Konrad I.                                                  König von Jerusalem (1190-1192)
------------                                                 Markgraf von Montferrat
um 1146-28.4.1192 ermordet
              Askalon
 

2. Sohn des Markgrafen Wilhelm der Alte von Montferrat und der Judith von Österreich, Tochter von Markgraf Leopold III.; Urenkel von Kaiser HEINRICH IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1342
********************
Konrad von Montferrat, König von Jerusalem
-----------------------------
* um 1146, + 28. April 1192
                  Tyrus

Jüngerer Sohn Markgraf Wilhelms V. von Montferrat und der Judith von Österreich, Onkel König Balduins V. von Jerusalem, Vetter Kaiser FRIEDRICHS I. und des französischen Königs Ludwig VII.
 

  1. oo N.N.
                  -

   Frühjahr 1187
  2. oo Theodora, Schwester des byzantinischen Kaisers Isaak II.
                  -

      noch 1187 verlassen

    24.11.1190
  3. oo Isabella, Tochter König Amalrichs I. von Jerusalem
           1171- nach 1.4.1205

Tochter aus 3. Ehe:
-----------------------
Königin Maria von Jerusalem

Nach Teilhabe an der bewegten Geschichte Reichsitaliens und Zwischenspielen in Konstantinopel landete Konrad kurz nach der Katastrophe von Hattin in Tyrus, wo er, das Kommando über die Stadt übernehmend, zwei Belagerungen Saladins abwehrte. In Rivalität zu König Guido baute Konrad Tyrus zu seiner Machtbasis aus. Nach dem Tod der Königin Sibylle und ihrer Töchter 1190 (Erlöschen der rechtlichen Legitimation der Königswürde Guidos) setzten die Gegner des LUSIGNAN die Vermählung Konrads mit Sibyllas Stiefschwester und Erbin Isabella durch.
Im Mai 1191 bezeichnete sich Konrad als rex electus. Nach dem Fall Akkons setzte König Richard I. Löwenherz durch, dass Guido als König, Isabella und Konrad als Thronfolger anerkannt wurden. Richards Entschluß zur Rückkehr nach England ermöglichte im April 1192 die Entscheidung der Barone, allein Konrad als König zu akzeptieren, doch wurde er wenig später von Assassinen ermordet.


Brandenburg Erich: Tafel 19 Seite 39
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 273. KONRAD, Markgraf von Montferrat 1183, Gegen-König von Jerusalem
--------------------------
* ca. 1146, + 1192 28. IV.

Gemahlinnen: a) vor 1179 N.N.

                    b) 1187 Theodora, Schwester des Kaisers Isaak II. Angelos von Byzanz, verlassen 1187

                    c) 1190 24. XI. Isabelle, Tochter Amalrichs I. von Anjou, Königs von Jerusalem
                                                   + ca. 1208                 (siehe XIV, 59)



Thiele, Andreas: Tafel 172
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ISABELLA D'ANJOU
------------------------------
* 1172, + 1206

 1190
  oo KONRAD, Markgraf von Montferrat
                 + 1192 ermordet durch den "Alten vom Berge"

Byzantinischer Cäsar, Fürst von Tyros, das er gegen Sultan Saladin behauptet; Onkel des Königs Balduin V. von Jerusalem
Schroffer Gegner seines Schwagers König Guido I. de Lusignan von Jerusalem, anerkannte ihn formal 1190, bekommt Sidon und Beirut dazu; unterstützt letztlich auch König Richard I. Löwenherz, war vorher Parteigänger von König Philipp II. von Frankreich; wird 1191/92 durch einen Kompromißfrieden König von Jerusalem, während Guido auf Cypern beschränkt wird. Beherrscht als König nur etliche Küstenplätze, unter anderem Jaffa, Haifa, Sidon, Tyros, Cäsarea, Beirut und Akkon als Residenz.



