Elvira von Kastilien                       Gräfin von Tripolis
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um 1080- nach 1151
 

Illegitime Tochter des Königs Alfons VI. von Kastilien
 

Thiele, Andreas: Tafel 156
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

ELVIRA (unehelich)
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 1094
  oo RAIMUND IV. Graf von Toulouse
               + 1105



Runciman, Steven: Seite 153-154,306,347,369,372,375
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Graf Raimund IV. von Toulouse war zu jener Zeit bereits ein Mann reifen Alters, der sich wahrscheinlich den Sechzig näherte. Die Grafschaft seiner Vorväter war einer der reichsten Frankreichs, und er hatte jüngst noch das ebenso reiche Marquisat der Provence hinzugeerbt. Durch seine Ehe mit der Prinzessin Elvira von Kastilien war er mit den spanischen Königshäusern verbunden. Er gelobte feierlich seine restlichen Tage im Heiligen Land zu verbringen; doch ist es möglich, daß er das Gelübde mit gewissen Vorbehalten ablegte; denn er übergab zwar seine Länder in Frankreich der Verwaltung seines natürlichen Sohnes Bertrand, sah jedoch sorgfältig davon ab, sich seiner Rechte zu veräußern. Seine Gemahlin und sein ehelicher Sohn Alfons sollten ihn begleiten.
Raimund nahm die Einladung an und schiffte sich Anfang Juni nach Konstantinopel ein. Bei Zypern traf er auf das venezianische Geschwader, das sich auf dem Weg nach Jaffa befand, und langte gegen Ende des Monats in der kaiserlichen Hauptstadt an. Seine Gemahlin Elvira von Kastilien, die ihm auf allen seinen Zügen zur Seite gewesen, blieb mit den Überresten der Heere von Toulouse und der Provence unter dem Schutz der byzantinischen Behörden in Latakia zurück.
Raimund zog nach seiner Freilassung durch Tankred (1101) gen Süden, um Tortosa anzugreifen. Als er an Latakia vorbeizog, erteilte er seinem Eid gemäß seinen Truppen und seiner Gemahlin Befehl, die Stadt zu räumen und sich ihm anzuschließen.
Am 28. Februar 1105 starb Raimund auf dem Pilgersberg. Die tapferen Abenteuer seiner späteren Jahre hatten seinen Ruhm vollauf wiederhergestellt. Sein Tod warf sowohl in Toulouse als auch im Libanon das Problem der Erbfolge auf. Raimund hatte Toulouse unter der Herrschaft seines ältesten Sohnes Bertrand zurückgelassen. Aber Bertrands Erbrecht auf die Grafschaft wurde angezweifelt, wahrscheinlich weil er ein Bastard war. Raimunds Kinder aus seiner Ehe mit der Gräfin Elvira waren sämtlich gestorben, mit Ausnahme eines kleinen Knaben, Alfonso-Jordan, der erst wenige Monate zuvor auf der Burg Pilgersberg zur Welt gekommen war. Es war klar, daß ein Wickelkind unmöglich die Regierung eines unsicheren und wackeligen Militärstaates im Libanon übernehmen konnte; andererseits war die Existenz dieses Kindes in Toulouse noch nicht einmal bekannt. Bertrand fuhr fort, die europäischen Länder seines Vaters zu regieren, während im Osten Raimunds Soldaten, wahrscheinlich gemäß Raimunds eigenen letzten Wünschen, seinen Vetter Wilhelm-Jordan, den Grafen von Cerdagne, zu seinem Nachfolger wählten. Er betrachtete sich als Regenten namens seines kleinen Vetters und sah davon ab, irgendeinen Titel aus seinen östlichen Gebieten anzunehmen. Dennoch konnte sich, solange Alfonso-Jordan lebte, weder Wilhelm-Jordan noch Bertrand in ihrer Regierung sicher fühlen.
Die Barone von Toulouse hatten sich bei Raimunds Tod mit Bertrand als seinem Nachfolger einverstanden erklärt, da er bereits seit nahezu 10 Jahren regierte und sie nicht wußten, daß Raimund einen ehelichen Sohn hinterlassen hatte. Aber als sie von der Existenz des jungen Alfonso-Jordan erfuhren, schickten sie Abgesandte nach dem Osten und ersuchten ihn, sein rechtmäßiges Erbe in Besitz zu nehmen. Der Gräfin Elvira kann man keinen Vorwurf machen, daß sie für ihren Sohn den reichen Ländern S-Frankreichs vor der unsicheren Herrschaft im Osten den Vorzug gab. Sie traf im Laufe des Jahres 1108 mit ihm in Toulouse ein. Ihr Kommen nötigte Bertrand, seine Zukunft zu bedenken. Wahrscherinlich wurde eine Familienübereinkunft getroffen, wonach Bertrand alle Ansprüche auf die Länder seines Vaters in Europa, die er möglicherweise besaß, aufgab, und Alfonso-Jordan, um ihn ein für allemal aus Toulouse loszuwerden, zu seinen Gunsten auf sein Erbe im Libanon verzichtete. Bertrand zog im Sommer 1108 mit einem Heer von 40.000 Mann und einer Flotte von 40 Galeeren nach Osten.

Vones Ludwig: Seite 88
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"Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen."

Darüber hinaus gab Alfons VI. eine weitere illegitime Tochter Elvira dem Grafen Raimund IV. von Saint-Gilles zur Gemahlin, wodurch das Grafenhaus von TOULOUSE in der Gestalt des aus dieser Verbindung hervorgegangenen Grafen Alphonse-Jourdain (+ 1148) ebenfalls verwandtschaftlich an Kastilien-Leon gebudnen wurde.
 
 
 
 

 1094
  oo 3. Raimund I. von Saint-Gilles Graf von Tripolis
           um 1042-28.2.1105
 
 
 
 

Kinder:
 

  Alfons I. Jordan
  1102-   1148
 
 
 
 

Literatur:
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Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 46 -
Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 153-154,306,347,369,372,375 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 156 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 88 -