KONRAD III.                                 Deutscher König (1127/38-1152)
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1093-15.2.1152
          Bamberg

Begraben: Bamberg
 

2. Sohn des Herzogs Friedrich I. von Schwaben und der Agnes von Waiblingen, Tochter von Kaiser HEINRICH IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1339
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KONRAD III., deutscher König aus dem Haus der STAUFER
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* 1093, + 15. Februar 1152
         Bamberg

Begraben in Bamberg

Sohn Herzogs Friedrich I. von Schwaben und der Agnes, Tochter Kaiser HEINRICHS IV.

Wurde 1116, als sein Bruder Friedrich II. von Schwaben zum Reichsverweser für HEINRICH V. aufstieg, zum Herzog im östlichen Franken ernannt. Ließ sich nach seiner Rückkehr vom Heiligen Land am 18. Dezember 1127 in Rothenburg zum Gegenkönig ausrufen. Gegen LOTHAR von Süpplingenburg konnte er sich nicht durchsetzen und mußte sich ihm 1135 unterwerfen; heiratete wahrscheinlich damals auch Gertrud von Sulzbach (+ 1146). Erzbischof Albero von Trier beförderte am 7. März 1138 aus regionalpolitischen Gründen in einer irregulären Versammlung zu Koblenz die Königserhebung KONRADS, die am Pfingstfest vom Adel mit Ausnahme der WELFEN akzeptiert wurde, weswegen Heinrich der Stolze die beiden Herzogtümer Bayern und Sachsen verlor. Das Königtum KONRADS wird heute nicht mehr so negativ bewertet. Der staufisch-welfische Gegensatz freilich, den er nicht zu überwinden vermochte, wirkte außenpolitisch hemmend. Das Ziel die Eroberung des süditalienischen Normannenreiches, konnte deswegen und infolge der zu engen Bindung an die BABENBERGER, die im Osten gegen Ungarn entlastet werden mußten, nur im Bündnis mit Manuel I. von Byzanz ins Auge gefaßt werden. Da dieser aber 1148 in Thessalonike von KONRAD, der vom 2. Kreuzzug heimkehrte, Unteritalien als Mitgift seiner Frau Bertha von Sulzbach verlangte und KONRAD - angesichts der Opposition im Reich durch Heirat seines Sohnes HEINRICH (VI.) (+ 1150) und schließlich seiner selbst mit der byzantinischen Prinzessin die Abmachung über ein künftige Abtretung Unteritaliens an Byzanz gegenstandslos zu machen suchte, kam das Projekt nicht zur Ausführung. Wegbereiter seines Nachfolgers FRIERDICH BARBAROSSA indessen war er in der erfolgreichen Territorialpolitik, im Umbau der Reichskanzlei und in einer Autoritätssteigerung durch gehobene Urkundensprache.

Quellen:
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MGH DD K III. und seines Sohnes Heinrich, ed. F. Hausmann, 1969 - Ottonis et Rahenwini Gesta Friderici I imperatoris, MGH SRG (in us. schol. [46], ed. G. Waitz - B. v. Simson, 1912 - Ausg. Q 17, ed. F.J. Schmale, 1965, lib. I [mit dt. Übers.]

Literatur:
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NDB XII, 496-499 - W. Bernhardi, JDG K IIII., 1883 - F. Geldner, Zur neueren Beurteilung Kg. K.s III. (Fschr. B. Kraft, 1955), 395-412 - F. Hausmann, Reichskanzlei und Hofkapelle unter Heinrich V. und K. III., 1956 - R.M. Herkenrath, Das 'Reich' in der frühstauf. Kanzlei, SAW. PH 264, 5, 1969 - H. Vollrath, K. III. und Byzanz, AK 59, 1977 [dazu J.P . Niederkorn, RH Mitt 28, 1986; O. Engels (Fschr. A. Becker, 1987), 235-258] - O. Engels, Stauferstud., 1988, 160-176 passim.


