Sibylle                                                       Königin von Jerusalem
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1159-1.10.1190 (25.7.1190 Lex.)
         vor Akkon

Einzige Tochter des Königs Amalrich I. von Jerusalem aus dem Hause ANJOU seiner 1. Ehe mit der Agnes von Courtenay, Tochter von Graf Joscelin III. von Edessa
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1831
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Sibylle (Sibylla), Königin von Jerusalem
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* um 1159, + 25. Juli 1190
                    vor Akkon

Tochter von König Amalrich von Jerusalem und der Agnes von Courtenay

Sibylle, die im Konvent von Bethanien unter Aufsicht ihrer Großtante Yvette, Schwester der Königin Melisende, erzogen wurde, vermählte sich im Herbst 1176 mit Wilhelm Langschwert von Montferrat, der aber bereits im Juni 1177, noch vor der Geburt des Sohnes Balduin V., verstarb. 1180 heiratete Sibylle in 2. Ehe Guido von Lusignan. Nach dem Tode König Balduins IV. (1185) trat ihr (unmündiger) Sohn die Nachfolge an, starb aber bereits im Spätsommer 1186. Während die Haute Cour in Nablus die Nachfolge beriet, schuf Sibylle, die als älteste Tochter Amalrichs (nach dem Präzedenzfall von Melisende) die besten Thronansprüche hatte, aus Sorge um aufkommemden Opposition vollendete Tatsachen, indem sie sich vom Patriarchen krönen ließ und die Krone an Guido (in seiner Eigenschaft als Gemahl) weitergab. Während der Schlacht von Hattin (1187), in der ihr Mann gefangengenommen wurde, hielt sie sich in Jerusalem auf; nach dessen Fall suchte sie mit Erlaubnis der muslimischen Macht Zuflucht in Tripolis, wo sich ihr 1188 der wieder freigekommene Guido anschloß. Im Heerlager vor Akkon erlag sie am 25. Juli 1190 einer Epidemie, der auch ihre Töchter Alice und Maria zum Opfer ielen.


Brandenburg Erich: Tafel 7 Seite 15
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV.  57 a. Sibille
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* ca. 1160, + 1190 X.

Gemahl: a) 1176 XI. Wilhelm VII. Markgraf von Montferrat (siehe XIII 272)
                                             + 1177 nach VI.

               b) 1180 III. oder IV. Guido von Lusignan, König von Jerusalem 1186, von Zypern 1192
                                                       + 1194 IV..



Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

SIBYLLE
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    + 1190

1186 Königin

 1176
  oo Wilhelm VII. von Montferrat, Graf von Askalon und Jaffa
              + 1177 ermordet

