Toros II.                                      Fürst von Armenien (1145-1169)
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    -   1169
 

Sohn des Fürsten Leo I. von Armenien
 

Runciman, Steven: Seite 518,636,651-653,656-658,668-669,673-674,675,692-693
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"Geschichte der Kreuzzüge"

1137
Leo der Rubenier, der jetzt die ostkilikische Ebene beherrschte, kam herzu und versuchte, den Vormarsch aufzuhalten, indem er die byzantinische Grenzfestung Seleukia wegnahm, wurde aber zum Rückzug gezwungen. Der Kaiser fegte weiter, an Mersin, Tarsos, Adana und Mamistra vorbei, die sich ihm sämtlich ergaben. Der Armenier-Fürst verließ sich darauf, daß die großen Befestigungen von Anazarbos den Kaiser aufhalten würden. Die Besatzung widerstand 37 Tage lang; aber die Belagerungsmaschinen der Byzantiner schlugen ihre Mauern in Trümmer, und die Stadt war gezwungen, sich zu ergeben. Leo zog sich ins Hochgebirge des Taurus zurück.
Für einen solchen Feldzug war es jetzt bereits zu spät im Jahr; also kehrte Kaiser Johannes zurück, um die Eroberung Kilikiens abzuschließen. Die RUBENIER-Fürsten flohen vor ihm in die Höhen des Taurus. Drei von den Leos Söhnen, Mleh, Stephan und der blinde Konstantin, suchten bei ihrem Vetter Joscelin von Edessa Zuflucht. Kurz nach dem Fall von Vahka, dem Stammsitz der Familie, wurden Leo und seine älteren Söhne Ruben und Thoros gefangengenommen. Sie wurden nach Konstantinopel ins Gefängnis gesteckt, wo Ruben kurz darauf getötet wurde; Leo und Thoros hingegen gewannen die Gunst des Kaisers, und es wurde ihnen erlaubt, unter Überwachung am Hof zu leben. Dort starb Leo vier Jahre später. Thoros entfloh schließlich und kehrte nach Kilikien zurück.
Um das Jahr 1143 war der Armenier-Fürst Thoros der Rubenier aus Konstantinopel entflohen und hatte am Hof seines Vetters, Joscelin II. von Edessa, Zuflucht gesucht. Dort sammelte er eine Rotte von Landsleuten um sich, mit deren Hilfe der den festen Familiensitz Vahka im östlichen Taurusgebirge zurückeroberte. Zwei seiner Brüder, Stephan und Mleh, machten mit ihm gemeinesame Sache, und er schloß Freundschaft mit einem benachbarten fränkischen Herrn, Simon von Raban, dessen Tochter er heiratete. Im Jahr 1151, als die Byzantiner durch den mohammedanischen Angriff auf Turbessel abgelenkt waren, stürmte er in die kilikische Ebene hinab und besiegte und erschlug den byzantinischen Statthalter vor den Toren von Mamistra. Manuel schickte sofort seinen Vetter Andronikos mit einem Heer aus, um das an Thoron verlorene Gebiet zurückzugewinnen.
Von den Templern ermutigt, schloß Rainald mit Thoros und seinen Brüdern Frieden; und während die Armenier die wenigen verbliebenen byzantinischen Festungen in Kilikien angriffen, beschloß er einen Kriegszug gegen Zypern.
Rainald konnte jetzt Zypern angreifen und im Frühjahr landeten Thoros und er plötzlich auf der Insel.
1158
Der armenische Fürst Thoros befand sich nichtsahnend in Tarsos, als an einem Tag Ende Oktober ein lateinischer Pilger, den er bei sich zu Gast gehabt, plötzlich an den Hof zurückgeeilt kam, um ihm mitzuteilen, daß er kaiserliche Truppen nur einen Tagesmarsch entfernt erblickt habe. Thoros raffte seine Familie, seine vertrautesten Freunde und seinen Geldschatz zusammen und floh unverzüglich ins Gebirge. Binnen zweier Wochen waren alle kilikischen Städte bis nach Anazarbos in Manuels Macht. Aber Thoros selbst entzog sich ihm noch immer.
Während sie ihre Bündnispläne besprachen, gelang es Balduin, für Thoros Begnadigung zu erwirken; Thoros mußte sich der gleichen Prozedur unterziehen wie Rainald, und es wurde ihm erlaubt, sein Gebiet zu behalten.
Gegen Ende des Jahres 1162 kam es in Kilikine zu Unruhen, als Thoros' Bruder Stephan auf dem Weg zu einem vom kaiserlichen Statthalter Andronikos veranstalteten Festmahl ermordet wurde. Thoros, der seine eigenen Gründe hatte, warum ihm die Beseitigung Stephans wünschenswert war, beschuldigte Andronikos der Mittäterschaft und jagte hinab nach Mamistra, Amazarbos und Vahka, wo er die griechischen Bsatzungen überrumpelte und umbrachte. Der Feldherr Koloman rückte mit verstärkten Streitkräften in Kilikien ein; und Thoros zog sich unter Entschuldigungen wieder in die Berge zurück.
1164
Die beiden Heere stießen am 10. August 1164 bei Artah aufeinander. Bohemund schlug eine Warnung Thoros in den Wind und griff unverzüglich an; und als die Muselmanen Flucht vortäuschten, setzte er ihn Hals über Kopf nach. Thoros und sein Bruder Mleh, die vorsichtiger gewesen waren, entkamen vom Schlachtfeld. Das übrige christliche Heer wurde gefangengenommen oder erschlagen.
In Antiochia trat er in Verhandlungen mit Nur ed-Din, der sich bereit fand, Bohemund und Thoros gegen hoghes Lösegeld freizulassen, aber nur, weil sie Vasallen des Kaisers waren.
1169
Der armenische Fürst Thoros starb im Jahre 1168 und ließ unter der Regentschaft eines fränkischen Herrn namens Thomas, dessen Mutter Thoros' Schwester gewesen, ein Kind, Ruben II., als seinen Nachfolger zurück. Aber Thoros' Bruder Mleh machte ihm die Erbfolge streitig. Er hatte irgendwann einmal das Gelübde als Tempelritter abgelegt, war aber dann, nachdem er sich mit Thoros überworfen und ihn zu ermorden versucht hatte, zu Nur ed-Din geflohen und Mohammedaner geworden. Zu Beginn des Jahers 1170 lieh Nur ed-Din ihm Truppen, mit deren Hilfe es ihm gelang, nicht nur seinen Neffen zu stürzen, sondern auch in die kilikische Eben einzufallen und Mamistra, Adana und Tarsos ihren griechischen Garnisionen zu entreißen.
 
 
 
 

Literatur:
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Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 106 -
Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 518-519,601,636,651,652-653,656-658,661,668-669,673-674,675,681,692-693 -