Boslís Bayerische Biographie: Seite 440
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KONRAD III., König
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* 1093, + 15.2.1152
             Bamberg

Vater:
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Friedrich I. Herzog von Schwaben (um 1047/48-1105)

Mutter:
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Agnes von Waiblingen, Tochter Kaiser HEINRICHS IV. (1072/73-1143)

  1. oo um 1114/15 Gertrud von Comburg (um 1095-um 1130/31)

  2. oo zw. 1131 u. 1134 Gertrud von Sulzbach (um 1113/16-1146)

Aus staufischem Haus.
1116 Herzog in Ostfranken.
1127 Erhebung zum Gegenkönig gegen LOTHAR III.
1135 Anerkennung LOTHARS, nach dessen Tod 1138 zum König gewählt gegen den WELFEN-Herzog Heinrich den Stolzen.
Ächtung Heinrichs des Stolzen wegen dessen Weigerung zu huldigen und eines seiner Herzogtümer aufzugeben.
1139 Belehnung seines Halbbruders Leopold IV. von Österreich mit Bayern.
1142 Belehnung Heinrichs des Löwen mit Sachsen.
1147-1149 Teilnahme am mißglückten Kreuzzug auf Anregung Bernhards von Clairvaux.
Organisation des Reichslandes um Nürnberg.
Designation seines Neffen FRIEDRICH BARBAROSSA zum Nachfolger.

Literatur:
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ADB 16, BWB 2; Lex. d. dt. Gesch.; Ausstellungskatalog, Die Zeit der Staufer III, 1977.


Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 350
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"Die Zeit der Staufer"

VII. GENERATION

37 (21) KÖNIG KONRAD III.
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* 1093, + 15.2.1152
             Bamberg

Begraben: Krypta des Bamberger Doms neben Kaiser HEINRICH II. 18.2.1152

Graf im Kochergau ("von Comburg und Rothenburg") seit etwa 1116, Vogt des Klosters Comburg seit etwa 1116, nennt sich gelegentlich Herzog von Schwaben, übt zeitweilig in Franken herzogliche Gewalt aus, Gegenkönig 18.12.1127, gekrönt Monza 1128, unterwirft sich 1135, Deutscher König (Wahl Koblenz 7.3.1138, Krönung Aachen 13.3.1138).

Freie Verbindung etwa 1109/1110
GERBERGA
*um 1092/93- nach etwa 1120, vor 1144 (vor 1166)

eine vornehme Dame,(liberrimae conditionis quantum spectat ad nobilitatem carnis), sie ergibt sich später, obwohl von höchster Geburt, mit ihren Söhnen (Christum imitans qui semetipsum exinanavit) an das Kloster (oder Stift) Lorch, ist
(nach den Vornamen ihrer Kinder zu schließen) nächstverwandt mit dem Hause der PRZEMYSLIDEN (Ludmilla!) und der BABENBERGER (Leopold, Sophia, Gerberga, in der folgenden Generation Adalbert); der Zeit nach wahrscheinlich eine Tochter des Herzogs Boriwoi III. von Böhmen und der Gerberga von Österreich, Schwester Leopolds des Heiligen - der sehr junge KONRAD hätte sich demnach am Hofe seiner Mutter mit einer Nichte seines Stiefvaters liiert. Das "Rote Buch" nennt als Kinder der "Gerberga Christum imitans" fünf Namen: "Sophia de Pfuzicha/Leopaldus puer/Constantinus de Locarden/Giselbertus de Hotigen/Ludmilla de Velberc vel de Langenberc".

  I oo wohl Ende 1114 - Anfang 1115
        GERTRUD VON COMBURG (gekrönt 1128?)
        * um 1095, + um 1130/31

Begraben: Kloster Lorch

Erb-Tochter des Grafen Heinrich von Comburg und Rothenburg  (um 1062/65-1116) und der Gräfin Geba/Gertrud von Mergentheim, nach 1116 Nonne (in Klein-Comburg), Tochter von Graf Ebo von Mergentheim

Die Zugehörigkeit der ersten Ehefrau König KONRADS III. zum Hause COMBURG hat als erster Wolfgang Seiffer erkannt.

