Robert                                              Lateinischer Kaiser von Konstantinopel (1219-1228)
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um 1195 Januar 1228
                  Clarenza
 

2. Sohn des Lateinischen Kaisers Peter de Coutenay und der Jolanthe von Flandern, Tochter von Graf Balduin VIII.
 

Thiele, Andreas: Tafel 208
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ROBERT DE COURTENAY
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* um 1201, 1228

1218 Kaiser von Byzanz

Robert de Courtenay wurde 1218 Kaiser von Byzanz. Der kleinasiatische Besitz ging weitgehend an Nikäa verloren, mit dem er 1221 Frieden schloß. Bulgarien gewann Adrianopel dazu. Robert ging nach West-Europa, um Hilfe zu finden und blieb ohne Erfolg. Er starb auf dem Rückweg in Achaia.

 1222 verlobt
  oo SOFIE-EUDOKIA VON NIKÄA, Tochter des Kaisers Theodor I. Laskaris aus dessen 1. Ehe
             
 
Sie war verschleppt worden vom Onkel (vgl. Byzanz VII)

 1228
  oo N.N. DE NEUFVILLE, Tochter des Seigneur Balduin
              


Mayer Hans Eberhard: Seite 183
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Nach der Gefangennahme Peters von Courtenay fiel die Krone nach einer kurzen Regierung seiner Gemahlin Jolanthe an seinen mittleren Sohn Robert, den ein Chronist als ungebildeten Pfuscher bezeichnete. Unter seiner Regierung ging das Königreich Thessalonike verloren. Er war 1222 mit Sophie-Eudokia von Nikäa verlobt, die von ihrem Onkel verschleppt worden war.

Norwich John Julius: Band III Seite 218-248
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Kaiserin Jolante war 1219 gestorben; ihr Sohn Robert, der ihr auf den Thron folgte, war ein schwacher, kraftloser Junge - ein glaubwürdiger Zeuge namens Aubrey von Trois-Fontaines beschreibt ihn als quasi rudis et idiota (unerfahren und stümperhaft) - und weder Theodor noch Johannes Asen oder Johannes Vatatzes (der inzwischen das Reich von Nikäa von seinem Schwiegervater Theodor I. Laskaris geerbt hatte) auch nur annähernd gewachsen.
Theodor I. Laskaris war ein fähiger Herrscher gewesen, der mehr geleistet hat, als man 1205 für möglich gehalten hätte. Er hinterließ keine Söhne, und die Wahl Johannes Vatatzes', des Mannes seiner älteren Tochter Irene, zum Nachfolger schien eine reine Formalität. Doch seine beiden noch lebenden Brüder waren nicht einverstanden; sie begaben sich sogleich nach Konstantinopel und überredeten den jungen Kaiser Robert, zu ihren Gunsten militärisch einzugreifen. Robert ließ sich in der ihm eigenen Dummheit darauf ein. Er erreichte nichts, als dass sein Heer von Vatatzes' Truppen bei Poimanenon aufgerieben wurde. Theodor I. Laskaris hatte dort etwa 20 Jahre zuvor eine ähnliche, wenn auch längst nicht so vernichtende Niederlage durch ein lateinisches Heer erlitten. Robert hatte sich noch nicht von diesem Schlag erholt, als ein paar Monate später die Nachricht von der Eroberung Thessalonikes eintraf. Das gab ihm den Rest. Fortan überließ er sich den Freuden des Lebens, machte sich unterschiedslos an griechische wie an fränkische Frauen heran, raubte, was in Kirchen und Klöstern an Schätzen noch übrig war, und versuchte kaum noch die Reste seines Reichs zu regieren. Schließlich ließ er sich von der Tochter eines französischen Ritters aus dem niederen Adel betören, der in der Schlacht von Adrianopel gefallen war. Die beiden heirateten heimlich, und sie zog im Blachernenpalast ein. Das ging nun aber seinen Gefolgsleuten entschieden zu weit. Eines Nachts stürmten sie ins kaiserliche Schlafgemach und schlitzten der armen Frau Nase und Lippen auf, so dass man sie kaum noch erkennen konnte. Dann ergriffen sie ihre Mutter und ertränkten sie. Charakteristischerweise unternahm Robert nichts dagegen, sondern floh sogleich nach Rom, wo er bei Papst Gregor IX. offiziell Beschwerde einlegte. Gregor zeigte wenig Verständnis, sondern legte ihm nahe, nach Konstantinopel zurückzukehren. Er kam jedoch nur bis Clarenza (Killini) in der Morea, wo er im Januar 1228 starb. Robert hinterließ keine legitimen Kinder.
 
 
 
 

 1227
  oo N.N. de Neufville, Tochter des Seigneur Balduins
             
 
 
 

Literatur:
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Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 186 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 183 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 218-248 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 208 -