Raimund V.                                    Graf von Toulouse (1148-1194)
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1134-   1194
 

Sohn des Grafen Alfons I. Jordan von Toulouse und der Faydiva von Uzes, Tochter von Graf Raimund
 

Thiele, Andreas: Tafel 131
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

RAIMUND V.
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* 1156, + 1194

Raimund V. geriet in schroffem Gegensatz zu Heinrich II. von England, der als Herzog von Aquitanien Toulouse forderte und es 1159 belagerte. Er wurde vom französischen König gerettet, der sich ins belagerte Toulouse begab und Heinrich II. zum Abzug bewegte. Raimund erkannte eine formale englisch-aquitanische Hoheit an, gab die kastilische auf, stritt viel mit Savoyen, Provence und Oranien um Besitz- und Rechtsfragen im Arelat, wurde zeitweise exkommuniziert, da er als STAUFER-Stütze die kaiserlichen Gegen-Päpste anerkannte und der Protektor der beginnenden Albigenser-Bewegung wurde. Er war eine strahlende ritterliche Erscheinung; seine Regierung markierte einen Machthöhepunkt des Hauses.

 1154-1165
  oo KONSTANZE VON FRANKREICH, Tochter König Ludwigs VI.
               + 1176



Gillingham John: Seite 36,50,62,82,101,108,121,147,240
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"Richard Löwenherz. Eine Biographie."