 1180
  oo GUIDO I. de Lusignan, Graf von Jaffa-Askalon
                 + 1194



Runciman Steven: Seite 695,712-713,723-725,746-748,791-793
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Im Jahre 1170 wies König Amalrich von Jerusalem seinen Gesandten an, er solle Stephan von der Champagne, den Graf von Sancerre, einladen, nach Palästina zu kommen, um die Prinzessin Sybille zu heiraten. Stephan nahm die Einladung an und landete im Sommer 1171 mit einem Gefolge von Rittern in Palästina. Aber was er in Palästina sah, gefiel ihm nicht und er brach die Eheverhandlungen unvermittelt ab.
Um die Thronfolge zu sichern, mußte die Prinzessin Sibylle verheiratet werden. Balduin hatte im Jahr 1175, wahrscheinlich auf Anregung König Ludwigs VII. von Frankreich, Wilhelm Langschwert, den ältesten Sohn des Marquis von Montferrat, eingeladen, nach Palästina zu kommen und Sibylles Hand anzunehmen. Zu Beginn des Jahres 1177 erkrankte er an Malaria. Die Krankheit zog sich einige Monat hin, und im Juni starb er. Im Spätsommer schenkte seine Witwe einem Sohn das Leben.
Philipp von Flandern kam 1177 nach Palästina, um seine Basen Sibylle und Isabella an die beiden jungen Söhne seines bevorzugten Lehnsmannes Robert de Bethune zu verheiraten.
1180 lehnte Hugo III. von Burgund, der zuerst angenommen hatte, eine Ehe mit Sybille ab. Mittlerweile hatte sich Sibylle in Balduin von Ibelin verliebt. Eine Ehe Balduins mit Sibylle wäre trotz seines unbedeutenden Stammbaumes im ganzen Land sehr volkstümlich gewesen. Aber noch ehe eine Verlobung vereinbart werden konnte, geriet Balduin bei Mardsch Ayun in Gefangenschaft. Sibylle schrieb ihm in den Kerker, um ihn ihrer Liebe zu versichern. Als er freigelassen wurde, teilte sie ihm kühl mit, sie können an eine Heirat nicht denken, solange er ein so riesiges Lösegeld schulde. Kaiser Manuel übernahm die Zahlung des Lösegeldes und Balduin kehrte zu Beginn des Frühjahrs 1180 im Triumph nach Palästina zurück, um zu erfahren, dass Sibylle sich inzwischen einem anderen angelobt hatte.
Zu Ostern 1180 wurde Guido von Lusignan mit Sybille getraut und mit den Grafschaften Jaffa und Askalon belehnt.
Nach dem Tode ihres Sohnes Balduin Ende August 1186 wurde sie von ihrem Onkel Joscelin von Courtenay zur Königin von Jerusalem ausgerufen. Angesichts der UnbeliebtheitGuidos krönte der Patriarch Sibylle allein. Anschließend wurde sie vom Patriarchen aufgefordert, denjenigen Mann zu krönen, den sie für würdig erachtete, das Königreich zu regieren. Sie forderte Guido auf, hervorzutreten und vor ihr niederzuknien, und setzte ihm die Krone aufs Haupt.
Der Preis für die Freilassung König Guidos hätte Askalon sein sollen. Aber die Bürger der Stadt, die sich der Eigensucht ihres Königs schämten, weigerten sich, das von ihm gegebene Versprechen einzulösen. Askalon war inzwischen gefallen; und Königin Sibylle schrieb wieder und wieder an Saladin und bat ihr, ihr den Gatten zurückzugeben. Im Juli 1188 gab Saladin ihrem Ansuchen statt. Nachdem König Guido feierlich geschworen hatte, dass er übers Meer heimkehren und nie wieder gegen den Islam zu den Waffen greifen werde, wurde er zusammen mit 10 vornehmen Gefolgleuten, darunter dem Konnetable Amalrich, zur Königin nach Tripolis geschickt. Königin Sibylle hatte sich wahrscheinlich um einer ihrem Gemahl feindlichen Atmosphäre zu entrinnen, nach Tipolis zurückgezogen. Guidobegab sich sofort nach seiner Freilassung zu ihr.
