Philipp I.                                          König von Frankreich (1060-1108)
------------                                         Mitregent seit 23.5.1059
1053
29./30.7.1108
            Melun

Begraben: St-Benoit-sur-Loire (Abtei Fleury)
 

Ältester Sohn des Königs Heinrich I. von Frankreich aus dem Hause der KAPETINGER aus seiner 3. Ehe mit der Anna von Kiew, Tochter von Großfürst Jaroslaw I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2057
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Philipp I., König von Frankreich 1060-1108
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* 1052,
29./30. Juli 1108
                Melun

Begraben: St-Benoit-sur-Loire (Abtei Fleury)

Sohn König Heinrichs I. und Annas von Kiev

Am 23. Mai 1059 zum Mit-König erhoben und von Erzbischof Gervasius von Reims geweiht, folgte Philipp I. dem am 4. August 1060 verstorbenen Vater; bis 1067 übte Graf Balduin V. von Flandern die Regentschaft aus. Philipps Aufgaben waren vorgezeichnet, die Behauptungen gegen das 1066 zur westeuropäischen Vormacht aufsteigende anglonormannische Königtum, die langsame Konsolidierung der Krondomäne und die Ortsbestimmung in der Auseinandersetzung zwischen regnum und sacerdotium.
Zwar versuchte Philipp I., Streitigkeiten in der normannischen Königsfamilie für sich zu nutzen, konnte aber die ungeteilte Herrschaft Heinrichs I. seit 1106 nicht verhindern. Im eigenem regnum wurde die königliche Suzeränität mühsam behauptet, nachdem schon das erste selbständige Engagement Philipps I. 1071 in Flandern mit einer Niederlage gegen Robert den Friesen gescheitert war. Zwar konnte der König seine Krondomäne im Gatinais, im französischen Vexin und im Berry langsam erweitern, doch blieb die Arrondierung königlicher Macht mit den Schwerpunkten um Paris und Orleans Aufgabe späterer Generationen. Der Bedeutungsverlust der monarchischen Zentralgewalt drückte sich in schwindender adliger Präsenz am Hof und im wachsenden Einfluß adliger Hofamtsträger seit 1070/75 aus. Wie in anderen regna stelten zudem Kirchenreform und Papsttum die königliche Herrschaft über Teile der Reichskirche in Frage. Wiederholt griffen die Päpste seit Gregor VII. in strittige Bischofsbesetzungen ein, auf mehreren Synoden brachten Papstlegaten den römischen Primatsanspruch zur Geltung und verkündeten das Verbot der Laieninvestitur. Daß Philipp I. dabei nicht in einen ähnlichen Gegensatz zur Kurie wie Kaiser HEINRICH IV. geriet, beruhte auf den besonderen Voraussetzungen der französischen Kirchenverfassung, auf dem kompromißbereiten Verhalten aller Parteien und auf der in Frankreich gefundenen pragmatischen Lösung des Investiturproblems. Gleichwohl führte Philipp I., der die ideellen Grundlagen seiner Macht in mehreren Festkrönungen (1071,1098,1100,1104) demonstrierte, die Monarchie in eine tiefe Krise: 1092 verstieß er seine Gattin Bertha, um Bertrada von Montfort, die Frau des Graf Fulcos IV. von Angers/Anjou, zu entführen und zu heiraten. Erst 1104 vermochte sich der König aus dem 1094 und 1095 verhängten Kirchenbann zu lösen, ohne ganz von Bertrada zu lassen. Mittlerweile war Philipps I. Sohn Ludwig 1098 zum Ritter geschlagen, an der Regierung beteiligt worden (1101). 1107 kam es zur endgültigen Aussöhnung mit dem Papsttum, als Paschalis II. in St-Denis mit den beiden KAPETINGERN zusammentraf, die ihm einen Eid leisteten und dafür als treue Söhne der Apostel in der Nachfolge KARLS DES GROSSEN angesprochen wurden Damit war der Grund für die engere Bindung der französischen Monarchie an die römische Kurie und für die Regelung der Investitur auf der Synode von Troyes (25. Mai 1107) gelegt.


Glocker Winfrid: Seite 344
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VIII.107 PHILIPP I., 1060 König von Frankreich
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* 1053,
1108 VII 29

a) oo (1071)
Bertha, Tochter Graf Florenz' I. von Holland; verstoßen 1091

     
1093

b) oo 1092 V 15
Bertha, Tochter Graf Simons I. von Montfort (von Philipp ihrem 1.Gemahl, Fulco IV. von Anjou entführt)

     
nach 1115

Vgl. Brandenburg XII, 386


Brandenburg Erich: Tafel 41 Seite 82
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 384. PHILIPP I., König von Frankreich 1060
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* 1053,
1108 29. VII.

Gemahlinnen:
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a) 1071
Bertha, Tochter Graf Florenz' I. von Holland, verstoßen 1091 (siehe XI.134.)