 II oo  um 1131/1132, vor 1134
         GERTRUD VON SULZBACH
         * um 1113/16, + 14.4.1146
                                Hersfeld

Begraben: Zisterzienserkloster Ebrach

Tochter des Grafen Berengar I. von Sulzbach und der Adelheid von Wolfratshausen, Tochter des Grafen Otto II. von Dießen. Otto war ein Sohn des Grafen Berthold von Dießen (vgl. Nr. 11).

KONRAD III. und Königin Gertrud waren also beide Nachkommen (Ur-Ur-Enkel) eines staufischen Paares. Wenn Königin Gertrud von Mutterseite STAUFER-Blut hatte, wird eher verständlich, warum man ihre Schwester Bertha von Sulzbach gewissermaßen als "STAUFERIN"nach Byzanz schicken konnte, als Kaiser Manuel Komnenos sich mit dem staufischen Hause verbinden wollte - ein Sachverhalt, auf den Hirsch schon 1939 hingewiesen hat.

Nichteheliche Kinder KONRADS III.:
50 (Sophia), 51 (Leopold), 52 (Constantin), 53 (Giselbert), 54 (Ludmilla)
Kinder erster Ehe:
55 (N/Agnes), 56 (Bertha), 57 (Gertrud) und wohl weitere Kinder
Kinder zweiter Ehe:
58 (König HEINRICH-BERENGAR), 59 (Friedrich)  und weitere Kinder?


Brandenburg Erich: Tafel 11 Seite 23
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 114 a. Konrad III., Herzog von Franken, Deutscher König 1138
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                   * 1093, + 1152 15. II.

Gemahlin:
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                vor 1136 Gertrud, Tochter des Grafen Berengar I. von Sulzbach
                                    + 1146