Im April 1189 erschien Guido neuerlich, diesmal mit Sibylle, vor Tyros und verlangte abermals, man solle ihm die Herrschaft über die Stadt übergeben.
Unter den Opfern der Seuche jenes Herbstes war Königin Sibylle. Die zwei kleinen Töchter, welche sie König Guido geboren hatte, starben einige Tage vor ihr.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 108,119,121,124,131,134,148,241
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Da Balduin IV. nicht heiraten konnte, konzentrierten sich die Erwägungen hinsichtlich der Thronfolge vorerst auf seine Schwester Sibylle. Sie hatte 1176, noch von dem Regenten Raimund arrangiert, den Markgrafen Wilhelm von Montferrat geheiratet, der aber schon 1177 starb und sie schwanger hinterließ. Ihr Sohn war der nachmalige König Balduin V. Als im Frühjahr 1180 der Fürst von Antiochia und Raimund III. von Tripolis aus dem Norden ins Königreich begaben, fürchtete der König erneut die Absetzung, mindestens aber eine Lösung der Ehefrage seiner Schwester, die nicht in seinem Sinne war. Er kam solchen Eventualitäten dadurch zuvor, dass er Sibylle mit unziemlicher Hast mit Guido von Lusignan verheiratete, was er bereuen sollte. Dabei mußte ihm klar sein, dass die Ehe die Interessen der mächtigen IBELINS verletzte, weil es 1179 Bestrebungen gegeben hatte, Sibylle mit dem Führer des Hauses IBELIN, Balduin von Ramla, zu verheiraten.
Da nach dem Tode Balduins V. direkte männliche Erben fehlten, hätte jetzt nach dem Testament Balduins IV. die erwähnte Viererkommission über die Thronfolge entscheiden müssen. Doch überspielten Sibylle und ihr Anhang den Grafen von Tripolis in einem geschickt inszenierten Staatsstreich kurz nach dem Begräbnis Balduins V. Als Drahtzieher treten Rainald von Chatillon und der Patriarch Eraclius hervor. Im Endergebnis der dramatischen Ereignisse wurde Sibylle zur Königin gekrönt und krönte dann ihrerseits ihren Gemahl Guido von Lusignan zum König (1186-1192). Nach mehreren, erst jüngst von Kedar der Vergessenheit entrissenen Berichten übertölpelten die beiden aber auch ihre eigenen Parteigänger, die zwar gemeinsam seit einem Jahrzehnt das Reich ausgeplündert hatten, aber über die Person des Königs uneins waren. Eine Mehrheit scheint gegen Guido gewesen zu sein. Man griff das alte Projekt Balduins IV. wieder auf und verlangte vor Sibylles Krönung die Scheidung. Sie lehnte erst ab, gab aber nach, als man ihr das Diktat der Staatsraison klarlegte, nicht ohne für Guidos Lebensunterhalt und die Legitimität der Töchter sorgte. Dies scheint die innerpolitische Opposition eingeschläfert zu haben, so dass man ihr die eigentliche, sehr weitgehende Bedingungen konzedierte, dass sie nämlich nach erfolgter Krönung ihren Mann frei wählen dürfe. Zur allgemeinen Konsternation wählte sie dann Guido, von dem sie soeben erst geschieden worden war und der nun von dem Patriarchen gesalbt werden mußte. Ein Versuch Raimunds, Isabellas Gemahl zum Gegenkönig zu machen, scheiterte daran, dass dieser zu Guido überlief.
Nach der Schlacht bei Hattin (4. Juli 1187) kapitulierte am 2. Oktober 1187 die Stadt Jerusalem, die unter der Führung der Königin Sibylle, des Patriarchen Eraclius und Barisans von Ibelin stand. Auch die absonderlichsten Bußzeremonien hatten nichts genützt. Die vornehmen Damen hatten ihre unbekleideten Töchter auf dem Kalvarienberg öffentlich kalte Wannenbäder nehmen und ihnen das Haupthaar scheren lassen. Aber ohne kampffähige Mannschaft war die Stadt nicht zu halten, und man mußte froh sein, einen gnädigen Sieger zu finden.

