Raimund VI.                                  Graf von Toulouse (1194-1222)
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27.10.1156-2.8.1222
 

Ältester Sohn des Grafen Raimund V. von Toulouse und der Konstanze von Frankreich, Tochter von König Ludwig VI.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 411
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Raimund VI., Graf von Toulouse 1194-1222
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* 1156, + 1222
Beaucaire

Ältester Sohn Raimunds V. und der ‚Königin‘ Konstanze, Schwester Ludwigs VII. von Frankreich, folgte 1184 seinem Vater nach.

Ohne Macht über Toulouse, das sich fünf Jahre vorher von der gräflichen Vorherrschaft befreit hatte, schloß Raimund VI. am Anfang seiner Regierung Frieden mit dem König von England, Richard Löwenherz, dessen Schwester Johanna er heiratete. Er schützte die ‚albigensischen‘ Häretiker und wurde nach der ihm zur Last gelegten Ermordung des päpstlichen Legaten Peter von Castelnau (1208) zum ersten Mal exkommuniziert. Eine Zeitlang tat er beim Kreuzzug mit, geriet aber bald in offene Gegnerschaft zum befehlshaber der Kreuzfahrer, Simon von Montfort. Nachdem der von ihm zu Hilfe gerufene König Peter II. von Aragon in der Schlacht von Muret (1213) gefallen war, lebte Raimund VI. eine Zeitlang als einfacher Privatmann in Toulouse, wurde 1215 vor das IV. Laterankonzil geladen, dort zum zweitenmal exkommuniziert und zugunsten Montforts seiner Bsitzungen für verlustig erklärt. Als er an der Spitze eines in Aragon angeworbenen Heeres nach Toulouse zurückehrte, bereiteten ihm die Bürger einen begeisterten Empfang (September 1217). Er bestand siegreich die Belagerung Montforts, der am 25. Juni 1218 vor Toulouse den Tod fand, und konnte trotz der Anstrengungen Amauris von Montfort einen Großteil seiner Territorien zurückgewinnen. Nach seinem Tode wurde ihm ein Begräbnis in geweihter Erde verweigert. - Fünfmal verheiratet; der Nachfolger Raimund VII. Eentstammte der 4. Ehe mit Johanna von England.



Brandenburg Erich: Tafel 18 Seite 37
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 412. RAIMUND VI., Graf von Toulouse 1194
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* 1156 27. X., + 1222 2. VIII.

Gemahlinnen:
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a) 1173
ERMESINDE, Tochter des Bernhard Pelet, Vicomte von Narbonne
           + 1175

b) 1175
BEATRIX, Tochter des Raimund Trencavel, Graf von Carcassonne (siehe XIV. 294.)
        +

verstoßen 1193

c) 1193
BOURGOGNE, Tochter Amalrichs I. von Lusignan, König von Zypern
           +

geschieden wegen Verwandtschaft 1196

d) 1196 X.
JOHANNA, Tochter König Heinrichs II. von England (siehe XIV. 120.)
          + 1199 24. IX.

e) ca. 1202
ELEONORE, Tochter König Alfons II. von Aragon (siehe XIV. 350.)
       +



Thiele, Andreas: Tafel 131
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

RAIMUND VI.
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* 1156, + 1222

Raimund VI. folgte 1194 seinem Vater und beendete als Verbündeter König Richard Löwenherz die englisch-aquitanische Hoheit. Er war Lehnsherr über Armagnac, Astarac, Agen und Lectoure und führte als Protektor der Albigenser ab 1209 erbitterte Kriege ("Kreuzzüge") gegen Frankreich/Kurie und wurde zum Schutz aragonesischer Vasall. In der Schlacht bei Muret 1213 fiel sein aragonesischer Lehnsherr und Schwager. Raimund VI. wurde vom päpstlichen Feldherrn Graf Simon II. de Montfort von Leicester verjagt und eroberte 1218 nach der Schlacht von Toulouse sein Land zurück. Er verlor aber die ehemals überragende, eigenständige Position des Hauses; das Land blutete aus und begann seine geistige, kulturelle Eigenart zu verlieren. Raimund VI. war eine markante, beeindruckende Persönlichkeit und starb gebannt.