Thiele, Andreas: Tafel 459
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

KONRAD
--------------
* um 1146, + 1192 ermordet

Konrad wurde Gegner von Kaiser BARBAROSSA, stellte sich deshalb den lombardischen Städten zur Verfügung, nahm mit dem Vater das Kreuz und war zeitweise Regent von Montferrat. Er ging zuerst in byzantinische Dienste, besiegte 1186 den Gegen-Kaiser Alexios Branas und wurde Cäsar, machte 1187 die Schlacht bei Hittin gegen Saladin mit und rettete vor diesem Tyros. Er wurde dessen Fürst und stützte sich auf König Philipp II. von Frankreich gegen seinen königlichen Schwager Guido von Lusignan. Er wurde 1191 durch einen Kompromißfrieden König von Jerusalem, nahm Beziehungen zu Saladin auf gegen König Guido, der auf Zypern beschränkt wurde. Er wurde durch den "Alten vom Berge", dem Haupt der Assassinen, ermordet.

 1187
  oo Theodora Angelina von Byzanz
              + nach 1195 als Nonne

1187 wieder verstoßen

Tochter des kaiserlichen Generals Andronikos Dukas-Angelos, Schwester des Kaiser

 1190
  oo Isabella d'Anjou von Jerusalem, Tochter und Erbin des Königs Amalrich I.
             + 1206



Konrad nahm mit dem Vater das Kreuz, ging zuerst in byzantinische Dienste, besiegte 1186 den Gegen-Kaiser Alexios Branas und wurde Caesar, machte 1187 die Schlacht bei Hittin gegen Sultan Saladin mit und rettete Tyros vor diesem. Er wurde Fürst von Tyros und stützte sich auf König Philipp II. von Frankreich gegen seinen Schwager Guido von Lusignan. Als Kandidat der französischen Partei wurde er mit Isabella von Jerusalem, die zur Scheidung von ihrem Gemahl und zur Ehe mit ihm gezwungen wurde, vermählt. Er wurde durch einen Kompromißfrieden König von Jerusalem und nahm Beziehungen zu Saladin auf. Wegen der Plünderung eines Assassinenschiffes wurde Konrad von zwei Sektenangehörigen auf offener Straße ermordet.

Goez, Werner: Seite 331-341
************
"Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer."

Markgraf Konrad von Montferrat (+ 28.4.1192)

