Bohemund III. der Stammler          Fürst von Antiochia (1163-1201)
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1144-20.3./1.4.1201
 

Einziger Sohn des Fürsten Raimund I. von Poitou und der Konstanze I. von Antiochia, Tochter von Fürst Bohemund II.
 
 

Thiele, Andreas: Tafel 173
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BOEMUND III. "DER STAMMLER de Poitou
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* um 1146,  + 1201

Sohn des Fürsten Raimund I. von Antiochien, Mutter ist Fürstin Konstanze d'Hauteville von Antiochien

Bohemund III. der Stammler folgte 1163 seiner Mutter und seinem Stiefvater als Fürst von Antiochia und war durch seine Schwester Xenia-Maria Schwager von Kaiser Manuel I. von Byzanz, durch seine Halbschwester Agnes von Bela III. König von Ungarn-Kroatien. Er geriet 1164 in der Schlacht bei Harem in Gefangenschaft und kam erst 1165 wieder frei. Er setzte danach die typischen Plünderungsfeldzüge und Fehden fort und gewann nach Erlöschen der Dynastie TOULOUSE 1187 die Grafschaft Tripolis dazu und erbte von seiner Mutter auch Latakia und Jabala. Bohemund III. stritt mit dem Patriarchen von Antiochia wegen Lehensfragen und Kompetenzen und auch wegen seiner unkirchlicher Ehen. Er ließ dabei sogar Kirchen und Klöster plündern und wurde zeitweise exkommuniziert. Er schüttelte nach dem Zusammenbruch der byzantinischen Großmacht 1176 die byzantinische Hoheit des Schwagers ab, geriet später in armenische Gefangenschaft und mußte Vasall von Armenien-Kilikien werden. Bohemund III. verlor 1188 bedeutende Gebiete an Saladin, unter anderem Latakia und viel Hinterland mit Harenc, Apamea und Alexandrette, geriet zuletzt gegen seinen Sohn und wurde ganz zurückgedrängt.

 um 1175-1180
  oo Theodora von Byzanz, Tochter des Sebastos Johannes Komnenos (geschieden)
              + nach 1180

 1181- um 1199
  oo Sibylle N. (geschieden)

 um 1199
  oo Isabella N.
             + um 1216

Insgesamt 7 Kinder.



Bohemund III. der Stammler war ein schwacher und unfähiger Regent. Seine Gemahlin Theodora verstieß er, um seine Buhlerin auf den Thron zu heben.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 107,110,111,119,122
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Nach der Gefangennahme Rainalds von Chatillon (1161) wandten sich die Barone wegen der Regelung der Nachfolge nicht an ihren neuen Oberherrn, Kaiser Manuel, sondern traten den Weg nach Jerusalem an, und Balduin III. setzte gegen die Ansprüche der Fürstin Konstanze den wieder zurückgekehrten Patriarchen Amalrich ein. Nach dem Tod seiner Gattin wählte Manuel für eine neue Ehe Maria von Antiochia, die Tochter Konstanzes, die sich bei Manuel über die Regelung der antiochenischen Frage beschwert hatte. Es kam allerdings erst 1163 zu einer Lösung der Regierungskrise, nachdem die Barone Konstanze aus der Stadt vertrieben und ihren Sohn BohemundIII. eingesetzt hatten.
Bei Artah schlug Nur ad-Din im August 1164 die verbündeten tripolitanisch-antiochenischen Truppen entscheidend und nahm Bohemund III. von Antiochia und Raimund III. von Tripolis gefangen, von denen der erste bald freikam. Bohemund III. hatte sich schon 1165 mit einer Nichte Kaiser Manuels vermählt und auch einen griech-schen Patriarchen in Antiochia eingesetzt.
Nach dem Aussterben der Dynastie TOULOUSE mit Raimund III. von Tripolis nach der Schlacht bei Hattin (1187), sollte dessen Patensohn Raimund von Antiochia, der älteste Sohn Bohemunds III., die Nachfolge antreten. Bohemund III. setzte aber seinen jüngsten Sohn Bohemund IV. in Tripolis ein. Zwischen Bohemund III. und seinem kleinarmenischen Vasallen Leo II. aus dem Hause der RUPENIDEN spitzte sich die Situation seit dem Fall Jerusalems, dessen Könige früher die Protektoren Antiochias gewesen waren, immer mehr zu, da sich Bohemund durch Leo bedroht fühlte. In der Tat ließ ihn dieser 1194 hinterlistig gefangennehmen, aber Leos Versuch, sich Antiochias zu bemächtigen, scheiterte am Widerstand der damals in der Stadt organisierten Kommune. Auf Bitten der Antiochener griff König Heinrich von Champagne ein, reiste 1194 nach Kleinarmenien und bewog Leo zur Freigabe Bohemunds. Dafür wurde Leo aus der antiochenischen Lehnshoheit entlassen. Bohemunds Sohn Raimund heiratete als Zeichen der Aussöhnung Leos Nichte Alice, starb aber bald, nachdem ihm ein Sohn Raimund Rupen geboren war. Durch den vorzeitigen Tod Raimunds war die Erbfolge in Antiochia völlig offen, und als dann noch Bohemund III. starb, brach ein erbitterter Krieg zwischen Kleinarmenien und Tripolis um die Thronfolge aus, der 15 Jahre dauen sollte.

