Philipp I. von Anjou                         Fürst von Tarent (1294-1332)
-------------------------                        Titular-Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches
um 1278 26.12.1332
                  Neapel
 

4. Sohn des Königs Karl II. der Lahme von Neapel aus dem Hause ANJOU und der Maria von Ungarn, Erb-Tochter von König Stephan V.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2065
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Philipp von Tarent, Titular-Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches 1313-1331
-----------------------  Fürst von Tarent (1294-1331) und Achaia (1307-1331)
     26. Dezember 1331
        Neapel

4. Sohn Karls II. von Anjou, erhielt 1294 als Despotus Romaniae die Besitzungen und Rechte der ANJOU in der Romania (Korfu und Albanien). Durch die Ehe mit Thamar (Tochter NikephorosI. von Epiros) im August 1294 (1309 geschieden) gelangte er den Besitz von Bonditza, Angelokaseron, Naupaktos und Blecola (Eilochos), außerdem sollte Thamars Bruder Thomas die Lehensherrschaft Philipps von Tarent anerkennen. Die epirotische Regentin Anna verweigerte aber 1295 die Durchführung des Vertrages. Im Dezember 1300 wurde Philipp von Tarent bei Falconaria von Friedrich von Sizilien geschlagen und blieb bis zum Frieden von 1302 in Gefangenschaft. Im Sommer 1306 begab sich Philipp von Tarent nach Morea und eroberte das byzantinische Tripotamos. Von 1307-1313 regierte er die fränkische Peloponnes direkt als Fürst. 1309 sicherte er seinem Bruder Robert die Thronfolge im Königreich Neapel. Durch die Ehe mit Katharina von Valois (6. April 1313) wurde Philipp von Tarent lateinischer Titular-Kaiser,  konnte aber Pläne zur Wiederherstellung des Lateinischen Kaiserreiches nicht realisieren. Im August 1315 wurde er mit den Florentinern und Sienesen von Uguccione della Faggiola bei Montecatini besiegt.


Thiele, Andreas: Tafel 414 a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

PHILIPP I. D'ANJOU
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* um 1278, 1332

Sohn König Karls I. von Neapel-Sizilien

Philipp I. wurde 1294 Fürst von Tarent, 1295 Herr von Ätolien und Regent von Neapel, verlor 1299 als Befehlshaber gegen Sizilien die Schlacht bei Drepani durch Überheblichkeit und Leichtsinn und lebte bis 1302 in Gefangenschaft. Er wurde 1306 Titular-Despot von Romanien, Herr von Durazzo-Albanien, 1307-1313 und ab 1321 Fürst von Achaia-Morea und 1313 Titular-Kaiser von Byzanz. Wie sein Bruder Peter war er der Typ des draufgängerischen Condottiere und ohne große politische Fähigkeiten. Er verlor 1315 mit die Schlacht bei Montecatini, wo Peter fiel, kämpfte zeitweise für Genua gegen Mailand und Savoyen und auf dem Balkan gegen Serbien und die Katalanenstaaten. Auf seinem Grabstein sind unerträglich übertrieben nur die besten Eigenschaften aufgelistet.

 1294-1309
  oo THAMAR ANGELINA-DUKAINA VON BYZANZ, Tochter des Despoten Nikephor I. von Epiros
               1311

8 Kinder

 1313
  oo KATHARINA II. DE VALOIS, Tochter des Grafen Karl I.
       * 1303, 1346

Titular-Kaiserin/Erbin von Byzanz
Sie mischt in den Hofintrigen mit, unterstützt Johanna I. gegen die ungarische Partei.


Norwich John Julius: Band III Seite 261,283
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

1291, in dem Jahr, als Akko als letztes Kreuzfahrer-Königreich fiel, schlug er Nikephoros I. von Epiros ein Bündnis vor, das durch die Eheschließung seines Sohnes Philipp mit Nikephoros' Tochter Thamar gefestigt werden sollte. Für einmal reagierte Andronikos rasch und entsandte die Überreste seines Heers, unterstützt von der genuesischen Flotte, zum Angriff auf die epirotische Hauptstadt Arta. Zu Beginn war dieser Feldzug erstaunlich erfolgreich; es gelang nicht nur, Janina wieder zu gewinnen, sondern auch Durazzo, bevor zum Rückzug geblasen wurde; aber das geplante Bündnis ließ sich nicht verhindern. Bei seiner Heirat mit Thamar im Jahre 1294 wurde Philipp zum Oberherrn über alle griechischen Besitztümer seines Vaters ernannt und erhielt den Titel Fürst von Tarent. Fortan mußte Epiros als neapolitanisches Lehen betrachtet werden. Obwohl diese zweite angevinische Bedrohung Konstantinopels noch kaum Form angenommen hatte, war sie bereits spürbar.
Dann eroberten Philipp von Tarent (Sohn Karls II. von Anjou) und die katholischen Albaner gemeinsam Durazzo, und schließlich griff noch ein weiterer westeuropäischer Fürst in den Kampf ein: Karl von Valois, der Bruder des französischen Königs Philipp des Schönen.
 
 
 
 

    1294-1309
  1. oo Thamar Angelina Dukaina, Tochter des Despoten Nikephor I. von Epiros
            um 1275/801311

Sie trat anscheinend durch Ehebruch von der politischen Bühne ab.

  13.7.1313
  2. oo Katharina II. von Valois, Tochter des Grafen Karl I.
          Ende 1303Anfang 10.1346
                               Neapel

        Titular-Kaiserin und Erbin von Byzanz
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe 8 K

  Karl Fürst von Achaia, Vikar von Romanien
  12969.8.1315 gefallen
             bei Montecatini

  Philipp Titular-Despot von Romanien
  1297 17.5.1330

  Margarete
        nach 1332

 1325
  oo Walther VI. von Brienne Herzog von Athen
       1302 19.9.1356

  Blanka
         um 1336

 1327
  oo Raimund Berengar Graf von Ampurias
             1364

  Marie
        

  Margarete
         wohl 1380
            Gefängnis Neapel

  1. oo Eduard Balliol Prinz von Schottland
                 1363

    1345
  2. oo Franz II. Graf von Baux
                 1353

  Marie Äbtissin von Conversano
         1368

   Johanna
        1317

 1310
  oo Oissim König von Armenien-Kilikien
             1320

 2. Ehe

  Robert II. Fürst von Tarent (1332-1364)
        10.9.1364

  Ludwig Fürst von Tarent
  132025./26.5.1362

  Philipp II. Fürst von Tarent (1364-1374)
  1329 25.11.1374
 
 
 
 

Literatur:
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Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 26 A.,27,47,170 A.,175 A.,191,249, 251,259 A.,263 A.,316, 351,354-356,359-364,376 A.,402-404,416 A.,434-436,443,512 A.,539 A.,540 A. - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 261,283 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997Seite 332,338,346 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 414 a -