Simon V.                                     Graf von Montfort (1188-1218)
------------                        als S.I. Graf von Leicester (1205-1218)
um 1170-25.6.1218 gefallen
               Toulouse
 

Ältester Sohn des Grafen Simon IV. von Montfort und der Amicie von Beaumont-le Roger-Leicester, Tochter von Graf Robert III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 802
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Montfort
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II. SIMON VON MONTFORT UND DER ALBIGENSERKREUZZUG

Beherrschende Gestalt des Albigenserkrieges war Simon IV. (* 1165, + 25. Juni 1218), Graf von Toulouse (seit 1215). Als älterer Sohn der Amicia an der Spitze der jüngeren Linie der MONTFORT, trat das Erbe auf den französischen Besitzungen an, während sein jüngerer Bruder Gui mit der Burg Bretencourt abgefunden wurde. Simon und Gui nahmen 1199 das Kreuz (4. Kreuzzug). Von nun an stellte sich Simon trotz vieler Schwierigkeiten mit Beharrlichkeit in den Dienst der Politik Innozenz‘ III. In Venedig konnte er (wie zahlreiche andere Kreuzfahrer) die hohen Transportkosten nicht aufbringen und fand erst in Barletta die Mittel zur Überfahrt ins Heilige Land, wo er über ein Jahr lang gegen die Muslime kämpfte. In seine französische Stammlande zurückgekehrt, lebte er als angesehener Adliger, der durch seine glückliche Ehe mit Alice de Montmorency Aufnahme in die Entourage des Königs gefunden hatte.
1209 folgte Simon dem Aufruf dem Aufruf des Papstes zum Albigenserkreuzzug, zu dem er auf Bitte des Herzogs von Burgund in Begleitung seines Bruders Gui und des Abtes (und Chronisten) Pierre des Vaux-de-Cernay aufbrach. Die Kriegsführung, vor allem die Belagerung von Carcassonne, zeigen Simons militärische Fähigkeiten. Entgegen den idealisierenden Zügen, mit denen ihn sein Chronist ausstattete, war sein Vorgehen rücksichtslos und grausam, doch konnte er sich, wenn es die Situation erforderte, auch kompromißbereit verhalten (Politik gegenüber Narbonne). Wieweit er staatsmännische Begabung besaß, bleibt dahingestellt, doch verstand er es, nach seiner Ernennung zum Grafen von Toulouse einen funktionsfähigen Rat aufzubauen. Möglicherweise konnte er seine Macht als neuer Graf dank einer Konsolidierungsphase festigen. Doch gefährdete er seine Situation bald durch militärische Abenteuer: Anstatt den Kreuzzug voranzutreiben, strebte er danach, dem ihm mitverliehenen Titel eines Markgrafen der Provence durch einen Feldzug ins Rhonetal Realität werden zu lassen, ließ sich Anfang 1216 die Burg Beaucaire vom Erzbischof von Arles verleihen, scheiterte aber am Widerstand der im Comtat-Venaissin zahlreichen Anhänger des Grafenhauses von SAINT-GILLES. Durch diesen Fehlschlag litt Simons Ansehen erheblich; Toulouse erhob sich und wurde mit harter Hand gezüchtigt. Wohl zwecks Hebung seines Ansehens veranstaltete Simon anschließend einen Zug durch die Pyrenäengebiete (November 1216 Heirat seines Bruders Gui mit der Erbtochter der Grafschaft Bigorre). Trotz der ernsten Lage im Languedoc marschierte Simon erneut gegen die Provence; der vertriebene Graf von Toulouse, verbündet mit dem Grafen von Comminges und zahlreichen Anhängern im Lande, nutzte die Abwesenheit aus, um Toulouse zurückzugewinnen und verteidigungsbereit zu machen.  Simon belagerte die Stadt seit Oktober 1217 und starb am 25. Juni 1218 durch einen Stein, der von den Tolosaner Frauen aus einer Schleudermaschine angschossen wurde.



Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage"

SIMON I. (V.) DER KREUZFAHRER
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* um 1170, + 1218 gefallen

Graf de Montfort-l'Amaury, de Rochefort, de Toulouse
1205 von Leicester

Simon V. (I.) folgte 1188 seinem Vater und erwarb sich früh den Ruf eines kriegerischen Draufgängers und treuen Sohnes der Kirche. Er zog 1202 mit gegen Byzanz, diente zeitweise dem ungarischen König in Palästina und wurde 1202 als Erbe des Onkels anerkannt und damit Graf von Leicester und Herr der englischen Besitzungen der Familie von BEUAMONT. Er verzichtete dafür auf das Breteuil-Erbe und erbte 1213 auch die englischen Besitzungen seiner Familie vom erbenlosen Cousin, Graf Amalrich von Gloucester. Simon war 1209 unangefochtener Anführer des blutigen "Kreuzzuges" gegen die Albigenser und eroberte nach und nach ganz Toulouse, Narbonne und Carcassonne, was von fürchterlichen Metzeleien unter den "Ketzern" begleitet wurde. In der Schlacht bei Muret (13.9.1213) schlug er Peter II. von Aragon zurück, der in der Schlacht fiel, mit dem er vorher verbündet war. Simon wurde Graf von Toulouse, Herzog von Narbonne, Markgraf von Provence und Vicomte von Bezeires und Carcassonne und stellte mit den Statuten von Pamiers die alte Kirchenordnung wieder her. Er erwies sich als fähiger, weitsichtiger Verwalter und schuf bedeutsame Administrationsgrundlagen, verstrickte sich bald in aufreibende Belagerungskriege und unterstützte 1216/17 in England den französischen Gegen-König, Kronprinz Ludwig. Er schaffte sich mit seiner rücksichtslosen Härte und seinem religiösen Zelotentum viele Feinde, wurde 1217 verjagt und fiel bei der Belagerung von Toulouse durch einen Steinwurf.

