Wilhelm VII.                                    Markgraf von Montferrat (1207-1225)
----------------
um 1168/75-17.9.1225
 

Einziger Sohn des Königs Bonifatius I. von Montferrat-Thessalonich aus seiner 1. Ehe mit der Helene del Bosco, Tochter von Markgraf Anselm
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 790
********************
Mon(t)ferrat, Markgrafen von
-------------------------------------
Die Markgrafschaft, die unter dem ständigen Druck der Nachbarmächte stand, wurde in dieser Zeit von seinem Sohn Wilhelm VI. verwaltet, der 1224 seinerseits einen Kreuzzug leitete, um das verlorene Königreich seines Vaters wiederzugewinnen. Zu diesem Zweck verpfändete er Kaiser FRIEDRICH II. für 9.000 Mark all seine Gebiete. Das Unternehmen scheiterte jedoch, und Wilhelm fand dabei den Tod.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Brandenburg Erich: Tafel 19 Seite 39
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV.  428 a. WILHELM VIII., Markgraf von Montferrat 1202
---------------------------------------
* ca. 1180, + 1225 17.IX.

Gemahlin: vor 1202 9.VIII. Bertha, Tochter des Markgrafen Bonifacius von Clavesana



Thiele, Andreas: Tafel 460
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

WILHELM VIII.
-----------------------
* um 1175, + 1225

Sohn des Markgrafen Bonifatius I., der auch König von Thessalonich war

Wilhelm VII. folgte 1207 dem Vater als Markgraf von Montferrat und konnte zusammen mit seiner Stiefmutter Margarete von Ungarn dem Halbbruder Demetrius nicht dessen Erbe Thessalonich erhalten. Er apanagierte ihn 1224 in Montferrat und sein Sohn Bonifatius II. übernahm die Titel und Ansprüche seines Onkels. Wilhelmwar wie der Vater Ghibelline und anerkannte 1209/12 Kaiser OTTO IV., ging als erster norditalienischer Fürst 1212 zu Kaiser FRIEDRICH II. über und begleitete ihn ein Stück auf dessen Weg nach Deutschland. Er erhielt von ihm die Statthalterschaft von Burgund-Arelat übertragen, was zu großer Interessenkollision mit Savoyen, Provence und Toulouse führte. Er wurde zum Schutz für Teilgebiete Vasall des Bischofs von Turin, was neue Streitigkeiten für sein Haus brachte. Er mußte nach vielen Auseinandersetzungen mit den lombardischen Städten einen ungünstigen Frieden mit ihnen abschließen und schloß sich ihrem Städtebund an. Er behauptete trotz allem alle weitgehend wichtigen Positionen des Hauses.

 um 1202
  oo Berta di Clavesana, Tochter des Markgrafen Bonifatius
             +

Erbin von Mambascaro/Cortemiglia



Stürner, Wolfgang: Teil 1 Seite 149,183,243
****************
"Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220"

Immerhin konnte FRIEDRICH die Hilfe Azzos und jener Städte um Cremona, die sich schon bisher klar gegen OTTO gestellt hatten, auch künftig sicher sein. Daneben gelang ihm jetzt wohl eine Verständigung mit Wilhelm (+ 1225), dem mächtigen Markgrafen von Montferrat, und mit Graf Richard von S. Bonifacio (östlich von Verona). Begleitet von Bürgern Genuas, Abgesandten aus Cremona und Pavia sowie Markgraf Wilhelmund Graf Richard zog FRIEDRICH mit seinen sizilianischen Getreuen dann, den Einflußbereich der ihm feindlich gesonnenen Städte westlich umgehend, durch das Gebiet des Markgrafen über Asti nach Pavia.
Markgraf Wilhelm von Montferrat, der eigentliche, sichtlich wohlvorbereitete Anwalt der staufischen Sache, bestritt 1220 auf dem IV. Laterankonzil den Mailändern als Eidbrüchigen und Ketzerfreunden das Rederecht und legte sieben Gründe dar, die die Absolution OTTOS verböten, darunter seine Meineidigkeit, den Raub der Länder der Kirche in Mittel- und S-Italien sowie seine Gewalttaten gegenüber dem Bischof von Münster und dem Damenstift Quedlinburg.
So erfahren wir, daß mit Bischof Jakob von Turin (+ 1226) zusammen der Markgraf Wilhelm von Montferrat als königlicher Gesandter in der Lombardei auftrat, um die Rechte des Reiches zu sichern, Streitigkeiten zu schlichten und Treueide der Bevölkerung einzufordern.

