Rainald                                             Fürst von Antiochia (1152-1161)
---------                                             Seigneur von Chatillon-sur-Loing
um 11255.7.1187 ermordet
 

Sohn des Seigneur Herve II. von Donzy und der Mathilde von Montmirail, Tochter vom Herrn Wilhelm Goeth IV.

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 416
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Rainald von Chatillon, Fürst von Antiochia, Herr von Transjordanien aus dem Hause DONZY
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*     , 7. Juli 1187
Chatillon-sur-Loing

Jüngerer Sohn von Herve II., Herrn von Donzy (Nievre)

Rainald kam 1147 in das Königreich Jerusalem, diente zunächst Balduin III. und danach Konstanze von Antiochia, die er 1153 heiratete. Er fiel 1156 gemeinsam mit Thoros II. von Kilikien in das reiche byzantinische Zypern ein. 1158 konnte er mit Unterstützung Balduins III. und Dietrichs von Elsaß, des Grafen von Flandern, die von den Muslimen eroberte Festung Harenc zurückgewinnen, sah sich aber angesichts eines byzantinischen Vergeltungsfeldzuges für seinen Angriff auf Zypern bald in die Vasallität des byzantinischen Kaisers gedrängt (1159). Von 1160 an verbrachte er 16 Jahre lang in muslimischer Gefangenschaft des Statthalters von Aleppo. 1176 freigelassen, ging er nach Jerusalem, da seine Gemahlin ( 1163) das Fürstentum dem Sohn aus ihrer 1. Ehe, Bohemund III., vererbt hatte. 1177 heiratet Rainald von Chatillon die Witwe des Herrn von Transjordanien, Stephania. Als Seigneur dieses Lehnsfürstentums des Königreiches Jerusalem kontrollierte Rainald (über die Festungen Kerak und Montreal) wichtige muslimische Handels- und Pilgerwege. Als er 1182 unter Bruch des Wafenstillstandes von 1180 eine muslimische Karawane überfiel und die von Saladin geforderte Wiedergutmachung verweigerte, kam es erneut zum offenen Krieg, den Rainald im Roten Meer mit fünf schnellen Galeeren führte. 1186 war Rainald von Chatillon an der Absicherung der Krönung von Sibylle, der Schwester Balduins IV. von Jerusalem, und ihres Mannes Guido von Lusignan beteiligt. Rainalds hinterhältiger Überfall auf eine große muslimische Karawane an der Route von Damaskus nach Ägypten lieferte Anfang 1187 Saladin den willkommenen Casus belli. Der Krieg führte rasch zur vernichtenden fränkischen Niederlage bei Hattin (4. Juli 1187). Der gefangene Rainald von Chatillon wurde Saladin vorgeführt, der ihn, als Rainald den geforderten Übertritt zum Islam verweigerte, mit eigener Hand enthauptete. Saladin sah sich nach eigenem Briefzeugnis bei diesem Tötungsakt als Diener Gottes, der ein Gelübde erfüllte. Im Abendland wurde Rainald als exemplarischer christlicher Ritter und Märtyrer gewürdigt, so vor allem bei Petrus von Blois ("Passio reginaldi" 1187).


Thiele, Andreas: Tafel 173
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

KONSTANZE, Fürstin von Antiochia
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* 1127,
1163

  2. oo 1152
            RAINALD DE CHATILLON-SUR-LOING
                  


Sohn des Seigneur Gottfried

Rainald von Chatillon war Herr zu Kerak, von Montroyal und Graf von Moab (Gebiet östlich des Toten Meeres)und galt als einer der übelsten und hemmungslosesten Fehdehähne der Kreuzzugszeit. Er wurde 1152-1163 auch Fürst von Antiochia und mußte 1158 nach Kriegen auch die byzantinische Lehenshoheit anerkennen. Er führte ständig brutale Plünderungsfeldzüge durch und kaperte auch im Roten Meer und im östlichen Mittelmeer. Er machte etliche Schlachten mit, wie 1153 die Schlacht bei Askalon, das damit gewonnen wurde und die 1177 bei Ramla. Er setzte zeitweise Saladins Schwester gefangen und geriet selbst 1161-1176 in islamische Gefangenschaft. Rainald brach jeden Waffenstillstand sofort wieder, wurde 1187 in der Schlacht bei Hittin gefangengenommen und von Saladin hingerichtet.


