen, später Gemahlin des PIASTEN Herzog Konrads von Glogau.
Laute Klage erweckte durch ganz Europa der jammervolle Tod des bildschönen Jünglings, welcher für seinen hohen Beruf die sorgfältige Erziehung genossen und in noch erhaltenen zarten und innigen Liedern seinem dichterischen Drange Ausdruck gegeben hatte. Mit ihm, dem letzten echten männlichen Sprossen des gewaltigen Stammes der STAUFER, ging auch das Herzogtum Schwaben unter, um trotz mehrfacher Wiederbelebungsversuche nie mehr aufzuerstehen. Erst im Laufe der Jahrhunderte bildete sich für einen beträchtlichen Teil der schwäbischen Lande ein neuer politischer Mittelpunkt im Herzogtum und Königreich Württemberg, dessen erste Anfänge allerdings bereits in diesen Zeitraum gehören.
 
 
 
 

1266
  oo Sophia von Landsberg, Tochter des Grafen Dietrich
       1258/59-24.8.1318
 
 
 
 

Literatur:
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