Pernoud, Regine: Seite 119-121,124-126
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„Frauen zur Zeit der Kreuzzüge“

Sibylle war von ihrer Großtante Joveta im Kloster des heiligen Lazarus von Bethanien erzogen worden, dem Melisendes jüngste Schwester als Äbtissin vorstand. Kaum hatte sie das Kloster verlassen, legte sie ein eigenwilliges Verhalten an den Tag, das sich mit ihren Pflichten als künftige Königin von Jerusalem kaum vertrug. Sie sollte nämlich Balduins Nachfolge antreten, dessen Krankheit sich mit der Zeit verschlimmerte, so dass ein Regierungswechsel abzusehen war.
Sibylle, Lehnsherrin von Jaffa, war nach ihrer Ehe mit Wilhelm von Montferrat, die nur einige Monate gedauert hatte, verwitwet und hatte einen kleinen Sohn, der auch Balduin hieß. Aus Gründen der Sicherheit ihres Lehens mußte sie unbedingt wieder heiraten. Nach dem Wunsch des aussätzigen Königs sollte sie Hugo II. von Burgund heiraten, von dem es hieß, er habe das Kreuz genommen, der jedoch nie im Heiligen Land erschien. Andererseits machte ihr Balduin von Ramla aus der Familie der IBELIN den Hof, Witwer der Gräfin von Cäsarea. Balduin war seit langem für Sibylle entflammt: Aus Liebe zu ihr hatte er sogar seine erste Frau, Richilde von Beisan, verlassen und dann aus Enttäuschung die Gräfin von Cäsarea geheiratet. Diese war Anfang 1180 gestorben und hatte ihm einen Sohn hinterlassen.
In der Zwischenzeit war Balduin von Ramla in der Schlacht von Mardsch Ayun gefangengenommen worden und schmachtete in einem Kerker in Damaskus. Dort erreichte ihn eines Tages eine Botschaft Sibylles. Die junge Frau ließ ihn mitteilen, er solle sich so schnell wie möglich freikaufen und sie werde ihn dann heiraten. Balduin geriet in eine peinliche Lage. Als er Saladin darum bat, ein Lösegeld festzusetzen, forderte dieser 200.000 Besant: eine wahrhaft fürstliche Summe. Balduin mußte eingestehen, dass er das Geld nicht aufbringen konnte. Daraufhin drohte der wütende Sultan, ihm alle Zähne auszureißen, und um zu zeigen, dass er es ernst meinte, schlug er ihm gleich zwei Zähne aus. Balduin flehte ihn an, konnte ihn schließlich erweichen und schwor, er werde nach seiner Freilassung sofort bezahlen. Saladin willigte ein, und Balduin von Ramla eilte voller Glück zu Sibylle.
Doch Sibylle hatte ihre Meinung geändert. Sie forderte ihren Anbeter zunächst auf, erst einmal seine Schuld an Saladin zu bezahlen. Daraufhin reiste Balduin nach Konstantinopel und bat den Kaiser um Hilfe. Manuel Komnenos ließ ihm die benötigte Summe großzügig auszahlen. Die Mühe war vergebens, denn während Balduin Konstantinopel verließ, um nach Akkon zurückzukehren, hatte sich Sibylle anders besonnen.
In Wirklichkeit hatte sich um die kapriziöse und sentimentale Frau eine regelrechte Verschwörung zusammengebraut, angezettelt von Mitgliedern der Familie IBELIN. Ein kurz zuvor im Heiligen Land eingetroffener Kreuzfahrer namens Amalrich (oder Aimary) von Lusignan hatte Eschiva von Ibelin geheiratet, eine Tochter Balduins von Ramlaaus seiner 1. Ehe mit Richilde von Beisan, die er verstoßen hatte. Dieser Amalrich schwärmte in Sibylles Gegenwart ständig in den höchsten Tönen von seinem jüngsten Bruder in Frankreich, der als der schönste Ritter seiner Zeit galt: Guido von Lusignan. Mit dem geheimen Einverständnis Agnes' von Courtenay machte er die schwärmerische Sibylle von Tag zu Tag neugieriger, diesen schönen Ritter kennenzulernen. Guido landete schließlich in Syrien. Die junge Frau war von ihm nicht enttäuscht: er war sehr gewandt und sah blendend aus. Das waren offenbar seine stärksten Trümpfe, denn der normannische Chronist Ambroise weiß über ihn zu berichten: "Er war nämlich nicht gerade mit Klugheit gesegnet, eher das, was man einen 'Einfaltspinsel' nennt". Doch Sibylle war sofort für ihn entflammt. Ostern 1180 gab ihr Bruder, der aussätzige König, schließlich resigniert seine Zustimmung zu ihrer Vermählung mit dem Ritter aus dem Poitou - die inzwischen umständehalber nicht mehr zu vermeiden war. Guido von Lusignan wurde damit Graf von Jaffa-Askalon.
Der aussätzige König starb am 16. März 1185. Sibylle war seine rechtmäßige Nachfolgerin, zumal ihr kleiner Sohn Balduin V.wenige Monate später, im September 1186, ebenfalls starb. Sibylle nutzte ihre neue Machtposition auf recht eigenwillige Weise: Nachdem sie gegen den Widerstand der Barone gekrönt worden war, "nahm sie die Krone in die Hand und forderte ihren Mann auf: 'Sire, tretet vor und empfangt diese Krone, denn ich wüßte keinen Besseren, dem ich sie geben könnte.' Guidokniete vor ihr nieder, und sie setzte ihm die Krone aufs Haupt."