KONRAD, eine ritterliche Erscheinung von edler Gestalt, ein tüchtiger Kriegsmann, lebendig und gesellig, fröhlich und zugleich mit Anwandlungen zu Frömmelei und Reuegefühlen, wurde von Kaiser HEINRICH V., seinem Onkel, vor dessen Italienzug zum Reichsverweser (1116-1118) bestellt. Obwohl er 1125 Miterbe des salischenBesitzes wurde, spielte er bei der Königswahl von 1125 keine Rolle. 1126/27 behauptete er Nürnberg, wo er ein erstes großes Ritterturnier auf deutschem Boden abhalten ließ und gleichzeitig von der staufischen Partei im Dezember 1127 zum deutschen König gewählt wurde. KONRAD zog 1128 über die Alpen, um die Mathildischen Güter in Besitz zu nehmen. Er wurde zwar in Monza zum König von Italien gekrönt, mußte jedoch 1130 ohne politisch entscheidende Erfolge nach Deutschland zurückkehren. Die STAUFER mußten sich 1134/35 Kaiser LOTHAR III. unterwerfen und KONRAD legte den Königstitel ab. Um die Nachfolge des mächtigsten deutschen Fürsten, Heinrich der Stolze, zu verhindern, der nun die Herzogtümer Bayern, Sachsen, den Reichsbesitz in Italien sowie umfangreichen Allodialbesitz in Schwaben, Bayern, Sachsen und Italien in seiner Hand vereinigte, wählten am 7.3.1138 in Koblenz einige Fürsten auf Weisung Roms Konrad von Staufen zum deutschen König. Obwohl die Wahl das alte salische Geblütsrecht wahrte, wirkte sie wie der Staatsstreich einer Minderheit. KONRAD sah sich einer geschlossenen welfischen Opposition von erdrückender Überlegenheit gegenüber. Im Juli 1138 erkannte er die Nachfolge Heinrichs des Stolzen als Herzog von Sachsen nicht an. Der WELFE verweigerte deshalb die Huldigung und verfiel der Reichsacht. Beide Herzogtümer wurden ihm nun entzogen; die neu ernannten Herzöge konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Nach dem Tode Heinrichs des Stolzen (+ 20.11.1139) erkannte Sachsen dessen Sohn Heinrich den Löwen als Herzog an, während in Bayern dessen Onkel Welf VI. den Widerstand fortsetzte. Heinrich der Löwe verzichtete 1142 auf Bayern und wurde von KONRAD III. mit Sachsen belehnt. Durch konsequente Territorialpolitik erweiterte KONRAD III. jedoch den staufischen Besitz erheblich und wies mit dem Ausbau geschlossener Herrschaftsbereiche der Zentralgewalt im Innern erfolgreiche Wege. Seit 1142 verstärkte er den Ausbau des Haus- und Reichsgutes um Nürnberg und Rothenburg, im Vogtland und Pleißner Land. Auf Drängen Bernhards von Clairvaux entschlossen sich 1146 KONRAD III. und andere, vorwiegend süddeutsche Fürsten zur Teilnahme an einem neuen, dem zweiten Kreuzzug. Auf dem Reichstag in Frankfurt (1147) wurde ein allgemeiner Landfrieden verkündet und der 10-jährige HEINRICH, Sohn KONRADS III., zum König und Nachfolger gewählt. Die sächsischen Fürsten verweigerten die Teilnahme an der beabsichtigten Orientfahrt und setzten die Anerkennung ihres geplanten Überfalls auf die Elb- und Ostslawen als Kreuzzug durch. Die verschiedenen Abteilungen der deutschen Kreuzfahrer wurden am 25. Oktober 1147 bei Doryläum geschlagen und von den Seldschuken fast völlig aufgerieben. KONRAD III. und Ludwig VII. von Frankreich erreichten zu Schiff Jerusalem, mußten aber ohne jeden Erfolg das Heilige Land wieder verlassen. Auf seinem Rückweg über Byzanz schloß KONRAD1148 mit Manuel I. von Byzanz, seinem Schwager, ein Bündnis gegen Roger II. von Sizilien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland zwang KONRAD III. im Februar 1150 Welf VI. durch die siegreiche Schlacht bei Flochberg (in der Nähe von Nördlingen) zum Friedensschluß, jedoch erhob nun Heinrich der Löwe Anspruch auf das Herzogtum Bayern. Ein 1151 unternommener Angriff des Königs auf den braunschweigischen Stammbesitz der WELFENscheiterte. Papst Eugen III. forderte KONRAD III. zur Hilfeleistung gegen die Oppositionsbewegung unter Arnold von Brescia auf, die bereits 1149 KONRAD III. die römische Kaiserkrone angeboten hatte, und versprach nun seinerseits die Kaiserkrönung. Unter seiner Regierung hat der politische Einfluß der Kirche auf die Reichsgeschäfte einen Höhepunkt erreicht. Erst als der König von seinem gescheiterten Kreuzzug in das Heilige Land zurückkehrte, versuchte er, die Macht der Kirche aus der Reichspolitik zu verdrängen, doch blieb es beim Versuch. Er starb am 15. Februar 1152 in Bamberg, wo er im Dom bestattet wurde. Die Begleitumstände seines Todes, die schnelle Beisetzung entgegen seinem Wunsch in Bamberg anstatt in Lorch und die ungewöhnliche Aktivität seines Neffen FRIEDRICH, der sich nur wenige Tage später zum König wählen ließ, lassen vermuten, dass es in der Nachfolge vielleicht nicht in allen Punkten mit rechten Dingen zugegangen ist. Jedenfalls wurde nicht der Sohn des Königs zum Nachfolger bestimmt, sondern eben jener FRIEDRICH BARBAROSSA, der nur zusammen mit dem Bamberger Bischof am Sterbelager seines Onkels zugegen war. KONRAD kann mit ruhigem Gewissen als einer der schwachen Herrscher des Heiligen Römischen Reiches eingestuft werden. Seine auch für die Zeit übertriebene Frömmigkeit trübte ihm den Blick für das Notwendige und für die Realitäten im Land, oder aber er hatte nicht die Kraft, sich gegen seine Gegner, besonders die Kirche, durchzusetzen. Sollte die oben angedeutete Testamentsverfälschung zutreffen, dann könnten die Motive, die dazu geführt haben, angesichts der Schwäche KONRADS III. noch verständlich genannt werden. Trotz seiner Hörigkeit und Abhängigkeit von der Kirche hat KONRAD III. es Zeit seines Lebens als erster König seit HEINRICH I. nicht geschafft, die Kaiserkrone für sich zu gewinnen.