Ums Jahr 1146 wurde Konrad von Montferrat geboren, der zweite Sohn des Markgrafen Wilhelm des Alten, und der Judith von Österreich, einer Enkel-Tochter Kaiser HEINRICHS IV. Sowohl Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA wie König Ludwig VII. von Frankreich waren Vettern Konrads. Urkundlich ist der Markgrafensohn zuerst 1160 bezeugt, nicht etwa in Ober-Italien, sondern in Deutschland, in der Umgebung eines Mutterbruders, des namengleichen Bischofs von Passau aus dem Geschlecht der BABENBERGER, vermutlich seines Taufpaten, denn "Konrad" war bei den MONTFERRAT bislang nicht gebräuchlich gewesen. Der junge Prinz dürfte beim Oheim die Landessprache gelernt haben. Er war dafür begabt; wie später versichert wurde, beherrschte er außer dem heimischen Italienisch und dem Deutschen das Französische, Provencalische, Griechsische und zuletzt wohl auch die Grundlagen des Arabischen.
Der Vater war ehrgeizig; 1166 und 1168 verhandelte er wegen der Vermählung zweier Söhne mit Heinrich II. von England und Wilhelm von Schottland. Es scheint nichts daraus geworden zu sein; aber 1176 heitratete sein Ältester, Wilhelm V., genannt "Langschwert", Sibylle, die Tochter des Königs Amalrich von Jerusalem, drei Jahre später der Jüngste, Rainer, eine Tochter Kaiser Manuels von Byzanz, und 1204 Bonifaz, der Drittgeborene, in zweiter Ehe eine Tochter des Königs Bela von Ungarn.
Im Zusammenhang mit den Kriegen FRIEDRICHS I. gegen Alexander III. und die oberitaliensiche Städteliga begegnet seit 1171/72 der Name Konrads von Montferrat wiederholt in den Quellen. Er ist wie der Vater ein Parteigänger BARBAROSSAS und bewährt sich sowohl im Kriegsgeschäft wie in Politik und Reichsverwaltung.
Von 1176 an erscheint Konrads Name neunmal in den Zeugenreihen kaiserlicher Diplome, zunächst ohne Titel, später als Markgraf zusammen mit seinem Bruder Bonifaz, nachdem Wilhelm Langschwert in Palästina angekommen und der Vater ihm nachgereist war. 1177 ist Konrad in Venedig beim Friedensschluß zwischen Kaiser und Papst anwesend; er vertritt am 22. August seine Schwester Agnes, als sie nach dem Scheitern der Ehe mit dem toskanischen Grafen Guido Guerra von diesem eine stattliche Abfindung erhält, die vom Kaiser beurkundet wird
Bald nach 1186 reist er mit seinem Bruder Bonifaz nach Byzanz. Kaiser Isaak Angelos II. will Bonifaz sogleich seine eigen Schwester Theodora zur Frau geben; aber das erweist sich als unmöglich, weil der Markgraf bereits verheiratet ist. So wird die Prinzessin eben Konrad angetraut, der (angeblich oder wirklich) gerade Witwer ist. Er nimmt bald eine hohe Stellung bei Hofe ein, wird schließlich sogar Caesar, "der Zweite nach dem Kaiser".
Aber gerade wegen der Rolle, die Konrad beim Sieg über den Empörer Branas spielt und anschließend wohl auch auskostet, und wegen des Eifers, mit welchem er in der Öffentlichkeit die Sache der Kaisers zu fördern sucht, so daß man im Volk bald mehr von ihm als vom Herrscher selbst spricht, komt es zwischen ihm und Isaak Angelos zur Entfremdung und schließlich zu erbitterter Feindschaft. Der Markgraf muß einsehen, daß es nicht nur unsinnig wäre, sondern für ihn zunehmend immer gefährlicher wird, in Konstantinopel zu bleiben. Er rüstet ein Schiff aus, heimlich, wie die abendländischen Quellen wissen wollen, und verläßt das byzantinische Reich. Alles bleibt hinter ihm zurück: die Gemahlin Theodora, die hohe Stellung bei Hofe, Geld und ein reicher Besitz. Statt dessen segelt er faktisch mittellos in die Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land.
Die Epidemie verändert die Lage noch in anderer Hinsicht: Sie fordert das Leben von Königin Sibylle. Entsprechend dem Erbrecht der Kreuzfahrerstaaten trägt Guido die Krone von Jerusalem nur auf Grund seiner Ehe mit der älteren Tochter König Amalrichs I. Das Didem käme jetzt eigentlich dem Gatten von Isabella zu, ihrer jüngeren Schwester. Und wie von selbst wird der Gedanke laut: Wenn Konrad sich mit Isabella vermählte, würde anstelll des sieglosen Guido der siegreich Markgraf von Montferrat König von Jerusalem!
Freilich hat dieser elegante Vorschlag einen kleinen Schönheitsfehler: Beide sind seit langem verheiratet; ihre Ehen müßten erst einmal von der kirchlichen Autorität für ungültig erklärt werden. Das geschieht; bezüglich Isabellas dient als Argument dafür, daß sie zum Zeitpunkt der Hochzeit erst acht Jahre alt war und daher der notwenige eigene Konsens nicht vorlag. Zwar protestiert der anwesende Erzbischof von Canterbury in Vertretung für den erkrankten Patriarchen von Jerusalem, weil die Ehe doch schon jahrelang bestehe. Aber der Erzbischof von Pisa erklärt als päpstlicher Legat die Aufhebung der Ehe für rechtens, zumal Humfried von Toron, Isabellas bisheriger Gatte, gar nichts dagegen hat. Schwieriger verhält es sich mit Konrad, denn in Byzanz lebt ja noch seine ordnungsgemäß angetraute Gemahlin Theodora. Aber Konstantinopel ist weit entferrnt und mit den Griechen besteht nun eimal seit 1054 keine Glaubenseinheit. Der Markgraf besitzt Ehrgeiz und die nötige Skrupellosigkeit. So geht man über die beiderseitigen Ehen hinweg: Am 24. November 1190 heiratet Konrad von Montferrat in aller Form Isabella, die Erbin des Königreiches Jerusalem.

