Philipp I. von Montfort                 Herr von Tyros und Toron
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um 1205-17.8.1270 ermordet
               Tyros
 

Einziger Sohn des Grafen Guido von Montfort aus seiner 1. Ehe mit der Helvis von Ibelin, Tochter von Herr Balian II.
 

Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage"

PHILIPP I.
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    + 1270 ermordet

Philipp I. von Montfort folgte seinem Vater 1228 als Seigneur de la Ferte-Alais, Bretencourt und Castres und war ein berühmter Haudegen und Kreuzfahrer. Er wurde Herr von Tyrus, war 1248 Prätendent für das Königreich Armenien und wurde in Thronwirren ermordet.

  1) Eleonore de Courtenay, Tochter des Kaisers Peter II. von Byzanz
              + vor 1230

  2) Marie von Antiochien
              +

 Tochter und Eventualerbin des Titular-Königs von Armenien, Fürst Raimund Rupen von Antiochia und der Prinzessin Helvis de Lusignan von Jerusalem-Cypern, Erbin von Toron



Mayer Hans Eberhard: Seite 225,227,239,240
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“Geschichte der Kreuzzüge”

Philipp von Montfort löste 1239 seinen Vetter Barisan von Ibelin in der Führung der Barone des Königreiches Jerusalem ab. Der staufische Beauftragte Lothar Filangieri kapitulierte in Tyrus vor den IBELINS, die die Stadt belagert hatten. Es war ein deutliches Zeichen für die Schwäche der Monarchie, dass Tyrus, das Juwel der Krondomäne, nicht in den königlichen Besitz zurückkehrte, sondern in den Besitz Philipps von Montfort kam. Als es im Sommer 1256 in Akkon zum Streit zwischen Genuesen und Venezianern kam, benutzte Philipp die Gelegenheit, um die in Akkon beschäftigten Venezianer nun aus seiner neuen Herrschaft Tyrus zu vertreiben, wo ihnen nach dem Vertrag von 1123 ja ein ganzes Drittel der Stadt gehörte. Diese Maßnahme konnten die Venezianer nicht hinnehmen, weil Tyrus ihre Hauptniederlassung im Heiligen Land war. So kam es zum Bürgerkrieg, in dem auch der Feudaladel Partei ergriff. Als die Genuesen 1258 auf der Reede von Akkon eine schwere Niederlage ihrer Flotte gegen Venedig hinnehmen mußten, und gleichzeitig ein Versuch Philipps von Montfort, sich Akkons zu bemächtigen, scheiterte, war der Krieg praktisch zugunsten der Venezianer entschieden.

Pernoud Regine: Seite 202
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“Frauen zur Zeit der Kreuzzüge”

König Hugo III. dachte nicht daran, sich mit Philipp von Montfort zu überwerfen, sondern gab dessen Sohn Johann sogar seine eigene Schwester, Margarete von Antiochia, zur Frau.
Unterdessen konnte niemand ahnen, dass der Sultan Baibars über Philipp, den Herrn von Tyrus, das Todesurteil gefällt hatte. Nicht ohne Grund hielt er ihn als einzigen für fähig, sich zu behaupten und das, was von dem fränkischen Syrien noch übriggeblieben war, zu verteidigen. "Baibars, der Sultan von Babylon", so schreibt der Templer von Tyrus, "wußte sehr wohl, dass Philipp von Montfort, Herr von Tyrus, ein sehr kluger Mann war und in Syrien nichts ohne sein Einverständnis geschah. Er wußte auch, dass er Briefe und Botschaften an die Könige und Fürsten in Europa sandte, um sie zu bitten, übers Meer zu kommen. Deshalb wollte besagter Sultan ihn töten." Er wandte sich an die damaligen Berufsmörder, jene berüchtigten Assassinen, deren Versteck die Mongolen zerstört hatten; inzwischen hatten sie jedoch im Libanon Unterschlupf gefunden. Zwei von ihnen suchten den Fürsten auf und baten ihn um die Taufe. Philipp von Montfort willigte ein, dem einen von ihnen Pate zu stehen. Es spielte sich etwa die gleiche Szene ab wie ein dreiviertel Jahrhundert zuvor, als Konrad von Montferrat ermordet wurde.
Am 17. August 1270, als Philipp von Montfort in einer Kapelle betete, kam einer der Assassinen herein, stieß ihm den Dolch in den Leib und warf sich dann auf den knienden Johann von Montfort. "Der Herr von Montfort konnte sich gerade noch hinausschleppen und den Soldaten zurufen: "Kommt meinem Sohn zu Hilfe, ein Sarazene will ihn in der Kapelle töten." Und alle rannten zur Kapelle, töteten den Mörder und befreiten den jungen Herrn von Tyrus, der zu seinem Vater eilte; sein Vater öffnete die Augen, und als er sah, dass sein Sohn heil davongekommen war, erhob er die Hände zum Himmel, um Gott zu danken, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen. Dann entschwand seine Seele und er starb." Damit war der einzige, der es mit dem Sultan und den Mamluken hätte aufnehmen können, beseitigt, während sich Hugo III. in Zypern befand.