Mühlbacher Josef: Seite 18-22
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

Gertrud von Sulzbach ist wie ihr Gemahl KONRAD III. nur wenig ins Bewußtsein des Volkes eingegangen. Die Größe und der Glanz der ihnen Nachfolgenden, Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA und der Beatrix von Burgund, überragen und überstrahlen sie. KONRAD waren trotz seiner großen Fähigkeiten dauernde Erfolge nicht bescheiden. Dennoch ist er, der 1. König des staufischen Geschlechtes, die Vorstufe für den Aufstieg der drei folgenden Kaiser: FRIEDRICHS I. BARBAROSSAS, HEINRICHS VI. und FRIEDRICHS II. - die drei Berge in der Landschaft der staufischen Geschichte.
Als mit Kaiser HEINRICH V., dem Sohn des den STAUFERN gewogenen HEINRICH IV., 1125 die SALIER ausstarben, wurde als deren Nachfolger Friedrich II., Herzog von Schwaben als Enkel HEINRICHS IV. erwartet. Gewählt wurde Lothar von Sachsen-Supplinburg, gegen den schon 1127 KONRAD, der andere Enkel HEINRICHS IV., als Gegen-König auftrat. Schließlich wurde KONRAD nach dem Tod LOTHARS VON SUPPLINBURG 1138 aus Abneigung gegen den zu mächtigen WELFEN Heinrich den Stolzen in Koblenz zum König gewählt.
KONRAD wird als ritterliche Erscheinung beschrieben, von edler Gestalt, ein tüchtiger Kriegsmann, leutselig und gesellig, fröhlich und zugleich mit Anwandlungen zu Frömmelei und Reuegefühlen. Seine Regierungszeit war ausgefüllt mit Auseinandersetzungen und Kriegen gegen die WELFEN, dem erfolglosen zweiten Kreuzzug, den er nach einer zündenden Predigt Bernhards von Clairvaux im Dom von Speyer gelobt hatte.
Gebrochen und krank aus dem Heiligen Land wieder daheim, nahm KONRAD von neuem den Kampf gegen Heinrich den Löwen auf, der vorzeitig vom Kreuzzug nach Deutschland zurückgekehrt war. Als KONRAD 1152 mit 50 Jahren zermürbt und enttäuscht starb, "stand er fast genau da, wo er begonnen hatte" (Karl Hampe). Er starb in Bamberg und wurde dort im Dom bestattet.
Vor dem Hintergrund dieser ruhelosen Zeit und neben dem glücklosen Mann ist die Gestalt seiner Gattin zu sehen, deren Halt ihre tiefe Frömmigkeit war. Der Vater Gertruds von Sulzbach war der Graf Berengar I., ihre Mutter, die dritte Gemahlin Berengars, Adelheid von Wolfratshausen. Sie ist eine von fünf Schwestern, von denen Bertha (Irene) mit dem Kaiser von Byzanz, Manuel I., vermählt war.

Köhne Carl Ernst: Seite 29-41
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"Die Hohenstaufen" in "Die großen Dynastien "