Pernoud Regine: Seite 128-130
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Das Fürstentum Antiochia wurde damals - zum Zeitpunkt der Niederlage von Hattin bereits seit mehreren Jahren - wegen einer Frau von heftigen Stürmen heimgesucht. Fürst Bohemund III. mit dem Beinamen der Stotterer hatte sich von zwei Ehefrauen getrennt. Eine davon hieß Orguillosa und war die Tochter des Herrn von Harenc; die zweite soll eine byzantinische Prinzessin namens Theodora Komnena gewesen sein. Um 1183 hatte er eine gewisse Sibylle geheiratet, die Schwägerin des Herrn der Festung Burzey, die im Süden des Fürstentums, unweit des Orontes lag. Diese Sibylle hatte einen üblen Ruf. Einige Chronisten bezeichnen sie als pervers, andere unumwunden als Hure. Immerhin liebte Bohemund sie abgöttisch. Kein Wunder, dass er dadurch einen Skandal heraufbeschwor und von allen Seiten mit Vorwürfen überschüttet wurde. Empört darüber, dass man ihn der Bigamie beziehungsweise der Trigamie bezichtigt und der Patriarch Amalrich von Limoges ihn exkommuniziert hatte, geriet er in einen regelrechten Verfolgungsrausch gegenüber den Klerus. "Er begann, die Bischöfe und alle Geistlichen zu bekämpfen, ließ sie schlagen, verletzen und töten; er ließ die Klöster und Abteien zerstören; er ließ alles rauben, was er finden konnte, Reliquien und andere Dinge."
Einer seiner Vasallen, Rainald Mazoir, Herr der Festung Margat, war außer sich über dieses Vorgehen. Er nahm den Patriarchen bei sich auf, erklärte sich zum Beschützer der verfolgten Geistlichen und bot ihnen in seiner mächtigen Festung Schutz vor dem Wüten Bohemunds. Das Fürstentum Antiochia wurde mit dem Bann belegt, die Barone und auch König Balduin IV. versuchten, Bohemunds Raserei Einhalt zu gebieten. Vorübergehend, nach Intervention des aussätzigen Königs, schien es, als habe er sich beruhigt; doch kurz darauf kam seine Wut erneut zum Ausdruck. Da einige der verfolgten Ritter sich nach Armenien geflüchtet hatten, geriet er in Konflikt mit den Armeniern Kilikiens. Das alles spielte sich zu einem Zeitpunkt ab, als sich die Ereignisse anbahnten, die auf dem Schlachtfeld von Hattin in einer Katastrophe endeten. Auch das Fürstentum Antiochia fühlte sich bedroht, nachdem Saladin die Hafenstadt Latakia eingenommen hatte. Nach und nach fielen ihm die Burgen, die zur Verteidigung des Landes gebaut worden waren, in die Hände, einschließlich der bedeutednen Festung Sahyun, von der heute noch Reste zu sehen sind, vor allem der eindrucksvolle, 228 Meter hohe Brückenpfeiler, den die Baumeister beim Anlegen des Festungsgrabens aus dem gewachsenen Felsen herausgehauen hatten, um die Zugbrücke abzustützen.