Runciman Steven: Seite 838
***************
"Geschichte der Kreuzzüge"

Konrads Tod war ein schwerer Schlag für das wiedererstehende Königreich. Hart, ehrgeizig und bedenkenlos wie er war, genoß er doch das Vertrauen und die Bewunderung des einheimischen fränkischen Adels und wäre ein starker und verschlagener König gewesen. Und doch brachte sein Verschwinden einen entschädigenden Ausgleich.

Mayer Hans Eberhard: Seite 69,125,130-135,169,205,218,220,242
******************
"Geschichte der Kreuzzüge"

Nach der Niederlage bei Hattin (1187) krallten sich die Christen in 3 Küstenstädten fest, die Saladin nicht bezwingen konnte. Tripolis und Antiochia wurden gerettet durch das rechtzeitige Eintreffen einer sizilianischen Hilfsflotte, Tyrus hielt einer zweimonatigen Belagerung Saladins stand. Die Stadt war unter dem Kommando des kurz nach der Katastrophe eingetroffenen Markgrafen Konrad von Montferrat, dessen unbeugsame Energie bei der Verteidigung zu einem im Abendland weithin gerühmten, leuchtenden Beispiel wurde. Konrad, der Mann der Stunde, sah sofort, dass sich ihm hier die Chance seines Lebens bot. Als er vor Tyrus einen glänzenden Seesieg gegen die Ägypter erfochten hatte, erzwangen Saladins Emire am 1. Januar 1188 die Aufhebung der Belagerung.
Als König Guido von Lusignan aus der Gefangenschaft entlassen wurde und mit einer Handvoll Ritter nach Tyrus marschierte, dachte Konrad nicht daran, aus der von ihm verteidigten Stadt, die Kronbesitz war, zu weichen, da er Guido nicht mehr als König anerkannte. Der nun ausbrechende Machtkampf zwischen Guido und Konrad sah bis 1190 eine beispiellose Verschleuderung des ohnehin dezimierten Krongutes, von der vor allem die italienischen und französischen Seestädte profitierten. Konrad von Montferrat hatte seine Unterstützung Guidos bei der Belagerung Akkons mittlerweile eingestellt. Im Herbst warenKönigin Sibylle und ihre beiden Töchter gestorben, und Konrad strebte nunmehr selbst nach der Krone. Guido hatte nur als Gemahl Sibylles regiert. Da Nachkommen nicht vorhanden waren, fiel die Erbfolge an Isabella, die jüngere Tochter König Amalrichs, die mit Humfred IV. von Toron verheiratet war. Konrad ließ durchsickern, dass Isabella geheiratet habe, ehe sie das vorgeschriebene Alter erreicht hatte. Geschickt verknüpfte er dieses juristische, wahrscheinlich unzutreffende Argument mit der politischen Opposition der Barone gegen den jungen Humfred, der 1186 sich sofort Guido angeschlossen hatte. In einer Justizkomödie wurde Isabella von Humfred geschieden und anschließend mit Konrad getraut (24. November 1190), obwohl dieser bereits verheiratet war. Der Erzbischof von Canterbury starb aus Gram über die von ihm bekämpfte Heirat, aber die Kurie fand sich, wenn auch zögernd, mit der Biganie ab. Der Winter 1190/91 brachte den Belagerern eine große Hungersnot, für die man im Feldlager den Markgrafen von Montferrat verantwortlich machte, der sich nach Tyrus zurückgezogen hatte. Nach der Ankunft des englischen und französischen Kreuzzugsheeres wurde Konrad von Philipp II. August und dem Herzog von Österreich als neuer Führer der Deutschen gestützt. Nach der Eroberung Akkons durch die Kreuzfahrer wurde die Regierung des Landes nun als Kompromiß geregelt: Guido wurde als König bestätigt, Konrad sollte sein Erbe sein. Der Kompromiß hatte sich nicht bewährt und auf Drängen der Barone ließ Richard I. von England vor seiner Abreise Guido fallen und der energische Konrad von Montferrat wurde zum König gewählt, wie es auch dem geltenden Geblütsrecht entsprach.
Als am Abend des 28. April 1192 seine Frau Isabella zu lange im Bade blieb und daher das Essen nicht beginnen konnte (so will es der Chronist Ernoul), begab sich Konrad zum Bischof von Beauvais, um dort zu speisen. Da dessen Mahl aber schon vorbei war, lief er langsam wieder seinem tyrischem Palast zu. Als er um die Ecke bog, wurde er von zwei Assassinen erstochen. Die öffentliche Meinung beschuldigte Richard der Anstiftung. Der wahre Verantwortliche ist nicht zu erkennen. Nach wenigen Tagen heiratete Konrads Witwe den Grafen Heinrich von der Champagne.