Sibylle, eine romantische Natur, hatte offensichtlich wenig politischen Verstand. Durch ihre Handlungsweise machte sie sich zwei Persönlichkeiten zu Feinden: zunächst den Grafen Raimund von Tripolis, dem der aussätzige König auf dem Sterbebett für 10 Jahre die Regentschaft über das Königreich Jerusalem anvertraut hatte und der einfach übergangen wurde. Außerdem ihren früheren Verehrer, Balduin von Ramla, der sich weigerte, Guido von Lusignan zu huldigen. Er überließ statt dessen sein Lehen seinem Bruder Balian II. von Ibelin und begab sich nach Antiochia, wo ihn Bohemund III. mit Freuden empfing. Der Chronist, der das Werk Wilhelms von Tyrus fortgesetzt hat, berichtet, Balduin von Ramla habe vor seinem Rückzug die Zukunft mit folgenden Worten prophezeit: "Er wird kein Jahr König sein!" Der Chronist bemerkt dazu: "Mitte September [1186] gekrönt, verlor er das Königreich am St.-Martinstag" (am 4. Juli 1187, dem Namenstag von Saint-Martin-le-Bouillant).
Alle hatten sich von Sibylle abgewandt, außer einigen Personen, die beschuldigt wurden, sie schlecht beraten zu haben: in erster Linie ihre Mutter Agnes von Courtenay und der Patriarch Heraklios von Jerusalem, bekannt für seinen ausschweifenden Lebenswandel und seinen schlechten Einfluß; ferner der Großmeister des Templerordens, Gerhard von Ridefort, ein fahrender Ritter, dem es gelungen war, in den Templerorden aufgenommen zu werden, und der den Grafen von Tripolis haßte. Die übrigen Barone, entsetzt darüber, in wessen Händen das Schicksal des Heiligen Landes ruhen sollte, versuchten zunächst einen Gegenkönig aufzustellen, Humfried von Toron. Dessen Familie war seit der Gründung des Königreichs im Land ansässig und sehr angesehen. Humfried, ein junger, ausnehmend schöner, aber willensschwacher Mann, lehnte das ebenso ehrenvolle wie gefährliche Angebot ab und entschuldigte sich sogar bei Sibylle und Guido dafür, dass man dieses Ansinnen an ihn herangetragen hatte.
Mittlerweile beging Rainald von Chatillon eine unerhörte Schurkerei, die schließlich zur Katastrophe von Hattin führte: Ähnlich wie er seinerseit die Insel Zypern ausgeplündert hatte, überfiel der notorische Räuber eine Pilgerkarawane auf dem Weg nach Mekka, in der sich zu allem Unglück die Schwester des Sultans Saladin befand.
Dieses Piratenstück wurde zu einem Zeitpunkt begangen, als beide Seiten gerade eine vierjährige Waffenruhe vereinbart hatten. Es war ein schweres, unentschuldbares Verbrechen, das für das gesamte Königreich Jerusalem fatale Folgen haben sollte. Rainald von Chatillon wurde von König Guido aufgefordert, auf die Beute zu verzichten und dem Sultan bedingungslos Wiedergutmachung anzubieten, doch er lehnte dies rundweg ab.
Diese Fehlentscheidungen und Gewalttaten führten schließlich am 4. Juli 1187 zur Schlacht bei den Hörnern von Hattin, in der das fränkische Heer und alle westlichen Truppen, die die Heilige Stadt verteidigten, vernichtet wurden. Am 2. Oktober zog Saladin in Jerusalem ein. Nach der Schlacht bei Hattin schlug er Rainald von Chatillon, wie er es geschworen hatte, eigenhändig den Kopf ab. Die übrigen Gefangenen, unter denen sich auch Guido von Lusignan befand, behandelte er jedoch zuvorkommend. Königin Sibylle und Maria Komnena, der verwitweten Ex-Königin, die inzwischen Balian von Ibelin geheiratet hatte, gewährte er freien Abzug. Auch Humfried von Toron wurde freigelassen, nachdem seine Mutter Stephanie, wie bereits vier Jahre zuvor, ihren Einfluß bei Saladin geltend gemacht hatte.
 
 
 
 

    1176
  1. oo Wilhelm Markgraf von Montferrat
                 - Juni 1177 ermordet

    1180
  2. oo Guido Graf von Lusignan
           1160- Mai 1194
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Balduin V. König von Jerusalem
  1177- September 1186

2. Ehe

  Alice
        -1.10.1190

  Maria
          -1.10.1190
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 7 Seite 15 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 148, 155,158,182 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 256,260,262,266, 270,301 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Seite 108,119,121,124,131,134,148,241 - Payne Robert: Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 194,202 - Pernoud, Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge, Seite 119-121, 124-126 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 667,695-696,706,709,712-713,716,723-725,737,740,743,744,746-748,762,770, 791-793,801,887 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 171 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 -