Hinter der Absprache mit Aragon verbarg sich Heinrichs Plan, einen Feldzug gegen den Grafen Raimund V. von Toulouse zu führen, und da der reiche und mächtige Raimund-Berengar bereits mit Toulouse in Streit lag, war er ein natürlicher und tatkräftiger Verbündeter. Als Eleonores Gemahl hatte Heinrich II. den alten Anspruch der Herzöge von Aquitanien auf die Herrschaft über Toulouse üernommen. Eleonores Großvater, Wilhelm IX. von Aquitanien, hatte Philippa, das einzige Kind des Grafen Wilhelm IV. von Toulouse, geheiratet. Philippa wurde von ihrem Onkel, dem jüngeren Bruder Wilhelms IV., verdrängt, aber in den Augen ihrer Nachfahren war sie die legitime Gräfin von Toulouse, und sie zogen mehrfach in den Krieg, um diesen Anspruch erneut geltend zu machen. Finanziell und strategisch hatte somit der Anspruch seiner Gemahlin für Heinrich politisch sehr wohl einen Sinn, aber natürlich ließ der gegenwärtige Graf von Toulouse sich nicht ohne Kampf enteignen. Als Gatte der Schwester Ludwigs VII., Konstanze, konnte Raimund von Toulouse mit Hilfe seines Schwagers rechnen. Die massive, im Sommer 1159 aufbrechende Expedition war die größte militärische Anstrengung, die Heinrich II. jemals unternahm. Obwohl sein Hauptziel, den Grafen von Toulouse zur Unterwerfung zu zwingen, fehlschlug, gelang es ihm, Cahors und die Quercy einzunehmen.
In Grandmont traf Heinrich II. seinen alten Feind Raimund V. von Toulouse, der sich vor kurzem von seiner Gattin, der Schwester Ludwigs VII., hatte scheiden lassen und verständlicherweise neue Freunde benötigte, wenn er dem capetingischen Verdruß mit Gleichmut begegnen wollte. Möglicherweis bot Graf Raimund an Heinrich zu huldigen und Toulouse als ein Lehen des Herzogtums Aquitanien zu behalten.
Im Februar 1173 traf König Heinrich mit Humbert von Maurienne in Montferrat in der Auvergne zusammen, um die Einzelheiten der Verlobung endgültig festzulegen. Der Anlaß wurde sogar noch prächtiger gestaltet durch die Anwesenheit König Alfons II. von Aragon und des Grafen Raimund V. von Toulouse, die ihn gebeten hatten, als Schiedsrichter ihren seit langem bestehenden Streit zu schlichten. Heinrich lud die streitenden Parteien wie auch den König von Navarra an seinen Hof ein, den er Ende des Monats in Limoges abzuhalten plante, um der Welt zu zeigen, wie viele Fürsten es der Mühe wert fanden, sich dort vor ihm zu verneigen. Am 25. Februar 1173 kniete Graf Raimund im Kreise der Fürsten nieder und huldigte für seine Grafschaft Toulouse zuerst Heinrich II., dann seinem ältesten Sohn Heinrich und zuletzt Richard. Die Zeremonie schien dazu bestimmt, den Triumph der vereinigten angevinischen Familie über den alten Feind von Toulouse auszudrücken.
In den letzten zwei Jahren hatte sich Alfons’ II. Expansionsdrang deutlich verstärkt. Nach langem Kampf hatte Raimund V. von Toulouse 1176 schließlich auf alle seine Rechte über die Provence verzichtet und 1177 hatte Alfons den Roussillon übernommen.
Auf der Seite des jungen Königs standen Hugo, Herzog von Burgund, und Raimund, Graf von Toulouse. Für Raimund, dessen Grafschaft seit 1173 als ein Lehen von Aquitanien gehalten worden war, bot die Ersetzung Richards durch seinen älteren Bruder die Aussicht auf  Befreiung von bitter empfundener Unterordnung. Andererseits schlug sich Raimunds Rivale in dem großen Kampf um die Provence, Alfons II. von Aragon, auf Richards Seite. Alles in allem genommen jedoch sieht es aus, als ob gegen Mai 1184 Heinrich II. und Richard die Kontrolle zu verlieren drohten. Doch bereits am 11. Juni starb Heinrich in Martel. Sobald Hugo von Burgund und Raimund von Toulouse von des jungen HeinrichTod hörten, kehrten sie nach Hause zurück.
Es fand sich sogar eine erhebliche Rechtfertigung für den Krieg. Graf Raimund V. hatte 1183 den jungen König Heinrich unterstützt, und zu Anfang des folgenden Jahres hatte sein Sohn Raimund VI. Banden von Söldnern auf dem Limousin gehetzt. Sie hatten Peyrat-le-Chateau geplündert und das umliegende Land östlich von Limoges verwüstet, wobei sei möglicherweise im heimlichen Einverständnis mit Vicomte Aimar handelten. Aber es ist wahrscheinlich, dass im Zeitraum von 1183 bis 1185 die Grafen von Toulouse viel von dem Gebiet, das sie 1159 verloren hatten, zurückgewannen, vor allem Cahors und die Quercy. Richards Gegenangriff von 1186 scheint sehr wirksam gewesen zu sein. Graf Raimund wagte es nicht, sich auf eine offene Feldschlacht mit Richards Streitmacht einzulassen, noch fanden die dringenden Bitten um Hilfe, die er an denKönig Philipp richtete, irgendeinen Widerhall.
Kaum war diese Revolte niedergeschlagen, wurde Richard in eine neue Fehde mit Graf Raimund von Toulouse hineingezogen. Die beiden hatten seit 1183 ständig auf Kriegsfuß gestanden, und in den letzten Monaten, als Zwischenfall auf Zwischenfall folgte, hatte die Spannung einen neuen Gipfel erreicht. Raimund wurde beschuldigt, aquitanische Kaufleute, als sie seine Ländereien durchquerten, gefangengenommen und dann entweder eingekerkert, geblendet oder getötet zu haben. Im Verlauf eines von Richards Vergeltungsüberfällen nahm er einen wichtigen Mann gefangen, Peter Seillan, einen der engsten Berater des Grafen von Toulouse. König Philipp reiste in einem Versuch, Frieden zu stiften, in den Süden, aber angesichts derartiger Halsstarrigkeit auf beiden Seiten war auch er hilflos.
Innerhalb eines kurzen Zeitraumes hatte Richard nicht weniger als siebzehn Burgen erobert und hatte mit in Cahors und Moissac stationierten Garnisionen die Quercy fest unter Kontrolle. Als sein Heer unter den Mauern von Toulouse auftauchte, ergriff die Stadt die Gelegenheit, sich von der gräflichen Autorität zu emanzipieren. Raimund, dessen Machtstellung im westlichen Toulouse zerbröckelte, appellierte wieder an seinen Lehnsherrn, König Philipp, um Hilfe, und diesmal wurde sein Appell gehört. Mit dem Argument, dass Richards Angriff auf Toulouse einen Bruch des Waffenstillstandes von 1187 darstelle, fiel Philipp zum zweitenmal in zwölf Monaten in Berry ein.
Angesichts der schmählichen Niederlage, welche er vor kurzem Raimund von Toulouse beigebracht hatte, konnte er kaum erwarten, dass die südöstliche Grenze von Aquitanien lange friedlich bleiben würde, nachdem er zum Kreuzzug aufgebrochen war. Richard erneuerte die Allianz mit Alfons II. von Aragon und stimmte einer Heirat mit der Tochter von dessen Verbündeten, Berengaria von Navarra, zu.
Hinter der Revolte steckten nicht bloß die Intrigen König Philipps, sondern auch das natürliche Bedürfnis des Grafen von Toulouse, die Ländereien zurückzuerobern, die er 1188 verloren hatte. Nun erwies sich aber die durch Richards Heirat mit Berengaria gefestigte Allianz mit Navarra ihren Wert. Berengarias Bruder, Sancho von Navarra, führte eine große Streitmacht von Rittern zum Beistand des Seneschalls herbei, und zusammen trugen sie den Krieg in de Gebiete des Grafen Raimund und bis unter die Mauern von Toulouse.