Cardini Franco: Seite 246
************
"Friedrich I. Barbarossa"

In jener finsteren Stunde scheint nur ein Krieger, ein Abenteurer, der aus dem nebligen N-Italien ausgezogen war, um das sagenumsponnene Vorderasien zu erobern, noch des Namens des christlichen Rittertums würdig zu sein: Konrad von Montferrat, Mitglied eines Hauses, das, so scheint es, in der Tat den Weg des Abenteurers gewählt hat.
Wenige Tage später, Mitte Juli 1187, traf im Hafen von Tyrus, der einzigen großen Küstenstadt des Königreiches, die noch in den Händen der Kreuzritter war, der zweite geborene Sohn des alten Markgrafen ein: Konrad.
Der um 1140 geborene Konrad war damals im Vollbesitz seiner Kräfte. Zwischen 1177 und 1179 hatte er, wie wir bereits wissen, sein Glück in Mittelitalien versucht, wo er auch gegen Christian von Mainz gekämpft hatte. 1183 starb sein Bruder Rainer, der sich in Konstantinopel mit derbyzantinischen Prinzessin Maria vermählt hatte, unter mysteriösen Umständen; und zwei Jahre später - nachdem ein normannischer Angriffsversuch auf Byzanz fehlgeschlagen war - brach Konrad seinerseits in das Neue Rom am Bosporus auf, wo der Basileus Isaak Angelos ihm seine Schwester Theodora zur Frau bestimmt hatte. In Konstantinopel hatte er sich heldenhaft gebärdet, indem er unter anderem den Thron des Schwagers vor einer Revolte rettete; dieser aber hatte ihm das - da er nur zu gut wußte, wie ungern die Lateiner in seiner Hauptstadt gesehen waren, und vielleicht auch weil er Verdacht gegen ihn geschöpft hatte und eifersüchtig war - sehr unfreundlich vergolten, indem er sich darauf beschränkte, ihm den Ehrentitel Kaisar (Caesar) zu verleihen. Da hatte Konrad, der vielleicht um sein Leben fürchtete, von seinen Schuhen eines rauhen abendländischen Kriegers den Goldstaub Konstantinopels geschüttelt und sich auf einem genuesischen oder pisanischen Schiff ins Heilige Land begeben. Dort mußte er erfahren, dass sich sein Vater in Gefangenschaft befand und die gesamte Situation verzweifelt war; und von Tyrus aus hatte er den energischen Gegenschlag geführt. Nach seinen Herrschaftshandlungen zu urteilen, würde man sagen, dass er sich bereits als Nachfolger seines Schwagers Balduin IV. und jenes Balduin V., dessen Onkel er war, betrachtet hat. Dieser piemontesische Edelmann, der bereits byzantinischer Caesar war, wollte also König von Jerusalem werden (und das sollte ihn für kurze Zeit, 1191 bis 1192, auch gelingen). Saladin belagerte wiederholt Tyrus, aber Konrad vermochte ihm mit der Tatkraft und Genialität des mutigen Ritters und des großen Strategen, der in Italien und in Konstantinopel solide Erfahrung gesammelt hatte, standzuhalten; Konrad scheint auch Kriegslisten angewandt zu haben, die er dem von Cornelius Nepos und von Frontius erzählten Leben des Themistokles entnommen hatte. Es heißt sogar, Saladin habe mit ihm zu verhandeln versucht und ihm im Tausch für Tyrus das Leben und die Freiheit seines alten Vaters angeboten. Aber Konrad habe verächtlich geantwortet, dass er für den Vater niemals auch nur das unbedeutendste Steinchen von Tyrus preisgeben würde, ja, dass es ihn auch nicht beeindrucken würde, wenn sich der Greis unter der Mauer einfände, denn er habe lange genug gelebt. Der Kurdenführer seinerseits war zu großherzig und klug, um sich mit einem nutzlosen Verbrechen zu beflecken: Allem Anschein nach hat er den alten Markgrafen freigelassen, der 1188 friedlich in Italien starb.
An Konrad war es auch, die psychologische Propaganda für den neuen Kreuzzug zu organisieren. Er ließ ein Tafelbild malen, auf dem ein grimmiger sarazenischer Krieger dargestellt war, der sich auf das Grab Christi stürzte, während sein Pferd das ehrwürdige Heiligtum entweihte, indem es sich darüber entleerte. Erzbischof Josse von Tyrus wurde beauftragt, mit dem Bild durch Europa zu reisen, um in den Herzen Erschütterung und Entrüstung zu erregen. Außerdem schrieb Konrad an die Genuesen, an die Pisaner, an den Kaiser, an den König von England und an den König von Ungarn. Und tatsächlich erleben wir bereits in den ersten Februartagen 1188 in den Städten Italiens die Vorbereitungen für den Aufbruch der Kreuzzugskontingente.

