Philipp III. der Kühne                      König von Frankreich (1270-1285)
---------------------------
3.4.1245
5.10.1285
Poissy       Perpignan

Begraben: Saint-Denis
 

2. Sohn des Königs Ludwig IX. der Heilige von Frankreich aus dem Hause der KAPETINGER und der Margarete von Provence, Tochter von Graf Raimund Berengar V.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2060
********************
Philipp III. der Kühne (‚le Hardi‘), König von Frankreich 25. August 1270-1285
------------------------------------------
* 3. April 1245,
5. Oktober 1285

Schon mit 15 Jahren Thronerbe (nach dem Tode seines älteren Bruders, 1260), wurde Philipp III. der Kühne, der einen sanften Charakter hatte, von den starken Persönlichkeiten des Vaters, Ludwigs des Heiligen, und der Mutter, Margarete von Provence, förmlich erdrückt und blieb stets Spielball seiner Entourage. Er war wenig gebildet, aber sehr fromm und ein tapferer Ritter (seinen Beinamen erwarb er wohl vor den Mauern von Tunis). Zunächst stand er unter dem Einfluß seines Favoriten Pierre de La Broce. Doch als der verwitwete König (seine erste Gemahlin war Isabella von Aragon) in zweiter Ehe Maria von Brabant heiratete, forderte diese den Kopf des Günstlings, der 1278 fiel, und Philipp III. der Kühne wurde seiner Gemahlin so hörig, wie er es zuvor seiner Mutter gewesen war. - Nach dem Tode des Vaters in Tunis zum König proklamiert, hatte Philipp III. der Kühne nach seiner Rückkehr und Königsweihe (1271) als erstes politisches Problem die Einverleibung der Erbschaft von Alfons von Poitiers (Grafschaften Toulouse und Poitou) durchzuführen. Es erhob sich kein ernsthafter Widerstand, außer von seiten des Grafen von Foix, der 1272 in der 'Guerre de Foix' bekriegt wurde. Mehrere Jahre der Verhandlungen mit König Eduard I. von England mündeten ein in den Vertrag von Amiens (1279), der die englischen Ansprüche auf das Agenais befriedigte. Der Comitat Venaissin wurde an Papst Gregor X. abgetreten (1274). Die Krondomäne wurde erweitert durch den Anfall der Grafschaften Alencon und Perche aus dem Erbe Peters, des Bruders des Königs (1283), sowie der Grafschaften Nemours (1274) und Chartres (1284), die käuflich erworben wurden. Der König intervenierte auch in Navarra; hier hatte Heinrich III. von Champagne und Navarra eine Tochter, Johanna, hinterlassen, die unter der Vormundschaft von Blanca von Artois stand. In Kastilien hatte dagegen der mit Blanca de Francia verheiratete Fernando de la Cerda, der ältere Sohn Alfons' X., zwei Söhne hinterlassen, die von ihrem Onkel Sancho vom Thron verdrängt wurden. Der König ergriff die Partei der beiden Witwen: Blanca von Artois verlobte Johanna mit dem ältesten Sohn des Königs, Philipp (dem Schönen), während Blanca de Francia mit ihren Söhnen im Königreich Frankreich Aufnahme fand. Dagegen gab Philipp III. der Kühne das Einvernehmen mit Aragon auf, um seinen durch die Sizilianische Vesper (1282) aus Sizilien vertriebenen Onkel Karl von Anjou beizustehen. Gegen den nach der Vesper vom Papst exkommunizierten Peter III. von Aragon (dessen Königreich nach päpstlichem Willen an Karl von Valois, den 2. Sohn Philipps III., fallen sollte) führte der König den Aragon-Kreuzzug. Er marschierte in Katalonien ein (Belagerung von Gerona, 26. Juni - 7. September 1284), mußte aber wegen des Ausbruchs von Seuchen und des Mangels an Lebensmittelnachschub den fluchtartigen Rückzug antreten und starb inmitten des Desasters am 5. Oktober 1285 in Perpignan.


Thiele, Andreas: Tafel 48
**************
"
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

PHILIPP III. "DER KÜHNE"
---------------------------------------
* 1245,
+ 1285

Sohn Königs Ludwigs IX. des Heiligen

Philipp III. folgte 1270 seinem Vater auf dem Thron, zog 1271 Toulouse, Poitou und Auvergne ein und trat 1272 als deutscher Thronkandidat auf. Er trat Venaissin 1274 dem Papst ab, Brie-Champagne geriet ab 1274 ganz unter königliche Kontrolle. Es war eine Zeit übelster Hofintrigen zwischen den Parteien Anjou (= Onkel) und Frau/Brabant: Mord am Sohn. Philipp III. griff als päpstlicher Parteigänger 1275/76 in die kastilischen Thronkriege zugunsten seiner Neffen ein (vgl. Spanien IIIf) und ließ sich von Papst und Onkel zum Krieg gegen Aragon anstacheln und erlitt 1284/85 ein militärisches Fiasko (siehe Spanien IIb 1)

  1. oo 1262
            ISABELLA VON ARAGON
             * 1243,
1271 (durch Sturz vom Pferd)

Tochter des Königs Jakob I.