    
1093

b) 1092 15. V.
Bertha, Tochter Graf Simons I. von Montfort, von Philipp ihrem ersten Gatten, Fulco IV. von Anjou
entführt (siehe XI.15.)
    
nach 1115                                       


Am Pfingstfest (23. Mai) 1059 unter hervorragender Beteiligung der Geistlichkeit in der Kathedrale von Reims zum König gekrönt, folgte er 1060 seinem Vater auf den Thron und übernahm nach dem Tode seines Vormundes Balduin V. von Flandern ( 1.9.1067) selbst die Regierung. Während der Regentschaft herrschte eine gewisse Ruhe, die der Feudaladel zur Stärkung seiner Position nutzte und Wilhelm von der Normandie eroberte sogar England. Der junge Monarch entledigte sich so schnell wie möglich der Vormundschaft, um sich ganz seinen schlechten Neigungen hinzugeben. Er erpreßte Geld und lebte in Saus und Braus. Philipp war ein geschickter Politiker und erreichte, dass Wilhelm I. der Eroberer seine Länder zwischen seinen Söhnen teilte. Ihm gelangen einige Erweiterungen der Krondomäne; so erwarb er die Abtei Corbie und die Grafschaft Vexin und sicherte seinem Bruder Hugo, einem Führer des 1. Kreuzzuges, die Grafschaft Vermandois. Im Investiturstreit konnte Philipp seine Position behaupten, ohne dass es zu einer Schwächung der Zentralgewalt kam. 1092 verstieß er seine Gemahlin und führte ein ausschweifendes Leben mit seiner neuen Gattin Bertrada von Montfort, die er dem Grafen Fulko IV. von Anjou entführt hatte. Dies zog den päpstlichen Bann und das Interdikt nach sich, so dass Papst Urban II. der faktische Regent im Lande war. Alles in allem hatte Philipp es geschafft, in seinem Reich die Verhältnisse, die bei seiner Thronbesteigung katastrophal aussahen, wieder in Ordnung zu bringen. In seiner Regierungszeit zeigten sich die ersten Anzeichen einer Zentralisation des Staates: Er räumte den Beamten am Hofe eine höhere Stellung ein und erstrebte eine Spezialisierung ihrer Ämter. Bereits seit etwa 1100 führte sein Sohn Ludwig die Regierung und Philipp verlor jegliche Bedeutung.
Er wurde in St-Benoit-sur-Loire beigesetzt.

Pernoud Regine: Seite 11-29
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"Die Kapetinger" in: Die großen Dynastien

Der Sohn Heinrichs I. und der Prinzessin Anna aus dem fernen Rußland war auf den ehrgeizigen Namen Philipp getauft worden, der an die byzantinische Dynastie und die griechischen Eroberer erinnerte. Philipp I. (1060-1108) war auch der erste, über dessen Krönung Einzelheiten überliefert sind, insbesondere der Text des Eides, den er in Anwesenheit des Erzbischofs von Reims auf das Evangelium ablegte, bevor er die Salbung empfing. Der König trifft alle Entscheidungen im Rat, und wenn es um ernste Probleme geht, bei denen der Friede des Königreiches in Frage steht, "im ganz großen Rat", das heißt er muß dann alle Fürsten einberufen, ohne die er ohnehin nicht wirksam handeln kann. Seine Rolle in ihrer Mitte ist die des Schiedsrichters, der für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen hat. König Philipp, dessen Andenken durch verschiedene Zeugnisse lebendig geblieben ist, erwies sich im Grunde dieser Ehre wenig würdig. Schlemmerhaft und sinnlich, fettleibig schon in jungen Jahren, war er nach Aussagen seiner Zeitgenossen "schwerfällig durch die Masse des Fleisches und mehr mit Essen und Schlafen beschäftigt als mit dem  Kampf". Sein Beiname wurde zum Ärgernis, als er seine Gemahlin Bertha von Friesland verstieß und die Gattin eines seiner Vasallen, Bertrade von Montfort, entführte, in die er sich unsterblich verliebt hatte.
 
 
 

    vor 1071
  1. oo Bertha von Holland, Tochter des Grafen Florenz I.
           um 1055
1093

        1091 verstoßen
 

   15.5.1092
  2. oo 2. Bertha von Montfort-l'Amaury, Tochter des Grafen Simon I.
                    
nach 1115
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Ludwig VI. der Dicke König von Frankreich
  1081
1.8.1137

  Konstanze
  um 1078
um 1125

    um 1094-1104
  1. oo Hugo I. Graf von Champagne
               
6.1126

     1105
   2. oo Bohemund I. Fürst von Antiochia
            1058
7.3.1111

  Heinrich
     
jung

  Karl
     
jung

  Odo
       
1096

2. Ehe

  Cäcilie
  um 1097
nach 1145

    1106
  1. oo Tankred Fürst von Tarent
           1076
5.12.1112

    1112
  2. oo Pons Graf von Toulouse und Tripolis
           1098
1137

  Philipp Graf von Mantes Seigneur von Mehun-sur-Yerre
  um 1093
nach 1123

 1104
  oo Elisabeth von Monthlery, Tochter des Grafen Guido
          

  Floris Seigneur von Nangis
      
1119

  Eustachia
       

  oo Johann Graf von Etampes
           
 
 
 
 
 

Literatur:             Internet Dieter Berg
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 13-15,18 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 216,243,258,265,271 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 41 Seite 82 - Brunos Buch vom Sächsischen Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach, Phaidon Verlag Essen 1986, Seite 36 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 44/ Band III Seite 234,250,453 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 58,67,68,76,79 - Douglas David C: Wilhelm der Eroberer Herzog der Normandie. Diederichs Verlag München 1994 Seite 84,179,193,226-228, 297,354,363-368,407-413 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 36,43,61,63,66,70,72-77, 80-83,85-97,99,104,107,115 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 55,62,76,80,84-89,93, 122 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 98,107,109,113,115-126,127,135,145 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 97-98 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 30,72,80,84,93, 108 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 VIII,107 Seite 308,344 - Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt 1997, Seite 106,159 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 66,74,102,246,367,729,733,800,915 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 149-159 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 102,105,109,360,482 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 19,241-249,252-255 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 228,235 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 429,447,451,459,476 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 82,91 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 444-445,449 - Werner, Karl Friedrich: Königtum und Fürstentum im französischen 12. Jahrhundert, in: Probleme des 12. Jahrhunderts Reichenau-Vorträge Band XII, Jan Thorbecke Verlag Konstanz-Stuttgart, Seite 177-227 -