Isabella von Angouleme               Königin von England
-----------------------------              Gräfin von La Marche und Angouleme
1186- 6.1246
 

Erb-Tochter des Grafen Aymar III. Taillefer von Angouleme und der Alix de Courtenay, Tochter von Graf Peter I.; Cousine von König Philipp II. August von Frankreich
 

Thiele, Andreas: Tafel 201
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN "ohne Land"
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* 1167, + 1216

1189
  oo Isabella Fitzrobert von Gloucester, Tochter und Erbin des Grafen Wilhelm I.
- 1199    +                             Cousine, Urenkelin König Heinrichs I. von England

 1200
  oo Isabella d'Angouleme, Tochter und Erbin des Grafen Aymar III. Taillefer
            + 1246
Nichte des Königs Philipp II. von Frankreich
Ihre 2. Ehe: oo Hugo X. der Braune de Lusignan-Marche



Isabella von Angouleme verlobte sich im Jahre 1200 mit dem Grafen von Marche, Hugo X. dem Braunen von Lusignan. Da die Grafschaft sehr günstig zwischen der Touraine und der Guyenne lag, beabsichtigte der englische König Johann Ohneland, seinen Besitz zu erweitern, indem er die Erbin Isabella heiratete. Er verstieß zunächst seine Gemahlin Isabella von Gloucester unter dem Vorwand, dass sie ihm keinen Erben geboren habe, und führte alsdann einen Bruch zwischen Isabella und ihrem Verlobten herbei. Isabella gebar dem König Johann mehrere Kinder und ging nach dessen Tode in ihre Heimat zurück und heiratete ihren früheren Verlobten Hugo von Lusignan.

Pernoud Regine: Seite 287
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"Königin der Troubadoure"

Aber es erscheinen noch zwei Frauen auf dem Plan. Zunächst die kastilische Blanca und zum anderen Isabella von Angouleme, deren Auftritt in der Geschichte eine Flut von Ereignissen zur Folge hat und letzten Endes zum Zerfall des Reiches der PLANTAGENET führen sollte.
Isabella war ursprünglich mit jenem Hugues le Brun, dem Herrn von Lusignan, verlobt, der sich seinerseits von Eleonore bei ihrer Durchreise die Grafschaft March zu Lehen  geben ließ. Jetzt hatte dieser etwa 40-jährige Mann durch seine junge, erst 14-jährige Verlobte berechtigte Aussichten, auch die Grafschaft Angouleme zu erben. Das Glück schien ihm hold.
Aber nun hat er den unglücklichen Einfall, seinen obersten Lehnsherrn, den König von England, zu seiner Verlobung einzuladen. Johann ohne Land steckt gerade zu dieser Zeit selbst in Eheschwierigkeiten. Er hat beschlossen, seine Ehe mit Havise von Gloucester, die ihm keine Kinder geschenkt hat, aufzulösen, und hat eine Gesandtschaft zu König Sancho von Portugal geschickt, die ihn um die Hand einer seiner Töchter bitten soll. Bei den Festlichkeiten in Lusignan wird ihm Isabella von Angouleme vorgestellt. Zwei Monate später, am 23. August 1200, erfährt die Welt zu ihrem Erstaunen, dass Hugues le Brun von Johann in diplomatischer Mission nach England geschickt wurde und der König, mit Billigung des Grafen Aymar von Angouleme, dessen jungen Tochter Isabella geheiratet hat.
Man kann sich vorstellen, wie der poitevinische Adel, der so sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht war und bei jeder passenden Gelegenheit damit auftrumpfte, auf diesen Streich reagiert haben mag. Die Angelegenheit hatte unabsehbare historische Folgen; denn Isabella ist eine jener starken weiblichen Persönlichkeiten, deren es in der Feudalzeit viele gibt und die einen großen Einfluß auf das politische Geschehen haben.
Diese Heirat, die trotz der Zustimmung des Vaters einer Entführung gleichkommt, ist der erste Auftakt für das Auseinanderfallen des Reiches. Er löst die persönliche Bindung, auf der die Treue des Vasallen beruht. Die Barone, die bisher noch unentschlossen waren, stehen nun dem König von England feindlich gegenüber.
Johann krönte am 8. Oktober 1200 seine junge Gemahlin in Westminster. Der König von Frankreich hatte offenbar die Entführung der Isabella von Angouleme gebilligt, denn noch im Laufe des Sommers 1201 empfing er das englische Königspaar auf der Ile-de-la-Cite in Paris sehr viel herzlicher, als man es hätte hoffen dürfen.

