Stephanie von Milly                      Herrin von Oultrejourdain
------------------------
    nach 1187
 

Tochter des Herrn Philipp von Milly-Nablus und der Isabella von Oultrejourdain, Tochter von Herrn Moritz
 

Runciman, Steven: Seite 698,708,767-768,791
***************
"Geschichte der Kreuzzüge"

Das Lehen Oultrejourdain, dessen Hauptstadt Kerak war, gehörte einer Erbin, Stephanie von Milly. Ihr erster Gatte Humfried, der Erbe von Toron, war einige Jahre zuvor gestorben. Ihr zweiter Gatte, Amalrichs Seneschall Miles von Plancy, befand sich mit dem König außer Landes. Ihr erster Schwiegervater, der alte Konnetabel Humfried II. von Toron, eilte zu ihrer Rettung herbei.
Rainald von Chatillon heiratete einige Monate nach seiner Freilassung Stephanie, die Erbin von Oultrejourdain und Witwe Miles' von Plancy, die den Grafen Raimund für den Mörder ihres Gatten hielt.
Stephanie von Oultrejourdain hatte sich unter den ausgelösten Gefangenen in Jerusalem befunden, und sie bat jetzt Saladin um Freilassung ihres Sohnes Humfried von Toron. Er war bereit unter der Bedingung, dass ihre zwei großen Burgen sich ihm ergäben. Humfried wurde aus seinem Kerker zu ihr geschickt; aber weder in Kerak noch in Montreal wollte die Besatzung ihrem Befehl zur Übergabe gehorchen. Da es ihr nicht gelang, ihren Teil der Vereinbarung zu erfüllen, schickte sie ihren Sohn wieder in die Gefangenschaft zurück. Dieses ehrenhafte Verhalten gefiel Saladin, und er schenkte Humfried einige Monate später die Freiheit.
Als es Stephanie, der Herrin von Oultrejourdain, nicht gelang, die Besatzungen ihrer Burgen Kerak und Montreal zur Übergabe zu bewegen, um so die Freilassung ihres Sohnes Humfried von Toron zu erwirken, schickte ihr Saladin den Sohn zurück, noch ehe die halsstarrigen Burgen im Sturm genommen waren.

