Rethel
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 763
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Rethel
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Grafschaft und Stadt in der nördlichen Champagne

Die an der Grenze zwischen Königreich Frankreich und Imperium entstandene Grafschaft bildete sich durch Abspaltung von den karolingischen Grafschaften Porcien, Castrice und Mouzonnais (Mouzon). Am Anfang stand die von Erzbischof Fulco von Reims am Ende des 9. Jh. errichtete Burg Omont, die der Sicherung der Domäne von Vendresse diente und die um die Mitte des 10. Jh. von Erzbischof Artaldus an dessen Bruder Dodo übertragen wurde. Dodos Nachkommen gaben Omont auf, um sich auf einer anderen Domäne der Kirche von Reims zu installieren, dem im Tal der Aisne gelegenen Rethel (vor 1026). Mit den anderen großen Familien der Region (Roucy, Porcien, Verdun) eng verbunden, dehnten die Grafen von Rethel ihre Besitzungen aus, im Norden bis Mezieres und in das obere Tal der Aisne, im Süden, entlang den Argonnen bis St-Menehould, das sie schließlich an die Grafen von Champagne abtraten. Das erste Grafenhaus erlosch 1124 mit Gervasius (1106 zum Erzbischof von Reims) gewählt), dem Bruder von Balduin II., König von Jerusalem, und von Mathilde, die die Grafschaft ihrem Gatten Odo (Eudes), Kastellan von Vitry-en-Perthois, in die Ehe brachte.
Das zweite Grafenhaus geht zurück auf Itier (Gunther), den Sohn von Mathilde und Odo, und seine Gemahlin Beatrix von Namur. Die Grafen von Rethel traten 1179, gemeinsam mit den Grafen von Roucy, Braine und Porcien, in die Vasallität des Grafen von Champagne ein, blieben jedoch Aftervasallen der Erzbischöfe von Reims. Nach dem Tode Hugos IV. (1290) übertrug seine Tochter Johanna das gesamte Erbe ihrem Gemahl Ludwig von Nevers, dessen gleichnamiger Sohn 1322-1346 Graf von Flandern war (Ludwig II. von Nevers). Über Margarete von Flandern (1350-1405) kam Rethel mit den anderen Besitzungen des Hauses FLANDERN 1369 an ihren 2. Gemahl Philipp den Kühnen und seine Nachkommen.