Raimund VII.                                 Graf von Toulouse (1222-1249)
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 7.1197-27.9.1249
             Milhaud
 

Einziger Sohn des Grafen Raimund VI. von Toulouse aus seiner 4. Ehe mit der Johanna von England, Tochter von König Heinrich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 412
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Raimund VII., Graf von Toulouse 1222-1249
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     + 27. September 1249
      Millau

Sohn von Raimund VI. von Toulouse und Johanna, Tochter Heinrichs II. Plantagenet

Schon frühzeitig an der Seite seines Vaters in den Albingenserkreuzzug verstrickt, begleitete er Raimund VI. auf das IV. Laterankonzil, wo er persönlich mit Innozenz III. zusammentraf und durch Vermittlung des Papstes seine provenzalischen Lehen behalten durfte. In der Folgezeit nahm er als Befehlshaber der Truppen seines Vaters systematisch und erfolgreich die Eroberung der Grafschaft in Angriff. Nach seinem Regierungsbeginn (1222) sah er sich jedoch konfrontiert mit dem Kreuzzugsunternehmen Ludwigs VIII., der den Großteil seiner Territorien besetzte, bald darauf aber verstarb (1226). Raimund VII. schloß nach weiteren Kriegsjahren schließlich mit der französischen Regentin Blanca von Kastilien Frieden, den er am 12. April 1229 zu Notre-Dame in Paris beschwor (Meaux-Paris, Frieden von). Er behielt nur seine alten und angestammten Territorien (Grafschaft Toulouse, Agenais, Rouergue, Teile des Albigeois und Quercy) und stimmte der Heirat seiner Erb-Tochter Johanna mit Alfons von Poitiers, dem Bruder König Ludwigs IX., zu. Diese Heirat bereitete den Übergang der Grafschaft Toulouse an die Krondomäne vor. 1242 schloß er mit dem König von England und anderen Großen eine Liga gegen Ludwig IX. von Frankreich, wurde besiegt und mußte sich unterwerfen. In seinen letzten Jahren geriet er in Konflikt mit den Repräsentanten der Stadt Toulouse, die auf der anläßlich seines Regierungsantrittes festgelegten Nichteinmischung des Grafen in die Konsulwahl beharrten. Er mußte im Januar 1248 schließlich das alleinige Recht der Kommune zur Einsetzung der Konsuln anerkennen. Sein Tod hinderte ihn an der geplanten Teilnahme am Kreuzzug Ludwigs des Heiligen. Mit Raimund VII. erlosch die große Grafendynastie, die Toulouse über vier Jahrhunderte regiert hatte, im Mannesstamm.



Thiele, Andreas: Tafel 131
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

RAIMUND VII.
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* 1197, + 1249

Raimund VII. folgte 1222 als Graf von Toulouse und mußte im Frieden von Paris 1229 alle Eroberungen zurückgeben und die volle französische Hoheit anerkennen. Er behielt die Stammgebiete Toulouse, Agen, Albi und Querzy und mußte sich außerdem verpflichten, jede Häresie zu verfolgen. Er begründete die Universität von Toulouse als bedeutendes geistiges Zentrum und befehdete als kaiserlich-staufischer Parteigänger die päpstlichen Anhänger Savoyen und Provence. Raimund VII. gewann während der Minderjährigkeit König Ludwigs IX. den alten Machtbereich zurück, mußte sich aber 1243 endgültig unterwerfen und alle Großmachtpläne aufgeben. Erst 1244 wurde die Burg Montsegur, der letzte "Häretiker"-Hort, erobert (? Wurzel für Wolfram von Eschenbachs Gralsburg "Montsalvasch"?). Raimund VII. schloß eine zweite Ehe, um eventuell durch einen Sohn den Schwiegersohn ausbooten zu können und mußte sich auf französischen Druck scheiden lassen. Er gab nur noch als französischer Statthalter eine tragische Figur ab.

 1211-1241
  oo SANCHA VON ARAGON, Tochter des Königs Alfons II.
              + wohl 1242

 1241-1245
  oo MARGARETE DE LUSIGNAN-DE-LA MARCHE
                  + 1288

Tochter des Grafen Hugo X. d'Angouleme-de la Marche
 
Halbschwester König Heinrichs III. von England



Wie sein Vater war er ein geschickter Befehlshaber, der alle Angriffe Amaurys von Montfort erfolgreich abwehrte. Nach vielen Mißerfolgen verzichtete Amaury auf seine Ansprüche und trat diese an Ludwig VIII. von Frankreich ab. Dieser eroberte 1226 große Teile der Grafschaft, starb aber noch im gleichen Jahr. Seine Witwe, Blanka von Kastilien, benutzte die Diplomatie anstelle der Waffen. Gleichzeitig mit dem Vertrag von Paris 1229, durch den ein Teil der Besitzungen Raimunds (mit den Städten Albi, Beaucaire, Carcossone und Narbonne) an die Krone kam, gab dieser seine Zustimmung zu der Heirat seiner Tochter Johanna mit dem Bruder des französischen Königs, Alfons von Poitiers. Außerdem mußte er sich verpflichten, jede Häresie zu verfolgen. Als bedeutendes geistliches Zentrum gründete Raimund die Universität von Toulouse und befehdete als kaiserlich-staufischer Parteigänger die päpstlichen Anhänger Savoyen und Provence. Während der Minderjährigkeit Ludwigs IX. gewann er den alten Machtbereich zurück, mußte sich aber 1243 endgültig unterwerfen und alle Großmachtpläne aufgeben. Er schloß eine 2. Ehe, um eventuell durch die Geburt eines Sohnes den Schwiegersohn ausbooten zu können, mußte sich auf französischen Druck hin scheiden lassen und blieb als französischer Statthalter nur noch eine tragische Figur.
 
 
 
 

    1211
  1. oo Sancha von Aragon, Tochter des Königs Alfons II.
 -  1241    - wohl 1242

    1241
  2. oo Margarete von Lusignan de la Marche, Tochter des Grafen Hugo X. der Braune
 -  1245        - 1288

        Halbschwester Heinrichs III. von England
 
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Johanna
  1220-25.8.1271

 1229
  oo Alfons Graf von Poitiers
  x  11.11.1220-21.8.1271
 
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 129,131,135,138,146 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 159,162 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996Seite 172,180,197 - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 27-29,31,32 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 59,87-88,95,109,112,130-131,134-135, 161,168,238,387,474,630,636,638,781 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 48,118,120,157,159,182, 187,199,213,216,229,231,265,282,290 - Stürner Wolfgang: Friedrich II. Teil 2 Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 Seite 169,267,283,330,368,461,481,520,523,525,549 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 131 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 131 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 241,245 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 218,222,307, 308,309, 310 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 45,292,333,405 -