  2. oo 1274
            MARIE VON BRABANT
            * um 1256,
1321

Tochter des Herzogs Heinrich III.


Philipp III. der Kühne begleitete seinen Vater auf dessen Zug gegen Tunis und folgte ihm, als dieser dort starb, in der Regierung. Dieser Monarch war mit seinem Vater nicht zu vergleichen. Trotz seiner erstklassigen Erziehung war er wenig energisch und unterlag dem Einfluß seines Ratgebers Pierre de La Brosse, den er 1278 in Montfaucon hängen ließ, und seiner Gemahlinnen Isabella von Aragon und Maria von Brabant. Immerhin hatte sein Vater unter seiner Herrschaft das Königreich so weit gefestigt, dass es keinen Schwierigkeiten von außen ausgesetzt war. Auch während seiner Herrschaft wurde das Gebiet der Krone erweitert, denn 1271 erbte er von seinem kinderlosen Oheim Alfons, Graf von Poitou und Toulouse, fast ganz Languedoc (der Besitz bestand einerseits aus dem Poitou und der Auvergne als Kronlehen und andererseits aus dem Toulousain und Agenais, der Grafschaft Rouergue und dem seit 1229 zum Heiligen Stuhl gehörenden Venaissin aus dem Erbe von dessen Schwiegervater). Den Kronprinzen Philipp vermählte er 1284 mit Johanna, Erbin von Champagne und Navarra, und erwarb so einen Anspruch auf diese Gebiete. Um seinem Neffen die Erbfolge in Kastilien zu sichern, führte er 1276 einen erfolglosen Krieg; als Verbündeter Karls I. von Anjou-Sizilien, seines Oheims, rückte er gegen dessen Feind Peter III. von Aragon mit wenig Erfolg vor. Auf dem Rückzug starb er in Perpignan an Erschöpfung. Während seine Eingeweide in Narbonne beigesetzt wurden, fanden die Gebeine des Königs ihre letzte Ruhe in St-Denis neben dem Grab seines Vaters.

Pernoud Regine: Seit 11-29
**************
"Die Kapetinger"  in: Die großen Dynastien

Philipp III. der Kühne (1270-1285) hatte ein ansehnliches Erbe zusammengetragen. Seine persönliche Domäne hatte sich um die des Bruders Ludwigs des Heiligen, Alfons von Poitiers, und seiner Frau, Johanna von Toulouse, die kinderlos geblieben waren, vergrößert. Hinzu kam das Erbe seiner Onkel Jean-Tristan, Graf von Valois, und Peter, Graf von Alencon und Perche; dank einer weitsichtigen Politik konnte er aich das Vivarais und Lyonnais erwerben. Schließlich veranlaßte er noch die Heirat seines voraussichtlichen Erben Philipp IV. mit Johanna, der Tochter und Alleinebin Navarras und der Champagne. So kam es, dass die persönliche Domäne des KAPETINGERS sich mit der Krondomäne zu durchdringen begann.
 
 
 
 

  28.5.1262
  1. oo Isabella von Aragon, Tochter des Königs Jakob I.
          1243
28.1.1271

  21.8.1274
  2. oo Maria von Brabant, Tochter des Herzogs Heinrich III.
          1256
12.1.1321
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Ludwig
  um 1263
1276 ermordet

  Angeblich auf Anstiften Marias von Brabant durch Gift beseitigt.

  Philipp IV. der Schöne König von Frankreich
  1268
29.11.1314

  Robert
       
jung

  Karl I. Graf von Valois
  12.3.1270
16.12.1325

2. Ehe

  Margarete
       
14.2.1318

 9.9.1299
   oo 2. Eduard I. König von England
           16.6.1239
7.7.1307

  Blanka
  1276/85
19.3.1305
  Paris         Wien

29.5.1300
   oo 1. Rudolf III. Herzog von Österreich
            um 1282
4.7.1307

  Ludwig Graf von Evreux
   5.1276
19.5.1319

 
 
 
 
 

Literatur:
-----------

Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 155-157,163-165 -
Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 184,187-190,193,201,220,229,243 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 167-169,187,194,199 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 176,190,192, 194-201,203,252 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 232,236, 248,256,259 - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 39,41,86-88,106,110 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 23 A.,35,44,52,55,59-67,69,70 A.,72,73 A.,86,91,93,98,143,157, 159 A.,166,171-173,176,496,547 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 20-894 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 420-423 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1070,1120-1121,1126 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 273,287 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 48 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 132,134,138,161,164,178,192 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 132,138, 150 -