 um 1190
  oo Alix de Montmorency, Tochter des Sire Burchard V. und der Laurette von Hennegau
             + 1226



Dieser Sohn des Grafen von Evreux war der Typus der großen Edelleute W-Europas aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Voller Tatendurst brach er mit den Kreuzfahrern nach Palästina auf. Unterwegs versuchten die Venetianer vergeblich, ihn nach Dalmatien und Konstantinopel abzudrängen. Kaum war er nach Frankreich zurückgekehrt, als er kühn und entschlossen am Albigenserkreuzzug teilnahm, zu dem Papst Innocenz III. aufgerufen hatte. Dafür wurden ihm nach der Eroberung der Grafschaft Toulouse vom Laterankonzil im Jahr 1215 der Länderbesitz des Grafen Raimund VI. von Toulouse zugesprochen. Diese Herrschaft über S-Frankreich vergrößerte nur noch die Schwierigkeiten Simons. Ehrgeizig und unversöhnlich, belastete er sein Lehen Guyenne mit hohen Abgaben, so daß Revolten der Bevölkerung nicht ausblieben. Sie waren für Raimund VI. eine Gelegenheit, seine Grafschaft zurückzuerobern. 1218 belagerte Simon von Montfort die Hauptstadt Toulouse, wobei er fiel.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 175,176,188
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Die Opposition wurde überstimmt, und im Oktober 1202 segelte die Flotte von Venedig ab. Am 24. November wurde Zara erobert, nicht ohne daß es vorher erneuten Widerstand gegeben hätte, als dessen Zentrum sich die Zisterzienser unter dem Abt von Les-Vaux-de-Cernay sowie eine Gruppe nordfranzöischer Barone unter Simon de Montfort herausbildeten: Sie hatten die Unterstütrzung des Papstes, dessen Einspruch aber wirkungslos blieb.
Die Gesandten schlugen in Zara vor, das Heer solle in Konstantinopel den rechtmäßigen Herrscher Isaak Komnenos wieder auf den Thron bringen. Der Doge von Venedig war dem Vorschlag aufgeschlossen, von den Franzosen unterschrieben den Vertrag zwar die mächtigen Führer, aber insgesamt nur 11 Barone. Gegen das Projekt erhob sich die heftigste Opposition, angeführt wiederum von Simon de Montfort und dem Abt von Vaux, die im Laufe des Winters erbittert heimreisten.
Noch bedeutsamer waren die Albigenser-Kreuzzüge in den Jahren 1209-1229. Die der dualistischen Lehre der Katharer anhängenden ketzerischen Albigenser hatten sich im 12. Jahrhundert im westlichen Languedoc stark entwickelt. Nach anfänglichem Zögern ließ Innocenz III. das Kreuz gegen ihren Schutzherren Raimund VI. von Toulouse predigen, und durch den Fanatismus des päpstlichen Legaten und des Heerführers Simon de Montfort artete das Unternehmen zu einem bescämenden Skandal (um so beschämender, asl gerade der zweite Kreuzzug das Eindringen dieser Lehre aus dem Balkan erleichtert hatte) und gleichzeitig zu einem Machtkampf um ein katalanisch-südfranzösisches Rewich beiderseits der Pyrenäen aus.

Runciman, Steven: Seite 886,984
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Tibald von Champagne wurde allgemein als Führer der Bewegung anerkannt. Ihm zur Seite standen der Graf von Flandern, Balduin IX. von Hennegau, und sein Bruder Heinrich, Graf Ludwig von Blois, Gottfried III. von Le Perche und Simon IV. von Montfort und ihre Brüder, Enguerrand von Boves, Rainald von Dampierre und Gottfried von Villehardouin, sowie zahlreiche geringere Herren aus N-Frankreich und den Niederlanden.
Der kraftvollste und tatkräftigste unter den Baronen war ein anderer Vetter der IBELINS, nämlich Philipp von Montfort, der Sohn der Helvis von Ibelin und ihres zweiten Gatten Guido von Montfort, des Bruders jenes Simon, der den Albigenser-Kreuzzug anführte. Philipp hatte kürzlich die armenische Prinzessin Maria, die Tochter Raimund-Rubens, geheiratet, die Erbin von Toron, und zwar durch ihre Urgroßmutter, die Schwester des letzten Herrn von Toron.
 
 
 
 

 um 1190
  oo Alix von Montmorency, Tochter des Sire Burchard V. und der Laurette von Hennegau
       um 1175-22.2.1221 oder 1226
 
 
 
 

Kinder:

  Simon VI
  um 1206-4.8.1265

  Amalrich VII.
  um 1204-   1241

  Guido
  um 1205-15.1.1224 gefallen

  Laura
          - vor 1227

  oo Gerard II. de Picquigny, Vidame d'Amiens
              -   1249

  Petronella Nonne
          -

  Amicie
         -   1253

 1226
  oo Gauchard von Joigny
               - um 1237
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 112 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 21 Seite 43 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 155,160 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite145,148,150,182 - Ehlers Joachim/ Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 155,167,171,174 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 124 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 172,228 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 89,227,231,285,664 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 175,176,188,225 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 46,60,78,118,176,201,212,281,302 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 886,984 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 171 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 308 -