Pernoud Regine: Seite 121-123
***************
"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Die Rede ist von Stephanie von Milly, der Herrin von Krak. Es handelt sich dabei nicht um die Burg Krak des Chevaliers im Norden Syriens, sondern um die östlich des Jordans gelegene Festung von Moab. Stephanie, Herrin von Oultrejourdain, dem heutigen Transjordanien, hatte ein recht bewegtes Leben hinter sich. Sie war bereits zweimals verheiratet; ihr zweiter Mann war eines Abends in Akkon auf recht mysteriöse Weise ermordet worden.
Die Herrin von Krak konnte nicht lange Witwe bleiben: Es war kaum vorstellbar, dass ihre Burg und Oultrejourdain ohne bewaffneten Schutz blieben. Die Festung Krak (wie sie heute heißt) war 1142 von den Kreuzfahrern erbaut worden, um ein Gebiet zu verteidigen, durch das die Karawanen zum Roten Meer zogen. Es war eine eindrucksvolle Anlage; aus der Zeit der Kreuzfahrer ist eine dicke Mauer aus vulkanischem Gestein erhalten, das sie in der Umgebung abgetragen und behauen hatten. Stephanie heiratete also zum dritten Mal, und zwar jenen berüchtigten Rainald von Chatillon, Witwer Konstanzes von Antiochia, von dem bereits die Rede war. Er hatte 16 Jahre in Gefangenschaft in Aleppo verbracht, sich dadurch aber keineswegs gebessert. Es ist anzunehmen, dass er nichts von seinem Charme eingebüßt hatte, denn Stephanie war ihm sofort verfallen. Aufgrund seiner abenteuerlichen Vergangenheit konnte man jedenfalls von ihm erwarten, dass er Oultrejourdain tatkräftig verteidigen würde. König Balduin IV. stimmte der geplanten Heirat zu, mit dem Hintergedanken, dass ein so unerschrockener Krieger von Nutzen sein könnte, zumal er weit genug entfernt von Jerusalem residierte, um dem Königreich nicht zu schaden.
Der schreckliche "Arnaout", wie ihn die arabischen Chronisten nannten, oder der "Satan der Franken", wie er auch hieß, zeigte sich begeistert von der Aussicht, Herr von Oultrejourdain zu werden: Kerak lag schließlich an der Straße, auf der die Karawanen durch den Hedschas nach Mekka zogen. Die Pilgerstraßen waren gleichzeitig auch Handelsstraßen; die aus Damaskus kommenden Kamelkarawanen transportierten genügend kostbare Stoffe, Parfüms, Gewürze, Weihrauch, Gold und Silber - ganz zu schweigen von den "Damaszener"-Waffen, um Rainalds Raubritterherz höher schlagen zu lassen.
Sein tollstes Stück leistete er sich 1182, indem er kurzerhand eine Flotte bauen ließ, um im Roten Meer den Handelsverkehr zu kontrollieren und den muslimischen Pilgern den Weg abzuschneiden; ein arabischer Chronist behauptet sogar, er habe den Leichnam des Propheten an sich bringen wollen, um von den Massen, die durch sein Gebiet pilgern würden; Wegezölle zu verlangen. Rainald ließ fünf Schiffe bauen und in Einzelteilen auf Kamelen nach Aila befördern; zwei von ihnen blockierten den Hafen, die anderen segelten in Richtung Nubien, plünderten die Hafenstadt Aidab, fingen eine Karawane ab und kaperten an der Küste des Hedschas ein großes, aus Dschedda kommendes Handelsschiff. "Groß war das Entsetzen der Bewohner dieser Gegend, vor allem in Mekka, die diesen Anschlag als Zeichen eines kommenden Unheils deuteten. Noch nie hatte man so etwas gehört oder Leute aus Rum [Franken] in dieser Gegend gesehen. Überall dachte man, die Stunde des Jüngsten Gerichts sei gekommen."
Saladin rief seinen Bruder Malik al-Adil um Hilfe, der Schiffe aus dem Hafen von Damiette nach Alia schickte, um die fränkischen Schiffe zu vernichten und die Piraten auf dem Roten Meer zu verfolgen. Saladin hatte befohlen, alle, die den Ägyptern in die Hände fielen, zu enthaupten.
Einige Zeit nach diesem dreisten Zwischenfall beschloß die Herrin von Krak, die Vorbereitungen für die Hochzeit ihres seit drei Jahren mit Isabella von Jerusalem verlobten Sohnes Humfried zu treffen. Es wurden Einladungen an alle Barone verschickt. Rainald von Chatillon stürzte sich in Unkosten, denn ihm war vermutlich sehr daran gelegen, durch diese Feier, mit der die Schwester des Königs von Jerusalem Einzug in Oultrejourdain halten sollte, die Erinnerung an seine zweifelhafte Vergangenheit und seine jüngste Niederlage auszulöschen. Gaukler und fahrende Spielleute wurden eingeladen. Eine Vorstellung von der Vermählung des jungen Paares in der Kapelle von Kerak