Csendes, Peter: Seite 120,121,122
*************
"Heinrich VI."

Während der Zeit seiner Gefangenschaft erwuchs Guido im Kreis der Kreuzritter in Konrad von Montferrat, der Tyrus und einige andere Stützpunkte nahe der Küste retten konnte, ein Konkurrent um die Königskrone. Richard stellte sich in diesem zwist sofort voll auf die Seite der LUSIGNANS, die alte Lehensleute der PLANTAGENETS waren. Guido vermochte dabei allerdings zusätzlich darauf bauen, daß Konrad unterdessen die Unterstützung König Philipps gefunden hatte.
Die zurückbleibenden Kreuzfahrer konnten sich jedoch Guido nicht mehr als militärischen Anführer vorstellen. So wurde Konrad von Montferrat zum König gewählt. Doch noch ehe er gekrönt war, fiel er am 28. April 1192 einem Mordanschlag zum Opfer. Der Auftrag dazu ging von dem legendenumwobenen Alten vom Berg aus, dem Führer der syrischen Assassinensekte. Es verbreitete sich aber schnell das Gerücht, Richard hätte hinter dem Anschlag gestenden.
 
 
 
 

  1. oo N.N. (Italienerin)
                  -

    1187
  2. oo Theodora Angelina von Byzanz, Tochter des Andronikos Dukas-Angelos
                  - nach 1195                         Schwester des Kaisers Isaak II.

  24.9.1190
  3. oo 2. Isabella I. Königin von Jerusalem
               1171-   1205
 
 
 
 

Kinder:
3. Ehe
  Maria I. la Marquise
  nach 15.6.1191-   1212

14.9.1210
   oo Johann Graf von Brienne
        um 1150-21.3.1237
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 73-75,78,81 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 19 Seite 39 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 224,226,246,255 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 120,121,122,123,126 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 132 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt 1998, Seite 331-341 - Großer Bildatlas der Kreuzzüge. Sechs Jahrhunderte abendländischer Kultur- und Glaubensgeschichte. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 62 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 163,178,180,187,193,200 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 185,367 A 80 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 300,304,307,309 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 485 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 69,125,130-135,149,205,218,220.242 - Payne Robert: Die Kreuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 221,269 - Pohl, Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 189,197, 204,207,209 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 744-839 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 459 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 172 - Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 109,252,253,254,256,258,267, 337 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 118,125,228 -