Runciman, Steven: Seite 984,999-1002,1005-1006,1009,1047,1060-1063,1108-1109,1112
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Der kraftvollste und tatkräftigste unter den Baronen war ein anderer Vetter der IBELINS, nämlich Philipp von Montfort, der Sohn der Helvis von Ibelin und ihres zweiten Gatten Guido von Montfort, des Bruders jenes Simon, der den Albigenser-Kreuzzug anführte. Philipp hatte kürzlich die armenische Prinzessin Maria, die Tochter Raimund-Rubens, geheiratet, die Erbin von Toron, und zwar durch ihre Urgroßmutter, die Schwester des letzten Herrn von Toron.
1243
Aber Filangieris Anwesenheit in Akkon wurde bemerkt, und man benachrichtigte Philipp von Montfort, den Herrn von Toron, der sich zufällig in Akkon befand. Philipp verständigte unverzüglich die Kommune und die genuesischen und venezianischen Niederlassungen.
Balian von Ibelin und Philipp von Montfort beriefen ein Parlament ein, das am 5. Juni 1243 im Palast des Patriarchen zu Akkon zusammentrat. Die Versammlung leistete vorbehaltlich der Rechte König KONRADS Alice und Ralph von Soissons den Lehnstreueid. Dieser Beschluß entkleidet Filangieri jenes letzten Restes von Machtbefugnis, welcher die Barone hatte zögern lassen, ihn in Tyros anzugreifen. Am 9. Juni erhielt Lothar vom Parlament in Akkon Befehl, Tyros den Regenten zu übergeben. Als er sich weigerte, rückten Bailian von Ibelin und Philipp von Montfort mit venezianischen und genuesischen Truppenabteilungen gegen die Stadt. Nach dem Abzug Filangieris gingen Jerusalem und Askalon zusammen mit Tyros offiziell in die Hände der Regenten über. Ralph von Soissons hatte zuversichtlich angenommen, daß die Regenten die Regierungsaufsicht über die eroberten Städte erhalten würden. Aber Philipp von Montfort wünschte Tyros für sich selbst, um sein Lehen Toron abzurunden, und die IBELINS liehen ihm ihre Unterstützung.
1244
Das christliche Heer war das größte, welches Outremer seit dem verhängnisvollen Tag von Hattin ins Feld gestellt hatte. Es umfaßte sechshundert weltliche Berittene unter Führung Philipps von Montfort, des Herrn von Toron und Tyros, und des Grafen von Jaffa, Walter von Brienne. Die Tempelritter und Hospitaliter stellten jeweils über 300 ihrer Ordensritter unter den beiden Großmeistern. Eine Abteilung des Deutschen Ordens war zur Stelle. Bohemund von Antiochia schickte seine Vettern Johann und Wilhelm von Botrun und den Konnetabel von Tripolis, Johann von Ham. Das ägyptische Heer lag vor Gaza; sein Befehlshaber war ein junger mameluckischer Emir namens Rukn ed-Din Baibars. Es bestand aus 5.000 besonders ausgewählten Soldaten und der choresmischen Horde. Die gegnerischen Heere kamen am 17. Oktober bei dem Dorf Herbiya oder La Forbie einige Meilen nordöstlich von Gaza miteinander in Berührung. Viele der Christen waren der Meinung, den ägyptischen Angriff in einer befestigten Stellung abzuwarten, aber Walter von Jaffa drängte stürmisch auf einen sofortigen Angriff. Die Franken schlugen sich tafer, aber vergeblich. Binnen weniger Stunden war ihr ganzes Heer vernichtet. Der Graf von Jaffa, der Großmeister der Hospitaliter und der Konnetabel von Tripolis wurden gefangengenommen. Philipp von Montfort entkam zusammen mit dem Patriarchen nach Askalon, wo die Überlebenden der Ritterorden zu ihnen stießen, nämlich 330 Templer, 26 Hospitaliter und drei Deutsche Ordensritter. Die Zahl der Toten wurde auf nicht weniger denn 5.000 und wahrscheinlich wesentlich mehr geschätzt. 