Bohemund VI. der Schöne            Fürst von Antiochia (1252-1268)
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1237-11.5./7.1275
 

Einziger Sohn des Fürsten Bohemund V. von Antiochia aus seiner 2. Ehe mit der Lucienne de Cacammo-Segni, Tochter von Graf Paolo
 

Thiele, Andreas: Tafel 174
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BOEMUND VI., Fürst von Antiochien und Tripolis
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    + 1275

Bohemund VI. wurde Fürst von Antiochia und Tripolis, verlor nach und nach das ganze Fürstentum Antiochia und mußte 1268 auch die Stadt Antiochia aufgeben. Es blieb nur Tripolis, bestehend aus der Stadt und etwas Umland.

 1254
  oo Sibylle von Armenien, Tochter des Königs Hethum und der Zabel I.
             + 1290



Mayer, Hans Eberhard: Seite 240-242,248
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Die Rechnung des Grafen von Jaffa ging nur insoweit auf, als Plaisance gemeinsam mit ihrem Bruder Bohemund VI. von Antiochia-Tripolis die Vasallen Jerusalems gegen Genua einte. In diese Kämpfe griffen auch die tripolitanischen Vasallen Bohemunds ein. Die Tatsache, daß Bohemund VI. die Haute Cour von Tripolis als Kampfort der Vasallen gegen fürstliche Willkür dadurch geschwächt zu haben scheint, daß er sie mit "Römern", das heißt landfremden Anhängern seiner Mutter Lucienne von Segni (aus einer Familie, die im 13. Jahrhundert drei Päpste stellte) durchsetzte, trieb die Vasallen noch 1258 in die offene Rebellion, die sie um 1260, weil die Haute Cour versagte, in einer paritätisch besetzten Zwölferkommission mit einem unparteiischen Vorsitzenden beilegten.
Jetzt aber heiratete Bohemund VI. von Antiochia-Tripolis Sibylle, die Tochter Hethums. Es ist nicht bekannt, ob damit auch ein Lehnsverhältnis Bohemunds für Antiochia verbunden war, aber auf jeden Fall geriet Antiochia jetzt völlig ins Fahrwasser der kleinarmenischen Politik, ja praktisch regierte der König von Kleinarmenien auch Antiochia, dessen Fürst nur noch in Tripolis residierte.
Die Armenier halfen den Mongolen bei der Belagerung Aleppos, die Antiochener stießen vor Damaskus dazu. Bohemund konnte im Schatten der Mongolen die muslimische Enklave Latakia an der Küste erobern und damit erstmals seit 1187 wieder eine Landverbindung zwischen Antiochia und Tripolis herstellen. Er mußte sich freilich bequemen, einen mongolischen Residenten in Antiochia aufzunehmen und einen griechischen Patriarchen einzusetzen, was ihm die Exkommunikation Roms eintrug.

Pernoud Regine: Seite 192,198
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Als der junge Bohemund VI. von Antiochia mit dem Beinamen der Schöne zu Besuch nach Jaffa kam, erwies ihm König Ludwig IX. die Ehre, ihn zum Ritter zu schlagen, wie Joinville berichtet. Bohemund war beim Tod seines Vaters im Jahr 1251 14 Jahre alt, und seine Mutter Lucienne von Segni weigerte sich, ihn für volljährig zu erklären, obwohl das in diesem Alter bereits möglich wäre. Daß er zum Ritter geschlagen wurde, verlieh dem jungen Mann eine gewisse Autorität gegenüber seiner Mutter. Der König stellte ihm genügend Mittel zur Verfügung, um Antiochia zu befestigen. Seine Mutter Lucienne überließ künftig ihrem Sohn das Fürstentum Antiochia und erhielt auf Vorschlag des französischen Königs eine Apanage, mit der sie in Tripolis angemessen residieren konnte.
Bohemunds Vermählung mit Sibylle, der Tochter des armenischen Königs Hethum I., führte zu einem dauerhaften Bündnis zwischen Franken und Armeniern und setzte ihren ständigen Rivalitäten ein Ende. Dieses Bündnis kam wie gerufen, denn Hethum galt als starke Persönlichkeit.
Der Heilige Ludwig hatte die Position Bohemunds VI. des Schönen, Fürsten von Antiochia-Tripolis, gestärkt. Seine ältere Schwester Plaisance von Antiochia war mit König HeinrichI. von Zypern verheiratet gewesen, der kurz vor der Ankunft der Franzosen, im Jahr 1253, gestorben war. Er hinterließ einen nur wenige Monate alten Sohn, Hugo II. Besorgt über die Ausweitung des "Kriegs von St. Sabas", reiste Bohemund nach Akkon, um sich mit Plaisance und dem kleinen Hugo zu treffen und eine Versammlung der Notabeln einzuberufen. Hugo sollte zum Titular-König von Jerusalem ernannt werden und seine Mutter als Regentin von Zypern die Regentschaft über das Königreich Jerusalem übernehmen. Die Chronisten bezeichnen sie als "die tapferste Frau der Welt". Die meisten der Versammelten stimmten zu, mit Ausnahme der Genuesen und er Katalanen, denen sich die Hospitaliter anschlossen. Letztere setzten sich für Konradin ein, den Enkel der Königin Issabella II. von Jerusalem, Gemahlin FRIEDRICHS VON HOHENSTAUFEN.
Am Rande dieser Versammlung, die am 1. Februar 1257 stattfand, kam es übrigens auch zu einem Gespräch zwischen Bohemund und seiner Schwester über eine heikle Angelegenheit.Plaisance von Antiochia war bereits seit drei Jahren mit Balian von Ibelin verlobt, der sich mit 15 Jahren in sie verliebt hatte, aber die Kirche hatte gegen ihre Vermählung Einspruch wegen Blutsverwandtschaft erhoben. Bohemund gelang es, die beiden Liebenden zu bewegen, in die Trennung einzuwilligen, worauf es zu einer Entspannung in den Beziehungen zwischen den IBELINS und den Herren von Antiochia kam.
Der Kolonialkrieg zwischen Venezianern und Genuesen ging unterdessen unvermindert weiter. Eben jener Bohemund VI., der versucht hatte, zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln, wurde in Tripolis, als er durch das Stadttor ritt, von Bertrand von Gibelet angegriffen und mit einem Schwerthieb verwundet. Kurz darauf lauerten Getreue des Fürsten von Antiochia Bertrand auf, fielen über ihn her und töteten ihn; dann schnitten sie ihm das Haupt ab und brachten es Bohemund.
 
 
 
 

 1254
  oo Sibylle von Armenien, Tochter des Königs Hethum
             -   1290
 
 
 
 

Kinder:

  Bohemund VII.
  1262-19.10.1287
 

  Lucia Gräfin von Tripolis 1287/88
          -29.6.1299

  Maria
         -

  oo Nikolaus von Saint-Omer
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Literatur:
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Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 234,240 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 240-242,248 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 192, 198 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1055-1184 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 174 -