mag vielleicht die Beschreibung einer fränkischen Hochzeitsfeier vermitteln, die der arabische Chronist Ibn Dschubair auf einer Reise in Tunis miterlebte: "Die Braut war hochelegant, in ein wunderschönes Kleid gehüllt, hinter dem sie ihrem traditionellen Stil gemäß eine lange Schleppe aus goldener Seide herzog. Auf dem Kopf trug sie ein goldenes Diadem, das von einem Netz aus gewebten Gold bedeckt war; auf ihrer Brust war ein ähnliches Arrangemment. Mit kleinen Schritten von einer halben Spanne schritt sie wie eine Taube, wie ein Wölkchen daher. Möge Gott uns vor den Verführungen eines solchen Anblicks schützen! Vor ihr gingen christliche Notabeln in ihren feinsten und prächtigsten Gewändern, die Schlappe hinter ihnen fallend. Hinter ihnen schritten christliche Frauen, der Braut ähnlich; in ihrer reichsten Tracht paradierten und stolzierten sie. Allen voran zogen Musikanten. Die Muslime und die anderen christlichen Zuschauer bildeten zwei Reihen entlang der Straße und starrten sie ohne jede Zurückhaltung an."
Die beiden Vermählten zählten zusammen keine 30 Lenze. Isabella war erst 11, aber in diesem Alter entwickeln sich junge Mädchen im Orient sehr schnell. Von Humfried berichten die arabischen Zeitgenossen, seine Schönheit sei der seiner Gemahlin ebenbürtig gewesen. Humfried war außerdem gebildet, er sprach die Landessprache ebenso gut wie Französisch, so dass er öfter als Dolmetscher dienen konnte. Die beiden waren sehr verliebt ineinander. An nichts wurde gespart, um ihre Hochzeit so glanzvoll wie möglich zu gestalten, obwohl sich die Ereignisse an jenem 22. November 1183 dramatisch zuspitzten. Ausgerechnet an diesem Tag begann der auf Rache an dem "Arnaout" sinnende Saladin mit der Belagerung der Festung Kerak. Im Nu hatten seine Truppen die Zitadelle umzingelt, so dass sie beinahe die Hochzeitsgäste in der Burg überrascht hätten. Bei dieser Gelegenheit werden die Heldentaten eines Ritters namens Iwein gerühmt. Ihm gelang es, indem er wild um sich schlug, das Eingangstor zu verteidigen, bis in aller Eile die Zugbrücke hochgezogen wurde und er sich unter einem Pfeilhagel im letzten Augenblick durch einen Sprung retten konnte.
Trotz dieser unverhofften Störung gingen die Hochzeitsfeierlichkeiten in der gewaltigen Festung weiter, während Saladin mit acht Wurfmaschinen die Mauern pausenlos unter Beschuß nahm. Stephanie schickte Boten zum Sultan, und durch die geöffneten Tore trugen Diener Speisen des Hochzeitsmahls hinaus. Der Chronist Ernoul spricht nur von "Brot und Wein, Ochsen und Hammeln", Einzelheiten verschweigt er. Kurz und gut, Stephanie lud Saladin und seine Truppen ein, am Festmahl teilzunehmen. "Die Herrin von Krak begrüßte ihn", heißt es, "und erinnerte ihn daran, dass er sie manches Mal auf dem Arme getragen habe, in seiner Kindheit, als er in dieser Burg als Geisel gefangen war." Saladin war bei der Erinnerung tief gerührt und "bedankte sich überschwenglich bei ihr". Er fragte die Boten, wo das Festmahl stattfinde, und wies seine Truppen an, diesen Teil der Festung zu schonen.
Trotz all dieser Freundlichkeiten fühlte sich Rainald wie in einer Falle. Er ließ im obersten Stockwerk des höchsten Turmes ein Feuer anzünden. Bei klarem Wetter konnte man von dort aus die Spitze des etwa 80 Kilometer entfernten Davidsturms in Jerusalem oder zumindest die Höhen des Ölbergs sehen. Bei Nacht gab man sich durch Feuer von Burg zu Burg Alarmzeichen, und bei Tag wurde durch feuchtes Stroh schwärzlicher Rauch erzeugt, der ebenfalls weithin sichtbar war. Als König Balduin erfuhr, in welcher Gefahr sich Krak von Moab befand, rief er seine Streitkräfte zusammen und machte sich auf den Weg. Saladin gab nach und hob die Belagerung auf. Vier Jahre später, bei der Schlacht von Hattin, schlug für ihn die Stunde der Rache.
 
 
 
 

  1. oo Humfried III. Herr von Toron
                  

  2. oo Miles von Plancy
                 

  3. oo 2. Rainald Herr von Chatillon
           um 11255.7.1187 ermordet
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Humfried IV.
  1166

  Isabella
       

  oo Ruben III. Fürst von Armenien
             
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 121-123 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 741,767-768,698,708,723,791 -