800 Gefangene wurden nach Ägypten gebracht.
1247
Königin Alice starb im Jahr 1246 und die Regentschaft ging an ihren Sohn, König Heinrich von Zypern, über. Dieser ernannte Balian von Ibelin zu seinem Bailli und bestätigte Philipp von Montfort im Besitz von Tyros.
1250
Die französischen Ritter brachten es nicht über sich, ihre Niederlage einzugestehen; aber die Barone von Outremer übernahmen die Führung und entsandten Philipp von Montfort, damit er mit dem Feind verhandle. Es war Philipp bereits fast gelungen, die ägyptischen Befehlshaber zu bewegen, gegen die Übergabe von Damiette dem Heer freien Abzug zu gewähren, als plötzlich ein Freisasse namens Marcel durch die christlichen Reihen ritt und die Heerführer im Namen des Königs anwies, sich bedingungslos zu ergeben.
1256
Diesen Augenblick erachtete Philipp von Montfort, der Herr von Toron und Tyros, der seit langem den Anspruch der Venezianer auf gewisse Dörfer in der Nähe von Tyros angefochten hatte, als eine günstige Gelegenheit, um sie aus dem Drittel von Tyros hinauszusetzen, das ihnen zufolge dem bei der Eroerung von Tyros im Jahr 1124 geschlossenen Vertrag gehörte. Philipps selbstherrliches Vorgehen empörte seine IBELIN-Vettern, die alle pedantische Verfechter von Recht und Ordnung waren. Der Bailli, Johann von Arsuf, hegte den Verdacht, daß die MONTFORTS beabsichtigten, Tyros von der Regierung in Akkon loszutrennen und für unabhängig zu erklären. Die gesamte Gesellschaft Outremers wurde in den Bürgerkrieg verwickelt. Kleinliche Familienstreitigkeiten verschärften den Kampf. Die Mutter Philipp von Montforts und die Gattin Heinrich von Dschebails waren gebürtige IBELINS. Die Großmutter Bohemunds VI. war eine EMBRIACO.
Im Februar 1258 unternahm Plaisance einen Versuch, ihre Machtbefugnis zu erhärten. Sobald die IBELINS die Ansprüche Hugos von Zypern und Plaisance zugestanden, und zwar immer vorbehaltlich der Rechte König KONRADS, und die Tempelritter und Deutschen Ordensritter ihnen beipflichteten, brachten die Hospitaliter unverzüglich das gleiche Argument vor, das bereits 1243 verworfen worden war, und erklärten, in KONRADS Abwesenheit könne nichts entschieden werden. Damit wurde die königliche Familie in den Bürgerkrieg hineingezogen: die venezianische Partei unterstützte Plaisance und ihren Sohn, und die zynische Ironie der Geschichte wollte es, dass Genua, die Hospitaliter und Philipp von Montfort, die einstmals allesamt erbitterte Gegner
FRIEDRICHS II. gewesen waren, jetzt zu Verfechtern der HOHENSTAUFEN wurden. Eine Abstimmung ergab eine Mehrheit, welche Plaisance als Regentin anerkannte.