Stürner, Wolfgang: Teil 2 Seite 75,86
****************
"Friedrich II. Teil 2: Der Kaiser 1220-1250"

Fast gleichzeitig ermahnte Honrius III. die burgundische Geistlichkeit, den Markgrafen Wilhelm von Montferrat, dem FRIEDRICH eben damals offenbar die Verwaltung des Königreiches Arelat anvertraute, wo immer angebracht, mit Rat und Tat zu unterstützen [Wilhelm von Montferrat ging allem Anschein nach gar nicht nach Burgund, sondern entschloß sich im Mai oder Juni 1221 unter dem Einfluß Kardinal Hugos von Ostia, eine kirchliche Kreuzritterschar nach Osten zu führen. Vgl. Winkelmann, Friedrich 1, 119 mit Anmerkung 1, 151.].
Ganz offensichtlich hoffte Honorius, der demnächst erwartete neue päpstliche Heerführer Wilhelm von Montferrat werde, gestärkt durch den vom Kaiser kommenden Nachschub, die Dinge bald energisch zum Besseren wenden, was im Falle von FRIEDRICHS Fernbleiben zudem allein als das Verdienst der Kirche erscheinen würde.

Winkelmann Eduard: Erster Band Seite 119,151,152,228
*****************
"Kaiser Friedrich II."