Die Gegner LOTHARS III. erklären die Wahl für nichtig und rufen am 18. Dezember 1127, als Friedrich von Schwaben auf eine Kandidatur verzichtet, dessen Bruder KONRAD zum Gegenkönig aus. Dieser geht mit Frühlingsanbruch über die Alpen und läßt sich am 29. Juni 1128 in Monza die noch aus der Langobardenzeit stammende Krone des Königreichs Italien aufs Haupt setzen. Ebendorthin beruft er alsbald einen Reichstag der deutschen und italienischen Fürsten und beginnt zu regieren, als gäbe es keinen König LOTHAR aus sächsischem Hause.
Dieser spielt in N-Deutschland weiter die Trumpfkarte vor allem kirchenfürstlicher Unterstützung aus. Immerhin machten die auch wirtschaftlich bedeutsamen großen Fürstbistümer an Rhein, Maas und Main, Weser und Elbe mehr als ein Viertel des Staatsgebietes aus. Mit ihrer Hilfe erreicht LOTHAR, dass die schwäbischen Brüder exkommuniziert, das heißt ihre Lehnsritter, Beamten und Heeresgefolge theoretisch vom Treueid entbunden werden, ihn selbst aber der Papst 1133 zum Römischen Kaiser krönt.
Als dieser nur von der Kirche und seinen Stammlanden anerkannte Träger des Titels am 4. Dezember 1137 stirbt, geht der Kampf um die Macht mit umgekehrten Vorzeichen weiter. Als Gatte von LOTHARS einziger Tochter Gertrud wäre jetzt Herzog Heinrich von Bayern an der Reihe gewesen, dem der Schwiegervater auf dem Sterbebett noch sein Herzogtum Sachsen übertragen hatte. Eine solche Verdopplung der Hausmacht ließe den WELFEN zum Herren über halb Deutschland werden. Das ist für die übrigen deutschen Fürsten Grund genug, ihm die Krone zu versagen. Sie bitten an seiner Statt den bereits 1127 von ihnen erwählten Konrad von Hohenstaufen, seit 1116 Herzog von Ostfranken (Mittelrhein, Maingau, Hessen), endgültig das Königsamt zu übernehmen und sich zur obligaten Romreise zu rüsten.
KONRAD III. (1138-1152) wird die Tiberstadt nie sehen. Bei der Krönung in Aachen am 13. März 1138 fehlt sein großer Gegenspieler, der welfische Herzog Heinrich. Prompt läßt ihn KONRAD drei Monate später auf einem Reichstag in Bamberg die Erbfolge im Herzogtum Sachsen absprechen. Ein 2. Reichstag, der wieder demonstrativ an Bayerns Nordgrenze nach Würzburg einberufen und von einem großen Truppenaufgebot begleitet wird, erklärt Herzog Heinrich in die Reichsacht und vergibt das von ihm beanspruchte Herzogtum Sachsen an Markgraf Albrecht "den Bären" aus dem am Nordharz begüterten Hause ASKANIEN.
Die Folge dieser Entscheidungen ist ein jahrzehntelanges Ringen um Erbrecht, Macht und Prestige zwischen WELFEN und STAUFERN, das den Tod beider Rivalen überdauern sollte. Im August 1139 steht man sich sogar mit der blanken Waffe an der Werra gegenüber. Erst in letzter Minute kommt es zu einem Stillhalteabkommen zwischen KONRAD und seinem schwerkranken Gegner, der zwei Monate später, kaum 30-jährig, auf der Quedlinburg am Harz stirbt.
Der sächsische Adel verweigert, wie zu erwarten, weiterhin dem vom König eingesetzten neuen Landesherrn Markgraf Albrecht die Gefolgschaft. Man verlangt den Herzogshut für Heinrichs erst 10-jährigen Sohn gleichen Namens, der als "der Löwe" eines Tages große Politik machen wird. Auch die Bayern lehnen nach wie vor den ihnen von KONRAD aufgezwungenen Regenten Markgraf Leopold (IV.) von Österreich ab, einen Halbbruder des Königs aus der 1106 geschlossenen zweiten Ehe seiner Mutter Agnes mit Markgraf Leopold III. Sie sind "gut welfisch" gesonnen, fürchten aber vor allem, auf diese Weise in einem Donaureich des in Klosterneuburg bei Wien residierenden babenbergischen Fürstenhauses ihre Eigenständigkeit zu verlieren.
Zwei Jahre später arrangiert man sich. Bayern erhält KONRADS Stiefbruder Heinrich, bisher Pfalzgraf bei Rhein, das Herzogtum Sachsen nun doch der junge Löwe, die Pfalzgrafschaft selbst Hermann von Stahleck, Gatte von KONRADS Schwester Gertrud, das altbayrische Bistum Freising des Königs Halbbruder Otto, das Herzogtum Nieder-Lothringen Gottfried von Löwen, ein flämischer Schwager der Königin. Also zielbewußte Familienpolitik, die durch auswärtige Kombinationen ergänzt wird: Eine Halbschwester KONRADS wird Königin von Böhmen, sein minderjähriger Sohn HEINRICH, geboren 1137, einer Tochter Belas von Ungarn versprochen; seine Cousine Agnes wiederum Polens Kronprinz Wladislaw; der oströmische Kaiser Manuel heiratet eine Schwester der Königin. Trotz solcher Aktivitäten blieb die politische Lebensbilanz KONRADS III. ein Fiasko. Schon der Versuch, Polen durch gewaltsame Inthronisation des von seinen Brüdern vertriebenen Prinzen Wladislaw an das Reich zu binden, schlug völlig fehl. Noch trauriger war der Ausgang eines Kreuzzuges zur Befreiung N-Syriens von den "Ungläubigen" im September 1149, der nach schweren Verlusten ergebnislos abgebrochen werden mußte.
Als KONRAD III. wieder in Deutschland eintrifft, fordert der junge Herzog Heinrich von Sachsen energisch die Herausgabe auch seines bayrischen Vatererbes. Als der König ihn auf den nächsten Reichstag vertröstet, marschiert der Löwe von Braunschweig kurzerhand mit starken Verbänden zur Donau. Daraufhin besetzt KONRAD im Handstreich Goslar und greift bereits Heinrichs Residenz Braunschweig an. Da erscheint dieser ebenso rasch wieder im Norden und vertreibt die eingedrungenene Reichstruppen aus seinem Herzogtum.
Ein Jahr später endet das Leben KONRADS III. in einer letzten Frustration. Er möchte sich aus dem deutschen Desaster in ein Flucht nach vorn retten: In einen seit 1127 immer wieder aufgeschobenen Zug zur Kaiserkrönung in Rom. Zum Abschied hat er noch einmal den Reichstag nach Bamberg einberufen. Es sind bereits Gesandtschaften an den Papst und nach Konstantinopel unterwegs, um den oströmischen Kaiser einzuladen und die Ankunft des deutschen Königs in der Ewigen Stadt würdig vorzubereiten - da erliegt dieser am 15. Februar 1152 im Schloß über dem Roten Main einem ihn schon lange plagenden Leiden.
Es hat ihm noch Zeit zu der vielleicht einzigen glücklichen Entscheidung seiner von Mißerfolgen überschatteten Regierungszeit gelassen: der Empfehlung an die Fürsten des Reiches, nicht den eigenen noch unmündigen Sohn Friedrich, sondern dessen jetzt 30-jährigen Vetter FRIEDRICH, seit 1147 3. Herzog von Schwaben aus staufischem Geschlecht, zum deutschen König zu wählen.
 