Pernoud Regine: Seite 28,91,111,138,218-226
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"Herrscherin in bewegter Zeit"

So kam es, dass Blanca im Juni 1201 in Paris Isabella kennenlernte, jene recht eigenwillige junge Prinzessin, die gern die halbe Nacht tanzte und den "Morgenschlaf bis in die Mittagsstunden zu verlängern pflegte", wie uns ein zeitgenössischer Chronist empört berichtet. Sie scheint eine starke Persönlichkeit gewesen zu sein, diese Isabella von Angouleme.
Fünf Tage später geschah etwas Unerwartetes: Am 19. Oktober starb Johann in der Abtei Swineshead an einem verdorbenen Erbsengericht, wie die einen behaupten, anderen zufolge an einem Anfall von Ruhr, verursacht durch übermäßigen Genuß von Apfelwein. Isabella war zu diesem Zeitpunkt schwanger und sollte bald eine Tochter zur Welt bringen.
Einige Monate vor der Krönung ihres Sohnes war Isabella von Angouleme von den englischen Baronen höflich, aber sehr bestimmt gebeten worden, England zu verlassen. Sie hatte nicht darauf gedrungen zu bleiben, denn sie wußte um ihre Unbeliebtheit: Man nannte sie, auf ihren Vornamen anspielend, "Königin Jesebel". Sie kehrte also aufs Festland zurück.
"Die Königin begab sich ins Poitou und kam nach Angouleme, ihre Heimatstadt, die ihr Erbe war, und nahm die Ehrerbietung des Landes entgegen und war von da an Herrin des Angoumois; sie verheiratete ihre Tochter mit dem Herzog von Lusignan, Sohn Hugos des Braunen, Graf von Marche, damit er sie unterstütze; dann löste sie diese Ehe und nahm ihn selbst zum Gemahl, worüber viel geredet wurde." Und es gab auch einen Grund dafür, dass geredet wurde. Weniger vermutlich wegen der Ungeniertheit, mit der Isabella plötzlich den Mann für sich beanspruchte, den sie zuerst für ihre Tochter bestimmt hatte, als wegen der Tatsache, dass sie 20 Jahre zuvor mit ihm verlobt gewesen war und ihn von einer Stunde zur anderen verlassen hatte, um Johann Ohneland zu heiraten. Isabella war nämlich noch recht jung. Bei Johanns Tod war sie noch keine 30 Jahre alt. Doch war überraschenderweise Hugo von Lusignan bereit, die Kränkung zu vergessen, die sie ihm einst zugeführt hatte. Die weitere Geschichte würde es zeigen: Hugo von Lusignan stand voll und ganz in Isabellas Bann, und die poitevinischen Barone sollten spüren, dass ihre Herrin eine Königin war.
Blanca von Frankreich ist auf der Hut: Die bei der Krönung leer gebliebenen Plätze sind die der rebellischen Barone. Hugo von Lusignan sieht nichts, hört nichts, tut nichts, was seine Gemahlin Isabella von Angouleme nicht will; diese vergißt nicht, dass sie einst Königin von England gewesen ist, und macht, was ihr gefällt.
Die Zurschaustellung von Prunk und Macht hat den Grafen von Marche offenbar beeindruckt; nach einigen Zögern legt er schließlich im darauffolgenden Juli vor Alfons von Poitiers in Anwesenheit Ludwigs IX. den ligischen Lehnseid ab und lädt beide in seine Burg Lusignan ein. Die Unterwerfung behagte Isabella gar nicht. Kaum waren Ludwig und Alfons davongezogen, als sie wütend auf Lusignan erschien und aus den Zimmern, in denen die beiden geschlafen hatten, alle Gegenstände entfernen ließ. Ohne weiter Notiz von ihrem sprachlosen Gemahl zu nehmen, befahl sie dem Fuhrmann abzufahren und begab sich nach Angouleme, wo sie sich in der Burg einschloß. Hugo benötigte zwei Tage, bis er wieder klar denken konnte, dann begab er sich nach Angouleme; doch als er in der Stadt ankam, verwehrte man ihm den Zugang zur Burg. Nach einer eindrucksvollem Szene, die auch KöniginBlanca übermittelt wurde, verzieh Isabella ihrem Gemahl. Die Königin wußte nun, dass Hugo von Marche seinen Eid brechen und Isabella nicht eher ruhen würde, bis sie dieses Poitou zurückgewonnen hatte, dessen Lehnsoberherrin sie als Königin von England einst gewesen war. Um sie zufriedenzustellen, sollte Hugo zum Verschwörer werden.
Alfons von Potiers hielt an Weihnachten zum ersten Mal Hof; Hugo und Isabella fanden sich ein, aber statt ihm zu huldigen, forderten sie ihren jungen Oberlehnsherrn regelrecht heraus. Isabella zog mit scharfen Worten ihre Huldigung zurück und stellte Alfons als Usurpator hin. Dann verließen der Graf von Marche und seine Gemahlin überstürzt die Stadt.
Heinrich III. landete am 20. Mai 1242 in Royan, das zu seinen Besitzungen in der Guyenne gehörte und wurde am Ufer von seiner Mutter erwartet. Kein Zweifel: Zu den Forderungen der Vasallin gesellte sich eine Rivalität zwischen Frauen; es ist "Blanca von Spanien", gegen die Isabella kämpfen will.
Am Tage nach der Schlacht trat Heinrich III. den Rückzug in Richtung Pons an. Hugo von Marche indes sandte dem König von Frankreich seinen Sohn als Geisel, dann begab er sich am 26. Juni mit seiner Gemahlin und seinen Kindern zu ihm: "Sie dankten ihm laut unter Seufzen und Tränen und sagten zu ihm: 'Sehr lieber, nachsichtiger König, vergib und hab Erbarmen mit uns, denn wir haben schlimm und aus Stolz gegen Euch gehandelt. Majestät, bei Eurer Großmutter und Barmherzigkeit, verzeiht uns unser übles Tun.' Als der König sah, dass der Graf von Marche ihm so demütig dankte, erfüllte ihn Mitleid; er hieß den Grafen aufstehen und verzieh ihm alles, was er ihm Böses angetan hatte."
Isabella war für ihren Jähzorn und ihre Eigenwilligkeit genauso bekannt wie ihr Gemahl für seine Laschheit. Beide sollten übrigens ein erbauliches Ende haben. In dem Jahr nach der Schlacht von Taillebourg teilten sie ihren Besitz unter ihren Kindern auf; danach trat Isabella in Fontrevault ein. Matthieu Paris gibt freilich eine recht nüchterne Begründung dafür, dass sich diese leidenschaftliche, aufbrausende Frau in ein Nonnenkloster zurückzog. Er erzählt, dass Hugo von Marche sich ihretwegen mit einem Ritter duellierte, der ihn herausforderte, indem er ihm seinen Handschuh reichte - "nach Art der Franzosen", sagt er. Da wurde sich Isabella "des vielen Argen bewußt und floh in die Frauenabtei, genannt Fontevrault, und daselbst in eine sehr abgelegene Zelle, versteckte sich dort im Gewand einer Nonne, da sie sich nicht sicher glaubte". 1246 endete dort ihr bewegtes Leben, und man kann noch heute in der Abtei ihre Liegefigur sehen, eine schöne Holzskulptur nicht weit entfernt vom herrlichen Grabmal der Eleonore von Aquitanien.
Ihr Gemahl Hugo von Marche brach nach ihrem Tode zu einem Kreuzzug auf und starb als Held vor Damiette.
 