Den Vorstößen des Feindes gegenüber schien Bohemund III. machtlos zu sein, da alle seine Bemühungen, ihn aufzuhalten, vereitelt wurden. Bis man eine überraschende Entdeckung machte: Besagte Sibylle - aus Liebe zu ihr hatte er sich mit den Baronen überworfen - betätigte sich als Spionin Saladins. "Die Frau des Fürsten von Antiochia hatte sich auf die Seite des Sultans geschlagen", schreibt der Chronist Imad ed-Din. "Sie kundschaftete für ihn seine Feinde aus, beriet ihn, gab ihm Anweisungen und verriet ihm ihre Geheimnisse; der Sultan schickte ihr kostbare Geschenke. "Das bestätigte auch Ibn al-Athir: "Sie schickte Botschaften an den Sultan und lieferte ihm nützliche Hinweise." Deshalb behandelte Saladin den Burgherrn von Burzey, seine Frau und die ganze Familie nach der Einnahme ihrer Burg sehr rücksichtsvoll und gewährte ihnen freien Abzug nach Antiochia.
Die gerissene Sibylle machte sich die Schwäche oder besser gesagt, die Erbärmlichkeit Bohemunds III. zunutze, doch ließ sie es dabei nicht bewenden. Bohemund war für sie anscheinend aufgrund der Niederlagen, die ihm Saladin zugefügt hatte, nicht mehr interessant genug, so dass sie sich ausgerechnet den Armeniern zuwandte, mit denen er ihretwegen im Streit lag. 1194 gelang es ihr, Leo II. von Kilikien mit dem Beinamen der Große zu verführen. Sie scheute sich nicht, mit ihm ein Mordkomplott gegen ihren Mann zu schmieden. Bei einem Ausritt mit einigen seiner Barone wurde Bohemund von dem armenischen Fürsten gefangengenommen. Das Angebot, sich durch Auslieferung der Stadt Antiochia freizukaufen, lehnte er ab. Nach einem Aufstand der Bevölkerung Antiochias und einer Intervention Heinrichs von der Champagne, des neuen Königs von Jerusalem, wurde die Angelegenheit durch einige Gebietsabtretungen und die Vermählung der Nichte Leos II. mit Bohemunds Sohn bereinigt. Dies geschah 1195, acht Jahre nach der Katastrophe von Hattin.
Dass Bohemund mit seinen drei Ehefrauen in seinem Privatleben von den muslimischen Sitten beeinflußt war, ist offensichtlich; dass seine Partnerin in Saladin verliebt war oder zumindest in seine großzügigen Geschenke ist wahrscheinlich.
 
 
 
 

    1168/70
  1. oo Orgillosa von Harenc
                 - nach 1175

    1175/77
  2. oo 1. Theodora Komnena, Tochter des Sebastos Johannes
  - 1180           - nach 1182
 

    1181
  3. oo Sibylle
                -

    1199
  4. oo Isabella
                  - um 1216
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Raimund II. Graf von Tripolis
  um 1170- 5./6.1199

  Bohemund IV. der Einäugige
  um 1172- 3.1233

2. Ehe

  Manuel
  1176-27.6.1211

3. Ehe

  Alice
        -

 1204
  oo Guido I. Embriaco von Dschebail
              -   1233

  Bohemund Herr von Boutron
           -   1244
 

  oo N.N. Erbin von Boutrun
              -
 
 
 
 

Literatur:
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Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 107,110,111,119,122 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 150,167 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 128-130 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 545-912 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 173,174 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 115 -