 
 
 

   1114/15
  1. oo Gertrud von Comburg und Rothenburg, Tochter des Grafen Heinrich
                 -   1130/31

    1135
  2. oo Gertrud von Sulzbach, Tochter des Grafen Berengar I.
          1110-14.4.1146
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Agnes
         -   1151

1129/30
  oo Isjaslaw II. Großfürst von Kiew
       1101/02-13.11.1154

  Bertha
         -   1148/53

 1131/34
  oo Hermann III. Markgraf von Baden
              -16.1.1160

  Gertrud
        -

2. Ehe

  HEINRICH (VI.)
  1137-   1150

  Friedrich IV. Herzog von Schwaben
  1144/45-19.8.1167
 
 
 
 

Literatur:
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Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Staufer. Piper Verlag GmbH München 2000 Seite 124 - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III., Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1883 - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 - Boshof, Egon: Staufer und Welfen in der Regierungszeit Konrads III. Die ersten Welfenprozesse und Opposition Welfs VI., Archiv für Kulturgeschichte 70 1988 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1983 Seite 440 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 11 Seite 23 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 18,21,23,25,29-32,34,39-42,50,53,58-61,63,67,70-73, 76,81,93 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 6,13,15, 26,27,28,38,69 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite10,14,30,48,63,71,74,102,210 - Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band III Seite 350 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 131,134,267/ Band II Seite 218,223,266,335, 365,409,428,459,490,493,497/Band III Seite 322,533 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 15 A.12,26,28 A.86,46,47,47 A.19,57 A.1,76,77,81,82,96,104,104 A.87,111 - Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. 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