 
 
 

24.8.1200
  1. oo 2. Johann Ohneland König von England
              24.12.1167-19.10.1216

    1220
  2. oo Hugo X. von Lusignan Graf von La Marche
            um 1180/85-   1249
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Heinrich III.
  1.10.1207-16.11.1272

  RICHARD Graf von Cornwallis
  5.1.1209-2.4.1272

  Johanna
  um 1208-4.3.1238

19.6.1221
   oo Alexander II. König von Schottland
       24.8.1198-8.7.1249

  Isabella
  1214-1.12.1241

15.7.1235
   oo FRIEDRICH II. ROGER König des Deutschen Reiches
        26.12.1194-13.12.1250

  Eleonore
  1215-   1275

    1224
  1. oo 2. Wilhelm II. Marshall Graf von Pembroke
                       -   1231

   7.1.1238
  2. oo Simon II. de Montfort Graf von Leicester
           um 1208-4.8.1265

2. Ehe 12 Kinder

  Hugo XI. der Braune
  1220-   1250

  Agnes
          - nach 1269

  oo Wilhelm II. von Chauvigny, Sire von Chateauroux
              -   1271

  Alix
        -

 1247
  oo Johann von Varennes Graf von Surrey
              -   1304

  Geoffroy de Lusignan
  um 1225- um 1273

Geoffroy wurde Seigneur von Jarnac, Chateau-Larcher und Brulain. Mit seinem Sohn Geoffroy II. (+ 1305) starb die Linie aus.

 1259
  oo Johanna von Chatellerault, Erb-Tochter des Vicomte Aimery II.; Dame von Lillebonne
                -   1315

  Isabella von Beauvoir-sur-Mer
  um 1225-   1300

  1. oo Maurice IV. Sire von Craon
                   -   1250

  2. oo Geoffroy VI. von Rancon
                  -   1263

  Margarete
  um 1225-   1288

    1241
  1. oo 2. Raimund VII. Graf von Toulouse
 - 1245    7.1197-27.9.1249

  2. oo Aimery IX. Vicomte von Thouars
                     -   1256

  3. oo Geoffroy V. Sire von Chateaubriand
                  - nach 1278

  Wilhelm von Valence   siehe bei PREMBROKE
           -   1296

  Ademar Bischof von Winchester (1249-1260)
          -   1260
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 138,146 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 162,179 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 129 - Pernoud Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. Diederichs Verlag München 1991 Seite 287 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite Seite 28,91,111,138,218-226 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 201 -