Rainald war ein tapferer, aber charakterloser französischer Ritter, welcher 1152 durch seine Vermählung mit der Fürstin Konstanze I. Fürst von Antiochia wurde. Er machte 1159 einen Raubzug nach der Insel Zypern, wurde aber vom byzantinischen Kaiser Manuel I. zum Abzug gezwungen. Im Jahre 1160 geriet er in die Gefangenschaft der Seldschuken und machte nach seiner Freilassung nach 16-jähriger Gefangenschaft verwegene Streifzüge bis nach Ägypten und Arabien, schlug einen Angriff Saladins auf die Burg Kerak (Petra) 1183 ab, fiel aber in der Schlacht bei Hittin am 5.7.1187 in die Gefangenschaft Saladins und wurde von diesem, der ihm den Tod geschworen hatte, mit eigener Hand niedergestoßen.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 104-107,117-119,122-124
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Während der Belagerung von Askalon hatte sich Konstanze von Antiochia ganz überraschend zu einer neuen Ehe entschlossen, wählte aber keinen der politisch irgendwie erwägenswerten Kandidaten, sondern Rainald von Chatillon, einen hübschen und tollkühnen Krieger, der aber von zügellosem Temperament, mittellos, ohne Anhang und politischen Weitblick war. Bis zu seinem Ende blieb er ein draufgängerischer Abenteurer, der die Tragweite und Folgen seiner Handlungen nie zu ermessen und abzuschätzen vermochte. Balduin III. war schlecht beraten, als er dieser Verbindung zustimmte, denn Rainald offenbarte sofort brutale Charakterzüge, als er nach seiner Hochzeit den Patriarchen von Antiochia verhaften ließ und ihn mit honigbestrichenem Kopf der syrischen Sonne und den Fliegen aussetzte. Auf energische Vorstellungen Balduins III. mußte Rainalds allerdings zurückstecken.
Rainald von Antiochia benutzte die durch die Krankheit Nur d-Dins entstandene Pause, um mit Unterstützung Balduins III. und des gerade anwesenden Grafen Dietrich von Flandern den Sarazenen die Festung Harim zu entreißen (Februar 1158), die Antiochia am Orontes nach Osten hin abschirmte.
Der Fürst von Antiochia versäumte nichts, um sich unbeliebt zu machen. Vor allem hatte er den byzantinischen Kaiser und auch König Balduin durch eine zusammen mit dem armenischen Fürsten Toros unternommene Expedition gegen die reiche byzantinische Insel Zypern ergrimmt (1156), wo die Antiochener drei Wochen lang eine einzige Orgie der Verwüstung, des Mordes und des Raubes inszenierten. Hier zeigte sich erstmals, dass in Rainald die ritterliche Beutegier über jede vernünftige Erwägung dominierte. Sein Verhalten veranlaßte den König von Jerusalem ein Jahr später zu einer engeren Anlehnung an Byzanz. Im Herbst 1158 brach Kaiser Manuel mit seinem Heer auf. Rainald wartete die Ankunft des ihm weit überlegenen Byzantiners gar nicht erst ab, sondern zog ihm gnadesuchend nach Mamistra in Kleinarmenien entgegen, warf sich barfuß und barhäuptig dem Kaiser zu Füßen und versprach, die Zitadelle von Antiochia zu übergeben und einen griechischen Patriarchen einzusetzen. Im Jahre 1161 geriet Rainald von Antiochia in die Gefangenschaft des Gouverneurs von Aleppo, wo er 16 Jahre lang bleiben mußte. Niemand bemühte sich um eine Auslösung.
Rainald wurde einer der Führer der anderen Partei, in der stärker auf Abenteuer und Besitzerwerb bedachte Neuankömmlinge dominierten. Er war 1176 endlich aus der Gefangenschaft entlassen worden, konnte aber nicht mehr nach Antiochia zurück, sondern erlangte durch eine geschickte Heirat die mächtige Herrschaft Oultrejourdain mit der starken Festung Kerak als Mittelpunkt. Dazu gelang ihm die Ausgliederung Hebrons aus der Krondomäne, als dessen erster Seigneur er 1177 erscheint. Dies verletzte die ungeschriebene Regel, dass ein Herr von Oultrejourdain keine anderen Seigneurien besitzen durfte und brüskierte daher um so mehr Humfred II. von Toron, der 1148 und 1149 mit der Übernahme der königlichen Kastellanie in Hebron die Voraussetzungen dafür geschaffen hatte, dass Hebron an ihn fallen werde, wenn es überhaupt zur Seigneurie erhoben werden sollte.
Rainald war 1180 der Hauptarrangeur der Verlobung seines Stiefsohnes Humfred IV. von Toron mit der Prinzessin Isabella von Jerusalem, Tochter des Königs Amalrich I. Nach der Thronbesteigung von Sibylle und Guido von Lusignan scheint Rainald von Chatillon weniger zufrieden gewesen sein. Im Frühjahr 1187 lieferte er dem Sultan Saladin den gewünschten Kriegsgrund, als er während des noch laufenden Waffenstillstandes eine sarazenische Karawane überfiel, die von Damaskus nach Ägypten wollte. Er hatte Saladin durch ähnlich unüberlegte Handlungen schon früher ergrimmt, als er ohne Rücksicht auf Frieden oder Krieg Pilgerzüge nach Mekka angriff und die Küste des Roten Meerews in einem aufsehenerregenden Beutezug plünderte. Saladin konnte die ständige Gefährdung des Hauptverbindungsweges zwischen Ägypten und Syrien in Transjordanien auf die Dauer nicht hinnehmn und erklärte den Krieg, als Rainald jede Wiedergutmachung verweigerte. Das Königtum war zu schwach, um den Herrn von Oultrejourdain Vernunft aufzuzwingen. Dass Rainald die Bitte des Königs abschlug, war nicht ganz ohne Vorbild, aber es war eine beispiellose Negierung der Krone, als er antworten ließ, er habe in Transjordanien keinen Waffenstillstand mit den Sarazenen und sei dort ebenso Herr des Landes wie der König bei sich. Es lief ja de facto auf eine Unabhängigkeitserklärung hinaus. Er wurde in der Schlacht bei Hattin gefangengenommen und von Sultan Saladin eigenhändig geköpft.
 
 
 
 

    1152
  1. oo 2. Konstanze I. von Antiochia, Tochter Bohemunds II.
               1128 1163/67

    1177
  2. oo 3. Stephanie von Milly, Erbtochter des Philipp
                    

         Erbin von Oultrejourdain
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Agnes (Anna)
  11541184

 1172
  oo 2. Bela III. König von Ungarn
           um 1148 23.4.1196

  Alix von Chatillon
        1235 nach 11.10.

22.4.1204
  oo Azzo VI. Markgraf d'Este
             18.11.1212
 
 
 
 

Literatur:            
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 129 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 150,154,158 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 238, 259,267,271,278 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 104-107,117-119,122-124 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 143, 148,153 - Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 168,174,176,195 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 650-759 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 173 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 112,114-117,244 -