Vones Ludwig: Seite 112
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"Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen."

Alfons II. konnte sich der Grafschaft Provence nur bemächtigen, indem er die Rechte seiner Cousine Dulcia, der Tochter Raimund Berengars III., beiseite schob. Da Dulcia unter dem Eindruck der Verweigerung Aragons mit Raimund VI., dem präsumptiven Erben der Grafschaft Toulouse, verlobt worden war, hätte der Erbfall rein rechtlich gesehen eigentlich zugunsten des Tolosaner Grafenhauses eintreten müssen, womit der angestrebte Aufbau einer okzitanischen Gesamtherrschaft über die französisch-burgundischen Grenzen hinweg in greifbare Nähe gerückt wäre. Dies war um so mehr der Fall, als sich der Graf von Toulouse sowohl auf Herrschaftsrechte in Saint-Gilles als auch auf die mächtigen, eigene Rechte verfechtenden Herren von Les Baux stützen konnte. Darüber hinaus hatte er durch die Eheschließung mit der nunmehrigen Grafen-Witwe Richeza die Beziehungen zu den STAUFERN erneut gefestigt und sich dafür sogar 1165/66 von seiner bisherigen Gemahlin Konstanze, der Schwester des französischen Königs Ludwig VII., getrennt.
 
 
 
 

 1154
  oo 2. Konstanze von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig VI.
- 1165 um 1124-   1176
 
 
 
 

Kinder:

  Alberich Taillefer Dauphin von Viennois
         -   1183

  oo Beatrix von Vienne-Albon, Erbin von Viennois
       1160/62-16.12.1228

  Adelheid
          - nach 1199

  oo Roger II. Vicomte de Beziers und Carcassonne
               -20.3.1194

  Balduin
  1165-   1212 ermordet

  Raimund VI.
  27.10.1156-2.8.1222
 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 Seite 67,70,72,160,293,294,314,319,332,333,336,337 - Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 34,36,41,49,54,57,68,78 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 139 - Gillingham John: Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf 1981 Seite 36,50,62,66,82,101,108,121,126,147,240,258 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 131 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 113 -