Am 23. Juni ging die vereinigte Flotte von etwa 48 Galeeren von Tyros in See, während gleichzeitig ein Regiment von Philipp von Montforts Soldaten die Küste hinabmarschierte. Die Venezianer und ihre pisanischen Verbündeten besaßen unter Tiepolo etwa 38 Galeeren. Am 24. Juni 1258 kam es vor Akkon zur Entscheidungsschlacht. Tiepolo erwies sich als der bessere Taktiker. Die Genuesen verloren in erbittertem Kampf 24 Schiffe und 1.700 Mann und zogen sich in aufgelöster Ordnung zurück. Mittlerweile brachte die Bürgerwehr von Akkon Philipps Vormarsch zum Stehen, und das genuesische Viertel innerhalb der Stadt wurde überrannnt.
1269
Es war Hugo von Antiochia-Lusignan bereits vor seiner Krönung gelungen, den alten Streit zwischen Philipp von Montfort und der Regierung in Akkon beizulegen. Philipps Stolz war durch den Verlust von Toron gedemütigt worden; er war nicht mehr so eifrig darauf aus, auf eigene Faust vorzugehen. Als Hugo vorschlug, seine eigene Schwester Margarethe von Antiochia-Lusignan, das liebreizendste junge Mädchen seiner Generation, solle Philipps älteren Sohn Johann heiraten, nahm Philipp das Angebot mit Freuden an. Dies ermöglichte es Hugo, sich nach Tyros zu begeben, um in der dortigen Kathedrale gekrönt zu werden. Bald darauf heiratete Philipps jüngerer Sohn Humfried die jüngere Tochter Johanns II. von Beirut, Eschiva von Ibelin. Die Aussöhnung zwischen den MONTFORTS und den IBELINS ließ sich leichter erreichen, da die ältere Generation der IBELINS ausgestorben war.
1270
Baibars verhielt sich während des ganzen Sommers 1270 ruhig. Um die Franken jedoch zu schwächen, veranlaßte er, daß einer der führenden Barone, Philipp von Montfort, ermordet wurde. Auf Baibars Ersuchen schickten die Assassinen einen ihrer Fanatiker nach Tyros. Er gab sich dort als ein zum Christentum Übergetretener aus, drang am Sonntag, dem 17. August 1270, in eine Kapelle ein, wo Philipp und sein Sohn Johann sich im Gebet befanden, und fiel plötzlich über sie her. Noch ehe Hilfe herbeikommen konnte, war Philipp tödlich verwundet und lebte gerade noch lange genug, um zu erfahren, daß sein Mörder ergriffen, sein Sohn und Erbe aber wohlbehalten war. Sein Tod war ein schwerer Schlag für Outremer; denn Johann, wenngleich seinem Schwager König Hugo treu ergeben, ermangelte doch seines Vaters Erfahrung und Ansehen.
 
 
 
 

  1. oo Eleonore von Courtenay-Byzanz, Tochter des Kaisers Peter II.
           um 1208- vor 1230

    1240
  2. oo Maria von Antiochia, Tochter des Raimund Ruben und der
           um 1215/20-               Heloise de Lusignan von Jerusalem-Zypern

        Erbin von Toron
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Philipp II.
  um 1225-   1270

2. Ehe

  Humfried
  um 1240- Februar 1285

  Johann
  um 1242-27.11.1289
 
 
 
 

Literatur:
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Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 357,358 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 984,999-1001,1005-1006,1009,1047,1060-1063,1086, 1108-1109,1112 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 171 -