1220
Die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme wächst dadurch, daß eben in diesen Tagen sowohl für Arelat in der Person des Markgrafen Wilhelm von Montferrat ein kaiserlicher Vertreter bestellt [1 Wir wissen nur aus der Empfehlung des Papstes für Wilhelm an den Legaten Konrad von Porto und die Geistlichkeit in Arelat, daß FRIEDRICH ihm regnum Arelat comniosit, qui ... regnum in fidelitate imperii et eccleise devotione desideret solidare. Von einer Tätigkeit Wilhelms im Arelat ist nichts bekannt. Es läßt sich deshalb auch nicht sagen, ob Wilhelm zum Vikar bestellt oder mit Arelat belehnt wurde. Aber ich bezweifle sogar, daß Wilhelm von Montferrat Amt oder Lehen überhaupt antrat. Wilhelm war im April 1221 allerdings im Begriffe, nach Arelat zu gehen; denn Kardinal Hugo von Ostia schreibt damals, daß er sich wegen des Markgrafen in die Lombardei begeben müsse. Die Absicht wurde aber nicht ausgeführt, da sich Wilhelm durch Hugo für den Kreuzzug gewinnen ließ.], als auch für die Handhabung der Reichsgewalt in Mittel- und Oberitalien.
1221
Es war in der Person des Markgrafen von Montferrat ein Ersatz für den Kaiser gefunden worden. Markgraf Wilhelm hat noch um die Mitte des April in das ihm von FRIEDRICH übergebene Königreich Arelat zu gehen beabsichtigt und die ersten Eröffnungen, welche darauf abzielten, ihn gewissermaßen zum Feldhauptmann eines von der Kirche selbst aufzubringenden Kreuzheeres zu gewinnen, anscheinend ziemlich kühl aufgenommen und mit dem Hinweis auf die feindliche Handlung seiner Nachbarn ablehnend beantwortet. Hugo von Ostia beauftragte den Bischof Nikolaus von Reggio, zwischen dem Markgrafen und den Mailändern zu vermitteln. Die Zusage von 15.000 Mark  Silbers an den Markgrafen, zahlbar anch seinem Eintreffen im Orient, tat das übrige: im Juni war man mit ihm im Reinen [3 Da MONTFERRAT nach Epist. pont. I, 91 für eine Reise zum Kaiser reichlich aus dem Kreuzzugszwanzigsten entschädigt wird, darf man annehmen, daß er sich der Zustimmung desselben für die Annahme des ihm nach Martene I, 1160 doch sicher durch Hugo gemachten Antrages versicherte. - Zur Charakteristik des Markgrafen führt der Troubadour Folquet von Romans den Ausspruch FRIEDRICHS an: wenn man Geld von ihm haben wolle, müßte man es mit einem Pickel aus ihm herausbrechen. Diez, Leben und Werke des Troubadour (2. Auflage) Seite 453.]. Wie Honorius am 20. Juni an Pelagius und die Meister der drei Orden mitteilte, sei auf den Kaiser zwar nicht mehr zu rechnen; dafür werde der Markgraf von Montferrat als "Bannerträger" der römischen Kirche mit einer Masse tapferer Ritter demnächst in Damiata eintreffen.
1223
Schon war das Königreich Thessalonich bis auf die Hauptstadt wieder von Theodor Angelos, dem Fürsten von Epirus, in Besitz genommen worden, und eben rüstete der Bruder des letzten lateinischen Königs Demetrius, Markgraf Wilhelm von Montferrat, um es mit einem Vorschusse des Kaisers, dem er dafür seine Güter verpfändete, dem Griechen wieder zu entreißen [2 Wilhelm galt 1223 Oktober nach einer Urkunde seines Sohnes Bonifaz, W. A. I, 485, noch für verpflichtet, den Zug des Kaisers ins Heilige Land mitzumachen weil er dazu vom Papste schon 4.700 Mark erhalten hatte (vgl. oben Seite 152); im März 1224 aber ist er bei FRIEDRICH II. in Catania, B.-F. 1518, und entleiht von ihm 9.000 Mark, B.-F. 1524. Also im Winter von 1223 auf 1224 hat sich der Markgraf zu dem Zuge nach Griechenland entschlossen, zu welchem ihn auch der Troubadour Elias Cairel, der selbst in Romanien gelebt hatte, mit scharfem Spotte über seine Lässigkeit aufreizte. Ist die oben Seite 152 Anmerkung 3 mitgeteilte Charakteristik Wilhelms richtig, dann wird die Kirche Mühe gehabt haben, von ihm ihre schon geleisteten Vorschüsse zurückzubekommen. Nach dem Besuche in Catania scheint er erst aus N-Italien seine Leute quos in Lombardia et Tuscia retinuerant zu haben; er führt sie nach Brindisi, et relicta sua gente apud Brundisium, ipse ad imp. in Siciliam vadit, consilium ab eo et auxilium petiturus. Dieser zweite Versuch bei FRIEDRICH dürfte in den September 1224 fallen, da damals auch der lateinische Erzbischof von Thesssalonich, Martin, bei FRIEDRICH in Catania Zeuge ist. Nach Rycc. chron. priora p. 115 fährt Wilhelm im Dezember nach Romanien über und Honorius III. kündigte November 28., Rayn. § 23 ff. P. 7321, der lateinischen Geistlichkeit des Ostreiches, den welcher er die Hälfte ihres Einkommens für den Markgrafen verlangte, die Ankunft desselben auf den März 1225 an. Rycc. p. 345 setzt Wilhelms Tod in den September 1225.] - ein Unternehmen, welches nur möglich war, wenn die Kirche den Markgrafen von den ihr gegenüber im Jahre 1221 übernommenen Verpflichtungen zugunsten eiens Kreuzzuges für das Heilige Land vorher entbunden hatte.
 
 
 
 

    1187
  1. oo Sophia von Staufen, Tochter des Kaisers FRIEDRICH I.
           um 1173/75- um 1187

 vor 9.8.1202
  oo Berta di Clavesana, Tochter des Markgrafen Bonifatius
             -

     Erbin von Mambascaro
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Beatrix
         -   1274

    1219
  1. oo Guido VI. Andreas Dauphine von Vienne
           um 1185-5.3.1237

  2. oo Guy II. Seigneur de Bugey
                 -   1255

  3. oo Jean I. de Chatillon-en-Bazois
                 -   1271

  Alix
        - um 1233

  oo Heinrich II. von Lusignan König von Jerusalem
              -   1253

  Bonifatius II.
  um 1202-   1255

  Helene (Filiation unsicher)
        -

Helene wurde Erbnichte des Königs Demetrius von Thessalonich genannt, 1240 von Kaiser Balduin II. von Byzanz formal belehnt und 1244 päpstlich bestätigt.
 

  oo Wilhelm von Verona, Mitherr von Negroponte
              -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 149,183,243 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 2:Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt 2000 Seite 75,86,367 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 460 -
Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 32 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 227,235,285,321,385,412,416,423,441 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 30,81,84,85,86,119,151,152,165,175,194, 196,198,228,283,312 -