 1172
  oo ERMESINDE PELET D'ALAIS, Tochter des Vicomte Bernhard de Narbonne
                + 1176

1172 Gräfin de Melgueil

 um 1177-1193
  oo BEATRIX DE CARCASSONNE, Tochter des Vicomte Raimund Trencavel
               +

 1193-1196
  oo BOURGOGNE VON JERUSALEM-CYPERN, Tochter des Königs Amalrich II. de Lusignan
               +

1196
  oo JOHANNA VON ENGLAND, Tochter des Königs Heinrich II. Plantagenet
                + 1199

 1203
  oo ELEONORE VON ARAGON, Tochter des Königs Alfons II.
               + II. 1226



Raimund VI. war über König Richard I. Löwenherz von England siegreich und erhielt von ihm als Unterpfand des Friedens die Hand seiner Schwester Johanna. Diese brachte ihm das Gebiet von Agen, an der Garonne gelegen, als Mitgift in die Ehe. Die Regierung Raimunds fiel in die Zeit der katharischen Irrlehre, gegen deren Ausbreitung Papst Innocenz III. einschritt. Die Ermordung des päpstlichen Legaten Pierre de Castelnau im Jahre 1208 wurde zum Anlaß für die bewaffnete Intervention des nordfranzösischen Adels, der schließlich die Grafschaft Toulouse besetzte. Trotz einer feierlichen Proklamation, mit der Raimund sein Bedauern bekundete, konnte er das Massaker von Beziers 1209 nicht verhindern. Er stellte sich jetzt auf die Seite der Katharer und ging zum Widerstand über. Die Niederlage von Muret 1213 und die Eroberung der Grafschaft Toulouse 1215 zwangen ihn, seinen ganzen Besitz dem Papst auszuliefern, der die Grafschaft sofort Simon II. von Montfort überschrieb. Simon machte sich jedoch so unbeliebt, dass die Bevölkerung sich 1217 erhob und Raimund im Triumph zurückholte. Simon von Montfort fiel 1218 bei der Belagerung von Toulouse. Graf Raimund VI. aber konnte seinem Sohn 1222 eine Grafschaft hinterlassen, die kaum Einbuße erlitten hatte.

Vones Ludwig: Seite 112,115
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"Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen."

Alfons II. konnte sich der Grafschaft Provence nur bemächtigen, indem er die Rechte seiner Cousine Dulcia, der Tochter Raimund Berengars III., beiseite schob. Da Dulcia unter dem Eindruck der Verweigerung Aragons mit Raimund VI., dem präsumptiven Erben der Grafschaft Toulouse, verlobt worden war, hätte der Erbfall rein rechtlich gesehen eigentlich zugunsten des Tolosaner Grafenhauses eintreten müssen, womit der angestrebte Aufbau einer okzitanischen Gesamtherrschaft über die französisch-burgundischen Grenzen hinweg in greifbare Nähe gerückt wäre. Dies war um so mehr der Fall, als sich der Graf von Toulouse sowohl auf Herrschaftsrechte in Saint-Gilles als auch auf die mächtigen, eigene Rechte verfechtenden Herren von Les Baux stützen konnte. Darüber hinaus hatte er durch die Eheschließung mit der nunmehrigen Grafen-Witwe Richeza die Beziehungen zu den STAUFERN erneut gefestigt und sich dafür sogar 1165/66 von seiner bisherigen Gemahlin Konstanze, der Schwester des französischen Königs Ludwig VII., getrennt.
Im Gegenzug verheiratete der aragonesische König seine Schwester Eleonore 1202 mit Graf Raimund VI. von Toulouse, der sich ebenso wie der Vizegraf von Beziers-Carcassonne zum Schutzherrn der als Ketzer der verfolgten Albigenser aufgeschwungen hatte.
 
 
 
 

    1172
  1. oo Ermensinde Pelet d'Alais, Tochter des Grafen Bernhard von Narbonne
                   -   1176

        1172 Gräfin von Melgueil

    1177
  2. oo Beatrix von Carcassonne, Tochter des Grafen Raimund Trencavel
                  -   1193

    1193-1196
  3. oo Bourgogne von Jerusalem-Zypern, Tochter des Königs Amalrich II.
                   -

    1196
  4. oo 2. Johanna von England, Tochter des Königs Heinrich II.
              10.1164-24.9.1199

    1200
  5. oo N.N. Komnena von Zypern, Tochter des Kaisers Isaak
 -  1203        - nach 1207

    1203
  6. oo Eleonore von Aragon, Tochter des Königs Alfon II.
           um 1175/80- nach 24.2.1226
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Konstanze
  um 1178- nach 12.5.1260

    1195
  1. oo Sancho VII. König von Navarra
 - 1200 1154-7.4.1234
 

  2. oo Pierre Bermond VI. Graf d'Anduze
                 -   1215

  India
         -

  1. oo Gilbert Vicomte de Lautrec
                 -

    1226
  2. oo Bernhard de l'Ile-Jourdain
                   -

4. Ehe

  Raimund VII.
   7.1197-27.9.1249

  Bertram
         -

  Wilhelmine
          -

  oo Baral von Baux
              -
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 87,103,112 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 18 Seite 37 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 127 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 155 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 166,172,174 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 108,291,326 - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 27-29 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 44,87 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 188 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 47,118,212,229 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 131 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 112,115,117 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 293,361,366, 421,448 -